woL die Schweiz verlassen, um sich zunächst nach Wien und von da aus nach Paris zu begeben. Am Schlüsse seiner Rundreise wird er den Sultan in Konstantinopel besuchen.
In der vorletzten Woche ist, wie nachträglich bekannt wird, ein im Park von Zarskoje Selo gegen den Zaren geplanter Revolver-Anschlag vereitelt worden.
Die schwere Erkrankung des Prinzen Thronfolgers von Rumänien erregt au^ in Berliner Kreisen aufrichtiges Mitgefühl. Das Kaiserpaar erhält täglich auf telegraphischem Wege Nachricht über das Befinden des Prinzen.
Die Türken bestehen darauf, daß Griechenland im türkischen Hauptquartier Schritte wegen des Waffenstillstandes unternehme; die Türken wünschten kurze Dauer des Waffenstillstandes, indem sie auf die Gefahr des Mißbrauchs seitens der Griechen hinweisen und sich zu eventuell nothwendiger Verlängerung bereit erklären. Die Mächte sind hingegen bemüht, die sofortige Feststellung einer für die Beendigung der Friedensverhandlungen ausreichenden Dauer des Waffenstillstandes herbeizuführen. Die Friedensverhandlungen haben noch nicht begonnen. Der Pforte wurde allerseits erklärt, daß keinerlei Aussicht auf eine Erhöhung der durch die Mächte festgesetzten Friedensoedingungen vorhanden sei. Trotzdem dauert hier die Agitation für die Angliederung Thessaliens fort
Aus Provinz nni Rachbarstbiti.
* Die g r o ß e n P a r a d e n der an den Kaisermanövern betheiligten Armeekorps finden statt: für das 8. preußische Armeekorps am 30. August bei Koblenz, für das 2. bayrische Armeekorps am 1. September bei Bielried, für das 1. bayrische Armeekorps am 2. September bei Nürnberg, für das 11. preußische Armeekorps am 4. September bei Homburg.
* (3 a g b f a l e n b e r.) Im Juni hat sämmtliches jagdbares Wild Schonzeit mit Ausnahme der Rehböcke.
Hersfeld, 2. Juni. Das Abgeordnetenhaus berieth in der vorgestrigen Sitzung den vom Herrenhause in abgeänderter Fassung zurückgelangten Entwurf einer Landgemeindeordnung für die Provinz Hessen-Nassau. Das Abgeordnetenhaus hatte in § 45 obligatorische Einführung eines kollegialischen Gemeindevorstandes für alle Gemeinden mit mehr als 500 Einwohnern beschlossen; das Herrenhaus hat dies dahin geändert, daß ein kollegialischer Gemeindevorstand nicht obligatorisch ist, sondern durch Ortsstatut eingeführt werden kann. Der Abg. Beinhauer (natlib.) u. Gen. beantragen, die Fassung des Abgeordnetenhauseswieder herzustellen. Nach längerer Debatte, in welcher der Minister des Innern Frhr. v. d. R e ck e für den Herrenhausbeschluß eintritt, weil sonst nicht nur die Landgemeindeordnung, sondern auch die Städteordnung für Hessen-Nassau und das Gesetz zu Gunsten der Forstschutzbeamten im Regierungsbezirk Wiesbaden scheitern könnten, wird der Antrag Beinhauer in namentlicher Abstimmung mit 205 gegen 188 Stimmen angenommen. Die Vorlage muß demnach nochmals an das Herrenhaus gehen.
Hersfeld, 2. Juni. Die „B. C." schreibt: Gesuche von Kriegervereinen um Allerhöchste Verleihung des Namens „Wilhelm L", „Kaiser Friedrich III." rc. werden von zuständiger Seite nur dann befürwortet, wenn ein genügender Anlaß zu einer derartigen Aller-
Das wird eine fröhliche Zeit werden und will ich meinem künftigen Schwager schon ein wenig den Kopf verdrehen."
„Gertrud!" mahnte Ilse.
Das Dienstmädchen war noch gar nicht weit entfernt, doch die übermüthige Braut kehrte sich wenig daran. »Ja, ja," lachte sie schelmisch, „ich will ein wenig mit ihm coquettiren, denn Albrecht soll eifersüchtig werden, wenn er heim kommt. Warum zieht er auch zehn Monate in die Welt. Rasch hinauf, Ilse, wir wollen meine Garderobe nachsehen, ob ich nicht etwas Neues brauchen könnte, denn als Braut muß ich allen Hohenstein gefallen, den alten wie den jungen.
2. Kapitel.
Am folgenden Tage holte Major von Reimar den Grafen Lichtenstein, den Onkel und Pflegevater des Grafen Albrecht und dessen jüngern Bruder Botho von der Bahn ab. Die Herren, welche sich bisher nur flüchtig kannten, schienen sich indessen gegenseitig sehr zu gefallen und bald saßen alle drei plaudernd im Wagen, um zu der Reimar- schen Villa zu fahren.
„Sie finden auch einen alten Bekannten von sich bei mir, Herr Graf," bemerkte der Major beiläufig, „Herr von Braunau und sein Töchterchen Ilse sind für einige Tage bei uns zu Besuch."
„Ah, das freut mich von Herzen," rief der Graf, ein noch stattlicher Mann von höchstens fünfundvierzig Jahren, „Herr von Braunau hat schwere Schicksalsschläge durchgemacht und möchte ich ihm von Herzen einen heiteren Lebensabend wünschen."
„Seine Tochter Ilse ist sein Trost im Alter und sein ganzer Augapfel und mit Recht, denn sie ist ebenso schön wie liebenswürdig und brav," bemerkte Major von Reimar. „Graf Botho, nehmen Sie Ihr Herz in Acht, daß Sie es nicht verlieren."
Der gute hübsche Offizier lächelte selbstbewußt, als ob er es verstände, mit Damenherzen zu spielen.
Der Wagen hielt vor der Villa und frisch und schön
höchsten Auszeichnung vorzuliegen scheint. Die kürzlich von einigen Blättern gebrachte Nachricht, daß nach einer Verfügung des Ministers des Innern und des Kriegsministers die Führung des Namens „Kaiser Friedrich" den Kriegervereinen untersagt sei, beruht auf Erfindung.
-e- Hersfeld, 2. Juni. D er Goldregen blüht! Also Ihr Eltern, habt Acht auf Eure im Garten spielenden Kinder, welche die leuchtend gelben Blü- thentrauben, mit denen der Strauch übersäet ist, so gern abpflücken. Die Kleinern vermeinen, die hübschen Blüthen seien etwas zum Essen und stecken sie in den Mund. Dann werden die Kleinen nach kurzer Zeit heimgebracht, sind krank, und niemand weiß, wie die Krankheit entstanden ist. Dem in seiner Schönheit prangenden Goldregen wird niemand die Schuld geben, und dennoch trägt er sie, denn die ganze Pflanze ist sehr giftig. Es muß vor ihr um so mehr gewarnt werden, als sie bald, nachdem die Blumen geschwunden sind, sich, wie alle Schmetterlingsblüthler, mit einer Menge von grünen Schoten bedeckt, die den Kindern erst recht verführerisch zuwinken. Ein anderer Giftbaum, der in den nächsten Tagen zü blühen beginnen wird und dem man seine Gefährlichkeit auch nicht ansieht, ist unser allbeliebte Oleander. Er gehört nämlich, wie unser Immergrün (Vinca minor) der Familie der Apocynaceen an, deren eine, Strychnos nux vomica, das furchtbare Strych- nin liefert. In Italien und Griechenland, wo der Oleander, wie bei uns die Weiden, an jedem Wässerchen steht, kommt es oft vor, daß hungrige Thiere, Ziegen und Esel, sich an Oleanderblättern zu Tode fressen. Und nun noch eine Blume, die uns allen lieb und werth ist und der wir dennoch ein WarnungStäfelchen anhängen müssen: das M a i g l ö ck ch e n. Wer hätte das gedacht! Aber doch ist's so; auch das Maiglöckchen ist eine gefährliche Giftpflanze, die in allen Theilen ein böses Herzgift, das Konvallarin, enthält. Es verräth sich glücklicherweise durch den bittern Geschmack und warnt so vor sich selbst. Aber da wir das liebe Blümchen doch nur um der Schönheit und um seines Dustes willen so gern haben, und doch niemand daran denkt, es zum Beispiel mit Waldmeisterlein in eine Bowle zu legen, so hat es beim Maiglöckchen keine weitere Gefahr, — aber was wahr ist, muß wahr bleiben, es ist doch eine Giftpflanze!
Hn Hersfeld, 2. Juni. (Himmelserschein- ungen imJuni.) Höher täglich steigt unser Tagesgestirn am Himmel auf, immer weniger schräg fallen die Strahlen des mächtigen Feuerballs auf uns hernieder, immer kürzer werden die Schatten und damit immer spärlicher die Stellen, an denen wir Schutz finden gegen die Gluth der Sonnenstrahlen. Bis zu 60 Grad erhebt sich die Sonne am Mittage des 1. Juni über unsern Horizont, und noch steigt sie langsam, so daß sie gegen Ende des Monats noch einen Grad höher steht. Auch die Zeit, die sie über unserm Horizonte verweilt, nimmt zunächst noch zu: 161/, Stunden dauert der Tag am 1. Juni und 163/4 Stunden am 2l. Juni, dem längsten Tage, an dem die Sonne ihre größte Höhe erreicht und am längsten bei uns verweilt. An diesem Tage tritt sie in das Thierkreiszeichen des Krebses ein, das gewissermaßen andeutet, daß es nun wieder rückwärts gehl, und damit beginnt der astronomische Sommer. Unser Begleiter auf der Reise durch ßen Weltenraum, der Mond, ist bei Beginn des Monats nicht sichtbar, da am 31. Mai Neumond war. Am 8. Juni ist dann erstes Viertel, am 14. Juni Vollmond, am 21. letztes Viertel und am 30. Neumond.
wie ein Schmetterling flog Gertrud den Herren entgegen.
„Onkel, lieber Onkel, wie freue ich mich, Dich wieder zu sehen! Und Du siehst wohl und frisch aus! Wäre nur Albrecht auch mitgekommen. Ah, das ist aber Graf Botho?"
„Zu dienen, schöne Schwägerin," rief dieser lachend und der hübsche frische Husarenoffizier küßte Gertruds Hand, „ich hoffe, Gnade zu finden vor Ihren schönen Augen."
Im Hause wurde die Begrüßung fortgesetzt, auch Herr und Fräulein von Braunaus erschienen und Graf Hohenstein umarmte herzlich Herrn von Braunau, seinen alten Jugendfreund, der allerdings um ein Bedeutendes älter aussah, obwohl er nur zwei Jahre älter als der Graf war.
„Das ist meine Tochter Ilse," bemerkte Herr von Braunau dann einfach und zeigte auf das schöne, blonde Mädchen, die zwar etwas befangen, doch ungeziert dem Grafen die Hand reichte. Wie bezaubert blickte dieser in die schönen, großen blauen Augen Jlsens und ein Gefühl unsäglicher Wehmuth schlich in sein Herz, denn er war ja ein alternder Junggeselle mit nun schon langsam ergrauendem Haar.
Dem jungen heißblütigen Grafen Botho aber schoß bei dem Anblicke der lieblichen Ilse das Blut in die Wangen, vor seinen Augen tanzten blutrothe Lichter und sein Herzschlag setzte einen Augenblick aus. „Sie — oder keine," klang eine Stimme tief in der Seele des jungen Offiziers.
Es folgten nun heitere, frohe Tage des geselligen Beisammenseins im Hause des Majors. Die jungen Leute spielten Croquet und Temies und auch die älteren Mitglieder der Gesellschaft fanden sich nicht selten dazu ein. Gertrud war wie verzaubert durch Graf Botho, sie wich nicht von seiner Seite, ihre Blicke wurden immer wärmer und deutlicher und schon am dritten Tage erklärte sie in ihrer ungestümen Weise der Freundin, daß sie Albrecht nicht werde heirathen können.
Ziegenhailt, 29. Mai. Um ein Mädchen in Leimbach bewarben sich gleichzeitig zwei junge Burschen, der eine aus Gungelshausen und der andere aus Wiera. Am vergangenen Mittwoch waren beide, von anderen Burschen aus ihren Dörfern begleitet, in Leimbach erschienen. Aus Eifersucht kam es zwischen beiden Parteien bereits im Dorfe zum Streit, der dann außerhalb des Ortes zu einer Schlägerei anwuchs, bei welcher ein Bursche aus Gungelshausen tödtlich verwundet wurde. Es ist dies der Sohn des Butterführers Hahn. Derselbe erhielt mit einem Brett einen solchen Schlag auf den Kopf, daß er sofort besinnungslos zusammenbrach. Trotz ärztlichen Beistandes ist derselbe nicht wieder zum Bewußtsein erwacht, sondern gestern seiner Verletzung erlegen. Die Betheiligten sind bereits verhaftet und fehen nunmehr ihrer Bestrafung entgegen. (C. Tgbl.)
Caffel, 1. Juni. Am gestrigen Vormittag gegen 9’/2 Uhr ereignete sich an einem Neubau der Moritzstraße ein Unglücksfall. Der 19 Jahre alte Maurergeselle Friedrich Wiederhold aus Udenhausen, Kreis Hof- geismar, wurde in Folge der ungewohnten starken Hitze (20 Grad) im vierten Stockwerk des Neubaues schwindelig, verlor das Uebergewicht, und ein fast meterhohes, eben erbautes Ziegelstein-Mauerwerk mit sich reißend, stürzte er in den Hofraum, wo er schwerverletzt bewußtlos liegen blieb. Der Unglückliche wurde sofort nach dem Landkrankenhaus überführt, wo er schon V24 Uhr verstarb.
Nentershausett, 31. Mai. Auf eine schreckliche Weise suchte der Landwirth K. zu Dankmarshausen sich b«6 Leben zu nehmen. Während Alles in der Kirche sich befand, nahm er ein Messer und schnitt sich den Hals durch. Bis jetzt ist der Tod noch nicht eingetreten, doch wird an dem Aufkommen des schrecklich Verletzten gezweifelt. K. litt an einem unheilbaren Uebel, das ihm große Schmerzen bereitete.
Wiesbaden, 31. Mai. Am vorigen Sonntag, den 23., Abends, ist der Soldat Morgenstern vom 87. Regiment in Mainz auf dem Wege von seinem Heimaths- orte Bremthal nach der Eisenbahn-Station Auringen- Medenbach hinterrücks überfallen und zu Boden geschlagen worden. Er wurde am andern Morgen in noch bewußtlosem Zustande aufgefunden und dann in seine Garnison Mainz gebracht. Hier erlag er am letzten Sonnabend seinen Verletzungen. Der Thäter ist ein Bursche Namens Wilh. Lieser aus Auringen, er ist in Hast genommen worden.
Wabern, 1. Juni. Am vergangenen Sonntag sind aus der Erziehungs- und Besserungs Anstalt Wabern wieder einige Zöglinge entwischt, ohne daß es bis jetzt gelungen ist, dieselben wieder einzufangen. Ein früherer Zögling der Anstalt ist wieder rückfällig geworden und auf die Verbrecherlaufbahn gerathen und wegen Mordes, an einem Kinde verübt, vor kurzer Zeit zum Tode ver- urtheilt worden.
Aus einem Aonfevenzvovtrnge.
Auf der Konferenz zu W e i d e n h a i n am 10. Mai wurde von mir ein Vortrag über Schulsparkassen gehalten. Da solche Kassen von jedem Lehrer mit leichter Mühe eingerichtet werden können, so will ich, um die Eltern der Schüler dem Unternehmen geneigt zu machen, das Wesentliche aus meinem Vortrage hier wiederholen und darstellen, welche Erfolge wir an unserem Orte mit der Schulsparkasse gehabt haben:
Man glaubt nicht, wieviel Geld den Kindern durch die
„Ich schicke ihm seinen Ring zurück und heirathe Botho," flammte sie auf und fiel Ilse um den Hals, „denn er gefällt mir thatsächlich besser als Albrecht. Siehst Du denn nicht, Du gute, daß Botho auch nur da ist, wo ich bin? Daß er uns auf Schritt und Tritt folgt und nie bei den Leuten bleibt?"
Ilse wurde glühendroth. Ja, sie hatte dies allerdings bemerkt, indessen mit dem Unterschiede, daß ihr und nur ihr die Huldigungen des jungen Grafen galten. Es that ihr allerdings leid, denn sie empfand auch nicht einen Schimmer von Liebe für den hübschen, jungen Offizier und ohne echt und wahr zu lieben, so dachte Jlsens junges Herz, wollte sie niemals eines Mannes Weib werden.
„Aber Gertrud," beschwichtigte Ilse die tieferregte Freundin, „Botho ist ja gegen uns Beide gleich zuvorkommend und keineswegs nur gegen Dich. Ich denke mir, es ist nur die einfache Galanterie des Mannes von Welt gegen Damen und nichts andres. Herzchen, wie kannst Du nur daran denken Deinem Verlobten, dem braven Grafen Albrecht treulos zu werden!"
Gertrud biß sich ärgerlich auf die Lippen und sagte kein Wort weiter von ihren extremen Neigungen.
Graf Botho indessen war von Amors Pfeil bis ins tiefste Herz getroffen, Ilse, das herrliche, blonde Mädchen schwebte ihm bei Tag und bei Nacht vor und nur mühsam konnte er sich beherrschen, ihr nicht schon jetzt seine Liebe zu gestehen.
(Fortsetzung folgt.)
— Die Stadt NamsoS in Norwegen ist am Sonntag Nachmittag fast gänzlich ein Raub der Flammen geworden. Es herrschte starker Wind.
— EigeneUeberzeugung. Doktor (zu einem ganz abgemagerten Patienten): „So, jetzt legen Sie sich zwei Senfpflaster auf: das eine auf die Brust das andere auf den Rücken." — Patient: „Dürfte das nicht zuviel Sens für so wenig Fleisch sein, Herr Doktor?"