Einzelbild herunterladen
 

,

Erscheint wöchentlich drei Mal Dienstag, Donnerstag und Sonnabend.

AbonnementSpreis vierteljährlich 1 Mark 40 Psg.

exel. Postausschlag.

<- -----=============

"-''^^ -.....-,-.....<

Die Jusertionsgebühren betragen für den Raum einer Spaltzeile 10 Pfg., im amtlichen Theile 15 Pfg. Reklamen die Zeile 20 Pfg.

Bei größeren Aufträgen entsprechender Rabatt.

- .....<

erWer Kreisblatt.

Gratisbeilagen:Illnstrirter Konntagrblatt" u.Illnstrirte lanbwirthschaftliche Veilage".

Nr. 69. Aeiftaz den 15. S«nt 1897.

Amtlicher Theil.

Berlin, den 17. Mai 1897.

Ich mache aufmerksam auf das von dem Major z. D. I. Scheibert herausgegebene, im Verlage von Hermann Klokow hier, Alte Jakobstraße 40/41, binnen Kurzem er­scheinende Werk:Wohlfeile auszugsweise Bearbeitung der militärischen Schriften weiland Kaiser Wilhelms des Großen Majestät." Der Preis dieses etwa 200 Seiten umfassenden Buches beträgt 1 Mk., in elegantem Einband 1,50 Mk.

Das Werk wird den wesentlichsten Theil dieser auf Befehl Seiner Majestät des Kaisers vom Kriegsministerium herausgegebenen Schriften theils wörtlich, theils auszugs­weise wiedergegeben.

Verfasser und Verleger beabsichtigen damit, den ehe­maligen Angehörigen der Armee und allen vaterländisch gesinnten Kreisen Gelegenheit zu geben, eine durch ihren billigen Preis allgemein zugängliche Ausgabe jener Schrif­ten zum eigenen Besitz zu erwerben.

Der Minister des Innern, gez. von der Recke. An den Herrn Regierungs-Präsidenten zu Cassel.

* * *

Cassel, den 26. Mai 1897.

Abschrift zur Kenntnißnahme.

Der Regierungs-Präsident. I. V. von Bremer. An die Herren Landräthe des Regierungsbezirks und den Herrn Polizei-Präsidenten hier.

Hersfeld, den 11. Juni 1897.

Wird veröffentlicht.

I. 3304. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz, Geheimer RegierungS-Rath.

Hersseld, den 11. Juni 1897.

Die Herren Octsvorstände derjenigen Gemeinden, welche mit der Einzahlung der Beiträge zu den Ausga­ben der heffen-nassauischen landwirthschaftlichen Berufs­genossenschaft für 1896 noch int Rückstände sind, werden hieran mit Frist bis zum 3 0. d. M t s. erinnert.

Der Sektionsvorstand:

Freiherr von Schleinitz.

I. A. Nr. 1310.

Der Schlvan von Hohcnstein.

Roman von F. von P ii ck l e r.

(Fortsetzung.)

Mütterlich liebevoll und tiefbewegt umarmte sie Ilse, die ihrerseits vor Bewegung kein Wort zu sprechen ver­mochte, sondern nur feuchten Auges die Hand der braven Frau an die Lippen preßte.

Wie schön Sie aussehen," Kind", lächelte Frau von Reimar,der Graf ist wohl heute zu beneiden und zu beglückwünschen ob seiner Wahl".

Wenn ich mich nur nicht so beklommen fühlte," murmelte Ilse unruhig,es lastet wie ein kommendes Unglück auf meiner Seele."

Nnr Mutb, Herzchen, das ist die ganze, ernste Feier der wichtige Schritt, den Sie vorhaben. Nun kommen Sie, Ihr Bräutigam erwartet Sie, ich will Sie zu ihm geleiten."

Die gesummte Dienerschaft des Schlosses und fast die ganzen Dorfbewohner bildeten Spalier bis zur Kapelle, es ging ein Murmeln und Flüstern durch ihre Reihen, als jetzt drin in dem kleinen Gotteshaus das Harmonium zu erschallen begann. Nur der greise Schloßkastellan schüttelte trübe das Haupt und eine Thräne rann über seine gefurchte Wange.Der Schwan", seufzte er ganz leise vor sich hin;wem hat sein Er­scheinen gegolten, meinem Herrn Grafen oder"

»Sie kommen, da sind sie", ging es durch die Reihen her Zuhörer und nun schritt der glänzende Zug daher zur Kapelle. Graf Hohenstein führte voll freudigem

Hersfeld, den 9. Juni 1897.

Der Landwirth Johannes M ö h l zu Goßmannsrode ist am 5. d. Mts. als Bürgermeister dasiger Gemeinde eidlich verpflichtet.

A. 1668. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz, ___Geheimer Regierungs-Rath.

Zugeflogen: eine rothgesprenkelte Brieftaube, gezeich­net mit Nr. 38 und dem Stempel Mainz. Meldung des Eigenthümers bei dem Ortsvorstand zu Aua.

Gefunden: eine Taschenuhr im Walde zwischen Phi­lippsthal und Lengers. Meldung des Eigenthümers bei dem Ortsvorstand in Philippsthal.

Nichtamtlicher Theil.

ZumGedächtnifzNaiserFriedrichs, gestorben am 15. Juni 1888.

Noch heute erfüllt tiefe Wehmuth unsere Herzen, wenn wir des edeln Dulders gedenken, der auf die Kunde vom Hinscheiden des Kaiserlichen Vaters sterbenskrank im rauhen Winter aus dem sinnigen Süden heimwärts eilte, um dort pflichtgetreu auf dem Posten zu stehen, zu dem ihn Gott in der elften Stunde berufen, auf dem Posten zu stehen und zu sterben. Heute hat unser Schmerz sich verklärt zu milder Wehmuth, und nicht mehr das Bild des an tückischer Krankheit dahinstechenden Herrschers, sondern die herrliche, blühende Siegfrieds­gestalt des ritterlichen Kronprinzen,Unsers Fritz", steht leuchtend vor unserm geistigen Auge; die trüben Nebel der schweren Leidenszeit scheinen gewichen, und hellstrahlende Sonne verklärt wieder die unvergeß­lichen Züge des Siegers von Königgrätz, von Wörth, von Sedan.

Der 3. Juli 1866, der Tag von Königgrätz! In heißem, unentschiedenem Ringen wogt die Schlacht. Schon ist die letzte Reserve eingesetzt, um die mühsam errungene Stellung zu behaupten da künden mit Donnergrüßen die Kanonen der II. Armee:Seid ge­trost, Kameraden, d e r K r o n p r i n z ist zur Stelle!" da stürmten die Garden und die Schlesier siegeskräftig des Feindes Hauptstellung; da sprengt, anzuschauen wie der germanische Kriegsgott, Kronprinz Friedrich Wilhelm heran, und die beiden prinzlichen Feldherren, der stand­

Stolze seine liebliche Verlobte, deren gesenktes Antlitz jetzt Frieden und stille Heiterkeit zeigte. Nur Graf Botho fehlte im Zuge. Als sich die Paare geordnet hatten, war er, der vorher den Onkel bewegt umarmt und auch Ilse mit einigen warmen Glückwunschworten die Hand geküßt, urplötzlich verschwunden; niemand wußte wohin. Um kein fatales Aufsehen zu erregen, mußte ein anderes Paar an seiner und seiner Brautjungfer Stelle eintreten und letztere von einem andern Herrn geführt werden.

Die feierliche Handlung war vorüber und Ilse die Gemahlin des stattlichen Grafen, der sie gerührt und tiefbewegt in seine Arme schloß.

Du hast mir alles geopfert, mein Liebling", flüsterte er feuchten Auges,nun soll auch mein Bestreben sein, Dich auf den Händen durch das Leben zu tragen."

Ilse aber dankte dem Grafen durch warmen Hände- druck für seine Güte.

So wie sie gekommen, schritt nun die kleine aber auserlesene Gesellschaft wieder zurück und bald darauf öffneten sich die Flügelthüren zu dem reich geschmückten und glänzend erleuchteten Speisesaal. Nur Graf Botho fehlte noch immer.

Jetzt wurde auch der neuvermählte Graf Hohenstein dies gewahr.

Wo ist Graf Botho!" frug er erstaunt den Ka­stellan.Sollte er auf sein Zimmer gegangen sein?"

Der alte Kastellan zuckte die Achseln und seine Knieen schlotterten, aber er durfte den Grafen nicht ängstigen, ehe er nicht die Gewißheit hatte, daß ei» Unglück ge.

hafte und der siegbringende, Friedrich Karl und Friedrich Wilhelm, umarmten einander tief be­wegt, legen den vollen Siegeskranz zu den Füßen des Königlichen Oberfeldherrn, deffen dankerfülltes Vaterherz hoch aufwallt in stolzer Freude über solchen Heldensohn.

Der 6. August 1870! Nicht mehr kämpfen Deutsche gegen Deutsche, nein: Alldeutschlands Streiter, fest und treu vereint unter König Wilhelms Oberbefehl, stehen zusammen gegen den alten Erbfeind. Da stehen ste in fester Stellung bei Wörth, die Franzosen unter Mac Mahon, vor der Front die Zuaven und die schwarzen Wüstensöhne, die Turkos. Aber schon ist des Kronprinzen ganze Streitmacht, alarmirt von den ersten Kanonenschüssen, im Anzüge: Preußen Bayern und Württemberger. Sie beißen sich fest, Hartmanns Bayern und die Preußen vom 5. Corps; der Kronprinz, in stürmischem Ritt dem Kampfplätze zueilend, setzt alle Kräfte ein; die Hessen und Thüringer stürzen sich auf des Feindes rechten Flügel, die französischen Reiterscharen zerschellen im standfesten preußischen Feuer, und in unaufhaltsamem Ansturm wird das Heer Mac Mahons zertrümmert; Preußen Bayern und Schwaben haben sich zum ersten Male die waffenbrüderliche Hand gereicht unter des Kronprinzen sieghafter Führung.

Der 1. September 1870! Wieder war es dem Kronprinzen und fernen Streitern vergönnt, die letzten Entscheidungen in der glorreichen Schlacht bei Sedan zu erkämpfen. Der Marschallstab, der bisher noch nie einem preußischen Prinzen zutheil geworden, war der Lohn, den der königliche Oberfeldherr dem geliebten Sohne zu­gedacht : zugleich mit Prinz Friedrich Karl, dem Be­zwinger von Metz, wurdeUnser Fritz" Feldmarschall.

Seit jenen ruhmvollen Tagen von Wörth und Sedan erschien der preußische Königssohn allen deutschen Stämmen wie die Verkörperung der deutschen Waffenbrüderschaft, wie der deutsche Michael mit dem flammenden Schwert. Wie jauchzten ihm die Süddeutschen zu, wenn er in seines Kaiserlichen Vaters Auftrage in Bayern und Württemberg Heerschau hielt; mit welcher freudigen Be­geisterung lauschten sie seinen Worten, wie freuten sie sich seiner herzgewinnenden Leutseligkeit, wie stolz waren sie auf jeden Ausdruck freundlicher Anerkennung, die ihnen der hohe Armee-Inspekteur spendete. Ja,Unser Fritz" hieß es nicht nur bei den Preußen,Unser Fritz" war auch der Heros aller Deutschen geworden.

So steht er heute wieder vor unsern Augen, so lebt

schehen sei, wovon er selbst felsenfest überzeugt war, denn er glaubte an den auf der gräflichen Familie lasten­den Fluch, der sich an die Sage von dem Schwan knüpfte.

Dann setzten sich die Herrschaften zur Tafel und wenn schon das neuvermählte Paar plötzlich wie in Vorahnung eines nahenden Unheils verstummt war, so herrschte doch unter den Gästen eine herrliche, frohe Feststimmung.

Da plötzlich entstand an der Thür ein Drängen und Murmeln der Diener, sie blickten alle entsetzt hinüber zu ihrem geliebten Herrn und schoben den alten Kastellan vorwärts ; dessen bleiche Züge waren mit Thränen über- strömt, und als er endlich vor dem Grafen stand, ver­sagte ihm fast die Sprache.

Gnädiger Herr", stieß er zitternd hervor,ich muß eine Unglücksbotschaft melden wollen der Herr Graf wohl in den Salon treten?"

Der Graf erhob sich und Ilse mit ihm.

Laß mich auch den Schmerz mit Dir tragen," bat sie in fliegender Angst,ich bin ja nun Dein Weib."

Und so schritten beide hinaus, indessen die Hoch­zeitsgesellschaft stumm und entsetzt zurück blieb. Im Salon aber stand der Förster und hielt ein Pistol in den zitternden Händen er brauchte nicht zu sprechen, der Graf schrie in wildem Schmerze auf:Mein Neffe, mein Botho! Wo ist er?"

Er liegt sterbend in meiner Wohnung er hat sich in die Brust geschossen", meldete entsetzt der Förster.

Da brach Graf Hohenstein vor Schreck zusammen, eine mitleidige Ohnmacht umfing seine Sinne und Ilse