Einzelbild herunterladen
 

y -" -y

Erscheint wöchentlich drei Mal Dienstag, Donnerstag und Sonnabend.

AbonnementSpreiS vierteljährlich 1 Mark 40 Pfg, excl. Postaufschlag.

Die Jnsertionsgebühren betragen für den Raum einer Spaltzeile 10 Psg., im amtlichen Theile 15 Psg. Reklamen die Zeile 20 Psg. Bei größeren Aufträgen entsprechender Rabatt.

ersstldtr mei

Gratirbeilasen:IKnstrirter SenntaesMatt" «.^ÖuftrirU landwirthschaftliche Veilag^^.

Ar. sr.Sonunbdiö Seil 12. Zum M.

Amtlicher Theil.

Nachdem unter dem Rindvieh des Landwirths Justus Köhler und der Witwe Horn zu Steindorf die Maul- und Klauenseuche ausgebrochen ist, wird über sämmt­liches Klauenvieh (Rindvieh, Schafe, Schweine und Ziegen), angespanntes Rindvieh ein­begriffen, der Gemeinde Steindorst und deren Feld­mark die Gemarkungssperre verhängt.

Das Treiben von Klauenvieh aus der Gemeinde Steindorf über die Feldmarkgrenze und das Verladen von solchem auf den Eisenbahnstationen ist verboten. Ebenso ist der Durchtrieb von Klauenvieh aus anderen Ortschaften des Kreises Homberg und aus anderen Kreisen durch die Gemeinde und Gemarkung Steindorf verboten.

Die Herren Bürgermeister und Gutsvorsteher des Kreises haben nicht das Recht, von der Befolgung der vorstehenden Anordnung zu dispensiren, es ist in jedem Falle meine Entscheidung einzuholen. Diese Bekannt­machung ist alsbald in orttüWcher Weise bekannt zu machen.

Homberg, den 5. Juni 1897.

Der Landrath: von Gehren.

*

Homberg, den 5. Juni 1897.

Abschrift zur Kenntnißnahme und weiteren Veran­lagung.

Der Landrath: von Gehren. An daS Landrathsamt Hersfeld.

In der Nacht vom 3. zum 4. d. Mts. bei verschie­denen Einwohnern hierselbst mittelst Einbruchs gestohlen: 1. ein dunkelgrauer Sackanzug, ein weißer Hemdenkragen, 1 Halsbinde, 1 silberne Vorstecknadel in Form eines Eies, 2 Schlüssel, 2 Mark baar in Kupfergeld. 2. ein Bund Schlüsiel zu verschiedenen Wirthschaftsräumlichkei­ten. 3. eine goldene Damenuhr mit silberner Kette mit daran befindlichem goldenen Herzchen, 1 Damen-Trauring mit 3 kleinen Brillanten besetzt, ein goldenes breites Armband, in der Mitte schwarz emaillirt, 1 goldener Herrenring mit dunkelblauem Stein, 1 goldene alterthüm- liche Broche mit 2 kleinen Glöckchen, 1 Paar goldene Manschettenknöpfe mit je 4 Köpfchen in Form eines ei­sernen Kreuzes, 1 Onixmedaillon.

Außerdem verschiedene Lebens- und Genußmittel wie: Cognak, Nußliqueur, 1 Flasche Marsallwein, Brödchen, Eier u. s. w.

Um entsprechende Nachforschungen und ev. Nachricht wird ersucht.

Hanau, am 5. Juni 1897.

I. Nr. P. 5574. Königliche Polizei-Direktion.

Gesunden: eine einfache Balkenwage. Meldung des Eigenthümers bei dem Ortsvorstand zu Aua.

Politische Nachrichten.

Inland.

Se. Majestät der Kaiser besichtigte heute Vormittag aus dem Bornstedter Felde das 1. und das 3. Garde-Ulanenregiment und nahm darauf das Frühstück im Kasino des 1. Garde-UlanenregimentS ein. Zur gestrigen Mittagstafel bei Ihren Majestäten war der Kommandeur des Lehr-JnfanteriebataillonS, Major Graf v. Haslingen, nebst Gemahlin geladen, zur Abendtafel Professor Güßfeldt und Maler Hans Bohrdt.

Der Minister für Landmirthsckaft hat zur Förder- "ng des Unterrichts für ländliche Fort­bildung s sch u l e n angeordnet,daßmit staatlicherUnter- stützung an mehreren Landwirthschaftüschulen Unterrichts­kurse für Volksschullehrer zur Ausbildung in der Ertheil-

ung des Unterrichts an den ländlichen Fortbildungs- schulen^abgehalten werden. Diese Unterrichtskurse werden etwa 45 Wochen dauern; den Theilnehmern werden vom Landwirthschaftsminister entsprechende Beihilfen ge­währt werden.

Der 1 5. Kongreß für innere Medizin ist in Berlin zusammengetreten. Unterstaats­sekretär Rothe begrüßte namens der Reichsregierung, Ministerialdirektor von Bartsch namens des preußischen Kultusministeriums, Oberbürgermeister Dr. Zelle namens der Stadt Berlin den Kongreß. Mit dem Kongreß ist eine Ausstellung von wissenschaftlichen Instrumenten, Krankenpfleg-Apparaten, Arznei-Präparaten und Kranken- NahrungSmitteln verbunden.

Die von Kiel aus verbreitete Nachricht, daß an Stelle des Kreuzers I. KlasseKönig Wilhelm" das Panzer­schiffKurfürst Friedrich Wilhelm" zu den I u b i l ä u m S - feierlichkeiten derKöniginvonEngland gehen soll, ist verfrüht. Eine endgiltige Bestimmung in dieser Angelegenheit wird erst in diesen Tagen getroffen werden.

In dem Staatshaushalt der Finanzperiode 1897/1900 für das Großherzogthum Heffen-Darmstadt sind die Mittel für zwei weibliche Assistenten der Fabrik­inspektoren eingesetzt worden. Die Aufsicht der Assistentinnen soll sich nur auf ganz spezielle, die Frauen­arbeit berührende und solche Betriebe, in denen ausschließ­lich weibliche Personen beschäftigt find, beziehen.

Auf dem Wartenberge bei Eisenach ist am Dienstage feierlich der Grundstein zu dem Denkmal, welches die deutschen Burschenschafter Kaiser Wilhelm I., dem Begründer des Deutschen Reiches, sowie dem Groß- Herzog Karl August von Sachsen, dem Stifter der Burschenschaft, und den im Kampfe für Deutschlands Größe und Einheit gefallenen Burschenschaftern zu er­richten gedenken, gelegt worden.

Die württembergische Abgeordnetenkammer hat sich neulich mit der Frage beschäftigt, ob in Württemberg die rothe Fahne entfaltet werden dürfe. Den Anlaß gab eine Beschwerde der Gewerkschaften Stuttgarts, die während eines Tabaksarbeiterkongresses ein Gasthaus auf diese Weise beflaggt hatten, aber von der Polizei genöthigt waren, die rothe Fahne zu entfernen. Bemerkenswerth war die Erklärung des Abgeordneten Gröber, der auch als Mitglied des Centrums im Reichstage sitzt. Er er­klärte,die rothe Fahne sei das Zeichen der R e v o l u t i o n, des gewaltsamen Umsturzes. Daß die Ent­faltung derselben in einem geordneten Staate nicht ge­duldet werden könne, halte er für selbstverständlich. Der Staat, der sich das bieten ließe, hätte eigentlich abge- wirthschaftel, er würde zugestehen, daß er nicht mehr Herr im eigenen Hause sei!" Der Minister des Innern, v. Pischek, erklärte es mit Recht für die Pflicht der Re­gierung, allen auf den gewaltsamen Umsturz gerichteten Bestrebungen entgegenzutreten, und zwar auch den vor­bereitenden und befördernden Handlungen, die den Zweck haben, die Umsturzagitation zu stärken. Die rothe Fahne sei das anerkannte Symbol der internationalen Revo­lution, und der Staat dürfe eine solche Verhöhnung nicht dulven, wenn er noch das nöthige Maß von Selbst­achtung habe. Selbst in der Republik Frankreich sei das Entfalten der rothen Fahne durch besonderes Gesetz verboten. So lange er Minister des Innern sei, werde das Aushängen der rothen Fahne nicht gestattet werden. Das Verfahren der Behörden wurde schließlich mit 48 gegen 28 Stimmen als berechtigt anerkannt und die Be­schwerde der Sozialdemokraten abgewiesen.

Ausland.

Einer Meldung desGaulois" zufolge findet die Reise des Präsidenten Fanre nach Ruß­land erst Ende August statt.

Die italienische Deputirtenkammer hat in dritter Lesung und in geheimer Abstimmung mit 163 gegen 83 Stimmen die Vorlage über die Reorganisation des Heeres angenommen.

Ein internationaler Bergarbeilerkongre ß ist am Dienstage in London zusammengetreten. Er

verhandelte zunächst über die Achtstunden-Frage und nahm einen Beschlußantrag der deutschen, französischen und belgischen Abgeordneten an, welcher das Achtstunden- Prinzip auch auf die Männer-Arbeit über Tage ausge­dehnt wissen will.

Die französische RadsportzeitungLe $elo" bringt die Meldung, daß derSieger von Marathon", der das Fußwettlaufen der 1896 er olympischen Spiele in Athen gewann, Louyt, als Deserteur im Gefängniß sitzt. Louyt soll dank seiner flinken Beine vor den türkischen Truppen ganz besonders schnell ausgerissen sein.

Der bekannte egypthischePatriotMustapha Kamel setzt seine Propaganda gegen die englische Okkupation unermüdlich fort. So hat er kürzlich auch in einer großen politischen Versammlung die englische Okkupation bekämpft. Die von mehr als 2000 Personen besuchte Versammlung nahm einstimmig eine Tagesord­nung an, welche den Sultan und Europa auffordert, die Räumung Egyptens zu verlangen. Es bedarf keines Wortes, daß die patriotischen Bestrebungen der Egypter auch in Deutschland weiter Theilnahme sich erfreuen.

Die Kaiserin Alexandra Feodorowna ist heute in Peterhof von einer Großfürstin entbunden worden.

Einer Meldung aus $a na na zufolge sollen die Insurgenten zwölf Meilen von Havana entfernt einen Passagierzug mittels Dynamit in die Luft gesprengt haben. Dabei sollen mehr als hundert Insassen des Zuges, meistens Soldaten, getödtet oder verwundet worden sein.

Aus Provinz unö AaWrgkbikt.

* Die Erhöhung und Regelung des Dienstein­kommens der Geistlichen wird, nachdem der Landtag die Erhöhung der Beamtengehälter genehmigt hat, bestimmt in Form eines Kirchengesetzes an die vierte ordentliche Generalsynode im nächsten Herbste gelangen.

* (Die Casseler Kolonial-AuSstell- u n g.) Die Kolonialausstellung zu Caflel, die während der Pfingstfeiertage von Tausenden besucht wurde, hat die Erwartungen, die man von ihr hegte, weit übertroffen. Das Orangerieschloß, das von den Tagen des Königs Jerome bis aus den heutigen eine wunderbare Reihe von Festen und Ausstellungen gesehen hat, ist aber auch ganz prächtig gerade für eine solche Ausstellung geeignet. UeberaU zeigen sich bei der Fülle von Licht selbst die kleinsten Gegenstände klar und deutlich. Will man sich einige Minuten von dem vielen Schauen, das etwas an- greift, erholen, so tritt man durch die geöffneten Flügel­thüren hinaus auf die Terasse, die dank dem so freund­lichen Entgegenkommen der Regierung, ganz mit der Ausstellung verbunden ist und die einen unvergleichlich ' schönen Platz für die Concerte abgiebt. Die Waffen, Geräthschaften u. s. w. der Eingeborenen sind nach den einzelnen Kolonien Togo, Kamerun, Südwestafrika, Neu Guinea u. s. w. geordnet und stets mit Etiquetten ver­sehen, auf denen die Bedeutung derselben angegeben ist. Auch Der östliche Flügel enthält unter seinen Exportar­tikeln sehr viele Gegenstände, die so praktisch ausgedacht sind, daß man sie gern in das eigene Heim importirt.

i Ferner ist die Litteratur über Afrika recht reich ausge­stellt, wie auch taufende von schönen Photographien, an Ort und Stelle ausgenommen, einen sehr belehrenden Blick in Land und Leute unserer Kolonien gewähren. Die Ausstellung ist noch bis zum Mittwoch den 16. Juni einschl. verlängert worden, sodaß dadurch Allen, nament­lich den Schulen, die wegen der Ferien die Ausstellung noch nicht in größeren Gruppen besuchen konnten, ein größerer Spielraum zum Besuche bleibt.

* Laut amtlichen Nachweises betrug die Prägung an N e i ch s m ü n z e n im Mai 5 122 440 Mk. in Doppel­kronen, 320 000 Mk in Kronen Alles auf Privat- rechnung; ferner 62 702,60 Mk. in Zehnpfennigstücken und 7664,78 Mk. in Einpfennigstücken. Der Gesammt- bestand an Reichsmünzen stellt sich zur Zeit auf 3141 517 510 Mk. in Goldmünzen, 494 227 325,50 Mk.