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Hersselkk Kreisblatt.
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Die bereits erschienenen Nummern werden nach- geliefert.
Amtlicher ®l|eU.
Hersfeld, den 12. April 1897.
Die Herren Ortsvorstände des Kreises werden an die Erledigung meiner Verfügung vom 11. April 1896 I. III 1056 betr. Anzeige« ndiehiesigeKönig- liche Kreiskasse über die Einlösung der Wandergewerbescheine bis zum 31. März d. J. mit Frist bis zum 17. ds. Mts. erinnert.
I. III. Nr. 1233. Der Königliche Landrath Freiherr von Schleinitz,
Geheimer Regierungs-Rath.
Nichtamtlicher Theil.
Die stille Woche.
Seit alter Zeit trägt die Woche vor Ostern diesen Namen. Und wo alte gute Sitte noch eine Macht ist, ist diese Woche noch heut eine Woche der Stille. Der gesellige Verkehr erleidet eine Unterbrechung. Häufiger als sonst rufen die Glocken zum Gotteshaus. Noch beschäftigen häusliche Sorgen im Anfang die grschästigte Hausfrau; bald aber giebt auch sie sich stiller Einkehr hin, um das Fest recht zu feiern.
Wir modernen Menschen haben uns durch die Steigerung des Verkehrs bewegen lassen, manche gute Gewohnheit der alten Zeit aufzugeben. Oft thaten wir recht daran. Oft wurde es unser Schade. Kein Mensch
Um Ehre und Ruhm.
Erzählung von M. von Buch. (Fortsetzung.)
„Pst," machte Brigitte, als Helmrich mit schweren Schrillen über den Flur ging. „Hier ist das Zimmer des Hauptmanns von Marburg; der gestrenge Herr hat einen leisen Schlaf, und der Nachmittag war aufregend genug."
Sie erzählte darauf, daß der Bürgermeister unterwegs, als er dem bischöflichen Hauptmann entgegenritt (Friedel war nun doch zu Hause geblieben), einen grausigen Fund gemacht hatte. Eine halbe Meile von der Stadt hatte, über einen Grabenrand gebeugt, die Leiche eines Mannes gelegen, den der Bürgermeister zu kennen glaubte. Als er darauf vom Pferde stieg, hatte er in dem Leichnam den Krämer wiedererkannt, der heute morgen im Hause gewesen war. Wegelagerer mußten ihn überfallen, ermordet und dann seines Geldes beraubt haben.
Der Bürgermeister, der Mitleid mit dem Aermsten fühlte, hatte ihn von seinen Knechten in die fetabt holen lasten, damit er wenigsteus ein ehrlich und christlich Begräbnis erhalte.
Die Ankunft des Herrn von Marburg war durch diesen Unfall etwas getrübt worden, auch hatte sich der Hauptmann zeitig zur Ruhe begeben, da er morgen mit dem frühesten nach Kloster Zinna zu reiten gedachte, an dessen Abt er einen Auftrag vom Erzbischof übermitteln sollte.
vermag die Rastlosigkeit unserer Zeit auf die Dauer ohne Schaden zu ertragen. Der Zeitkrankheit Nervosität fallen die einem zum Opfer; andere gehen sittlich zu Grunde, weil sie zur Sammlung und Einkehr keine Zeit mehr finden.
So darf es aber nicht bleiben, soll unser Volk nicht verderben. Durch Stillesein werdet ihr stark sein! Wie der Leib der Ruhe bedarf, wie die Menschen heut zu gewissen Zeiten dem Leibe besondere Rast und Erholungszeit gönnen, so bedarf das Herz solcher Zeit zu stiller Sammlung und Einkehr. Wohlan, die stille Woche soll solche Zeit der Erquickung für unsere Seele sein!
Und wahrlich, geeignetere Zeit läßt sich dafür kaum denken, als diese Zeit. Liebe erfahren, ist der Seele größte Erquickung. Und diese Woche verkündet uns die Thaten der größten Liebe. Sie zeigt uns die mensch- gewordene Liebe, Jesum selbst, auf dem Leidenswege. Ihn dort anschauen, ist Erquickung. Denn wer ihn sieht, wie er inmitten seiner ehrgeizigen Jünger sich erniedrigt und ihnen die Füße wäscht; wer ihn sieht, wie er unter dem Hohn der rohen Kriegsknechte ohne Murren duldet; wer ihn sieht, wie er den ungetreuen Petrus trotz seiner Schwachheit nicht von sich stößt; wer ihn sieht, wie er am Kreuze noch für seine F-urde betet: — der schöpft Erquickung aus solchem Anblick. Denn wir spüren's, der so geliebt hat bis zum Ende, hat auch uns lieb trotz unserer Schuld. Und an solche Liebe wieder glauben lernen, heißt das nicht, neu gestärkt werden für den Kampf des Lebens, mit ihm zu dulden, zu tragen, zu vergeben und durch ihn zu siegen? — Gott segne unserm Volk die stille Woche!
Politische Nachrichten.
Inland.
Berlin, 13. April 1897.
Ihre Kaiserlichen Majestäten unternahmen heute Vormittag den gewohnten gemeinsamen Spaziergang. Von 10 Uhr ab hörte S e. Majestät der Kaiser die Vorträge des Chefs des Militair- kabinetS, Generals von Hahnke, des Chefs des General- stabes, Generals Grafen v. Schliessen, des Kriegsministers, Generallieutenants v. Goßler, und des Generals der Infanterie Vogel v. Falckenstein, der mit Wahrnehmung der Geschäfte des Chefs des Ingenieur- und
So erzählte die alte Brigitte im Flüstertöne auf der Treppe.
Als Helmrich endlich in seine Kammer kam, machte Jugend und Erschöpfung ihr Recht geltend, er versank in einen tiefen, traumlosen Schlaf.
Drittes Kapitel.
Wie Unkraut gesät wird.
Peter, der schwarze Kater, strich seit einigen Tagen mit eingezogenem Schwänze einher, zeigte ein verdrießliches Gesicht, und sämmtliche Mägde versicherten, daß der äußere Umfang des angenehm rundlichen Geschöpfes bedeutend abgenommen hatte.
Das war betrübend, aber es war nicht ohne Grund, und der Grund war Brigitte. Sie, einst feine sorgsamste Pflegerin, war jetzt von einer fast rohen Gefühllosigkeit, was Milch und Küchenabfälle betraf. Aber nicht nur der ehemalige Liebling hatte unter dem veränderten Betragen der Alten zu leiden, auch den übrigen Hausbewohnern war die Veränderung ausgefallen. Brigitte befand sich nämlich schon seit einiger Zeit nicht mehr in der Stimmung, mit der Frau Nachbarin von rechts das zu besprechen, was die Frau Nachbarin von links gesagt hatte, sowie mit der Frau Nachbarin von links die mangelhafte Wirthschaftsführung der Frau Nachbarin von rechts zu bemängeln, und zeigte eine stumpfe Gleichgültigkeit gegen alle Neuigkeiten, welche von dem weiblichen Theil des Gesindes in der Küche verbreitet wurden.
Pionierkorps und des Generalinspekteurs der Festungen Allerhöchst beauftragt ist.
Nach einer der „Straßb. Post" aus Metz zugehenden Meldung bestätigt sich die Nachricht von einem Aufenthalt Ihrer Majestäten des Kaisers und der Kaiserin in Schloß Urville im zweiten Viertel des Monats Mai.
Der Reichskanzler Fürst zu Hohenlohe- Schillingsfürst ist am Montage nach Baden-Baden gereist, wo er einige Tage zu verbleiben gedenkt. Die Gemahlin des Reichskanzlers ist an demselben Tage nach Paris gereist.
Wie aus Schwerin gemeldet wird, hat Se. Hoheit der Herzog Johann Albrecht, der zweite Bruder des verstorbenen Großherzogs, welcher bereits gestern in Schwerin eingetroffen war und im großherzoglichen Schlosse Wohnung genommen hatte, die Regentschaft für den minderjährigen Thronerben Groß Herzog Friedrich Franz IV. übernommen.
Der Reichstag hat in der Zeit von Weihnachten bis Ostern nur wenig Gesetzesvorlagen zum Abschluß gebracht, groß dagegen ist die Zahl der Entwürfe, die er in dieser Session noch erledigen soll. Außer dem Etat und den damit zusammenhängenden Schuldentilgungrund Konvertirungsgesetzen sind nur noch das Subhasta- tionsgesetz, die Grundbuchordnung und das Handelsgesetzbuch verabschiedet worden. Viel Zeit ist über Gebühr durch Anträge aus dem hohen Hause selbst in Anspruch genommen worden. Sehen sich doch zahlreiche Abgeordnete immer wieder der Versuchung ausgesetzt, durch ein anscheinend „volksthümliches" Auftreten im Reichstage die Gunst der breiten Massen zu erlangen bezw. zu erhalten. Jede von ihnen beeinflußte Partei sucht die andere daher eifrig in Volksthümlichkeit zu überbieten, und die Anträge überstürzen sich förmlich, in denen sich das Interesse für das Wohl der Massen zu erkennen geben soll. Es ist erstaunlich, was für kleinliche Beweggründe auf die Verhandlungen in dem vornehmen Nationalvertretungskörper nur zu oft bestimmend ein» wirken. Die großen Interessen des Vaterlands werden zur Nebensache, die Parteibedürsnisse zur alles beherrschenden Machtfrage. Auf diese Weise schließen die parlamentarischen Sitzungsabschnitte nur zu oft mit Ergebnissen ab, welche in keinem angemessenen Verhältniß zu dem Aufwand von Zeit und Worten stehen. So lange die allgemeinen Wahlen eine verfassungsmäßige
Woher kam das? was hatte Brigittes verändertes Wesen zu bedeuten? war sie krank?
Sie schüttelte den Kopf.
Was war geschehen?
Sie behauptete auf jede Anfrage, daß nichts geschehen sei, und hielt diese Behauptung ebenso hartnäckig als erfolglos aufrecht, bis — nun bis sich eben das Gegentheil herausstellte.
Und das kam so.
Die Rathsherren Wiprecht Slanlach und Fritz Lobbes betraten zur Vesperzeit das Haus des Bürgermeisters, der grübelnd über Helmrichs schwermüthiges Wesen, an dem auch er sich Schuld beimaß, int Lehnstuhl saß. Er war so in Sinnen versunken, daß er fast den Eintritt der Gäste überhörte.
„Woran dachtet ihr?" fragte Wiprecht.
„Jeder hat mit seinen eigenen Gedanken und Sorgen zu kämpfen," sagte der Bürgermeister, „doch lassen wir das jetzt." Er erhob sich und befahl der Magd, eine Kanne von dem schweren ungarischen Wein zu holen, von dem ein Fäßlein gewichtigen Umfangs im Keller lag.
Der Herr befahl'«, und die Magd brächte die Kanne. Aber sie enthielt nicht den gewünschten Ungarischen, sondern Brigittes Hand hatte sie mit weißem Burgunderwein gefüllt.
Fritz Lobbes lehnte sich in den Sessel zurück, bereit den Inhalt zu prüfen, aber Wiprecht Slanlach konnte sich nicht enthalten, über das eigenmächtige Vorgehen der allen Brigitte zn witzeln.
Und er witzelte so lange, bis sich Michel Heinecke,