begonnene Schwurgerichtsperiode sind als Geschworene aus unserm Kreise folgende Herren berufen worden: Fabrikant Jakob S e e l i g - Hersfeld, Kaufmann Julius Ke h r-Hersfeld und Oekonom Ludwig Licht- Oberlengsfeld.
(§) Hersfeld, 14. Juni. Ein hiesiger Drechslergeselle unternahm heute Morgen gegen 6 Uhr einen Selbstmordversuch, indem er mittels eines Revolvers 3 Schüsse auf sich abgab. Der Unglückliche brächte sich so schwere Verletzungen am Kopfe bei, daß er ins hiesige Landkrankenhaus gebracht werden.mußte. An seinem Aufkommen wird gezweifelt.
^ Niederaula, 13. Juni. An Stelle des Herrn Dr. Schuh wann, welcher seit dem Jahre 1886 hier praktizierte und in Kürze nach H e r s f e l d übersiedeln wird, hat sich Herr Dr. K u h l e m a n n aus H i l d e s - heim als Arzt hier niedergelassen.
Cassel, 11. Juni. (.Strafkammer.) Der bereits wegen Eigenthumsvergehens vorbestrafte Taglöhner Heinrich Adam B. aus Wippershain entwendete am Abend des 22. März d. Js. aus dem Clausius'schen Wohnhause zu Wippershain ein dem Schreiner R. II gehöriges Brett im Werthe von 1,20 Mark, mit welchem Angeklagter seine Bettstelle repariren wollte. R. wurde jedoch den Diebstahl gewahr und nahm sein Eigenthum wieder an sich. Unter Berücksichtigung des geringen Werthes des gestohlenen Objectes blieb dem Angeklagten das Zuchthaus noch einmal erspart und lautete das Urtheil auf 6 Monate Gefängniß.
Cassel, 12. Juni. Das IV. H e s s i s ch e Bundessängerfest, welches bekanntlich Ende dieses Monats in unserer Stadt abgehalten wird, rückt nun immer näher. Die in der letzten Zeit wöchentlich einmal abgehaltenen Gesammt-Uebungen aller hiesigen Gesang-Vereine waren gut besucht; es sollen indeß von jetzt ab wöchentlich zwei Uebungen stattfinden, die nächste am Montag Abend. Wir können gewiß einer hochinteressanten Festaufführung, in welcher ein gut geschulter Münnerchor, in der Stärke, wie wir sie in Cassel noch nicht gesehen, vertreten sein wird, entgegensehen. (T.)
Cassel, 11. Juni. Die zweite diesjährige Schwurgerichtsperiode nimmt am Montag ihren Anfang. Es kommen folgende Strafsachen zur Verhandlung: 1. am Montag den 14. und Dienstag den 15. d. M. gegen die Arbeiter Giarani und Antonis Salvatori aus Treviso in Norditalien wegen Todtschlags; 2. am Mittwoch den 16. d. M. gegen den Schneider Joh Heinrich Horn aus Frielingen wegen Verbrechen gegen § 268, Abs. 2 St -G.-B.; 3. am Donnerstag den 17. d. M. gegen a. die Ehefrau des Schriftsetzers Nikolaus Osterberg, Catharina, geb. Fach, b. die Ehefrau des Schloffers Conrad Fach, Martha, geb. Wagner, beide von hier, wegen Raubes und Körperverletzung; 4. am Freitag den 18. d. M. gegen den Schreiner Jacob Horchler aus Neumorschen wegen Brandstiftung.
Fulda, 11. Juni. Vorgestern befanden sich die Pächter der Gemeindejagd von Müs, Ferdinand Brähler und Thaddäus Drusches von Großenlüver, auf der Jagd. Letzterer saß auf dem Anstand. Ersterer lief auf der Pürsche. Als dieser unbewußt in die Nähe des Drusche! gekommen war, konnte dieser in der Dämmerung und vor hohen Buschstauden nicht unterscheiden, was es war, und in der Annahme, es sei ein Rehbock, schoß er und traf seinen College» in das eine Knie, in Folge dessen derselbe ganz bedeutend verletzt wurde und den Arzt zu Rathe ziehen mußte, welcher bereits mehr als 50 Schrotkörner (Rehpsosten) aus der Wunde entfernt hat. Das Bei» wird amputirt werden müssen.
Orb, 8. Juni. Bei dem am ersten Feiertag über unsere Gegend niedergegangenen Gewitter, welches mit heftigem Regen begleitet war, schlug der Blitz in eine in der Gemarkung Aura weidende Schafheerde und tödtete zehn Stück. Eine größere Anzahl wurde noch betäubt, welche sich alsbald wieder erholte.
Wiesöa-e», 11. Juui. Der Chemiker Geheimer Hosrath Prof. F r e s e n i u s ist in der vergangenen Nacht an einem Schlagansall gestorben.
Vier Fliegen mit einer Klappe.
Von Georg v. Rohrscheidt.
(Schluß.)
„So, so, na ja richtig, das können Sie nicht wissen. Die Sache ist nämlich folgendermaßen: „Fräulein Mahlmann, was die jüngste Tochter vom Herrn Mahlmann, dem Apotheker, ist, war mit ihrem kleinen Neffen Severin, was der Sohn vom Herrn Zahlmeister Bornekehl und der andern Tochter des Herrn Mahlmann, des Zahlmeisters Frau ist, gerade auf der Schiffbrücke. Der kleine, sechsjährige Bursche war während des Wartens auf den Schiffdurchlaß mit dem halben Leib übers Geländer geklettert, von Fräulein Mahlmann, seiner Tante, einen Augenblick außer Acht gelassen, weil sie von einer bekannten Dame angesprochen wurde. Da kam der Stoß bei der Einfahrt, und das andere haben Sie ja selber „ausgebadet", Herr Wachtmeister!"
„Schön, schön," murmelte der Herr Vize und war im Augenblick drauf wieder eingeschlafen.
„Ausgezeichneter Patient," dachte Müller, „den bringen wir bald auf die Beine!"
Ungefähr acht Tage später, Heisterbach schmauchte gerade eine der von seinem Rittmeister mitgebrachten, vom yirgte bewilligten leichten, feinen Cigarren, erschien der bereits angekündigte Besuch in Stärke von fünf Köpfen, denn Severinchen durste sich der Dankadresse als völlig genesen bereits anschließen, dieweil er eigentlich gar nicht
krank gewesen war und nur zur Vorsicht tüchtig schwitzen mußte. Bei dieser rührenden, für den edlen Retter etwas mit Verlegenheit gemischten Gelegenheit konnte derselbe nicht umhin, zu bemerken, daß Fräulein Settchen ein bildhübsches Mädel war, der die heißen Thränen der Reue und Dankbarkeit gar nicht schlecht zu Gesicht standen.
Von da an erschienen fast täglich Besuche eines oder des andern der bewußten Familienmitglieder, und zu Heisterbachs stillem Vergnügen unterließ Settchen eigentlich niemals, sich den Betreffenden anzuschließen. Kam sie einmal nicht, so schrieb sie ein paar artige Entschuldigungszeilen, welche offen erkennen ließen, daß sie ihre „Pflicht" sehr ungern und nur durch die triftigsten Gründe veranlaßt, verabsäumte. Aber auf einmal blieben ihre Besuche zu Heisterbachs ehrlichem Kummer aus. „Herr Zahlmeister," sagte nach voller achttägiger Pause der nun bald Genesene eines Tages, „habe ich vielleicht Ihre Fräulein Schwägerin irgendwie beleidigt?"
„Wieso?" fragte mit leisem Lächeln Bornekehl.
„Fräulein Mahlmann ist so lange nicht hier gewesen!"
„Hm, ja — wissen Sie, lieber Freund, junge Damen sind unberechenbar. Sie müssen meine Schwägerin mal selbst darnach fragen, wenn Sie gesund sind; ich wollte sie heute abholen, bekam aber einen Korb!"
„Was sagte denn das Fräulein?"
„Eigentlich gar nichts, aber--"
„Aber?"
„Sie wurde feuerroth!"
Eine ähnliche Farbe nahm jetzt auch des Herrn Vize etwas stubenblaffes, schnurrbärtiges Antlitz an, und er hustete verlegen. Vierzehn Tage später heftete der Regimentskommandeur vor versammeltem Kriegsvolk dem ganz überraschend zum wirklichen Wachtmeister für die inzwischen in Civilstellung getretene Mutter der dritten Eskadron beförderten Schwimmer die wohlverdiente Ret« tungsmedaille zu den übrigen Ehrenzeichen auf die Brust. Schnurstracks und noch im vollen Wichs begab sich der Glückliche in das stattliche Mahlmannsche Haus, um der dringenden Aufforderung der dankbaren Großeltern des kleinen Severin entsprechend, seinen ersten Besuch abzu- statten. Heisterbach blieb sehr lange dort, und es mußten sonderbare Dinge vorgefallen sein, denn auch der Herr Zahlmeister nebst Familie wurde schleunigst vom Schwiegervater vermittelst Laufburschen herbeigerufen. Vorüberwandelnde wollen Gläserklingen und Hochrufe gehört haben, und die sämtliche» Fenster des ersten Stocks waren bis Mitternacht erleuchtet. Das endliche Abschiednehmen an der Hausthür war schier ein unendliches zu nennen, „man wählte einen Bürgermeister," wie man so zu sagen pflegt.--
„Bravo, Wachtmeister Heisterbach," sagte' vergnügt der Rittmeister am nächsten Morgen, „das haben Sie gut gemacht, und ich wünsche Ihnen , und Ihrer reizenden Braut von Herzen Glück und Segen. Haben's redlich verdient, alter, tapferer Reitersmann, und der Sprung ins Kühle hat sich prächtig belohnt: Rettungsmedaille, Wachtmeister, wieder kerngesund und ein holdes Frauen- herz erobert —" •
„Zu Befehl, Herr Rittmeister, vier Fliegen mit einer Klappe!"
$ t r wi f di 11 §.
— Berlin, 12. Juni. Der bekannte Luftschiffer Dr. Wölfert, ist heute Abend bei einer Probefahrt auf dem Tempelhofer Felde mit seinem Assistenten Knabe verunglückt. Wölfert befaßte sich seit Jahren mit der Erfindung eines lenkbaren Luftschiffs. Sein Ballon, mit dem er kurz nach 7 Uhr Abends vom Terrain der Luftschiffer - Abtheilung aufstieg, war mit Wasserstoffgas gefüllt. Der Ballon hatte sich kaum etwa 600 Meter erhoben, als er plötzlich stillstand und etwa zwei Minuten so blieb. Alsdann schlug eine Feuersäule aus der oberen Seite des Luftschiffs, das im Nu in Flammen aufging und in Gestalt eines langen Feuerstreifens rapid niederfiel. Man löschte die Ueberreste des Ballons und fand daneben die gräßlich verkohlten Leichen der beiden Verunglückten. Vor dem Aufstieg soll Wölfert die charakteristische Aeußerung gethan haben: „Entweder glückt die Fahrt, oder ich bin eine Leiche."
— Der Reichstags-Abgeordnete Ahlwardt wird, wie gemeldet wird, in allernächster Zeit in Berlin — ein Cigarrengeschäft aufmachen.
— Berlin, 12. Juni. Einen schweren Sturz mit dem Pferde erlitt bei der heutigen Besichtigung des Garde-Kürassier-Regiments durch den Kaiser auf den, Tempelhofer Felde der Secondelieutenant Baron von Hardenbroek-Bergambacht. Den Beschluß der Besichtigung bildete eine Attacke des ganzen Regiments, die von der Schwadron des verunglückte» Offiziers eröffnet wurde. Dicht vor bem Uebergang der Verbindungsbahn stürzte das Pferd des Lieutenants, seinen Reiter unter sich begrabend. Von den nachfolgenden Kürafsieren stürmten viele über den Reiter hinweg, da eine dichte Staubwolke Alles einhüllte. So wurde der Unfall erst nach Beendigung der Attacke bemerkt. In einer Droschke wurde der verunglückte Offizier, der sich bei vollem Bewußtsein befand, nach seiner Wohnung gebracht, wo ein Bruch des linken Schlüsselbeins und schwere innere Verletzungen festgestellt wurden. Freiherr von Hardenbroek gehört dem Regiment seit November vorigen Jahre« an.
— Der L e i t h i r s ch im Werthernschen Wildpark in G r o ß n e „ h a u s e n bei Cölleda ist vom Blitz erschlagen worden. Es war ein in der ganzen Gegend bekanntes schönes Thier mit stattlichem Geweih, indeß
sehr gefürchtet, weil es Fremde, die in seine Nähe kamen, wüthend anzufallen pflegte. So hatte vor einigen Jahren ein junger Mann seinen Gehstock in das Gatter fallen lassen, und um diesen zurückzuholen, überstieg er den Wildzaun. Kaum hatte der Hirsch den Eindringling bemerkt, als er angerast kam, den Wehrlosen zu Boden stieß und ihn mit den Läufen unbarmherzig bearbeitete. Zum Glück war das Thier um diese Zeit ohne Geweih. Der Hirsch mußte aber erst durch mehrere mit Knüppeln bewaffnete Leute von seinem Opfer vertrieben werden. In einem anderen Falle, wo das Thier ausgebrochen war, konnte sich die verfolgte Person auf einen Baum flüchten, und ein drittes Mal lief das Thier auf der Flucht in ein Haus und, da die Stubenthür offen stand, überraschte es ein betagtes Ehepaar beim Morgenkaffee.
— R h e i n f e l d e n, 12. Juni. Die gedeckte hölzerne Rheinbrücke auf badischer Seite steht in Hellen Flammen und ist wahrscheinlich verloren. Das Dach ist noch nicht ergriffen, aber der hölzerne Unterbau brennt in der ganzen Ausdehnung. Die Ursache des Brandes ist noch nicht bekannt. — Das große Joch der Rheinbrücke stürzte Abends 9 Uhr in den Rhein und schwamm brennend stromabwärts.
— Aus Budapest wird berichtet: In der Ortschaft E l e m e r (Komitat Torantal) kam es zu einem blutigen ZusammenstoßzwischenBauernundGen- d a r m e n, bei welchem zwei Bauern und zwei Gendarmen getödtet wurden. Zwei weitere Gendarmen waren gezwungen, sich vor der Uebermacht in ein Bauernhaus zurückzuziehen. — In der Gemeinde Kis-Zorlencz wurden durch einen Wolkenbruch mehrere Häuser zerstört. Eine aus mehreren Mitgliedern bestehende Familie kam dabei ums Leben.
— Ein aus Barmouth (Wales) nach Oldham zurückkehrender Vergnügungszug ist gestern bei Welsh Hampton, 10 Meilen von Oswestry, entgleist. 9 Passagiere wurden getödtet, 25 verletzt.
Telegraphische Depesche des „Hersfelder Areisblatt."
Paris, 13. Juni. Als Präsident Faure sich heute Nachmittag zu den Rennen nach Longchamps begab, gab ein junger Mann einen Revolverschutz gegen den Präsidenten ab. Niemand wurde getroffen. Der Verbrecher ist sogleich verhaftet worden, bei ihm wurden Waffen und Bombenstücke gefunden.
Aus den letzten Feststellungen ergiebt sich, daß auf den Präsidenten Faure nicht Revolverschüsse abgegeben wurden, sondern, daß es sich um ein gußeisernes Rohr mit einer Pulverladung handelt, die im Augenblicke der Vorbeifahrt des Präsidenten explodirte. Durch die Explosion wurde Niemand verletzt. Neben dem Rohre fand man eine Schmähschrift gegen den Präsidenten Faure, ein Pistol, einen Schlagring und ein kleines Dolchmesser, auf dem Todesdrohungen gegen Faure eingravirt sind. Man glaubt, daß es sich um das Werk eines Wahnsinnigen handelt. Ein Individuum, das sich im Augenblicke der Explosion flüchtete, konnte bisher nicht wieder aufgefunden werden. Der zuletzt Festgenommene und von der Menge mit Lynchjustiz Bedrohte legitimirte sich alsbald als Geheimpolizist. Die Meldung, daß bei demselben Waffen und Bombenstücke gefunden worden seien, erweist sich als unbegründet.
Standesamtsbezirk Hersfeld.
Vom 16. bis 31. Mai 1897.
Eheschließungen.
Am 22. Heinrich Caselitz, Tuchmacher, mit der Näherin Anna Christine Schaub dahier. — 29. Carl Friedrich Gefing, Kaufmann zu Hamburg, mit Catharina Elisabeth Schimmelstfeng dahier. Heinrich Wilhelm Kniese, Kaufmann, mit Anna Martha Catharina Ditzel dahier.
Geburtsanzeigen.
Am 17. Adam, &. des Fabrikarbeiters Jarob Rüger zu Kal- kobes. — 19. Heinrich, S. des Schuhmacher» Wilhelm Philipp Kotier. — 20. Maria Elisabeth, T. der Weißgerbergehülfen Johanne» Witzel zu Kalkobe». — Bertha Anna Hedwig, T. deS Kaufmanns Georg Caspar Bolz. — 23. Sophie Wilhelmme, T. de» DienstknechtS Johannes Braun. Martha Dorothea, T. des Maurers Heinrich Wil« Helm Becker. — 24. Luise Marie, T. deS WeißbinderS und LackirerS Conrad Wilhelm Mänz. August Ferdinand, S. deS Kutschers Ernst KehreS. — 28. Anna Martha, T. des Schneiders Gustav Georg Ratondc. — 29. Martha, T. des Gärtners Ernst Nöding. — 30. Emma, T. des Steuerbeamten Carl Wilhelm Demme.
Sterbeanzeigen.
Am 17. Wilhelm, S. des Schmieds Wilhelm Böttcher, 2 Jahre alt. — 18. Karvline, Witwe deS Handelsmann» SuSmann Goldschmidt, 78 Jahre alt. Margaretha, Ehefrau des Schneiders Conrad Fischer, 33 Jahre alt. — 19. Katharina Elisabeth Dorothea Hedwig, T. deS Gärtners Johanne» Beck, 3 Monate alt. Elise, Ehefrau des Schreiner» Peter Hüter 33 Jahre alt. Georg Wittich, Bäcker, 64 Jahre alt. — 24. Georg Hollnann, Au-züger aus MengShausen, 76 Jahre alt. — 27. Anna Marie, Ehefrau »cS Fabrikarbeiters Andreas Gottlieb Bartenstein, 40 Jahre alt. — 29. Elisabeth Winter, Sondersiechenhaus- pfründnerin, ledig, 72 Jahre alt. — 30. Anna Martha, Ehefrau deS Nachtwächters Johanne» Allreith an» BinSförth, 38 Jahre alt.
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