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Erscheint wöchentlich drei Mal Dienstag, Donnerstag und Sonnabend.

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ersselSer Kreisblatt.

Gvatirbettagen:Illuftvirter Ssnntagrblatt" «.Illnstkirte lanvwirthschaftliche Beilage".

«r. 59.

I»mlttß«g Ki 20. Mai

1897.

Amtlicher Theil.

Hersfeld, den 12. Mai 1897.

In dem Verlage von Brems & Plaum zu Wies­baden ist vor Kurzem einHandbuch der Polizei-Ver­waltung für den Regierungsbezirk Cassel" erschienen, welches auf Grund amtlichen Materials von F. v. Wickede, Landvogt z. D. zusammengestellt ist. Dasselbe enthält auf etwa 49 Bogen = 784 Seiten die bis zum Ende des Jahres 1896 erlassenen Regierungs-Verord- nungen auf dem Gebiete der Sicherheits-, Ordnungs­und Sitten-, Feuer-, Gesundheits-, Veterinair-, Bau-, Gewerbe-, Berg-, Straßen-, Wege-, Feld-, Forst-, Jagd-, Fischerei-, Eisenbahn-, Strom-, SchifffahrtS- u. s. w. Polizei sowie einige wichtigere diesbezügliche Bestimm­ungen. Die Fortführung des Werkes, durch Herausgabe von Ergänzungsbänden in gewissen Zeiträumen, ist be­absichtigt.

Der Kommissionsverlag des Werkes ist der Krieger'schen Buchhandlung zu Cassel, Inhaber Theod. Kay über­tragen. Der Preis beträgt 10 Mark, jedoch hat die Verlagsbuchhandlung, um namentlich den Behörden einen billigeren Bezug zu gewähren, bei Bestellung bis zum 1. Juni b. I. einen Preis von 8 Mark zugestanden.

Da das Werk für die OrtSbehorden von praktischem Werthe ist, wird die Anschaffung desselben auf Gemeinde­kosten empfohlen.

I. I. Nr. 2790. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz, Geheimer RegierungS-Rath.

Hersfeld, den 15. Mai 1897.

Die in der Gemeinde Holzheim ausgebrochene Maul- und Klauenseuche ist erloschen und die angeordnete Orts- und Gemarkungssperre wieder aufgehoben worden.

J. I. Nr. 2857. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.

Klichlamtlicher Theil.

Werth der Freischaren.

Für richtige Demokraten gilt es bekanntlich als un­umstößlicher Glaubenssatz, daß die stehenden Heere ihren

Um Ehre und Uuhm.

Erzählung von M. von Buch.

(Fortsetzung.)

Frage, ob dein Name an meinem Hofe einen schlechten Klang hat?" erwiderte der Kurfürst.Bist du nicht mein Freund? Den will ich sehen, der dir nicht mit Ehrerbietung begegnet."

Euretwegen, ja," entgegnete Helmrich.Allein, was that, was thue ich, um sie mir rechtens zu ver­dienen? Eure Tage sind mit strenger Arbeit ausgefüllt, doch mir verrinnen die Stunden in müßigem Spiel. Ihr kennt die Aufgabe, die ich mir im Leben gestellt habe; aber wie weit bin ich noch entfernt vom Ziel!"

Genug Reden sind gewechselt, mich gelüstet es nicht, noch mehr zu hören," rief Friedrich aufspringend. Aerger- lich verließ er den Garten und begab sich in die Burg. Langsamer folgte Helmrich.

Nun war es gekommen, wie der Komtur im voraus geahndet hatte. Der junge Fürst streute über seinen Schützling Gnade und Gunstbeweise aus, allein die Ehren, die Helmrich dadurch zu theil wurden, konnten ihn nicht befriedigen, weil er wußte, daß er sie nicht sich selbst verdankte.

Nach jener Unterredung fühlte Helmrich sein Gemüth beschwert, und der Aufenthalt in Altenburg, der ihm Unthätigkeit auferlegte, wurde ihm fast zur Qual.

Friedrich jedoch vermochte dem geliebten Freunde

Beruf verfehlen und den Vorzügen derfreien Volks­wehr" gegenüber zurückstehen. Es ist sehr durchsichtig, warum diese Anschauungen in Wort und Schrift ver­breitet werden. Die stehenden Heere sind nicht nur die Hüter der staatlichen Selbständigkeit gegen äußere Feinde, sondern auch ein Schutzwall für die innere Ordnung und das genirt bekanntlich die modernen Jakobiner. Freischaren und Miliztruppen sind immer für revolu­tionäre Zwecke dienstbar. Daher die große Vorliebe der Demokratie für sie.

Aber selbst in denvorgeschrittensten" Kreisen sollte man sich doch allmählich zugestehen, daß es eine un­glaubliche Selbsttäuschung ist, wenn man nach allen Erfahrungen der Vergangenheit und Gegenwart noch länger das Dogma von der Unübertrefflichkeit der freien Wehrscharen für unfehlbar erklärt. Die Welt hat gerade jetzt Gelegenheit, einmal wieder praktische Lehren über den Werth von solchen Soldaten zu sammeln, da der griechisch-türkische Krieg zahlreiche fürFreiheit und Recht" ^begeisterte Freischärler aus aller Herren Län­dern mobil gemacht und iy den Dienst der Griechen ge­stellt hat. Im Namen derFreiheit" undMenschen­würde" kamen sie Mann für Mann, großsprecherisch trotzten sie dem ganzen Europa, und herausfordernd zo­gen sie über die türkisch - griechische Grenze jeder einzelne einHeld", welcher schon das türkische Heer in der Tasche hatte. Mancher hatte auch neben der rothen Garibaldinerbluse weiße Glacehandschuhe angezogen.

Aber mit großen Worten allein vernichtet man nicht einen waffenkundigen Gegner. Zieht man die krie­gerischenThaten" dieser Freischärler in Betracht, dann schweigt allerdings des Sängers Höflichkeit. Gleich in dem ersten Gefecht, als der Kanonendonner noch in der Ferne erdröhnte, erwählten sie schon mit Fallstaff die Vorsicht für den bessern Theil der Tapferkeit. Sie wichenmuthig" zurück, und als die Türken sich an« schickten, ihnen zu folgen, da war es vollends aus mit ihrerHeldenschaft". Alle Ordnung löste sich in ihren Reihen, jede Disziplin und Zucht war aufgehoben. Nicht einmal den Unbiden des Wetters hielten sie stand. In wilder Flucht, verließen sie den Kriegsschauplatz, alles mit sich fortreißend, was sie daran hindern wollte. Ihr Beispiel wirkte füglich auch auf die regulären grie­chischen Truppen nachtheilig ein; alles floh, warf die Waffen weg und versteckte sich in jedem erreichbaren Schlupfwinkel.

Kläglicher hat sich nie eine Truppe benommen, wie

nicht lange zu zürnen. Sein Aerger verflog, und besorgt betrachtete er Helmrichs verhärmte Wangen.

Was fehlt dir?" fragte er, freundliche Theilnahme in Thon und Miene.

In der Blüthe meiner Jugend welken nutzlos meine Tage," klagte Helmrich. »Ihr seid reich an Geschenken, ich bitte Euch herzlich, bedenkt auch mich. Gebt mir ein Amt gleich einem Eurer Diener."

Um Friedrichs Mund spielte ein Lächeln.Dir soll werden, wie du wünschest. Mir, der ich reich bin an Burgen und Schlössern, fehlen getreue Haushalter. Ich ernenne dich hiermit zum Vogt meines Hauses in Belzig."

Das Schloß lag wüst, es war nach der Belagerung der Magdeburger im Jahre 1406 vollständig eingeäschert worden, bis auf den alten Wartthurm, der die Stürme des Krieges ohne Schaden überdauert hatte. Wie ein Hohn klang die Ernennung, um so mehr als Friedrich hinzusetzte:In Belzigs verfallenen Gemächern Hausen Eulen und krächzen Dohlen, besser als bei dem geflügelten Gefindel wird dir die Wohnung hier in Altenburg dünken. Du bleibst also bei mir, allein es ist nicht ausgeschlossen, daß wir unsern Fürstensitz zu geeigneter Zeit einmal aur- bauen lassen."

Helmrich, dessen zuckende Lippen einzig zeigten, wie tief ihn die Worte verwundeten, verneigte sich ernsthaft. Ich danke Euch, gnädigster Herr, für Eure Gnade; ich denke, ich werde mich dieser Ehre würdig erweisen."

Du solltest mich recht verstehen, Helmrich," rief der junge Kurfürst ein wenig ungehalten über diese Antwort.

diese Freischärler. Besonders die von den italienischen Socialdemokraten gestellten Elemente boten ein Bild von so vollkommener Feigheit, daß selbst die nicht viel heldenhafternGacibaldianer" sich ihrer schämten und ihnen das Tragen des rothen Hemdes, des Ab­zeichens derer um Garibaldi, untersagten.

Das sind moderne Freischaren, das Ideal deutscher Demokraten und Socialrevolutionäre! Die Geschichte wird das Urtheil über sie etwa dahin zusammenfassen: den eigenen Freunden ein Verderbniß, dem griechischen Landvolke eine Geißel, der Welt ein Bild verächtlichen Spottes. Es wäre ein Fehler, wollte man dem noch etwas hinzusetzen.

Der griechisch-türkische Arieg.

Die Pforte hat auf den letzten Schritt der Mächte geantwortet, sie mache die Einstellung der Feindseligkeiten von der Annahme folgender Bedingungen für den Abschluß eines Waffenstillstandes unddesFriedens abhängig: Zahlung einer Kriegs­entschädigung von 10 Mill. Pfund (1 Pfd. = 18,44 Mk.) durch Griechenland, Wiederherstellung der alten Landes­grenze, Erneuerung der Verträge für die griechischen Unterthanen in der Türkei auf Grund des internationalen Rechts, Abschluß eine» JlarteÜVertrages für die Ausliefer­ung gemeiner Verbrecher, ferner Freilassung der Häfen von Volo und Prevesa für den Verkehr mit dem Beginn des Waffenstillstandes. Die Bevollmächtigten hätten in Pharsala zusammenzukommen.

Die allgemeine Stimmung unter den Mächten ist gegen die Höhe der Friedensforderungen der Pforte ge­richtet. Die Bedingungen gelten für hart und unaus­führbar; namentlich ist man nicht geneigt, Gebietsab­tretungen an die Türken zuzugestehen. Aus Konstantinopel wird gemeldet, daß das gesammte diplomatische Korps das Verlangen der türkischen Kriegsentschädigung als übertrieben, hoch und unerfüllbar bezeichne. Die geforderte Gebietsabtretung, ausgenommen eine militärisch noth­wendige Grenzberichtigung, sei mit der Erhaltung des bestehenden Zustandes unvereinbar. Es werde geglaubt, daß der vierte Theil der beanspruchten Kriegsentschädigung mehr als genügend sei; dagegen sei eine türkische Besetzung Thessaliens bis zur Zahlung der Kriegsentschädigung oder bis zur Leist­ung einer anderen Bürgschaft zu erwarten. Namentlich führt das WienerFremdenblatt", das Organ des öster-

Mir liegt nur Eins am Herzen: dich bei mir zu be­halten."

Es war schon Mitternacht vorüber, als Helmrich heute das Arbeitszimmer seines jungen Gebieters verließ, um sich nach seiner Kammer zu begeben. In den langen Gängen des Schlosses wob das finstere Grauen der Mitternacht. Helmrich trat an das Fenster des Turmes; seine Blicke fielen auf das Meer der Baumwipfel zu seinen Füßen und stiegen dann wie suchend zum Himmel empor, wo im feurigen, drohenden Glänze der Rutenstern flammte. Aber er empfand kein Bangen vor dem un- heildrohenden Kometen, ja, es war, als leuchtete er ihm Trost ins Herz, als spräche er: Gönne der Zeit ihr Recht.

Und er gönnte es ihr.

Der Hochsommer zog ins Land, bleichte das Korn und fügte in das Grün der Wälder rothe und goldene Farben. Da kamen beunruhigende Gerüchte aus der Lausitz. Die Hussiten, hieß es, zögen ihre Streitmacht an den Grenzen des Meißner Bischosssprengel zusammen.

Sie hatten es dem Bischof nicht vergessen, daß auch er zu jenen Prälaten gehörte, die im Costnitzer Concil für den Tod von Huß gestimmt hatten. Vierzehn Jahre waren darüber hingegangen, allein die Flammen aus dem Scheiterhaufen des Märtyrers hatten in den Herzen der Böhmen weitergebrannt und dort die Flammen der Rache entzündet.

Friedrich verlegte Anfang September fein Hoflager von Altenburg nach Dresden.

Wie eine verheerende Fluth wälzten sich im Oktober