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UichtamIlicher Theil.

Per jiiijuj her Jtrhiinhrftn in Juris.

31. MLr; 1814.

Nach der Völkerschlacht von Leipzig 16. bis 19. Oktober 1813 Hallen die verbündeten Heere zu Neu­jahr 1814 den Rhein überschritten und den Kampf auf französisches Gebiet übertragen. Aber noch gar manch­mal wechselte das Kriegsglück, weil nicht überall bei den verbündeten Heeren mit der zuversichtlichen Entschieden­heit vorgegangen wurde, wie Blücher, der Marschall Vorwärts, allezeit das Beispiel dazu gab. Endlich aber schlug die Stunde, die dem korsischen Tyrannen und seiner Herrschaft ein Ziel setzte: nach der Schlacht von Arcis für Aube 20. und 21. März konnte Napo­leon keine Schlacht mehr schlagen.

Am 29. März erschienen die verbündeten Heere vor Paris, am 30. kam es noch einmal zu hartnäckigem Kampfe mit den Franzosen, die unter Marschall Mortier tapfern Widerstand leisteten. Der Montmartre, damals noch außerhalb der Stadtumfassung, war verschanzt und mit Batterien gekrönt, die den Angreifern ihren Eisen­hagel entgegenschleuderten.Unser König blickt auf uns," rief Dork seinen Soldaten zu, und vorwärts ging's, deralten Garde", der napoleonischen Kern­truppe, entgegen. Während General Horn noch am Fuße des Berges hält, den Augenblick zum Sturm ab­wartend, geht eine Abtheilung Pariser Nationalgarde gegen ihn vor, die wohl einen wenig kriegerischen Ein­druck auf den alten Haudegen machte.O lacht die Kerls doch aus!" ruft er seinen Soldaten zu, ohne auch nur das Gewehr zur Hand nehmen zu lassen. Die Soldaten kennen ihren Führer, schallendes Gelächter empfängt die Nationalgarde, die verwundert stutzt, Halt und demnächst Kehrt macht, weil sie in ein Wespennest zu gerathen fürchtete. Bald stürmen die Preußen ihrer­seits vor, Dork, Horn, Kleist zeigen den Kolonnen den Weg; bald sieht Blücher Dorks weißen Federbusch auf der Höhe des Montmartre wehen und meldet dem Könige:Unser Schlachtengeneral hat den stolzen Berg unter feinen Füßen!"

In bet Stadt allgemeine Verwirrung und Bestürzung; der Pöbel durchzieht die Straßen, die Truppen lösen sich aus. Napoleon, auf seinem Rückmarsch noch vier Stunden von der Stadt entfernt, schickt den Befehl, Paris solle sich verbarrikadieren und vertheidigen. Aber zu spät, schon hatte die Stadt das klügere Theil erwählt, zu kapitulieren.

Napoleon sammelte in Fontainebleau feine Truppen, entschlossen zum Verzweiflungskampf. Da bringt ihm Marschall Ney die Hiobspost, daß. der Senat in Paris seine Absetzung beschlossen hat. Er will zu Gunsten seines Sohnes abdanken; die Verbündeten gehen natür­lich auf solche Bedingungen nicht ein, sondern beschlie­ßen, das rechtmäßige französische KönigShauS, die Bour- bonen, wieder einzusetzen, Napoleon aber nach Elba zu verbannen.

Am Donnerstag, dem 31. März, feierlicher Einzug in Paris. Zehn Uhr Morgens. Sieh da den stolzen Triumphbogen, der die Napoleonischen Siege verherr­licht! Jetzt dient er den verbündeten Heeren als Sieges­thor. Preußische Garde-Kavallerie eröffnet den Zug, es folgen die russischen Garde-Kosacken in ihren malerischen rothen Uniformen. Das war die Avantgarde. An der Spitze des Zuges reiten die verbündeten Monarchen, in der Mitte Kaiser Alexander von Rußland, zu seiner Rechten König Friedrich Wilhelm, links als Vertreter des Kaisers von Oesterreich der Fürst Schwarzenberg, der Kommandierende der Haupt-Armee. Unmittelbar hinter dem Monarchen drei preußische Prinzen, der Kron­prinz, der Prinz Wilhelm und deren Vetter, der Prinz Friedrich. Es folgten Gneisenau, der kühne Stabschef und Berather Blüchers, der russische Ober - General Barclay de Tolly, Prinz Eugen, der Kronprinz von Württemberg, Dork, Kleist und viele andere schlachtbe- rühmte Generale. Blücher fehlte; sein seit der Schlacht von Laon immer empfindlicher gewordenes Augenleiden entschuldigte ihn. Den Monarchen nnd Generalen folg­ten in langen Kolonnen die sämmtlichen preußischen und russischen Gardetruppen, während andere Truppen zu verschiedenen Thoren der Hauptstadt einmarschierten.

Und was sagten die Pariser dazu? Herzlich müde der drückenden Herrschaft des von ihnen einst vergötter­ten Napoleon, der seinem maßlosen Ehrgeiz ungezählte Massen der französischen Bevölkerung geopfert hatte, jubelten sie laut den verbündeten Herrschern zu und be­grüßten die einziehenden Truppen als Befreier. Sehr gegen Blüchers Meinung wurde alle Rücksicht auf die Bevölkerung der Hauptstadt genommen; nicht einmal die geraubten Kunstschätze brauchte sie herzugeben.

Als Blücher 14 Tage nach der Schlacht von Belle- Alliance 1815 abermals in Paris einzog, verfuhr er ein wenig kriegsmäßiger;denn," sagte er,eure Soldaten haben in Berlin, ohne weiter zu fragen, sich «inquartiert, jetzt sollen meine braven Jungen auch ein­mal aus hohen Fenstern sehen!" Demgemäß verordnete Blücher einen schmackhaftenKüchenzettel" für die Ver­pflegung seiner Soldaten und nahm den Franzosen ab, was sie an erbeuteten Kostbarkeiten aus Europa zusam- mengehäust hatten. Das war BlüchersRevanche;" doch das französische Eigenthum ließ er unangetastet und hielt, ein echter deutscher Kriegsmann, strenge Mannes­zucht in seiner Armee.

Dreimal, 1814, 1815 und 1871, sind deutsche Trup­

pen in Paris eingezogen, kein 'einziges Mal haben sie sich Ausschreitungen oder Bedrückungen erlaubt; unsere Herrscher haben dafür gesorgt, daß der gute Geist des Heeres Stand hielt gegen jede Versuchung. Hat doch 1870 König Wilhelm seinen Soldaten zugerufen:Es ist Pflicht jedes ehrliebenden Soldaten, das Privateigen- thum zu schützen. Der gute Ruf unsers Heeres darf nicht, auch nur durch einzelne Beispiele von Zuchtlosig- keit angetastet werden. Ich baue auf den guten Geist, der die Armee beseelt!"

Politische Rachrichic».

Berlin, 27. März 1897.

Inland.

Heute Vormittag unternahm Se. Majestät der Kaiser einen Spaziergang durch den Thiergarten, empfing später den Chef des Generalstabes, Grafen v. Schliessen, zum Vortrage und arbeitete, anschließend daran, längere Zeit mit dem Chef des Militärkabinets, v. Hahnke. Um 1 Uhr mittags nahm der Kaiser mili- tairische Meldungen entgegen und empfing vorher den Prediger Hülle anläßlich dessen Dekorierung mit dem Wilhelms-Orden.

Nachstehender Dankerlaß Sr. Majestät des Kaisers wird amtlich bekannt gegeben:

Die hundertjährige Wiederkehr des Geburtstages Meines Hochseligen Herrn Großvaters, weiland Seiner Majestät des Kaisers und Königs Wilhelm des Großen ist von allen deutschen Patrioten ohne Unterschied des Bekenntnisses, der Parteistellung und des Berufes in Nord und Süd, Ost und West des großen Vaterlandes und überall, wo Deutsche weilen, mit einer Begeisterung gefeiert worden, die von der tiefempfundenen Dankbar­keit und herzlichen Verehrung für den Hohen Herrn ein glänzendes Zeugniß abgelegt hat. Ich preise Mich glück­lich, diese Festtage inmitten Erlauchter deutscher Fürsten und Vertreter von befreundeten europäischen Fürsten­häusern Angesichts des von dem deutschen Volke errich­teten Standbildes des Verewigten erlebt zu haben und Zeuge der herzerhebenden Kundgebungen in der Reichs­hauptstadt gewesen zu sein. Die überaus zahlreichen schriftlichen und telegraphischen Begrüßungen, die zum Theil in poetischer Form Mir zugegangen sind, haben Mich mit inniger Befriedigung ersehen lassen, daß bei den mannigfachen festlichen Veranstaltungen, welche die Bewohner von Stadt und Land, die staatlichen und kom­munalen Behörden, die Krieger-, Schützen-, Gesang-, Turn- und sonstigen Vereine, besonders auch die deutschen Vereine im Auslande in diesen Tagen zusammengeführt haben, auch Meiner in treuer Liebe gedacht worden ist. Durch diese Beweise vertrauensvoller Zuneigung bin Ich hoch beglückt worden, und ist es Mir Bedürfniß, Allen, welche zur Verherrlichung dieses nationalen Fest­tages beigetragen haben, Meinen wärmsten Dank hier­mit auszusprechen. Mein besonderer Dank gebührt Denen, welche das Andenken des Großen Kaisers durch die Errichtung von Standbildern oder hochherzigen Stif­tungen an Seinem Geburtstage verherrlicht haben. Die schönste Ehrung des Entschlafenen, wie sie Seinem schlichten und demuthvollen Sinne am meisten entspricht, erblicke Ich aber in dem gemeinsamen Gelöbniß, alle Zeit mit unermüdlicher Pflichttreue Seinem erhabenen Vorbilds nachzueifern, Seine heiligen Vermächtnisse zu bewahren und die volle Kraft für die Größe und das Wohl des durch Ihn neu geeinten deutschen Vaterlandes einzusetzen. Auch Meine Kräfte gehören dem Vaterlande, und hoffe Ich zu Gott, daß Er auch Mir und Meiner Regierung Seine Gnade zu Theil werden lassen und das deutsche Volk auf friedlichen Bahnen zu einer ge­sunden Weiterentwickelung führen wird.

Ich ersuche Sie, diesen Erlaß zur öffentlichen Kennt­niß zu bringen.

Berlin, den 26. März 1897.

Wilhelm, I. R.

An den Reichskanzler.

Der Kaiser hat dem Fürsten Fürstenberg einen kostbaren Degen geschenkt mit der AufschriftGe­schenk Kaiser Wilhelm IL, 27. Februar 1897." Die Waffe ist mit dem fürstlichen Wappen geziert. Der Fürst war vom Kaiser zum Rittmeister ä la suite des Regiments der Gardes du Corps ernannt worden.

Der Bund es rath hat die Gesetzentwürfe wegen Feststellung eines Nachtragretats und wegen Aufnahme einer Anleihe für Heereszwecke den zuständigen Aus­schüssen überwiesen.

Der Reichstag hat am Freitage einen freisinnigen Antrag über die Gewährung von Diäten an die Reichs- tagsabgeordneten angenommen und den Etat des Aus­wärtigen Amtes und des Reichsamtes des Innern in dritter Lesung erledigt. Der Abgeordnete Bebel brächte die Folterung der in Barcelona eingekerkerten Anarchisten zur Sprache. Slaatssekretair Freiherr v. Marschall ant­wortete, daß es sich nur um einen einzigen Deutschen 1 handle, der noch dazu ein Deserteur und ein viel be= . straftes Individuum sei; solchen Leuten werde nur das ' nothwendigste Mindestmaß des staatlichen Schutzes zu , theil. Darnach sei auch in diesem Falle verfahren mor­den. Ein Antrag Schultz-Lupitz auf Einrichtung eines Reichsinstituts für Bakteriologie und Phytopathologie wurde nach einer entgegenkommenden Erklärung des Staatssekretairs zurückgezogen. Nachdem auch noch der Militairetat zu einem großen Theile erledigt worden war, vertagte der Reichstag die Fortsetzung der Be­rathung auf Sonnabend.

Die diesjährigen Kaiser manöver beginnen am

2 6. August. Die Kaiserparade über das 2. bayerische Armeekorps findet am 1. September bei Würzburg, die über das 1. am 2. September bei Nürnberg statt.

Der kaiserliche Statthalter von Elsaß- Lothringen hat das fernere Erscheinen derKol- marer Zeitung" und desMülhäuser Volksblattes" ver­boten, weil beide Blätter zur Hundertjahrfeier unter der UeberschriftWir machen nicht mit" einen Artikel brachten, welcher das Andenken Kaiser^Wilhelms des Großen, in grober Weise verletzte und lediglich dem Zwecke diente, die Bevölkerung von Elsaß-Lothringen mit Haß gegen das deutsche Kaisertum zu erfüllen.

Dem Abgeordnetenhause ist ein Antrag des Abg. M o t t y auf Annahme eines Gesetzentwurfes zugegangen, betr. die Belastung von Grundstücken mit bevorrechtigten Meliorationsdarlehen behufs Hebung der Landeskultur.

Die in der Presse verbreiteten Mittheilungen der Neuen Berliner Correspondenz" über angebliche Diffe­renzen im Staatsministerium, welche hauptsächlich die Reform des Vereins- und VersammlungSrechts betreffen sollen, sowie die damit verbundenen weiteren Angaben beruhen auf Erfindung.

Ausland.

In der französischen Kammer hat bei der Berathung über den Regierungsvorschlag, an die Spitze des Heeres einen ständigen Rath von zwölf kommandierenden Gene­ralen zu stellen, Graf Treveneue tiefen Eindruck mit einer Rede gemacht, in der er die preußischen Heereseinrichtungen als das Muster hin- stellte, dem stets nachzustreben sei. Er verurtheilte mit unerbittlicher Härte die gegenwärtigen Verhältnisse des Oberbefehls im französischen Heere und forderte statt eines Marschallsraths die Ernennung eines obersten Be­fehlshabers und eines ihm zur Seile stehenden, nur von ihm abhängenden großen Genecalstabes.

Auf Kreta ist es am vorigen Donnerstage zu einem Kampfe gekommen. Die Aufständischen nahmen das Fort Malaxa. Auf ihrem Rückzüge erlitt die Garnison von Malaxa schwere Verluste. Von den 60 Mann blieben nur 6 am Leben. Am Nachmittage wurde das von den Aufständischen besetzte Fort von Schiffen der Großmächte zusammengeschossen. DieKaiserin Augusta" gab 13 Schüsse ab. Mehrere Dörfer wurden von den Aufstän­dischen niedergebrannt. Am Freitage wurde den Ge­sandten der Mächte eine Note überreicht, mit welcher Griechenland gegen die Blockade Kretas Widerspruch erhebt. Die Mächte sind jedoch auf die Note nicht ein- gegangen, sondern haben die Admirale zur Erweiterung der Blockade nach Maßgabe der gegebenen Nothwendig­keiten bevollmächtigt.

Nach den Kämpfen der letzten Tage halten die Auf­ständischen sämmtliche strategische Punkte in der Um­gebung der Stadt besetzt bis auf diejenige Stellung, von der aus man die Quelle beherrscht, welche Canea mit Wasser versorgt. Seit heute früh ist in der Rich­tung auf Alikianu und das Lager des Obersten Vassos Geschützfeuer zu hören. Haufen von Aufständischen rücken auf den Höhen in der Richtung auf Malaxa vor. In der letzten Nacht sind türkische Truppen mit Geschützen gelandet. Die türkische Regierung hat nur noch für 10 Tage Lebensmittel zur Vertheilung an die musel- manische Bevölkerung. Die österreichische Truppenab- theilung unter dem Befehle des Obersten eines steirischen Regiments, sowie zwei Torpedoboote und einTorpedoboots- zerstörer werden für morgen in der Suda-Bai erwartet.

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* An Raubvögeln, welche den Brieftauben besonders gefährlich sind, wurden innerhalb des preußi­schen Staates im Kalenderjahre 1896 560 Wanderfalken (im Vorjahre 494), 2211 Habichte (im Vorjahre 2310). 898 Baumfalken (im Vorjahre 1013) und 3185 Sper­ber (im Vorjahre 3094), zusammen 6854 (im Vorjahre 6911) getödtet.

* Wegen Anrechnung der aktiven Militairdienstzeit bei Gewährung' st a a t l ich er A l t e r s z u l a g e n f ür V o l k s s ch u l l e h r e r hat der Minister der UnterrichtS- 20. Angelegenheiten unter dem 31. Dezember v. I. auf eine Eingabe erwidert,daß die aktive Militairdienstzeit nach den bestehenden Bestimmungen bei Gewährung der staatlichen Alterszulagen den Volksschullehrern nur'inso­weit angerechnet werden kann, als sie in Erfüllung der gesetzlichen Wehrpflicht zurückgelegt worden ist. Voraus­setzung ist ferner, daß die Betreffenden vor und nach Ableistung der Militairpflicht zur Verfügung der Schul- aussichtsbehörde gestanden haben. Eine Anrechnung Ihrer Militairdienstzeit vom 1. Oktober 1888 bis dahin 1892 kann nicht erfolgen, weil Sie s. Zt. aus dem Schul­dienste ausgeschieden sind, um sich der militairischen Lauf­bahn zu widmen. Dagegen wird im Falle Ihrer event. Pensionirnng die gedachte Dienstzeit nach Maßgabe der §§ 7 und 8 des Lehrerpensionsgesetzes vom 6. Juli 1885 zur Anrechnung gelangen."

(§) Hersfeld,. März. Unter dem Vorsitz des Herrn Bürgermeisters Reinhard von Landershausen fand heute Nachmittag eine Versammlung des L e. n d w i r t h s ch a s t l i ch e n K r e i s v e r'e i n S Hersfeld im Hotel Stern dahier statt. Anwesend waren 20 Mitglieder. Auf der Tagesordnung stand: 1- Rechnungsablage pro 1896. 2. Berathung über den AnschlußdeS KreiSvereinsan die Landwirthschaftskammer. 3. Sonstige Vereinsangelegenheiten. Nach Verlesung des letzten Protokolls suchte man die Tagesordnungzu erledigen, ad. 1. Die Herren Gutsbesitzer F. Roll zu Hof Meise­bach und E s ch st r u t h von Frielingen wurden mit der