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HerWer M^L

Gratisbeilagen:Illustrirter SsnntagsblatL^^ «. ,,)lluftrirte lanvwirthschaftliche Veilage^^.

Rr. 44. Ae»g ta 13. April 1897.

Vestellnngen auf das Hersfelder Kreisblatt mit den Gratisbeilagen Jllustrirtes Soiintagsblatt"» Jllnstrirte landwirthschastl. Beilage" für das II. Quartal 1897 werden noch von allen kaiserlichen poftanftalten, Landbriefträgern und von der Expedition angenommen.

Amtlicher Theil.

HerSfeld, den 8. April 1897.

Nachdem die Maul- nnd Klauenseuche zu Asbach er­loschen ist, wird die durch das Ausschreiben vom 20. März d. Js. I. I. Nr. 1899, Kreisblatt Nr. 35, unge­ordnete Orts- und GemarkungSsperre wieder aufgehoben. I. 2226. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.

Hersfeld, den 10. April 1897.

Diejenigen Herren Ortsvorstände, welche noch mit Erledigung der Verfügung vom 23. März 1880 Nr. 3135, Kreisblatt Nr. 24, die Ausräumung der Fluth- gräben, Ent- und Bewässerungsanlagen betreffend, im Rückstände sind, werden mit F r i st bis zum 2 2. b. M t s. bei Meidung von 3 Mark Strafe hieran erinnert.

Der Königliche Landrath Freiherr von Schleinitz, Geheimer Negierungs-Rath.

Am 1. dss. Mts. hat ein unbekannter Schwindler bei dem hiesigen Postamte eine von der Firma Oetting und Steffens in Bremen für ihren HandlungSrmsenden Georg Weber aus Köln telegraphisch angewiesene Post- Anweisung von 150 Mk. abgehoben.

Der Unbekannte nannte sich zuerst Kaufmann Lütt- mann aus Luxemburg, später Reisender Georg Weber von Bremen. Derselbe traf am 30. März mit dem wirklichen Reisenden Georg Weber im Orpheum zu

Um Ehre und Unhm.

Erzählung von M. von Buch.

(Fortsetzung.)

Als er ins Zimmer zurückkehrte, wandte er sich an Friedel.

Wie ist'S," sagte er,hättest du Lust, mich auf einem Ritte zu begleiten? Der erzbischöfliche Hauptmann von Marburg hat sich für eine Nacht bei mir ansagen lassen, und ich will ihm ein Stück Weges entgegenreiten."

Bewahre mich Gott," schrie Brigitte, die obwohl sie noch in die Betrachtung des Geschenkes versunken war, bei diesen Worten emporfuhr.Ihr erwartet Be­such und das erfahre ich erst jetzt?"

Habe ich es doch selbst erst vor einer halben Stunde erfahren," sagte der Bürgermeister begütigend.Aber warum erregt Ihr Euch? Küche und Keller sind in guter Ordnung!"

Nichts ist in Ordnung," rief die Alte,nichts. Um das Haus für einen so vornehmen Gast herzurichten, bedarf es wenigstens einiger Tage Zeit, und nun soll es in ebensoviel Stunden geschehen."

Sie war sehr geneigt, ihre Rede auszuführen und Einzelheiten zu berücksichtigen, allein es galt ja, die Zeit zu Rate zu halten. So verschluckte sie energisch alle Vorwürse, die ihr auf der Zunge brannten und die sie dem Vetter gern entgegengeschleudert hätte, und stürmte aus der Thür.

Zhche, Bethe, Grete!"

Wie Trompetenthon hallte die Stimme durchs Haus.

Frankfurt a/M. zusammen und hat hier jedenfalls von Letzterem erfahren, daß dieser bei seinem Geschästrhause telegraphisch um Uebersendung von Geld nachgesucht hatte.

Der unbekannte Schwindler wird wie folgt beschrieben: 2830 Jahre alt, 1,65 m groß, jüdisches Aussehen, scharf geschnittenes Gesicht, Sommersprossen, stark ge­bogene Nase, tiefdunkles Kopfhaar und ebensolchen Schnurrbart. Bekleidet war derselbe mit Hellem weichem Filzhut, Hellem kurzem Ueberzieher und trug an einem Arm einen Trauerflor; sprach Berliner Dialeckt.

Um Fahndung nach demselben, Festnahme und um­gehende Nachricht anher wird ersucht.

Hanau, den 6. April 1897.

Königliche Polizei-Direktion.

Politische Nachrichten.

Inland.

Berlin, 10. April 1897.

Heute früh machte Se. Majestät der Kaiser den gewohnten Spaziergang durch den Thiergarten. Später hörte er den Vortrag des Chefs des General­stabes, Generals Grafen v. Schljeffen, und daran an­schließend den Vortrag des Chefs des Militairkabinets, Generals v. Hahnke. Um 1 Uhr empfing der Kaiser den Professor Eilers und nahm darauf militärische Mel­dungen entgegen. Heute Abend um 7 '/a Uhr gedenkt der Kaiser einem Diner beim sächsischen Gesandten Dr. Grafen v. Hohenthal und Bergen beizuwohnen.

An die Witwe des Staatssekretärs v. Stephan hat der Kaiser ein Telegramm gerichtet, das mit den Worten schließt:Was Sie und die Ihrigen in dem Verewigten verloren, das empfinden Sie selbst am tiefsten; aber zu Ihrem Trost muß es gereichen, daß mit Ihnen um den Entschlafenen Ihr Kaiser und König, das Vaterland und die Welt trauern. Wie die Geschichte die Erinnerung seiner genialen Schöpfungen bewahren wird, so werden Mir die hohen Verdienste, die er sich um das Vaterland erworben, und die unentwegte Treue, die er unter vier Königen und drei Kaisern bis zum letzten Athemzuge bethätigt hat, alle Zeit unvergessen sein. Möge Gott der Herr Ihnen und den Ihrigen die ganze Fülle seines Trostes spenden. Wilhelm I. R."

Der Reichskanzler Fürst H o h e n l o h e hat

Helmrich stand in der Giebelkammer, und seine Augen schweiften über die rothen Ziegeldächer der Stadt hin­über zur blauen, lockenden Ferne. Ein holdes Bild! Aber doch erweckte es in ihm keine fröhlichen Gedanken. Seine Züge verfinsterten sich.

Von jenem Hügel schaute das Türmchen der Briccius- Kapelle, deren Abendglocke ihn einst bei seinem Eintritt in die Welt sanft und friedlich begrüßt hatte. Ach, und er konnte doch jetzt keinen Frieden finden.

Seine Blicke irrten weiter, hinüber zu den gesunkenen Mauern deö Belziger Schlosses. Blühendes Gerank zog sich um die Steintrümmer, aus denen auch schon ein­zelne Bäume und Sträucher emporgesproßt waren. Vor länger denn zwanzig Jahren war die herzogliche Burg während einer Fehde mit den Magdeburgern zerstört worden, nur der alte Wartturm hatte den Kampf über­dauert. Grau und trotzig stand er da, stammte er doch aus einer längst vergangenen Zeit, aus der Zeit, da Wenden und Deutsche, da Christenthum und Heidenthum wild und blutig um jeden fußbreit Landes mit einander gerungen hatten.

Dort der Weg hinter der Stadtmauer führte nach Zeuden. Wie oft war er ihn gegangen. Ja, er ent­sann sich deutlich des Tages, da dies zum erstenmale ge­schehen war, da er, noch ein kleiner Knabe mit größeren Buben eine Streiferei in die Umgegend unternommen hatte. Aber mit welch anderen Augen als bisher würde er jetzt Zeuden betrachten, jetzt, da er wußte, daß es die Heimath seines Geschlechts sei.

Und plötzlich einer augenblicklichen Eingebung befol-

ebenfalls in herzlichen Worten telegraphisch sein Beileid ausgesprochen.

Se. Durchl. Heinrich XXII., regierender Fürst von Reuß ältere Linie, hat, sobald er bei seiner Rückkehr aus dem Süden von der in seiner Abwesenheit durch einen fürstlichen Beamten in Greiz veranlaßten, verletzenden Behandlung der preußischen Landesfarben erfahren hatte, in einem eigenhändigen Schreiben Sr. Majestät dem Kaiser und König sein lebhaftes Bedauern über das Vor- kommniß ausgedrückt und daran die Mittheilung geknüpft, daß der Mißgriff des betreffenden Beamten durch Ent­hebung desselben von der ihm anvertrauten Stellver­tretung geahndet worden ist. Se. Majestät der Kaiser hat darauf in einem Antwortschreiben dem Fürsten Reuß ä. L. seinen Dank für diese Mittheilung ausgesprochen und den Zwischenfall für erledigt erklärt.

Die Meldung, der Kaiser habe in der G r e i z e r Fahnenangelegenheit an den Fürsten Heinrich XXII. Reuß ä. L. ein Handschreiben gerichtet, wird dem Leipz. Tagebl." von wohlunterrichteter Seite als un­richtig bezeichnet.

Nach neuern Vorschlägen der Vorstände des allge­meinen Handwerkerbundes in München und der Central. JnnungSverbände in Berlin, soll der Handwerk er - tag bereits a m, 27. und 2 8. April in Berlin versammelt sein, um der Kommission des Reichstages etwaige Wünsche des deutschen Handwerkerstandes noch rechtzeitig zur Berathung des Gesetzentwurfes über die Handwerksorganisation unterbreiten zu können. Von Leipzig mußte Abstand genommen werden, weil ge­rade zu dieser Zeit die Messe stattfindet und ein Be- rathungslokal nicht zu haben ist.

In Berlin sind in diesen Tagen bei sozialdemokratischen Vertrauenspersonen polizeiliche Haussuchungen vorgenommen worden. Wie verlautet, soll er sich um die neue Auflage des sozialdemokratischen Liederbuches handeln. Mehrere Vertrauensmänner wurden verhaftet.

Der Großherzog von Mecklenburg-Schwerin ist am Sonnabend Abend 8 Uhr 40 Minuten in Cannes an Herzlähmung verschieden.

Airslanv.

In Südafrika und für Südafrika bereiten sich ernste Dinge vor. Im Gazalande, nahe der Transvaal- grenze, ist ein großer Aufstand ausgebrochen, der wieder den Vorwand zur Entsendung eines englischen Geschwaders vom Kap nach der Delagoabai liefern wird. Ferner

gend, riß er die Thür auf, eilte auf die Straße und dann durch das Thor hinaus ins Freie. Aberjdie quälenden Gedanken zogen mit ihm.

Wie heißt das Gesetz, das zu Recht gilt im Lande Sachsen?

Das Lehen erbt vom Vater auf den Sohn!

Auf den Sohn! Der Sohn war er, und sein Eigen­thum hatte man ihm dennoch genommen. Warum? konnte er für die Schuld des Vaters? schrie das Un­recht, das man ihm angethan hatte, nicht gen Himmel?

Hychaufathmend blieb er endlich stehen, um sich den perlenden Schweiß von der Stirn zu trocknen. Plan- und ziellos war er umhergestreift; er sah an dem Stande der Sonne, daß er, ohne es bemerkt zu haben, einige Stunden unterwegs gewesen sein mußte.

Er blickte sich um, da wußte er, wo er sich befand. Noch einige, wenige Schritte und dann er stand in Zeuden.

Der Rittersitz, ein steinernes, stattliches Haus doch keine Burg war auf einer erhöhten Stelle, dicht am See erbaut worden; malerisch spiegelten sich die grauen Mauern in dem klaren Wasser.

Holländischen Ursprungs war das edle Geschlecht, das hier gewohnt hatte. Einst, vor beinahe drei Jahr­hunderten halte Albrecht der Bär von Brandenburg fleißige Niederländer in die menschenleeren, arg ver­wüsteten wendischen Marken gerufen. Sie kamen in Schaaren und siedelten sich in der Gegend von Belzig und Jüterbog an. Sie bebauten von neuem die Aecker, die so lange brach gelegen hatten, trockneten unfrucht-