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Einrichtung sind, wird noch viel über diese Thatsache geklagt, aber wenig geändert werden. Für die Zeit nach Ostern bleiben dem Reichstage von größern Gesetz­entwürfen vor allen die beiden die Umgestaltung der Arbeiterversicherung betreffenden zu erledigen. Auch der Entwurf für die Handwerker-Organisation harrt seiner Verabschiedung, sodann das PostdampfschiffSverbindungs- gesetz, die Besoldungsanträge und das AuSwanderungS- gesetz. Die dem Reichstage noch gestellten Aufgaben sind also ziemlich umfangreich.

ImDeutschen Oekonomist" hat W. Christians eine neue Berechnung des gesummten deutschen Mobiliarvermögens unternommen. Auf Grund­lage der Steuereinschätzungen ergiebt sich eine Gesammt- summe von 52000 Millionen Mark. Christians hält diese Summe für viel zu gering und berechnet sie auf über 73000 Mill. In diese Rechnung hat er in den Besitz ausländischer Werthpapiere zehn Milliarden einge­setzt. Er hält diese Summe für die Minimalgrenze.

Wie aus Friedrichsruh gemeldet wird, schreitet die Besserung im Befinden des Fürsten Bis - marck in erfreulicher Weise vorwärts. Der Alt-Reichs­kanzler ist nicht nur bei sehr guter Stimmung, sondern hat auch bereits wieder die Spaziergänge im Freien ausgenommen. Sehr wichtig ist es, daß namentlich der Schlaf, welcher während der recht schweren Erkrankung des Fürsten sehr viel zu wünschen übrig ließ, sich jetzt in befriedigender Weise wieder eingestellt hat.

Ausland.

Die türkischen Blätter enthalten eine große Anzahl von Depeschen aus Elaffona, deren Werth jedoch ein fragwürdiger ist, da sie sehr ungenau und zum Theil widersprechend lauten. Ueber denSieg bei Diskata" wird gemeldet, daß über 5000 Griechen an dem Kampfe theilgenommen hätten. Der Verlust der Griechen wird mit 2000 Mann beziffert. Die Beerdigung der Todten sei gestattet worden. Bei dem gestern Morgen bei Spilo stattgehabten Kampfe sollen die Griechen einen Verlust von 1000 Mann gehabt haben. Sonnabend Nacht hatten 4000 Griechen bei Kebruejuz die Türken angegriffen, wurden aber dabei zurückgeschlagen. Ueberaß seien zahlreiche Gefangene gemacht worden, deren gute Be­handlung Edhem Pascha anempfohlen habe. Drei Spione, darunter ein Offizier, seien gefangen worden. Die Angriffe erfolgten meistens bei Nacht, wobei die türkischen elektrischen Lampen gute Dienste leisteten. Die Gesammtzahl der in der Umgebung von Diskata befindlichen Griechen wird auf 10000 Mann geschätzt. Die türkischen Truppen hatten überall die äußersten Grenzpunkte besetzt, jedoch dabei niemals das griechische Territorium beschritten. Die in den türkischen Blättern enthaltenen jüngsten Depeschen aus Elaffona, welche von gestern Mittag datirt sind, melden, daß der Kampf fort- dauere.

Von den Hawaii-Inseln kommt eine Nachricht, welche möglicherweise zu einem japanisch-amerikani­schem Streite führen kann. Die Regierung von Hawaii hat nämlich die Landung von 400 japanischen Einwanderern verboten, und der Gerichtshof von Hawaii bestätigte das Verbot. Wie verlautet, hat die Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika ein Kriegsschiff nach Hawaii entsandt und die japanische Regierung be- schlossen, dasselbe zu thun.

Aus Provinz iliiil Sadjbargehitt.

* Anläßlich der Bekanntmachung des Reichskanzlers vom 12. März d. I., betreffend die Umwandlung der vierprozentigen Reichsanleihe in eine dreieinhalbprozentige, sind Anträge auf Baarzahlung des Kapitalbetrages weder von Inhabern vierprozentiger Reichs-Schuldverschreibungen noch von Reichsschuldbuch-

der ein streng Regiment im Hause führte, mit Recht ge­ärgert und gekränkt fühlte.

Er schickte also die aus Silberblech kunstvoll getriebene Kanne zurück, und wiederholte den Befehl von dem Un­garwein.

Da kam Brigittes Unfall zu Tage.

Die Alte rief den Bürgermeister aus dem Zimmer, in dem die Herren saßen, und erzählte mit gerungenen Händen das Unglück, das ihr seit einigen Tagen Schlaf und Appetit raubte.

Als sie neulich in den Keller gekommen sei, habe sie einen eigenthümlich starken Geruch wahrgenommen, und als sie die Ursache zu ergründen, Nachforschungen ange­stellt, habe sie gefunden, daß sich die Reifen des Fasses gelöst, und daß der schöne goldgelbe Tokayer in die Steine des Kellers gezogen sei.

Diese Mittheilung gab dem Bürgermeister einen Stich ins Herz. Der schöne Wein, an dem er sich manch liebes Mal für Leib und Seele Erquickung getrunken, hatte ein so traurig-nutzloses Ende finden müssen.

Ein Jammer, ein wahrer Jammer," seufzte er end­lich,allein es muß ertragen werden. Schickt den Burgunder­wein wieder hinein, ich werde die Aenderung bei den Herren verantworten."

Mit diesen Worten wollte sich Michel Heinecke zu seinen Gästen begeben, die alte Brigitte hielt ihn zurück. Die weißen gestärkten Flügel ihrer Haube zitterten, während sie mit dem Schürzenzipfel an den Augen her- umfuhr.

Um Gott, Herr Bürgermeister," schluchzte sie,Ihr werdet doch den Herren mein Unglück nicht verrathen? Von Fritz Lobbes will ich gar nichts sagen, aber der Rathsherr Slanlach"

Gläubigern gestellt worden. Die dem Reichskanzler er­theilte Ermächtigung zur Kündigung der Schuldver­schreibungen und eingetragenen Buchschulden der vier­prozentigen Reichsanleihe gelangt somit nichtzur Ausübung.

* (P r e u ß. K l a s s e n - L o t t e r i e.) Die Loose zur letzten Hauptklaffe der 196. Preuß. Klaffen-Lotterie müssen bis spätestens den 20. ds. MtS., Mittags erneuert werden.

-e- Hersfeld, 15. April. Am Gründonners­tage ist es Sitte, etwas Grünes auf den Tisch zu bringen. Das Abendmahl wird gegenwärtig in allen christlichen Kirchen am grünen Donnerstage gereicht; in vielen kleinern Gemeinden treten heute die am Palm­sonntags eingesegneten Konfirmanden und Konfirmandin­nen zum ersten Male zum Tisch des Herrn, während dies in größern Orten gleich im Anschlüsse an die Ein­segnung erfolgt. Früher hatte die Kirche die Abend­mahlsfeier auf den Abend des grünen Donnerstages ver­legt; der Vormittagsgottesdienst mit dem Evangelium von der Fußwaschung, die Christus in vorbildlicher her­ablassender Liebe an seinen Jüngern vornahm, sollte die Vorfeier sein. In Rom kam am heutigen Tage die Bulla in coena domini zur Verlesung, durch welche in feierlicher Weise alle Ketzer verdammt wurden. In neuerer Zeit erfolgt diese Verlesung nicht mehr öffent­lich. Wie um alle christlichen Festtage, so hat auch an den Gründonnerstag der Volksglaube sinnige Beziehungen geknüpft. Da erscheint der Osterhase, der als Bote der Frühlingsgöttin Ostara den Kindern die Ostereier bringt. Der Genuß grüner Kräuter und süßen Honigs schützt vor Krankheiten, verlängert die Lebensdauer und be­schert Reichthum in diesem Jahre. Daß der Honig den Tod aufhält, davon war man schon im Alterthume über­zeugt; nach einer griechischen Sage vermochte er sogar Todte zu neuem Leben zu erwecken.

e- Hersfeld, 15. April. Karfreitag! Ueber der christlichen Welt liegt der Ernst innerer Einkehr; dankbare Glaubenszuversicht breitet sich am Tage der Erinnerung an den Tod des Welterlösers über die Christenheit aller Länder, ein Hoffen an die Befreiung der Seele, an die Auferstehung des Leibes aus der Nacht des Dunkels zum ewigen Lichte. Und wie in dem Gedächtniß an den gekreuzigten Heiland der Glaube das Kreuz ergreift, um demüthig und bußfertig dem Anfänger und Vollender des Glaubens nachzuwandeln durch Kreuz zur Wonne, durch Nacht zum Licht, so geht auch des Winters Dunkel ein in das fröhliche Licht des Ostertages. Denn ob auch noch sehr der Winter droht, es muß doch Frühling werden, und ob auch noch so sehr die Feinde ringsum toben, der Gekreuzigte muß doch zum Siege kommen. Den Winter, der uns vor kurzem noch umgab, hat die Frühlingskraft besiegt, und Wald und Flur legten das winterliche Kleid ab und ziehen an das grün­frische Gewand des Lenzes. Und wie Keime und Knospen, Blätter und Blüthen der Erde wärmenden Mutterschoß, der Rinde einhüllende Decke sprengen und verlassen, so schält auch der Mensch sich aus den Winterhüllen her­aus, entflieht der Enge der Häuser und badet seine Brust in freier Luft, seine Augen in wohlthuendem Grün. Esaufersteht" die Natur, undauferstehen" werden wieder Hoffnungen und Lebensmuth für die, welche mit der Härte des Winters, des Lebens den Kampf der Noth zu kämpfen hatten. Licht und Wärme ver­breitet in herrlicher Fülle und gleich vertheilt für jedes Erdenkind das große Gestirn, und wen Kummer und Sorge drückt, dem wird das Herz wieder weit und hoff­nungsreich, den erfüllt wieder das Vertrauen an den allmächtigen Lenker unserer Geschicke, der tritt von neuem gestählt, von neuem durchdrungen von Gottes Allmacht und Liebe, mit neuem Muth in das Leben hinein.

Hersfeld, 14. April. Der erste Prozeß wegen Uebertretung des Gesetzes über das D e -

Unsinn," brauste der Bürgermeister auf.

Um Vergebung kein Unsinn, denn was sie ist, nämlich sie, die Slanlachin" hier erhob sich Brigittes Stimme zu einem dumpfen Grollenhat eine Zunge, spitz wie eine Nadel und giftig dazu. Wieviel Brautpaare hat sie schon auseinandergeredet! Wenn sie das heute von dem Wein erfährt, so weist morgen die ganze Stadt auf mich nachlässige alte Person."

Michel Heinecke dachte nach. Er kannte auch die Zunge der Slanlachin, und da er der alten Verwandten gern Unannehmlichkeiten erspart hätte, fragte er:Was soll ich aber den Herren berichten?" Brigittes Thränenstrom versiegte.

Sagt ihnen, wir hätten das Faß abgezogen, und ihr hättet die letzte Kanne verschenkt, was euch aus dem Gedächtnis gekommen sei. Erzählt, der gestrenge Herr von Marburg habe sie bei seinem letzten Besuche erhalten."

So setzte der Bürgermeister seinen Gästen den weißen Burgunderwein vor, entschuldigte seine Vergeßlichkeit und erzählte, daß er Herrn Hans von Marburg die letzten Tropfen des Fäßleinr verehrt habe.

Fritz Lobbes grämte das nicht weiter, er trank den Wein, trank sogar ein bischen viel, obwohl bei der Zer­streutheit des Bürgermeisters eine rechte Unterhaltung nicht in Fluß kommen wollte, und vergaß den kleinen Zwischensall. Dafür behielt ihn jedoch Wiprecht im Gedächtnis, der ihn zu Hause seiner Frau erzählte.

Das war etwas für die Slanlachin.

Wie kam Michel Heinecke dazu, dem erzbischöflichen Hauptmann Geschenke zu machen. Und was für Ge­schenke! Ein Faß, das seine fünfzig Quart Tokayer ent­hielt, guten Tokayer, selbst Kaiser Sigismund trank keinen bessern, das verschenkt man nicht grundlos. Nimmer-

t a i l r e i s e n hat bereits stattgefunden. Der Inhaber eines Geschäfts in E i f e n a ch hatte einen Kunden auf eine an denselben ergangene einmalige gedruckte Auf­forderung hin wiederholt vom Reisenden aufsuchen lassen. Die Polizeibehörde hatte nun den Inhaber des Geschäfts in Strafe genommen, weil die einmalige Aufforderung für den wiederholten Besuch als Legitimation nicht hin­reichend sei. Das Gericht hat indeß die einmalige Auf­forderung als gültig für beliebig wiederholte Besuche der Kundschaft erklärt.

Hünfeld, 12. April. Ihre Majestät die Kaiserin und Königin hat der hiesigen evangelichen Gemeinde zu der am 18. Mai d. I. bevorstehenden Feier der Kircheinweihung ein p r a ch t v o l l e s Kruzifix aus Goldbronze mit versilbertem Korpus allergnädigst zu schenken geruht. (Kr.)

Cassel, 14. April. Bei der gestern in dem Landes­gestüt Beberbeck bei Hofgeismar stattgefundenen Auktion kamen 35 Pferde zum Verkauf. Eingefunden hatten sich zahlreiche Käufer und schwebten die Preise zwischen 500 Mk., die die FuchsstuteSeeschwalbe" und 1910 Mark, die der Fuchs-WallachAllotria" erzielte.

Borken, 12. April. Der etwa 60 Jahre alte Kleinbesitzer Christian Völker wurde heute, als er in seinem Steinbruch beschäftigt war, von überhängenden und herabstürzenden Steinmassen verschüttet. Das Un­glück wurde erst bemerkt, als die Frau ihrem Manne das Vesper bringen wollte. Es bedurfte mehrstündiger Aufräumungsarbeiten, bis man den schrecklich verstüm­melten Leichnam herausgegraben hatte. (C. T.)

Hanau, 13. April. Gestern Abend kurz nach 10 Uhr brach Großfeuer auf derschönen Aussicht" (Kaisers Bierkeller) aus. Hallen und Wirthschaftsräume wurden gänzlich vom Feuer zerstört. Man hat nun einen jungen Mann von 20 Jahren verhaftet und hofft, in ihm den Brandstifter zu haben, der schon längere Zeit die Be­wohner Kesselstadts in Aufregung setzte.

Münden, 10. April. Der etwa 38 jährige Land­wirth C. Mittler in Volpriehausen hielt sich am vorigen Sonntag besuchsweise in Hilwartshausen auf. Während der Nacht wachte er von einem Geräusch auf, welches aus dem Stalle zu kommen schien. Um sich von der Ursache desselben zu unterrichten, stand er auf und öffnete das Fenster, um Hinauszusehen. Infolge der sehr nied­rigen Brüstung des Fensters verlor der Unglückliche das Gleichgewicht und stürzte in den Hof hinab, wobei er sich derartige schwere Verletzungen zuzog, daß er am Donnerstag Mittag seinen Leiden erlegen ist.

Scherfede, 11. April. Ein unglücklicher Vorfall, der als Warnung dienen mag, ereignete sich beim Aus­pechen der Fässer vor der in der Stadt Brilon gelegenen Becker'schen Brauerei. In Folge einer Explosion, deren Entstehung noch nicht ermittelt, zerbarst ein großes Stückfaß, dessen Theile umherflogen, und wurden nicht nur einzelne Arbeiter, sondern auch mehrere von den während der Frühstückspause aus dem nahen Schulge- bäude neugierig herbeigeeilten Kindern recht schwer ver­letzt, von welchen ein Knabe, welcher durch ein abfliegen­des Brett eine schwere Verletzung am Halse erhielt, alsbald darauf verstarb.

Mainz, 10. April. Das 3. Großherzoglich Hes­sische Infanterie-Regiment (Leib - Regi - ment) Nr. 117 wird am 10. Juni dieses Jahres, wie das Kommando desselben bekannt macht, das Jubi­läum seines zweihundertjährigen Bestehens feiern. Es wurde am 10. Juni 1697 als Kurfürstlich Hessen - Darmstädtisches oberrheinisches Kreis-Regiment errichtet (Regiment Prinz Carl Wilhelm von Hessen- Darmstadt), formiert aus sechs Kompagnien des Schrau- tenbachschen Regiments und zwei Gießener Garnison- Kompagnien; seine Garnison war Gießen.

mehr! Also: Michel Heinecke hatte sich Herrn Hans von Marburg dankbar erweisen wollen. Aber auf welche Weise hatte sich dieser dem Bürgermeister verpflichtet, daß ihm also gelohnt wurde?

Sie suchte nach den verschiedensten Gründen für diese Dankbarkeit und verwarf sie wieder, bis ihr end­lich, sie wußte selbst nicht wie? der ermordete Krämer in den Sinn kam.

Der Bürgermeister, so hieß es, hatte ihn todt aufgefunden; der erzbischöfliche Hauptmann war der einzige, der dies wissen konnte und auch wirklich wußte, weil er dem Zusammentreffen beigewohnt hatte. Konnten etwa aus diesem Umstände besondere Schlüsse gezogen werden? Nicht etwa im schlimmen Sinne, behüte, nur der Merkwürdigkeit wegen. Nichtig, und nun fiel ihr ein, daß ihr Eheherr erzählt hatte, wie stumm und still der Bürgermeister gewesen sei. Das war allerdings auffallend. Hm, hm.

Michel Heinecke ließ sich zwar bisher nichts Böses nachsagen, das war richtig, allein, allein, warum hatte er dem Hauptmann ein so überaus kostbares Geschenk gemacht? Dies erschien genau so, als habe er sich Schweigen erkaufen wollen. In der That merkwürdig, man mochte die Geschichte drehen, wie man wollte, ein wenig wunderbar blieb sie.

Wirklich, es lohnte sich nachzufragen, ob die böse Welt nicht etwa schon ihre eigenen Vermuthungen da­rüber hatte. (Forts, folgt.)

(Gedankensplitter.) Nur wem das Herz seine Schwingen lieh, geht ein zu des Ruhmes Thoren; Es hat der bloße Verstand noch nie einen großen Ge­danken geboren.