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«r. 66.

Sonnabend den 5. Hm

M.

Erstes Blatt.

Bestellungen

auf das Hersfelder Kreisblatt für den Monat Juni werden von allen Kaiserlichen Postanstalten, Landbriefträgern und von der Grpedfi tion angenommen.

Amtlicher Theil.

Herrfils, bea 2. Zusi 1887.

Zu FÄiZr ös» Lasbruches der Ksrü- sa» KLvre»- senche M Hawackach W Ke erf Briten» OeU- «& i SewsrkmzrWer« Är tiefe* @emrixbi rsgearbiet eetibex.

I L Rr. 3161. Der KLmKli^ Lautzr-IH

Freier: BB» SL 1 eiui; , Geheimer RkgierMgK-RLth.

Gefunden; eure- Kette. MelduLg. p-S Ligenthümers bri dem Ortsvorstand zu RimSdach.

Nichtamtlicher Theil.

Pfingsten.

Das Fest der Pfingsten war unter den Juden das Fest der Er » dte, unter unsern heidnischen Voreltern das Fest des grünenden Laubes, der M a i e n; auch für uns umfaßt es diese Feste mit, aber es erhebt fie in den Geist, es pflanzt die grünenden Maien in unser Herz, es sammelt die reifen Früchte des Geistes. Dieses Fest ist das letzte der hohen Feste der Christenheit. Es ist der Gipfel- und der Lchlußpunkr von allen. Es geht auch über das HimmelfahrtSfest noch hinaus und macht gleichsam den Weg zurück von des Himmel auf die Erde. Es ist nicht nur der Christus des Fleifchr nach, der einst über diese Erde gewandelt, beste Feier mit heute begehen im dank­baren Hub bewundernden Erinnern, es ist der erhöhere. der zum Geist verklärte Christus' Mcht der vergangene, der vor länger als 18 Jahrhunderten lebte, nein: der Gegenwärtige, der in seiner Gemeinde sortiert und wirkt, der mit seinem Oden unter uns wehet bis hierher! Und in diesem Sinne ist das Pfingstfest da» höchste, das alle andern in sich zusammenfaßt. Der Herr ist der Geist, so sprechen wir heute, und dies Fest ist ein Fest des Geistes!

Geist! Welch ein weites und vieldeutiges und alles was da lebt beherrschendes Wort ist dies! Wer vermöchte seine geheimnißvollen Kräfte alle zu ergründen, wer die Macht seines Wirkens in arme enge Worte zusammen- zufassen? Wir nennen ihn den heiligen Geist; und das Eine wissen wir, er stammt nicht von unten her, er ist nicht der leichtfertige Geist der Welt, nicht der wechselnde, treulose Geist der Z e i t, nicht aus Sinnen und Leidenschaften geboren, er stammt von oben her, er ist ausgeströmt aus der ewigen Quelle aus Gott selbst! Und dann, auch das wissen wir: es ist der Geist aus Gott, der wohl von Anbeginn waltete in dieser Welt, der aber in seiner ganzen Fülle und Reinheit sich erst in Jesu Christo geoffenbaret hat! Es ist sein Geist, von dem seinen genommen! O! wie unendlich verschieden sind die Offenbarungen und Kräfte dieses Geistes, wie reich, wie faum faßbar ist noch immer die Fülle feiner Erscheinungen und Wirkungen. Seine Gaben sind ja nicht erschöpft in jenen wunderbaren Zungenreden des «ften Pfingstfeste», auch nicht in den Geistesgaden der jungen apostolischen Kirche. Nicht im Wort allein ruiniert sich dieser Geist, in Zungen- und Prophet« n- ^dtn, in Lehre und Ermahnung, ebenso sehr in der ^ ha t, in dem Regiment der Kirche wie in der Er

ziehung der Einzelnen; nicht in der Begeisterung allein, ebenso sehr in der Besonnenheit, nicht in der Weisheit allein, ebenso sehr in der Liebe. Dieser Geist ist ein helles Licht und ein warmes, loderndes Feuer, ein Geist der Wahrheit und der Treue, ein Geist des Kampfes und des Friedens, ein Geist der Kraft und der Beugung, der Muthes und der Demuth.

Diesen Geist braucht auch unsere Zeit, und diesen Geist will der Herr immer von neuem ausgießen über alle Menschen. O! daß auch in diesen Pfingsttagen von Vielen heißen dürfte:Sie wurden voll des heiligen Geistes!

Pfingsten.

Geist der Kraft, laß deine Starte In uns Schwache« mächtig sein, W:rfe ~ uns gute Werfe, Hasch uns deinen Odem ek; Ars der Sünde Kette, 21.35 der Tsbes Harr Kannst nur du uns reite, Geist der Kraft!

tievesgerst, lehr' uns die Liede, Mach uns freundlich, sanft und mild, Heilige des Herzens Triebe, Bilde uns in Jesu Bild; Laß uns auch das Leben, Wie uns Jesus heißt, Für die Brüder geben, tiebesgeist!

Geist der Zucht, in heil'ge Schranken Schließe unser Leben ein, Auch die heimlichsten Gedanken Laß dem Herrn geweidet fein; Nimm uns recht in Pflege, Schaffe in uns Frucht, Leite unsre Wege, Geist der Zucht! E. F-i-er.

Politische Nachrichten.

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Berlin, 3. Jnni.

Der Kaiser nahm am Mittwoch Vormittag die von General Winterfeld kommandierte große Parade der Potsdamer Garnison ab. Der Kaiser führte zweimal der Kaiserin das Regiment der Gardes du Corps vor. Es fanden zwei Vorbeimärsche statt. In der Umgebung des Kaisers befanden sich Prinz Frie­drich Leopold und fast alle fremden MilitairattacheeS. Nach der Parade formierte da» erste Garde-Regiment ein Viereck, worauf der Kaiser mit einer kurzen Ansprache der Fahne des Leibbataillons die Säkularbänder übergab. Der Oberst des Regiments dankte und brächte ein Hoch auf den Kaiser aus. Hierauf fand ein Paradefrühstück zu etwa 130 Gedecken statt.

Heute Morgen unternahmen Ihre Majestäten der Kaiser und die Kaiserin einen gemein­samen Spazierritt über Bornim und Bornstedt. Von 9 Uhr ab hörte der Kaiser die Vorträge des Chefs des Militairkabinets, Generaladjutanten Generals der In­fanterie von Hahnke, des Kriegsministers Ge­nerallieutenants v. Gabler und des Chefs des General­stabes der Armee, Generaladjutanten Generals der Kavallerie Grafen v. Schliessen. Um 12 Uhr 30 Min. empfing der Kaiser den Reichskanzler Fürsten zu Hohen- lohe zum Vortrag und begab sich um 1 Uhr in die Wohnung des Kommandeurs des 1. Garde-Regiment», Obersten v. Kalckstein, um dort der Taufe des jüngstgeborenen Sohnes desselben, bei welchem der Kaiser Pathenstelle übernommen hatte, beizuwohnen.

Der Staatssekretär des Auswärtigen Amtes, Frei­herr Marschall von Bieberstein, hat einen zweimonatigen Erholungsurlaub angetreten, der wegen des

Prozesses Tausch, wo Freiherr von Marschall als Zeuge vernommen wurde, hinausgeschoben war.

Der Kaiser gedenkt etwa am 20. Juni in Kiel einzutreffen und auf der Dacht ,.Hohenzollern'' Wohnung zu nehmen. Die Aacht dampft später durch den Nord­ostseekanal nach Helgoland, wo der Kaiser die dort ein­treffenden für die Jubiläumswettfahrt konkurrierenden Jachten persönlich begrüßen will. Seine diesjährige Nordlandsreise wird der Kaiser am 4. Juli von Kiel aus antreten.

Der Bundesrath hat in seiner heutigen Sitz­ung dem Gesetzentwurf, betr. den Verkehr mit Butter rc., . sowie dem Entwurf eines Geietzes über das Aus- wanderungswefen in der uam Reichstag beichlossenen Fan ang die Zustimmung ertheilt und außerdem den Antrag Preußens, betr. Abcknderrng der Instruktion z« Lus^ iützrunz des BiehseLche»Kfetzrs augrnammru.

Der Gk'rtzrutwnrs zu« Schutze der Fsr- : r :rn -er der B«»h s» r serk - r ts bereits im preußische» ZustiMisiSeriLUk asSgearbeitet und dem Str-rSsiLifirriLM sorgklegt worden. Er enthüll x. s. die b-destsamr L -sirmmuri g, daß unter ihr stäuben zum Schutze der Bauhandwerker auch in die Rechte der Hypo» thekengläud-grr erregn' n mtrben kann. Ferner erstrebt die Vorlage eine Losung der Frage im Wege der Reichs- gesetzgebung,welche Maßnahmender prattlichen Einführung der Sinzelbestimmungen der Limdesverwaltuag für die­jenigen Orte und Bezirke vorbehalten bleibt, bei denen sich ein Bedürfniß solcher Maßregeln ergeben hat.

DerStaatsanieiger" veröffentlicht das Gesetz über die Feststellung des preußischen Staats- haushaltSetatSfürdaSJahr vom1. April 1897 98, vom 31 Mai 1897. Der StaatShaurhaltsetat schließt in Einnahme und Ausgabe mit 2046 Mill. Mk. ab. Von den Ausgaben belaufen sich die fortdauernden auf 1956 Mill. Mk., die einmaligen und außerordentlichen auf 89,9 Mill. Mark.

Die Gerichte gehen jetzt mit Recht dem Unwesen der Sitz - oder Strohredaktenre ernstlich zu Leibe. Die Posener Strafkammer sprach den verantwortlichen Redakteur desGoniec WirlkspolSkr", Svvolinar ZaleSki, von der Anklage der Bekeidignug der Offiziere und Unter* offiziere des Schbefischen Jägerdstaillsns Rr. 6 in Ler» frei, weil ZaleSkr nur in der Expeditisn des Blattes beschäftigt war und sich um die Redaktion nicht bekümmert hat, mithin nur als Strohmann zu betrachten sei. Da­gegen wurde der Verleger und Redakteur des Blattes Karl von Rzepecki, von dem angenommen wurde, daß er auch der geistige Leiter des Blattes sei, zu 100 Mk. Geldstrafe verurtheilt.

Ausland.

Es scheint nun doch endlich ein militärischer Waffenstillstand zwischen Griechenland und der Türkei zu stände zu kommen. Man muß anerkennen, daß die Pforte, wie fie schon sich erst dann zum Kriege bestimmen ließ, als die griechischen Heraus­forderungen aufs äußerste getrieben wurden, so auch jetzt sich allen mäßigenden Einflüssen der Großmächte zugäng­lich erwiesen hat. Wäre während der Waffenruhe kein Waffenstillstand zu stande gekommen und hätte dann der Krieg von neuem begonnen, so wäre die völlige Zertrüm­merung des griechischen Königreichs nahezu gewiß gewesen. Trotzdem hat die Türkei in den Abschluß eines förmlichen Waffenstillstandes gewilligt. Dieser wird aber nur rein militärischer Art sein, b. h. die türkische Armee behält ihre gegenwärtige Stellung und damit auch das von ihr besetzte Gebiet von Thessalien inne. Es sollen sofort die Friedensverhandlungen beginnen. Die Pforte hat sich bereit erklärt, auf der von den Großmächten vorge­schlagenen Grundlage (Krieg»kostenentschädigung, strate­gische Grenzt erichtigung, AuslieferungSvertrag, Revision der sogenannten Kapttulationen) in die Verhandlungen einzutreten. Obgleich die griechische Regierung sich gegen diese Grundlagen von Anfang an gesperrt hat, so wird fie sich doch fügen müssen, da die Intervention-mächte, in deren Hand Griechenland fein Geschick gelegt hat, in Bezug aus diese Grundlagen einig sind. Die Lerhand-