Einzelbild herunterladen
 

Hersfeld, den 30. Januar 1897.

Wird den Ortspolizeiverwaltern mit Bezug auf das AuSfchreiben vom 21. Mai 1895 J. I. Nr. 2924, Kreisblatt Nr. 61, zur Nachachtung mitgetheilt.

I. 888. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.

Hersfeld, den 1. Februar 1897.

Diejenigen Herren Ortsvorstände, welche noch mit Erledigung der Verfügungen:

1. vom 4. Mai 1880 Nr. 4917, Kreisblatt Nr. 36, die Führung des Ortsbürgerverzeichnisies betreffend, 2. vom 30. Mai 1879 Nr. 6474, Kreisblatt Nr. 44, das Einbinden der Kreisblätter betreffend, im Rückstände sind, werden mit Frist bis zum 1 0. d. M t S. hieran erinnert.

Der Königliche Landrath Freiherr von Schleinitz, Geheimer RegierungS-Rath.

Hersfeld, den 28. Januar 1897.

Nach einer Mittheilung des Königlichen Herrn Land- rathS zu Rotenburg ist unter dem Klauenvieh des Müllers Johannes Katzmann zu Raßdorf die Maul- und Klauenseuche ausgebrochen und -über diese Ortschaft Orts- bezw. GemarkungSsperre verhängt.

I. I. Nr. 876. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.

Politische Nachrichten.

Inland.

Berlin, 2. Februar.

Se. Majestät der Kaiser gedenkt, wie aus Kiel gemeldet wird, heute Nachmittag gegen 4 Uhr die Rück­reise nach Berlin anzutreten.

Bei der K a i s e r i n fand gestern Abend ein The-dansant statt; getanzt wurde im Pfeilersaale des Königlichen Schloffes.

Der Reichstag hat die zweite Lesung des Reichs- post-Etats beendet. Am Mittwoch standen die Grund­buchordnung und die Konvertierungsvorlage auf der Tagesordnung.

Das preußische Abgeordnetenhaus hat die Erörterung des Antrags Ring, der die Regierung zu schärferen Abwehrmaßregeln gegen die Einschleppung von Viehseuchen, zum Verbot der Einsuhr russischer Schweine und russischen Geflügels und zum zeitweisen Verbot der österreichischen Rindvieheinfuhr auffordert, noch nicht zum Abschluß gebracht, vielmehr die Fort­setzung der Berathung auf Sonnabend vertagt. Außer­dem stehen am Sonnabend noch kleinere Vorlagen und Petitionen auf der Tagesordnung.

Der Staatsmini st er v. Boetticherist von einem neuen schmerzlichen Familienereigniß betroffen worden. Sein Neffe, der Regierungsasseffor Karl V. Boetticher in Danzig, ist gestorben. Dieser Verlust trifft Herrn v. Boetticher um so empfindlicher, als derselbe den Verstorbenen an Kindesstatt angenommen hatte, nachdem vor zwei Jahren sein ältester Sohn an Diphteri- tis gestorben war und sein jüngster Sohn im vorigen Jahre den Tod des Ertrinkens gesunden hatte.

Im neuen Reichstagsgebäude ist am Sonnabend die konstituierende Versammlung zur Einrichtung deutscher Nationalfeste abgehalten worden. Die Versamm­lung nahm einstimmig und mit großer Begeisterung den Plan, das erste»deutsche Nationalfest im Jahre 1900 a b- zuhalten, auf. In das Präsidium wurden 36 Herren gewählt, deren Wahl durch Zumahl auf 48 erweitert werden soll. Ueber die Wahl des Ortes wurde kein bindender Entschluß gefaßt.

sie zur ersten Kommunion ging, ihr schier mehr als der Herr Pfarrer zu sagen gewußt.

Aber da war die Annemarie dann plötzlich ins Wachsen gekommen, in die Breite und die Länge, sie war anders geworden im Gesicht, und das Blondhaar wollte nicht mehr so schlicht über der Stirn liegen wie ehedem, es halte sich eigensinnig aufgekräuselt, und überhaupt ein ganz eigener Ausdruck war über sie gekommen, so daß es einem in ihrer Nähe anmuthete, als wenn man einer aufblühenden Rose Duft einathme.

Das hatte den Alois wohl auch in Taumel gebracht, als er sie nach dieser Wandlung wiedersah.

Es schien zwar anfangs, als trieb's ihn nun von ihr weg, und er war so viel stiller vor ihr geworden, daß sich die Annemarie in unverstandener Selbstqual fragte, warum er wohl so anders war, wie früher.

Dann aber war ein Abend gekommen, von dem die Annemarie selbst nicht wußte, wie er's zuwege gebracht hatte, daß alles so gekommen war, daß sie nebeneinander un Feldrain, hinter dem Garten saßen und weinten, weil s ihnen so todkstraurig ums Herz war, und daß es dann wie ein Sturm über sie hingebraust war und sie bald gemeint hatte, sie müsse verdursten, wenn sie das Herz, das da so mächtig an das ihre schlug, nicht mehr fühlen sollte.

Dann hatte er von der Heiligkeit der Liebe und dem Willen Gottes gesprochen, der nicht verlange, daß die Kreatur der Natur zuwider arbeite und daß ihm ein guter Vollmensch lieber sei, als ein unglücklicher, mit sich selbst zerfallener Priester.

Sie hatte wie im Traum hingehört, und wie im Traum war alles Folgende an ihr vorübergegangen, seine

Ein Zeichen dafür, daß der H a m b u r g e r A u s - stand zu Ende geht, ist die Thatsache, daß am Montag von den sich zur Arbeit Meldenden 280 Mann keine Beschäftigung erhalten konnten.

Der R e i ch s b a n k - A g e n t H e g e l e in Konstanz ist wegen Unterschlagung im Amte unter erschwerenden Umständen, wegen vielfacher Fälschungen und wegen Betrugs zu 7 Jahren Zuchthaus und 10 Jahren Ehr­verlust verurtheilt worden.

Aus Wanzleben berichtet das dortigeKreisbl." Der im 27. Lebensjahre stehende Lehrer Herr Wilhelm Lederbogen hierselbst hat sich vor Kurzem beim Auswärtigen Amt Kolonialabtheilung in Berlin zur Uebernahme einer Lehrerstelle in Westafrika, im Togoland an der Sklavenküste, gemeldet, und es ist ihm eine solche daselbst in Klein-Popo auf vorläufig zwei Jahre übertragen worden. Als Reichsbeamter tritt nun Herr Lederbogen am 10. März von Hamburg aus seine Reise an.

Ausland.

Der Gegenbesuch des Kaisers Franz Joseph bei dem Zaren wird im April d. I. erfolgen. Der österreichische Kaiser wird vom Grafen Goluchowski begleitet werden.

Aus Kreta werden neue Unruhen gemeldet. Die Christen, welche die Ermordung eines am Sonnabend getödteten Kindes rächen wollten, brachten vier Türken in der Nähe von Canea ums Leben. Das Dorf Galata wurde von den Türken in Brand gesetzt. Zwei Christen wurden getödtet und zwei verwundet. Die Christen hatten gestern verschiedene strategische Punkte besetzt. Man hört lebhaftes Gewehrseuer von Canea her; der Richter Markoulakis wurde gestern in Canea getödtet. Es herrscht, wie dieAg. Hav." meldet, großer Schrecken. Die Läden sind geschloffen. Man fürchtet, daß es zwischen den Christen und den Truppen zu einem Zusammenstoß kommt. Der Gouverneur und die Kon­suln sind bemüht, die Gemüther zu beruhigen.

Mit Dynamit haben dieKubanischenJnsur- g e n t e n neuerdings Krieg zu führen begonnen. So sprengten sie vorgestern einen Bahnzug in die Luft und brachten gestern in der Provinz Santa Clara eine Mine zur Explosion, wodurch die Spanier 70 Mann verloren, während die Aufständischen einen Verlust von etwa 20 Mann hatten.

Aus Bombay meldet vom MontagReuters Bureau" : Die Pest wüthet hier in ungeminderter Stärke fort. Gestern starken 245 Personen; da die Epidemie in den Gefängniffen heftig austritt, erwägt man die Ent­fernung der Gefangenen. In Karachi herrscht wegen des schrecklichen Umsichgreifens der Pest Panik.

Der im Süden Marokkos ausgebrochene Widerstand der Bewohner von Tafilelt gegen den Sultan hat auch zu einem Zusammenstoß zwischen französischen Truppen und einem marokkanisches Stamme geführt. Die Fran­zosen blieben Sieger.

W Provinz uuö Anchbar-ebitl.

* In dem neuesten Heft derArbeiten aus dem Kaiserlichen Gesundheitsamte" findet sich eine eingehende Bearbeitung derSammelforschung über dieErsolgedesDiphtherieheilserumsin den verschiedenen Krankenanstalten Deutschlands von Dr. Dieudonno. Aus dem die Zeit vom April 1895 bis März 1896 umfassenden Berichte ist Folgendes hervor- zuheben: An der Sammelforschung betheiligten sich durch­schnittlich 258 Aerzte in 204 Krankenanstalten. Im Ganzen wurden in der Berichtszeit 9581 Diphtherie­kranke mit Heilserum behandelt, von denen 1489 = 15,5 v. H starken. Nach Abrechnung der hoffnungslos Ein­gelieferten, welche innerhalb der ersten 12 Stunden nach der Ausnahme starben, war die SterblichkeitSziffer sogar

Abreise er war nach Zürich zurückgekehrt, um seine Sache zunächst dem verehrten Lehrer vorzutragen und seinen Rath zu erbitten, wie im Traume hatte sie seine nur halb verstandenen Zeilen gelesen, aus denen das jubelnde Entzücken aufschrie:Ich darf ein Mensch sein !" Wie im Traum die Schreckensscene mit dem Müller erlebt, der sie wulhzitternd aus dem Hause gewiesen hatte, und wie im Traum hatte sie's dem Vater erzählt, was geschehen war, so weit sie's selber klar übersah.

Der Vater hatte sie in die Arme genommen und gesagt, sie möchte es geduldig abwarten, ob es Gottes Wille sei, daß es so geschehe, wie sie beide es sich aus- gesonnen hatten, und sie möchte nicht verzagen und un­glücklich werden, wenn es anders käme. Es schiene ihm hier unmöglich, daß Gott solche Dinge fügen sollte.

Wie er das meinte, hatte die Annemarie nicht ver­standen. Sie dachte, der Vater habe den Abstand ihrer beiderseitigen Lebensstellung im Sinn.

Trotzig war der Gunder in die Sägemühle hinttber- gegangen. Die innerliche Erregung mühsam im Bann haltend, war er durch die Fallthür geklettert und vor den Huber hingetreten, der hier oben mit aebeugtem Rücken herumhantierte.

Na, Huber, habt Jhr's überlegt, wie's mit der Dirn' werden foU fragte er hochfahrend, während der angesammelte Groll, der sein Herz bedrückte, durch seine Worte zitterte.

(Fortsetzung folgt.)

Eine sonderbare Hochzeitsfeier wurde kürzlich in Brockwitz begangen. Als Schmaus und Tanz, die bis zum grauenden Morgen gewährt hatten,

nur 14,7 v. H. Nimmt man zu diesen 9581 Fällen noch die bereits früher veröffentlichten, in denjvorliegenden Bericht nicht mehr mit aufgenommenen Ergebnisse des 1. Vierteljahres 1895, sowie 1328 im 2. Vierteljahr 1896 aus einer Anzahl von Krankenanstalten berichtete Fälle, so ergiebt sich bei einer Gesammtzahl von 13 137 Kranken, welche sich über insgesammt 1'/, Jahre «ertheilen, eine SterblichkeitSziffer von 2082 = 15,8 v. H. Die Ge­sammtzahl der schweren Fälle betrug 4642 = 48,5 v. H., also fast die Hälfte, davon starben 29,4 v. H. Leichte Fälle waren es 3059 = 31,9 v. H. mit einer Sterblichkeit von 0,49 v. H. Bemerkenswerth ist die ziemlich günstige Heilungsziffer der Kinder unter 2 Jahren; von 1189 Kindern in diesem Alter starben 465 = 39,1 v. H.; dabei waren die Fälle fast durchweg schwer. 4085 Kranke (42,6 v. H.) zeigten bei der Aufnahme Diphtherie des Kehlkopfes. Davon mußten 2744 tracheotomirt oder in- tubirt werden. In 1341 Fällen (32,8 v. H.) bildeten sich die bedrohlichen Erscheinungen der Kehlkopfverengerung von selbst zurück, so daß ein operativer Eingriff ver­mieden werden konnte. Auch bei Kindern konnte in zahl­reichen Fällen durch die Serumeinspritzung eine Operation erspart werden. Nirgends äußerte sich die günstige Ein­wirkung der Serumbehandlung so auffallend und wird von den verschiedenen Berichterstattern so besonders her­vorgehoben wie bei der Kehlkopfdiphtherie. Die Sterb­lichkeitsziffer der operirten Kranken betrug 32,3 v. H. Der große Nutzen der frühzeitigen Behandlung zeigte sich sehr deutlich, so betrug z. B. das SterblichkeitSverhältniß bei den am 1. Tage Jnjizirten 6,6 v. H., - - - 2. - - 8,3 -

- - - 3. - - 12,9 -

- - - 4. - - 17,0 ,

- - - 5. - - 23,2 - u. s. f.

Die Einwirkung des Serums auf den Heilverlauf der Diphtherie war im Allgemeinen eine günstige. Ernstliche schädliche Nebenwirkungen, welche den weiteren Gebrauch der Heilserums in Frage stellen könnten, insbesondere plötzliche Todesfälle und dergl., waren nicht zu verzeichnen und die hier und da nach der Einspritzung beobachteten Hautausschläge und ähnliche Nebenerkrankungen traten im Allgemeinen hinter den Nutzen des Serums zurück. Nach den Ergebnissen der Sammelforschung des Kaiser­lichen Gesundheitsamtes ist daher die Behandlung der Diphtherie mit Heilserum als ein Fortschritt auf dem Gebiete der Therapie zu bezeichnen. Ein günstiger Er­folg trat bei dessen Anwendung häufiger ein als bei den bisherigen, wissenschaftlich erprobten Heilverfahren.

* Der Minister des Innern hat die betheiligten Be­hörden darauf aufmerksam gemacht, daß die von Polizeibe­hörden oder -beamten auszustellenden Lebenszeug- nisse auf Quittungen über Renten aus der preußischen RentenversicherungS- anstalt in Berlin stempelsrei sind.

* Von den Obliegenheiten des niederen Küsterdienstes sind bis jetzt im Regierungsbezirk Caffel 454 Lehrerstellen befreit.

* Von sämmtlichen Direktionen der Staatsbahnen ist durch Schalteranschlag eine Be­kanntmachung erlassen, wonach ausländische Münzen und Werthscheine von jetzt ab bis auf Weiteres an den Fahr­kartenschaltern zu dem festgesetzten, nach dem Werth deutscher Münzen umgewandelten Satze als Zahlung an­genommen werden.

V Gershausen, 1. Februar. Gestern Abend feierte der K r i e g e r v e r e i n - K i r ch h e i m in dem großen Saale des Gastwirths Eydt den Geburtstag S r. M a j e st ä t d e s K a i s e r s auf eine sehr zweck­entsprechende Weise. Es hatte zwar an dem Geburts­tag selbst auch schon eine Feier stattgesunden, allein die theatralische Vorstellung mußte, um einer allgemeinen Theilnahme sicher zu sein, bis zum Sonntag Abend ver-

vorüber waren, erhob sich der Hochzeitsvater zu seinem ersten Toaste bisher hatte eitel Schweigen geherrscht und dieses Toastes Inhalt war:Meine lieben Gäste und Freinde! Ich dächte, 's wäre nu genug. Nu woll'n mer jeder bezahlen!" L-taunend und seufzend zahlten die Hochzeitstheilnehmer ihren Theil. Es kam aus den Kopf gegen 5 Mark.

Nachdem am 22. Januar 1891 die Anbauersleute Heinrich Albers und Frau in O st e r h o l z bei Syke durch die Geburt eines Sohnes erfreut wurden, stellte sich am 22. Januar 1893 der zweite Junge ein und am gleichen Datum dieses Jahres der Dritte im Bunde. So haben denn die drei Jungen auf ein und denselben Tag ihren Geburtstag, und in Folge dessen wird zweimal weniger im Jahre Geburtstagsbutterkuchen gebacken werden, was Niemand mehr bedauern wird, als die Hauptbetheiligten: die drei Brüder.

Die Stadt Kansas City in den Vereinigten Staaten erfreut sich zur Zeit eines weiblichen Bürgermeisters, wohlverstanden, nicht einer Bürgermeisterin. Sie ist mit großer Mehrheit aus der Wahl hervorgegangen. In derselben Woche noch, in der der weibliche Bürgermeister sein Amt antrat, wurde er Mutter. Da der Herr Gemahl aber städtischer Be­amter ist, so konnte er sich der dringendsten Angelegen­heiten annehmen.

(Gedankensplitter.) Woran man erkennt, daß man alt wird? Wenn man aufhört, zu hoffen, und anfängt, sich zu erinnern. Wenn die Lieb' ist eifer­süchtig, so bekommt sie hundert Augen, Doch es sind nicht zwei darunter, die gradeaus zu sehen taugen. Eine Frau beherrscht fremde Zungen leichter, als die eigene.