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Amtlicher Theil.

Dem Königlichen iLandrathsamt zu Hersfeld theile ich ergebend mit, daß unter dem Viehbestände des Land- wirths Heinrich Wittich in Herda die Maul- und Klauen­seuche ausgebrochen und die Feldmarksperre für Herda angeordnet worden ist.

Eisenach, den 1. Februar 1897.

Der Großherzogliche Direktor bes III Verwaltungsbezirks.

An das Königliche Landrathsamt in .^erBfeib. B. III. 540.

* *

Hersfeld, den 5. Februar 1897.

Wird veröffentlicht.

I. 1062. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.

Hersfeld, den 5. Februar 1897.

Unter Bezugnahme aus mein Ausschreioen vom 22. April 1896 I. A. Nr. 1022, im Kreisblatt Nr. 50, mache ich die Herren Bürgermeister und Gutsvorsteher bee hiesigen Kreises darauf aufmerksam, daß am 1 5. dieses Monats die vierte Rate der für das Rechnungsjahr 1896/97 zu zahlenden Kreissteuer fällig wird, mit dem Ersuchen, gefälligst dafür Sorge tragen zu wollen, daß die Zahlung bis spätestens zum 2 0. d. M t s. bei der KreiS-Communalkasse dahier (im Landrathsamtslokale) bewirkt wird. ad I. A. Nr. 1022/96. Der Königliche Landrath Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.

Zugelaufen: ein weißer Spitz. Meldung des Eigen- thümers bei dem OrtSvorstanb_ zu Tann.__

Entlaufen: ein schwarzer Dachshund, auf den Namen Waldmann" hörend. Abzuliefern an den Ortsvor­stand zu Roßbach.

Politische Nachrichten.

Inland.

Berlin, 6. Februar.

Ihre Majestäten der K iser und die Kaiserin unternahmen heute Vormittag den üblichen genteinsamen Spaziergang durch den Thiergarten. Später hörte der Kaiser den Vortrag des Ch?fs des Generalstabes, Gene­rals der Kavallerie Grafen v. Schlieffen, und arbeitete anschließend daran mit dem Chef des Militair-Kabinets, General der Infanterie v. Hahnke. Um 12/i Uhr mittags empfing der Kaiser den russischen Geheimen Rath v. Mariens in Audienz und um 3'/, Uhr nach­mittags den russischen Obersten und Flügeladjutauten Nepokoischitzki in Abschieds-Audienz. Bon 4 bis 6 Uhr nachmittags wollte der Kaiser der Sitzung des LandeS- Oekonomie-Kollegiums beiwohnen und abends um 7 Uhr einer Einladung des Staatsministers Freiherr« von Hammerstein zum Diner entsprechen. Bei dieser Gelegen­heit wollte der Kaiser die Meldung des Erbdrosten und Kammerherrn v. Rheden-Rheden anläßlich der Berufung desselben zum Mitglieds des Herrenhauses entgegen­nehmen.

Die Reichstagskommission für die N o v e l l e zum Unfallversicherungsgesetz hat ihre Arbeiten begonnen. Anträge wegen Einbeziehung der Schloffer und Schmiede, des Fleischergewerbes und des ganzen Brauereigewerbes wurden angenommen. Ein Antrag der Sozialdemokraten auf Einbeziehung des gesammten Handwerks und des Gesindes wurde abgelehnt, ebenso ein sozialdemokratischer Antrag auf Einbeziehung der in den Strafanstalten beschäftigten Arbeiter.

Im Reichstage haben die Abgeordneten Barth und Genossen einen Antrag eingebracht, den Reichskanzler zu ersuchen, dem Reichstage baldthunlichst eine Denkschrift über die erkennbaren volkswirthschaftlichen Wirkungen der Handelsverträge mit Oesterreich, Italien, Belgien, der Schweiz, Serbien, Rumänien und Rußland vorzulegen.

Die konservative Partei hat die Leitung der Parteiangelegenheiten einer neuen Hand anvertraut. Herr v. Manteuffel vermag wegen Ueberbürdung mit Amtsgeschäften die Parleiführerschaft nicht mehr auf sich zu nehmen; an feine Stelle ist Herr v. Levetzow, der vielbewährte ehemalige Reichstagspräsident, getreten. Dieser Vorgang verdient Beachtung. Das Parteileben macht den Eindruck der Zersplitterung. Wie oft haben die großen Interessen des Vaterlandes den Bestrebungen der Parteien nackstehen müssen! Fest auf ihrem Pol ruht nur eine einzige Partei, die Vertreterin des sozia­len Umsturzes. Aber die ihr eigenen Vorzüge straffer Disziplin und zielbewußter Taktik sind verzerrt durch die Mängel ihres Charakters und durch die Unlauterfeit ihres Handelns. Ihre Eintracht ist wohl eine sehr wirkungsfähige, doch keine sittliche Macht, denn sie stellt lediglich die Gemeinsamkeit der in der Verneinung, nicht in der Förderung vaterländischer Interessen einigen Ele­mente, sowie die Summe des gegen Christenthum und Kultur, gegen Bildung und Besitz angesammelten Klassen- hasses dar. Sie ist eine unmittelbare Gefahr für den Staat und das Volksleben. Ihr bloßes Dasein fordert schon den geschlossenen Widerstand aller in vaterländischem Boden wurzelnden Parteigebilde heraus. Statt dessen aber gefallen sich bie gleichmäßig bedrohten nicht sozial­revolutionären Volkskreise in Rechthaberei und Selbst­sucht, in dem Spiel mit Phrasen und in dem Kampfe gegen selbstgemachte Gespenster. Dem deutschen Bürger- thum wird der Schemen einer junkerlich-agrarischen Reaktion vorgehalten und seine Beschwörung mitlibe­ralen" Zaubersprüchen als das vornehmste Gebot bürger­licher Selbsterhaltung gepriesen, bloß damit die Fraktio­nen auch ferner Spuren ihres Daseins hinterlassen. Da erwachsen für die konservative Partei als Vertreterin großer und dauernder vaterländischer Interessen besondere Aufgaben, wenn sie für den sichern Fortbestand von Staat und Gesellschaft, die Fortentwicklung der nationalen Wohlfahrt und die wohlwollende Berücksichtigung gerechter Volkswünsche eintreten will. Die Wahl des Herrn v. Levetzow zum Parteiführer zeugt von Festigkeit und Klarheit des Wollens, von Klugheit und Mäßigung. Sie wird die vaterländisch gesinnten Bürger sammeln helfen und die Wege ebnen, auf denen ein gemeinsames Arbeiten mit den verwandten nationalen Bestrebungen sich ermög­lichen lassen wird.

Kürzlich ist auch in Pelplin von auswärtigen Agita-

Herrgottswege.

Bauernroman von A. v. Hahn.

(Fortsetzung.)

Zornesbleich, mit wogender Brust und vorgestredten Fäusten, stellte er sich vor ihn hin und sah ihm mit sprühendem Haß in das eingefallene Gesicht.

Es dauerte eine Weile, ehe er die Worte fand:Für das, was du hier gesagt hast, will ich dich vors Gericht schleppen; du sollst schwören müssen, ob's so ist, wie du gesagt hast, und dann will ich die Klage wider dich er­heben, daß sie dich wegen Erpressung und Bedrohung fest, setzen, denn ich will's erzählen, daß du mit der Beschuldi­gung meine Einwilligung in die Heirath hast erzwingen wollen, und die Herren da oben werden mir wohl mehr glauben als dir, du verkommener Lump!"

Der Müller hatte das heiser vor Zorn, in wilder Hast hervorgesprudelt und stieß den Huber dann vor die Brust, daß er zurücktaumelte.

Des HuberS Zorn war aber auch nicht klein. Mächtig flammte es in ihm auf und trieb ihn auf den Müller zu, daß er sich inst der ganzen Wucht seines alten, sehnigen Körpers gegen ihn warf und ihn an den Schultern packte und schüttelte und schrie:Ich will'» schon glauben, daß du vor dem neuen Meineid nicht bangst! Aber der liebe Herrgott hat gesorgt, daß die Bäume nicht in den Himmel wachsen! Was die Unglückliche, die du zertreten hast, aus christlichem Erbarmen nicht gethan hat, das will ich thun!" Er deutete auf seine Brust und fuhr fort:Ich will das Papierl hinlegen vor die Richter und will sagen:Da, I

schaut, das hat der Sägemüller geschrieben! Der Vroni hat er'S geschrieben, damals, als er noch jung und die Vroni noch zufrieden war!" Und das silberne Herz will ich dabei legen, das du ihr geschenkt hast, in dem der Zettel liegt, wo's oben steht:Wie dir mein Herz gehört von Fleisch und Blut, so nimm dies Silberherz und sei mir gut!" und darunter:Seiner Vroni in ewiger Liebe und Treue Franz Gunder." Gelt? Jetzt erschrickst? Hast's ganz vergessen gehabt, daß du auch mal so unvor­sichtig warst, ein' Beweis in ihre Hand zu legen ? Ist dir die Erinnerung den» nie und nie die Angst darum gekommen? Hast' wirklich geglaubt, die Vroni, die dich so lieb gehabt hat, daß sie dies Papierl nicht mal hat zeugen lassen wider dich, sie hält' das Briefl nicht auf- gahoben wie ihren besten Schatz? Sie hätt's zeigen können, das Papier, und man hätt ihr geglaubt und dich hineingeführt in das Gefängniß, wo du hingehört hast für deine That. Aber sie hat'« nicht gethan! Nicht gethan! Hörst du'S? So hat die Vroni an dir gethan, als du schon längst als Lump an ihr gehandelt hattest. Und siehst', das Weib, das hast' noch im Grabe beschimpft! Du weißt'« doch am besten, wie's damals zugegangen ist!"

Darauf ließ der Huber den Müller los uud wollte an ihm vorüber, die schmale Treppe hinabsteigen, die nach unten führte.

Der Sägemüller aber stellte sich ihm todtenbleich ent­gegen und stöhnte:Nicht von der Stelle gehst', Huber! Wo hast' das Papierl?" fuhr er nach einer Pause athem- los fort und blickte scheu hinter sich.Gieb den Wisch

I heraus. Wenn ich die Wort' auch geschrieben hätt', heißt

das darum gleich, daß ich die Vroni ins Unglück gebracht hab'? Kann'S darum nicht ein anderer gewesen sein? Kein Richter kann aus solchem Beweis eine Schuld her­leiten wider mich!"

Wir woüen'S abwarten, was das Gericht dazu sagt," entgegnete der Huber finster.Laß mich jetzt gehen, deine Nähe quält mich, es liegt mir wie ein Unglück im Blut!"

Nicht, eher, als bis du mir das Papierl'geben hast! Du hast kein Recht daran und hast es selbst gesagt, daß es der Verstorbenen Wille war, kein' Gebrauch davon zu machen. Sie hat's wohl am besten gewußt, daß sie kein Recht dazu halte," sagte der Müller hastig und schluckte mühsam, als würde es ihm schwer, die Worte Heraufzu- würgen.Ich sürchte mich nicht vor dem Papier und nicht davor, was du im Sinne hast! Aber wenn's geht, will ich's verhindern, daß mein Name nicht aufs neue in der unglückseligen Geschicht' in aller Leute Mund kommt!"

Das wirst' nicht hindern können," lachte der Huber giftig auf.Denn siehst', da« grad' ist ja die Seite, von der meine Rache dich packen kann. Gefühl hast' ja nicht, du schlechter Mensch, denn wenn du einen Funken Reu« in deinem finstern Herzen spürtest, dann hält'st ja nicht so reden können, wie vorhin, und du hätt'st dem lieben Gott nicht entgegenarbeiten wollen, wie er den Weg ge­zeigt hat, wie deine Schuld gutzumachen ist!"

Wir können ja noch über die Sach' reden," siel der Müller gepreßt ein.Gieb das Papierl nur erst heran«, damit der Zorn mir schwindet und ich dann ruhig mit dir sprechen kann!"