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Mnstrirtes Somitagsblatt" ^ Jllustrirte landwirthschaftl. Beilage" für den Monat März werden von allen Kaiser­lichen postaustalteN, kandbriefträgern und von der Ex­pedition angenommen.

Amtlicher Theil.

Fulda, den 4. März 1897.

Der für den 1 1. März d. Js. angesetzte Vieh markt in Fulda kann wegen der im Kreise Fulda noch herrschenden Maul- und Klauenseuche aus veterinärpolizeilichen Gründen nicht abgehalten werden

I. I. Nr. 2259. Der Königliche Landrath.

An das Königliche Landrathsamt zu Hersfeld.

* * *

Hersfeld, den 5. März 1897.

Wird veröffentlicht.

I. 1602. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz,

Geheimer RegierungS-Ralh.

Wichtnmtlichcr Theil.

Wilhelms des (Streit Sterbetag.

9. März 1888.

Neun Jahre find verstrichen, seit der große Kaiser zu seinen Vätern versammelt wurde, der unvergeßliche | Herrscher, zu dessen Denkmälern in diesen Erinnerungs- | tagen das deutsche Volk wallsahrtet. Ja, viele, viele | Denkmäler sind ihm errichtet in Stein und Erz; aber £ das herrlichste von allen ist ihm ausgebaut im Herzen | der Nation, unzerstörbar, allen kommenden Geschlechtern | ein leuchtendes und mahnendes Wahrzeichen.

Herrgottswege.

Bauernroman von A. v. Hahn.

(Fortsetzung.)

Da erst war der Alois auf dem Schauplatze der er­regten Scene angelangt.

Er, sah das Wehr vor sich und den Steg darüber, aber der Steg war leer.

Von der durchlebten Angst und dem Schrecken, der ihm j jetzt durch die Glieder fuhr, wie gelähmt, blickte er starr aus das leere Brett hin. Dann aber stürzte er darauf | zu und sah athemlos in die schwarze Tiefe hinnter, wo | sich das angestaute Wasser schäumend wälzte.

In der Vorstellung, was hier geschehen sei, wollte er I einen gellenden Hilfeschrei ausstoßen, aber die Kehle war l ihm wie zugeschnürt, daß er nur ein leiser Stammeln I hervorbrachte.

Von der Mühle herüber, am Bach entlang, kam eine | Gestalt daher.

Es war der Martin, der jetzt an Hansls Stelle in I der Mühle hantierte.

Wer ist dort am Wehr, und was geht hier bei nacht- I schlafender Zeit vor?" schrie er herüber und kam eilig k auf die Gestalt zu, die er auf dem Stege stehen und in | das Wasser hinunterblicken sah.

Der Alois holte tief Athem, es war ihm dabei, als | ginge ihm ein Messer quer durch die Brust, dann sagte : er heiser:Der Vater da unten der Vater!" und M deutete nach der Tiefe hinab.

Wer seid Ihr? was habt Ihr hier zu suchen, und

Ein köstliches Vermächtniß des Kriegsherrn an sein Heer bleiben die Worte, die er am 1. September 1880, zehn Jahre nach dem Sedansiege, au die Armee richtete. Es war eine große Zeit/' heißt es in-bieser kaiserlichen Kundgebung,die wir vor zehn Jahren durchlebten; die Erinnerung daran läßt unsere alten Herzen bis zum letzten Athemzuge hochschlagen, und sie wird auch unsere späten Nachkommen mit Stolz auf die Thaten ihrer Vorfahren erfüllen. Wie in mir die Gefühle des tief­sten Dankes für des gütigen Gottes Gnade und der höchsten Anerkennung insbesondere für alle, die in dieser Zeit mit Rath und That hervorgetreten sind, leben, das habe ich oft ausgesprochen, und ihr kennt das Herz eueres Kaisers genug, um es zu wissen, daß diese Ge­fühle in mir dieselben bleiben werden, so lange Gott mir das Leben läßt, und daß mein legier Gedanke noch ein Segenswunsch für die Armee sein wird. Möge die Armee aber in dem Bewußtsein des Dankes und der warmen Liebe ihres Kaisers, wie in ihrem gerechten Stolze auf ihre großen Erfolge vor zehn Jahren auch immer dessen eingedenk sein, daß sie nur dann große Erfolge erringen kann, wenn sie ein Musterbild für @r= sülluug aller Anforderungen der Ehre und Pflicht ist, wenn sie unter allen Umständen sich die strengste Diszi­plin erhält, wenn der Fleiß in^er Vyrbildung für den Krieg nie ermüdet und wenn auch das Geringste nicht mißachtet wird, um der Ausbildung ein festes und schweres Fundament zu geben. Dlögen diese meine Worte jederzeit volle Beherzigung finden auch wenn ich nicht mehr sein werde dann wird das deutsche Heer in künftigen Zeiten schweren Ernstes, die Gott noch lange von uns fernhalten möge, jederzeit, so wie vor zehn Jahren, der feste Hort des Vaterlandes sein!"

Wie lebhaft tritt uns aus den Worten dieser zum Herzen sprechenden Kundgebung das Bild des unvergeß­lichen Kaisers entgegen! Es ist, als schauten wir in das liebe, wohlbekannte Antlitz, als hörten wir den Klang seiner Stimme, als sähen wir sie vor uns, die hohe Kaisergestall, den ernsten, demüthigen Fürsten mit dem milden und doch so hoheitsvollen Blick.

Kaiser Wilhelm I. richtet in jenem Erlaß aber auch Mahnungen an seine Soldaten, die nach seinem Wunsch beherzigt werden sollen,auch wenn er nicht mehr sein wird."Die Armee kann große Erfolge nur erringen, wenn sie das Musterbild für die Erfüllung aller An­forderungen der Ehre und Pflicht ist." So der große

mit wem habt Ihr so lauten Streit gehabt, daß ich'S drüben in der Mühle hörte?" fragte der Müller und trat dicht an den Alois heran.

Als er ihn erkannte, rückte er an der Mütze und rief überrascht:Ihr seid's, Herr Alois? Was führt Euch jetzt hierher? Und was habt Ihr dort?"

Er sah ins Waffer hinab, wo der Alois, nach Athem ringend, hinunterstarrte und mit gerungenen Händen hin- deutete.

Der Vater!" wiederholte er noch einmal, es klang wie ein erstickter Aufschrei, und baun stieß er athemlos hervor:Licht! Eine Laterne, eine Stange, schnell!"

Der Müller ist da hereingefallen? Mit ihm habt Ihr Streit gehabt ? Herrgott! Was habt Ihr angerichtet?" rief der Martin in hartem Vorwurf.

Das gab dem Alois die Besinnung und so viel Fassung zurück, daß er kurz erzählen konnte, was vorgefallen war, soweit er's selber übersah, während Martin eine Stange aus dem Holzwerk des Wehrs herauszerrte.

Auch die Ursula hatte des Müllers Geschrei gehört, als sie am offenen Fenster lehnte und nach der Anne­marie heraussah.

Da ihr das Rufen gar so ängstlich und gefährlich vor- kam, daß ihr ganz bange dabei wurde, war sie rasch hinunter gegangen und hatte einen von den Leuten ge­weckt, denn sie anwieS, ihr nach dem Garten zu folgen, es gehe da etwas vor.

Dann eilte sie voraus. Die Ahnung bedrückte sie, daß sich etwas arg Schlimmes zugetragen haben müßte.

Kaiser. Das herrlichste Musterbild für uns alle bleibt er selbst, der uns jene Worte zugerufen hat. Erfüllt von echter, ungeschminkter Gottesfurcht, schon als streb­samer Jüngling treu sich bewährend in Gehorsam, in felbstverleugnender Hingebung, damalsPrinz von Preußen", dererste Unterthan des Königs," nie ermüdend in arbeitsvoller Thätigkeit, willig sich fügend und doch mit klarem Blicke dem Ziele zustrebend, das er erkannte und fest im Auge behielt, so war er von je ein nach- ahmenswürdiges Vorbild für jeden deutschen Soldaten. Was König und Kaiser Wilhelm für Preußen und Deutschland gewesen ist, gehört der Geschichte an. Wenn wir für die beispiellosen Erfolge, die er errungen, die göttliche Vorsehung preisen er war immer der erste, in Demuth Gott die Ehre zu geben und alles Verdienst denen zuzuschreibe», die seine Helfer und Berather waren. Laßt unsalle Anforderungen der Ehre und Pflicht" erfüllen, wie der große Kaiser sie erfüllt hat, so werden wir Ehre haben vor Gott und den Menschen.

Noch eine andere Mahnung fügt der sorgliche Kriegs­herr hinzu: der Fleiß in der Vorbildung für den Krieg soll nie ermüden und auch das Geringste nicht mißachtet werden. Nun, der Fleiß in der Vorbildung für den Krieg läßt im deutschen Heere nichts zu wünschen übrig, dafür sorgt unser jsSfoä thätiger Kaiser Wilhelm II. So wollen wir hoffen, daß diese rüstige Arbeit sich be­währe und gute Früchte bringe, wenn einst wieder im Kriege die Probe auf das Exempel gemacht wird.

Griechenland und die Mächte.

Die große Pause in dem kretischen Trauerspiel war am 8. März abgelaufen. Es wird sich nun rasch zeigen, ob der Konflikt noch einen leidlich guten, versöhnlichen Schluß haben oder mit einem großen Gemetzel zu Ende gehen wird.

Aus einer Reihe von Anzeichen ist zu schließen, daß die Griechen entschlossen sind, dem Gebote der Mächte Trotz zu bieten. Der König hat gegenüber mehreren ZeitungSberichterstattern die Absicht bekundet, seine unter dem Befehle des Obersten Bafsos stehenden Truppen auf Kreta nicht zurückzuziehen, sondern es auf die Anwend- ung von Gewaltmaßregeln anfommen zu lassen. Ferner sind bereits die sämmtlichen griechischen Reserven einbe­rufen worden, um gegen die Türken an der thesialischen Grenze zu kämpfen. Vaffos setzt auf Kreta seine Opera-

Ihre Befürchtung sollte sie nicht betrogen haben. Als sie an's Waffer kam, sah sie Alois und Martin her- umhanliereu und erfuhr, daß der Müller dort hinabge­fallen sei.

Martin fischte mit einer Stange im Waffer herum.

Es ist nichts zu spüren, Herr Alois," meinte er, ich hab' jetzt auf dem ganzen Grund herumgefühlt, und hier müßte er doch liegen, wenn er nach dieser Seite hinabgestürzt wäre, das Waffer würde ihn dicht an's Wehr gedrängt haben. Wir müssen jetzt auf dieser Seite suchen!"

Er nahm dem Knechte, der eben herankam, die Laterne aus der Hand und leuchtete am Ufer entlang bis zur Mühle hin, die Blicke auf den Bach gerichtet, der sich über Felsblocke und Gestein schäumend fortwälzte.

Die andern folgten ihm, die angstvollen Blicke auf das gurgelnde Waffer heftend.

Unten, am Holzgitter, wo sich das Waffer zn den Rädern hinabstürzte, fanden sie den Müller. Todt war er.

Nach dem andern aber, der, wie der Alois behauptete, gleichzeitig mit dem Müller hinabgestürzt sein mußte, suchten sie noch eine lauge Weile, aber vergeblich.

Der Müller wurde ius Haus getragen und aus sein Bett gelegt.

Die Ursula stand weinend daneben, und Alois ging mit gerungenen Händen hin und her und stöhnte in einem fort, wenn er nur müßt', wer's gewesen, der den Vater hinabgestoßen habe, denn eine Mordthat sei'S ge­wesen.

Die Leute stauben kopfschüttelnd und wehklagend da-