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theidigungslinie bei Pharfalos, ungefähr 40 Kilometer hinter Larissa, auf demselben Gelände, wo 48 v. Chr. Cäsar den PompejuS schlug, zu gewinnen. Es ist aber unwahrscheinlich, daß das flüchtige griechische Heer, dessen ohnedies ungeübte Soldaten durch die ersten Niederlagen vollends demoralisiert sein werden, dort zum Stehen komme. Allenfalls könnten die griechischen Truppen noch einmal an der Grenze des alten Hellas, an der klassischen, einst für das persische Heer verhängnißvollen Stätte der Termopylen, Kraft zum Widerstände gewinnen.

In der französischen Presse wird bereits lebhaft Stimmung für eine Intervention der Mächte zu Gunsten der Griechen gemacht. Es fragt sich aber, ob die Lek­tion, die dem griechischen Eroberungstaumel ertheilt worden ist, schon genügend gewirkt hat. Die Großmächte hatten vor Ausbruch des Krieges die ganze Tonleiter; diplomatischen Einflusses, von der einfachen Mahnung i bis zum scharfen Ultimatum, erschöpft, ohne viel mehr i zu erreichen, als ziemlich dreiste Antworten der griechischen Regierung, die ihre Spekulation aus die Uneinigkeit der Großmächte fortsetzte. Die deutsche Regierung steht da­her mit Recht auf dem Standpunkte, daß vor jeder Einmischung Griechenland Gewähr dafür bieten müsse, daß es sich dem Willen Europas füge. Der Friedens­bruch auf Kreta ist bis heute noch ungesühnt, die Ver­wirrung auf der Insel dauert mit der Invasion der Truppen des Obersten Vassos fort.

Einstweilen scheint es noch nicht, daß die Heilung des griechischen Größenwahns begonnen habe. Athener Blätter verlangen die Fortsetzung des Krieges und wei­sen den Gedanken, die Großmächte um Vermittlung an- zugehen, weit ab. Wie Deutschland, so werden wahr­scheinlich auch Oesterreich-Ungarn und Rußland keinerlei Jnterventionsgelüste unterstützen, so lange die Voraus­setzung der diplomatischen Unterwerfung Griechenlands nicht erfüllt ist. In der definitiven Ernennung des Grafen Murawiew zum Minister des Auswärtigen in Petersburg darf man ein Zeichen dafür erblicken, daß der Zar in seiner Politik keine Vorherrschaft von Fami- lieninteressen über die national russischen wünscht.

Es ist merkwürdig, was einzelne deutsche Redakteure, denen die Erinnerungen an die altgriechischen Helden­kämpfe aus ihrer Jugendzeit noch anhängen, von der Bravour des griechischen Heeres in Thessalien zu erzählen wissen. Gerade als ob die Schreiber solcher Artikel bei den Kämpfen um den Me- lunapaß und bei Turnavos zugegen gewesen wären. In Wirklichkeit liegen zuverlässige Berichte von Augen­zeugen überhaupt noch nicht vor. Schon aus der all­gemeinen Situation auf dem Kriegsschauplätze aber er­hellt, daß die Griechen einen wahrhaft hartnäckigen Widerstand den aus den Gebirgspässen hervordringenden Türken überhaupt nicht geleistet haben. Was aus Athen über griechische Erfolge auf den beiden Flügeln der Heeresaufstellung gemeldet worden war, hat sich hinterher als Aufschneiderei herausgestellt. Eine am Dienstag eingetroffene Depesche läßt sogar erkennen, daß eine wirkliche Schlacht vor der Räumung Larissas gar nicht geschlagen sein kann, und daß die Griechen vielmehr in heilloser Verwirrung vor den Truppen Edhem Paschas die Flucht ergriffen haben. Anderseits beweist der Erfolg der türkischen Waffen, daß auf tür­kischer Seite kaltblütig und mit planmäßiger Ueberlegung der Feldzug unternommen worden war. Es scheint doch, als ob die türkische Armee unter der Erziehung deutscher Offiziere manches gelernt hat, und insoweit ist es auch ganz begreiflich, daß ein Theil der französischen Presse, freilich mit unsinnigen Uebertreibungen, die Vorgänge in Thessalien wie eine Art Sadowa betrachtet.

Aus Athen kommen bedenkliche Nachrichten, die allerdings überraschend genannt werden können. Das ganze Abenteuer des griechischen Krieges ist herbeige­führt und eingeleitet worden, von Leuten, die glaubten im Stil der alten Jakobiner Revolutionskrieg machen zu können. Man glaubt ein Pariser Bulletin aus den neunziger Jahren des vorigen Jahrhunderts zu verneh­men, wenn eine Athener Depesche äußert:Der Oppo­sitionsführer Ralli ist aus Thessalien zurückgekehrt und veröffentlicht Enthüllungen über die Bravour der grie­chischen Truppen und über die unrichtige Führung." Für die angeblich schlechte Führung der Truppen wurde zunächst der Kronprinz verantwortlich gemacht. Es erhob sich die Frage, ob der Kronprinz Angesichts der ernsten Stimmung in Athen überhaupt beim Heere belassen werden könne. Vor der Hand hat das Ministerium den Ausweg gefunden, pro forma den Kronprinzen in seiner Stellung zu belassen, ihn aber zu verpflichten, auf die Entschließungen des Generalstabschefs keinen Einfluß mehr zu nehmen. DerAgence Havas" zufolge haben mehrere Deputirte verschiedener Parteirichtungen be­schlossen, sich nach Pharsala zu begeben. Nach dem Beispiele des St. Just und ähnlicher Konvents-Strategen werden diese Herren wohl dem Generalstabschef bei seinen Entschließungen behülflich sein. Inzwischen hat die gegen den Kronprinzen ergriffene Maßregel die Er­bitterung der vom Nationalverein aufgestachelten Menge nicht besänftigen können. Man will durchaus den König Georg selber für die Folgen des revolutionairen Größen­wahns, dessen man sich schuldig gemacht, zur Verant­wortung bringen. Der König habe so wird jetzt behauptet von seinem Kabinet aus dem Kronprinzen alle Direktiven gegeben und diese hätten dahin gezielt, den Elan der nationalen Aktion zu lähmen. Der Standard" meldet aus Athen:Die Lage der könig­lichen Familie ist unleugbar kritisch. Von zuverlässiger

Seite wirb versichert, daß Vorkehrungen getroffen werden, damit die königliche Familie im Falle der Noth in aller Eile das Land verlassen könne. Die Einwohner schieben dem Kronprinzen die Schuld an den Niederlagen Grie­chenlands zu."

Wien, 27. April. DieNeue Freie Presse" meldet aus Athen: Das Volk erbricht die Waffenläden und plündert sie. Der Sturz des Ministeriums gilt als entschiede».

Politische Nachrichten.

Aus Karlsruhe wird vom 27. April gemeldet: Se. Majestät der Kaiser ist um 10 Uhr 50 Min. hier eingetroffen und am Bahnhöfe vom Großherzog em­pfangen worden. Die Begrüßung war eine herzliche, beide Fürsten umarmten sich wiederholt. Sodann wurde die Fahrt nach dem Schlosse angetreten. Um 2 Uhr wird, dem Vernehmen nach, Se. Majestät die Fahrt nach Schwetzingen fortsetzen.

Der Reichstag und das preußische Ab­geordnetenhaus haben am Dienstage nach Ablauf der Osterserien ihre Plenarsitzungen wieder ausgenommen. Auf der Tagesordnung des Reichstages standen neben untergeordneten Vorlagen die erste Berathung des Nach- tragsetats, die erste Berathung des Entwurfs eines Ge­setzes wegen anderweiter Bemessung der Witwen- und Waisengelder und die zweite Berathung des Auswande- rungSgesetzes Das Abgeordnetenhaus hat den Antrag des Abgeordneten Grafen Hoensbroech, betreffend die Aufhebung von Zollkrediten bei der Einfuhr von Ge­treide, berathen.

Der Allgemeine deutsche Handwerker- t a g ist am Dienstage in Berlin zusammengetreten. Am Montage ging eine Konferenz der Theilnehmer der Allge­meinen deutschen Handwerkerkonferenz vom Herbste v. J. voraus. Obermeister Baum aus München erklärte, er sei von dem Bunde in München ^u der Erklärung er­mächtigt, daß man in München die Handwerkervorlage annehmen wolle, auch ohne Abänderung. Das wäre immer noch besser, als der jetzige Zustand. Haustermann- Stuttgart erklärte, er würde es bedauern, wenn die Vor­lage abgelehnt würde. Reichstagsabgeordneter Euler bemerkte, man möge unter dem Zwange der Verhältnisse annehmen, was geboten werde.

In Karlsruhe ist gestern Morgen 6 Uhr Se. groß­herzogliche Hoheit Prinz Wilhelm von Baden, der ältere der beiden Brüder Sr. königl. Hoheit des Großherzog», gestorben. Mit dem großherzoglichen Hause von Baden wird das preußische Königshaus durch diesen herben Verlust um so schmerzlicher getroffen, je enger die verwandtschaftlichen und freundschaftlichen Bande zwischen beiden sind.

Eine Radfahrer-Uniform für Soldaten ist probeweise bei den preußischen Gardetruppen einge­führt worden und namentlich schon bei den Eisenbahn- Regimentern im Gebrauch. Sie besteht vorläufig in einer graugrünen Joppe, die hinten durch eine Schnur zusammengezogen ist, die Achselklappen des betreffenden Regiments und das Rangabzeichen trägt. Die Joppe darf nur bei Benutzung eines Fahrrades getragen werden, jedoch auch dann, wenn das Rad nicht im militärischen Dienste gefahren wird oder Eigenthum des Fahrers ist.

Auslanv.

Der Besuch des deutschen Kaiserpaares in Petersburg ist für Mitte August angemeldet und wird drei Tage dauern. Das Kaiserpaar wird von einem großen Gefolge, worunter sich auch der Staatssekretär des Auswärtigen Amtes, Freiherr von Marschall, be­findet, begleitet sein.

Zu dem Mordans chlag auf den König von Italien wird noch berichtet, daß ein Freund des Verbrechers Acciarito, mit dem sich dieser am Morgen der That besprach, der sechzehnjährige Frederico Gudini in Rom verhaftet wurde. Nach dem römischen Blatte Opinione" führt alles zu der Annahme hin, daß es sich um einen gemeinsamen Anschlag handle.

Die'Großmächte haben die Blockade Kretas für den größten Theil der Nordküste, also für den Griechenland nächstgelegenen Theil der Insel aufgehoben. Die Aenderung ist vomReichsanzeiger" bereits ver­öffentlicht.

Ein Leitartikel desHamb. Korrespondenten" unter der UeberschriftWachsamkeit thut noth!" unternimmt es, den Beweis zu führen, daß der englische Kolonial­minister, Chamberlain energisch zum Kriege gegen Transvaal treibe. Die Alarmnachrichten seien kein bloßes Börsenmanöver der RhodeS Klique. Die Vorbereitungen Englands zu einerVergewaltigung Trans­vaals werden in der That immer offener betrieben. Drei Divisionen Feldartillerie im Lager von Adlershot haben den Befehl erhalten, sich sofort für Südafrika bereit zu halten.

Aus Provinz unü PWar-ediel.

Schul-EntschuldigungSschreiben sind nach einem Urtheile des Reichsgerichts als Urkunden anzusehen. Wissentlich falsche Angaben in solchen Schrei­ben, beispielsweise die unrichtige Angabe, das Kind sei krank gewesen, sind demnach als Urkundenfälschung zu beurtheilen und zu bestrafen.

-e- Hersfeld, 28. April. [Der erste Schul- t a gZ Gestern öffneten nach der Osterpause die großen Häuser, in welchen unsere Jugend für des Lebens Ernst

und Kampf herangebildet wird, zum ersten Male wieder ihre Thore. Und neben den Knaben und Mädchen, die eilig der gewohnten Stätte des Unterrichts zustrebten, trippelten ängstlich festgeklammert an Mutterns oder Vaterns Hand die kleinsten unter den kleinen Lernbe­gierigen, welche einen schweren Gang sorgenvoll gingen, den schwersten, den ihnen bisher ihr Lebenslauf gebracht hatte: den ersten Gang zur Schule! Be­sonders sorgfältig hatten sie die Eltern herausgeputzt, und an Ermahnungen fehlte es auch nicht. Fritzchen soll demHerrn Lehrer" stets recht gut folgen, und Emma soll immer ordentlich aufpassen, damitFräulein" sie recht lieb gewänne. Dann gab es einen herzbrechen­den Abschied für einige Stunden, nach deren Verlauf die zur Abholung wieder an Ort und Stelle erschienenen Angehörigen ängstlich harrend ihre Kleinen wieder in Empfang nehmen durften, die nun stolz wie Sieger aus einer großen Schlacht von ihren Erlebnissen erzählten und ganz besonders hervorhoben, daß der gefürchtete Lehrer oder das Fräulein so ganz und gar nicht böse gewesen wären, sondern recht freundlich und liebevoll. Und die Mütter, die zum ersten Male nun aber für immer ihre Lieblinge ihrer alleinigen Hut entschwinden sehen, sind doch stolz darauf, daß ihre Kinder nunzur Schule" gehen, und die Feier des Tages kommt in irgend einer süßen Liebesgabe ganz sicher zum Ausdruck; manchmal sogar soll eine gewisse Befriedigung zu Haus darüber herrschen, daß der Schulzwang für ein paar Stunden die kleinen Quälgeister unter seine Fittiche nimmt und sie der wilden Jagd daheim durch Stuben, Küche und Flur entzieht. Aber nicht nur im äußern Leben des Kindes, sondern auch in seinem innern Wesen ist der erste Schultag ein Wendepunkt. Die Sorglosig­keit des Lebens in den Tag hinein hat ein Ende:et­was fürchten, hoffen und sorgen muß der Mensch für den kommenden Morgen." Die Wahrheit dieses Spruches öffnet sich den Kindern vom ersten Schultag an, und wenn sie auch manche neueUnarten" von den Schul- genoffen annehmen, ohne ihre alten, angestammten zu verlernen, so wird doch das ganze Gebahren der Schul- gänger gesetzter und ernster. Alle den Kleinen ist allerdings die Wichtigkeit und Bedeutung ihres neuen Berufs noch nicht gleich am ersten Tage aufgegangen, denn mancher braucht eben länger, bis er in eine neue Lage sich hineinfindet, als ein anderer. So erwiderte gestern ein munterer Knabe, als er gefragt wurde, was er in der Schule gemacht habe, seinem Vater:Ich habe gewartet, bis sie aus war!"

* Hersfeld, 28. April. (Unlauterer Wett- b e m e r b.) In gewerblichen und industriellen Kreisen pflegt man bei der Herstellung von Fabrikansichten und dergl. oft Gebäude mit anzuführen, die in Wirklichkeit gar nicht bestehen, oder doch die perspektivische Darstell­ung eines Geschäftshauses so wiederzugeben, daß dieses im Verhältniß zur Umgebung größer erscheint, als dies der Wirklichkeit entspricht. Diese Gepflogenheit ist nach Inkrafttreten des Gesetzes gegen den unlauteren Wett­bewerb entschieden strafbar, da laut den Bestimmungen des genannten Gesetzes bildliche Darstellungen den An­gaben thatsächlicher Art gleich zu achten sind." Würde nun gegebenen Falls ein Auftraggeber geltend machen, nur durch die Anfügung von in Wirklichkeit oder doch in der angegebenen Ausdehnung nicht vorhandenen Ge­bäuden zu Bestellungen veranlaßt worden zu sein, so läge im Sinne des Gesetzes die Thatsache derErregung von Irrthum" oder derabsichtlichen Täuschung" vor.

* Der Bundesrath hat beschlossen, daß im Schul­unterricht sowie im amtlichen Verkehr fortan für 100 Kilogramm die BezeichnungDoppel-Zentner", abgekürzt dz, angewendet werden soll.

= Gaffel, 24. April. Einen bedeutenden Schritt hat heute die in Hessen so blühende Organisation Raiffeisen'scher Genossenschaften wieder vorwärts gethan. Unter dem Vorsitz unseres allver­ehrten Herrn Oberpräsidenten Magdeburg tagte gestern im Regierungsgebäude eine Versammlung, die den Zweck hatte, die Bedürfnisse und den Werth der Kornhaus-Genossenschaften klar zu legen. Anwesend waren die Vertreter der schon gegründeten vier Genossenschaften, vom landwirthschaftlichen Ministe­rium Herr Geheimer Ober-RegierungSrath C o n r a d , der Präsident der Centralgenossenschaftskasse Freiherr v. Huene, Vertreter hiesiger hoher Regierung, Vertreter der Eisenbahndirektion, der Vorsitzende und General­sekretair der Landwirthschaftskammer, sowie der Verbands­anwalt Raiffeisen'scher Organisation. Herr Oberamt­mann Oldenburg schilderte in längerer Rede aus­führlich die Nothlage der hessischen Landwirthschaft, be­tonte besonders, daß dieselbe ebenso leide wie die ost- preußische und durchdringende Hilfe für dieselbe Noth thue; deshalb sei die Gründung einer FruchtverwerthungS- genossenschaft als Anfang zur Besserung freudig zu be­grüßen. Der Verbandsanwalt Rexrodt pflichtete dem Vorredner voll und ganz in seinen Ausführungen bei, erwähnte, daß lediglich nur durch das bescheidene, an­spruchslose Leben unseres hessischen Bauernstandes die trostlose Lage der Landwirthschaft nicht noch bemerkbarer sich mache und der Ruin vieler Existenzen dadurch auf­gehalten würde. Sodann ging derselbe über zur Er­läuterung der Bedürfnißfrage, Vortheile und geplante Organisation der Silogenossenschaften für Hessen und schließt seinen Vortrag mit der Bitte um Genehmigung der Mittel gegen angemessene Verzinsung von Seiten des Staates. Nachdem die Herren Neck nagel, von Pappenheim, v. Schwertzel, Bierschenk und M e r t e n s in längeren Ausführungen den Vor-