und auch auf literarischem Gebiete regt es sich lebhaft, um in Wort und Bild dem lebenden und kommenden Geschlecht von dem großen Monarchen zu erzählen, welcher die vollkommenste Verkörperung des dahinge- schiedenen geworden ist. Unter diesen zu weitester Verbreitung bestimmten und geeigneten, dem 22. März 1897 gewidmeten HuldigungSgrüßen ragt einerseits durch seine schlichte Einfachheit, andererseits durch Gedankentiefe und Inhalt hervor, was Frau K. v Liliencron als Jubiläumsgabe für Kaiser Wilhelm den Großen im Verlage des Christlichen Zeitschriften-Vereins bietet. Se. Majestät der Kaiser, welchem der Gatte der Verfasserin das erste Exemplar überreichen durfte, hat gestattet, daß als Einleitung seine Worte voraufgeschickt werden, die er am Tage der fünfundzwanzigjährigen Friedens Gedächtnißfeier am 10. Mai d. J. in Frankfurt a. M. bei der Einweihung des Denkmals seines hochseligen Großvaters gesprochen hat. Das mit Allerhöchster Erlaubniß den Angehörigen von Heer und Marine gewidmete Gedenkbüchlein eignet sich zur Massenverbreitung nicht nur im Wehrstande, sondern namentlich auch für die Jugend und die breitesten Volksschichten.
* Die Wahl des bisherigen Oberlehrers am Friedrichs-Gymnasium zu Cassel, Dr. Schotten, zum Direktor der städtischen Ober-Realschule zu Halle a. S. ist bestätigt.
* (Wichtig für alle Handlungsreisende und Kaufleute!) Der Minister für Handel und Gewerbe hat angeordnet, daß auf den Legitimationskarten für inländische Kaufleute und Handlungsreisende diejenigen Handelsartikel angegeben werden, die den Gegenstand des geschäftlichen Unternehmens der vertretenen Firmen bilden, damit ersehen werden kann, ob der Inhaber der Karte die Grenzen des §. 44 der Gewerbeordnung einhält.
* Hersfeld, 16 Dezember. Am Sonntag den 20. Dezember werden die Schalter bei dem hiesigen Kaiserlichen Postamt in demselben Umfange wie an Werktagen für den Verkehr mit dem Publikum g e - öffnet sein.
# Hersseld, 15 Dezember. Die Verlockung weiblicher Personen nach dem Auslande zu Prostitutionszwecken scheint neuerdings wieder in starkem Umfange stattzufinden. Nicht blos in die öffentlichen Häuser der holländischen und belgischen Seestädte, sondern namentlich auch nach Südamerika und nach dem Orient wird anscheinend ein starker Mädchenhandel betrieben. Sind auch die meisten der von den Kupplern nach dem Auslande verbrachten Frauenspersonen solche, welche schon in der Heimath der Prostitution ergeben waren, so fallen doch auch viele andere, häufig durchaus unbescholtene, junge Mädchen in die Hände der Kuppler. Da es nun bekannt geworden ist, daß bei der Verkuppelung unbescholtener Frauenspersonen diese selbst und ihre Angehörigen häufig von Mitschuld insofern nicht freizusprechen sind, als sie unvorsichtiger Weise den An- erbietungen in Zeitungen von angeblich glänzenden Stellen im Auslande als Gouvernanten, Haushälterinnen, Erzieherinnen u. s. w. Glauben schenken oder zweifelhaften „Stellenvermittlern" vertrauen, so mögen insbesondere unerfahrene Personen auf das gefährliche Treiben der Kuppler hiermit hingewiesen und vor den Gefahren eines leichtsinnigen Eingehens auf die täuschenden Anerbietungen derselben gewarnt sein.
+ Biedebach, 16 Dezember. Am Montag stürzte das zweijährige Töchterchen des Gastwirths H e y e r dahier in einem unbewachten Augenblick in einen mit kochendem Wasser gefüllten Topf. Hierbei wurde das unglückliche Kind so furchtbar verbrüht, daß es bereits am gestrigen Tage seinen Geist ausgab.
Cassel, 15. Dezember. In den letzten Tagen sind falsche Fünf Markstücke und falsche Zwanzig- psennigstücke an verschiedenen hiesigen Zahlstellen ein- gezuhlt. Gegen zehn Geldstücke sind behördlich eingezogen. Die Herkunft dieser falschen Münzen ließ sich nicht feststellen.
Lembach (Kr. Homberg), 14. Dezember. Die seit einigen Wochen durch Herrn Rittergutsbesitzer Deichmann dahier angestellten Bohrungen nach Thon sind vom besten Erfolge gewesen, man ist aus mächtige, sehr umfangreiche Thonlager gestoßen. Nachdem von Sachverständigen der Thon untersucht worden und die Qualität desselben als eine ganz vorzügliche bezeichnet worden ist, die getrost mit der Großalmeroder konkurriren könne, ist man jetzt mit dem Ausgraben beschäftigt. Besonders soll der weiße Thon von besonderer Güte sein.
Seligenstadt, 10. Dezember. Dieser Tage bedrohte, wie dem „H. A." geschrieben wird, das zweijährige Söhnchen hiesiger Bürgersleute das '/^jährige Bübchen eines Nachbars mit Halsabschneider,. Der kleine Bursche wachte sich auch wirklich mit einem Messer an die Arbeit. Zum Glücke beobachtete eine Nachbarfrau den grausigen Vorgang, sprang rasch hinzu und entwand dem kleinen Jungen das Messer. Dem hilflosen Opfer kindlichen Unverstandes war am Halse leider bereits eine erhebliche Wunde beigebracht. Der bedauerliche Vorfall, der leicht die schrecklichsten Folgen hätte nach sich ziehen können, mag allen Eltern eine eindringliche Mahnung sein, einestheils die Kinder vor Messer zu bewahren, anderseits ihnen aber auch Bedrohungen mit „Hals- und Ohrenabschneiden" rc., die oft scherzweise hingeworfen werden, nicht zu Gehör zu bringen.
Aus dem Kreise Münden, 13. Dezember. Der Schankwirth Heinrich Bursee hat auf seinem Grundstücke i» Leime einen schönen großen Tanzsaal erbauen lassen, der verflossenen Sonntag durch ein Tanzvergnügen ein
geweiht wurde. Sitzt da nun ein Knecht, dem die „Moneten" alle geworden waren, unten in der Gaststube und wartet auf einen „dei mal einen utgifft." Den anwesenden Leuten war seine Verlegenheit bekannt und sie machten ihm den Vorschlag, seinen Schnurrbart meistbietend versteigern zu lassen. Gesagt, gethan, die VersteigerungSbedingungen wurden aufgestellt und die Auktion begann. Die stolze Manneszierde erzielte ein Höchstgebot von Mark 4,20. Ein anwesender Barbier holte flink seinen Putzkasten und mit wenigen Schnitten war der Bart dahin. Das Geld bekam der Jüngling aber nicht, sondern es wurde gleich auf der Stelle für sämmtliche Meistbietende in Bier umgesetzt. Er hatte aber seinen Zweck erreicht.
Gießen, 14. Dezember. Hier wurde von der Polizei eine Falschmünzer-Werkstatt entdeckt. Verhaftet wurde ein Schuhmacher Prescher, dessen Mutter und dessen Onkel, sowie ein junger Mensch, der die falschen Einmarkstücke auszugeben versucht hatte. Eine Anzahl fertiger und halbfertiger Einmarkstücke fanden sich in der Wohnung der Verhafteten vor.
Ein Tag auf Etappe.
Von Georg v. Rohrscheidt. (Schluß.)
„Ich will wissen, wie es in der Gegend von Saint Sicaire und Troumechant aussieht und zwar bald. Wenn Sie etwas über den Verbleib des Feldpostwagens ermitteln können, ists gut — Sie dürfen sich jedoch unter keinen Umständen von den Kerls erwischen lassen, verstanden? Abreilen — Gott mit Euch!--Weiter im Text, Klecksendorf!"
„Das Generalkommando weist sämmtliche Etappen des Bezirks auf ausgiebige Fouragierungen hin und stellt vom 15. d. Mts. an keinen Verpflegungsnachschub mit Ausnahme von Kolonialwaaren und Tabak mehr in Aussicht."
„Gott sei Dank, daß das brave Landgewehr heute kam und kommt, wir säßen sonst nett in der Tinte mit unsern paar Stiften."
„Zwölfhundert Paar Stiefeln, große Sortierung, X. pommerfvbe Brigade, sollen am 12. d. M., in Säcke verpackt, zum Adholen fertig stehen."
„Gut, die haben wir, weiter. Was willst du, Jochen?" Trainsoldat Joachim Rollebusch, ein Gutsknecht des Herrn Rittmeisters, welcher letztere schon längst seit zwanzigjähriger aktiver Dienstzeit wieder auf seiner ererbten Scholle saß und jedesmal in den letzten Kriegen sich freiwillig zur Verwendung meldete, kündigte an, daß das Frühstück bereit stehe.
„Warten, bis der Herr Lieutenant da ist."
Hinter Jochen steht ein Lazarethgehilfe mit 'blutbefleckten Fingern.
„Was wollen Sie?"
„Der Herr Assistenzarzt lassen dem Herrn Rittmeister melden, daß der Herr Premierlieutenant Graf Rehstahl im Sterben liegen, ob der Herr Ritt — —"
„Jawohl," rief Helferich aufspringend, „ich bin auf der Stelle dort!"
Graf Rehstahl war auf einem Patrouillenritt vor vier Wochen in der Nähe schwer verwundet worden und als transportunfähig in Toujourstravail liegen geblieben.
Während der Rittmeister die letzten Aufträge des sterbende» Kameraden entgegennahm und ihm mit Trost und Gebet zur Seile stand, war sein Neffe wieder in der Kommandantur eingetroffen und wartete nun seinerseits wieder mit feinem Appetit auf den Oheim. Endlich, nach einer Stunde, erschien dieser, um das inzwischen zum Mittagbrot beförderte Frühstück still und gedankenvoll einzunehmen. Zur Speisetafel, an welcher auch der Militärarzt gewohnheitsgemäß theilnahm, diente der von den Schriften zur Hälfte geräumte Schreibtisch.
Eiliger Hufschlag ertönte auf der Straße, als kaum die Mahlzeit geendet, und erhitzt trat wieder Gefreiter Veilstein in die schon dämmernde Halle.
„Herr Rittmeister," meldete er athemlos, „die Waldstücke vor Troumechant wimmeln von Franktireurs, wir sahen auch auf der Straße von Mercy neuen Zuzug herankommen. Auf sechshundert Schritt erhielten wir Feuer, es ist niemand verwundet. Wir warteten, bis wir die Baude in der Richtung hierher in Marsch sahen, es waren ungefähr achthundert Mann, sie können in einer Stunde hier sein. Die Feldwache 1 ist von uns im Vorbeireiten benachrichtig! und läßt ohne Signale Vorstadt und Schloß allarmiren!"
„Gut gemacht, Beilstein — — an die Gewehre und Pferde — die Etappenmannschaften sammeln sich hinter dem Kloster, die Landwehr im Schloßhof. Beilstein, reiten Sie zur Feldwache 2, sie soll umgehend mit Zurücklassung eines Unterossizierpostens von sechs Mann nach dein Kloster abrücken. Jochen, die Pferde, für den Herrn Lieutenant die Mira!"
Damit stülpte der Rittmeister die Pelzmütze auf, schnallte um und zog den Mantel au. „Hier, mein theurer Herr Neffe, zünde dir eine Havannah an, dann wollen wir zwei noch das fragliche Terrain besichtigen. Ist ein lebendiger Tag heute, wie?"
„Wäre nett, Onkelchen, wenns was Vernünftiges zu thun gäbe!"
„Na, wollen's hoffen, achthundert gegen Hundertund- drei plus — wie stark ist dein Zug?"
„Einundsechzig Mann einschließlich fünf Unteroffizieren ?"
„Also hundertundvierundsechzig, davon hundertund- vierzig lange Zündnadeln, heute die Hauptsache!"--
Langsam zog sich eine Stunde später die Feldwache
Nr. 1 auf das langgestreckte Kloster zurück, rechtzeitig seitwärts abbiegend, um das Feuer nicht zu maskieren.
In massenhaften Schwärmen folgten die Franktireurs unsinnig knallend nach und machten außer Schußweite der drohenden Mauern Halt. Ein Umgehen dieses unbequemen Hindernisses hätte nur in den Feuerbereich des ebenso ungemüthlichen Schlosses geführt, auf andere Weise war nicht anzukommen. Endlich, nach geschlagenen zwanzig Minuten, stürzte eine lange, ungeordnete Kette bis auf etwa fünfhundert Schritt heran und donnerte mit allen möglichen Kalibern los. Die Vertheidiger blieben ruhig in der Deckung und ließen das durchaus unschädliche Regenwetter toben, wie es wollte. Das dauerte wieder eine halbe Stunde. Muthiger geworden, weil jede Antwort ausblieb, setzten die Tapfern abermals zu einem Anlauf an. Aber der bekam ihnen herzlich schlecht, sodaß sie mitten im Rennen Kehrt machten und einige fünfzig Mann liegen ließen. Schloß und Kloster spieen wohlgezielteS Kreuzfeuer und stopften erst auf sechshundert Schritt wieder ab.
„Nanu, was soll denn das heißen?" rief der Rittmeister feinem getreuen ersten Sekretär zu, „das Gros begiebt sich ja ebenfalls eilig auf die Strümpfe?"
„Ich glaube, Herr Rittmeister — die angemeldete Landwehrcompagnie! Dort sehe ich dunkle Punkte am Walde — dort links!"
„Richtig, wahrhaftig, die haben sich aber gesputet, kommen volle zwei Stunden früher. Hornist, Avancieren blasen! Und nun rasch zu meinen Reitern!"--
„Aber, Onkelchen, kannst du noch losfegen," sagte bewundernd Lieutenant Helferich abends beim Glühwein, „das war eine Attacke, wie sie im Buche steht, wundervoll schräg angesetzt und prächtig geritten; die Kerle rollten wie ein Papierstreifen auf und fuhren dem Herrn Hauptmann kunstgerecht in die Läufe!"
„Kann nur beistimmen," nickte Hauptmann Thorwald, „mein Bericht soll nicht von Pappe fein, ohne einen Strich von der strengsten Wahrheit abzuweichen!"
„Macht nicht solches Aufheben, Herrschaften," schmunzelte vergnügt der Rittmeister, „wenn ein gedrangsalter alter Etappenonkel 'mal die Gelegenheit ergreift, seinem gequälten Herzen Luft und seinen Hottipferdchen Bewegung zu machen!"
$ t r in i f t i t §.
— Zu den größten Seltenheiten gehört es jedenfalls, daß ein Angestellter, der mit der Ankündigung einer Erhöhung seines Gehaltes durch deu Geschäftsinhaber überrascht wird, nicht darauf eingeht und das Ansinnen dankend zurückweist. In Z e i tz ist dies, der „Magdeb. Zeitung" zufolge, vorgekommen. Ein älterer, verheiratheter Meister in einer größeren Fabrik lehnte kürzlich die ihm zugedachte Ausbesserung mit den Worten ab, daß er sein Auskommen habe und nicht mehr brauche. Schon früher war ihm dasselbe Angebot gemacht worden. Er hat jetzt abermals mit zufriedener Miene unter Ausdrücken des Dankes auf die ihm zugedachte Erhöhung seines Einkommens verzichtet.
— Leipzig, 14. Dezember. Wie das „Leipziger Tageblatt" erfährt, hat der am 5. d. Mts. verstorbene Rentier S. Hugo R o l f f s in Mühlheim a. RH. dem Centralvorstand des Gustav-Adolf-Vereins sein gesammteS Vermögen im Betrage von 300 000 Mark als Legat vermacht.
— Stockholm, 14. Tezbr. In Laurvik (Norwegen) wurde heute früh um etwa 9 Uhr ein Erdbeben in der Richtung von Osten nach Westen verspürt. In Karlsstadt (Schweden) wurden gestern früh etwa um 8'/., Uhr zwei auf einander folgende, außerordentlich starke Erderschütterungen in der Richtung von Südwest nach Nordost wahrgenommen, welche etwa 20 Sekunden dauerten. Häuser und Hausgeräthe schwankten. Das Erdbeben wurde auch an anderen Stellen der Provinz Vermland verspürt; ein starkes Gepolter ging hier den Stößen voraus.
— Der „Nem-Aorker Staatsztg." wird aus Jeanette (Pennsylvanien) vom 27. November gemeldet: Unser Städtchen kann sich rühmen, die jüngste v erheirat h e t e Frau des Staates Pennsylvanien in seinen Mauern zu bergen. Die 12 Jahre alte Caneta Gatt, eine Schülerin der hiesigen Volksschule, wurde seit einigen Tagen von ihrer Lehrerin vermißt. Als der zuständige Beamte, in Gemäßheit der Bestimmungen des Schulzwanggesetzes, nach der elterlichen Wohnung ging, um die säumige Schülerin zum Besuch der Schule zu veranlassen, wurde er von der Mutter des Mädchens in Kenntniß gesetzt, daß Letzteres soeben mit Einwilligung der Eltern den 35 Jahre alten Italiener F. Patri geheirathel habe und nicht mehr in die Schule kommen werde. Angesichts dieser merkwürdigen Thatsache mußte der Beamte unverrichteter Sache wieder von bannen ziehen.
— (Glückliche Bereinigung.) Heiraths- vermittler: „Ich habe da ein Mädchen aus der Schweiz, die ist sehr reich, und eine andre aus Sachsen, die ist sehr schön . . ." — Heirathskandidat: „Haben Sie nicht eine aus der sächsischen Schweiz?"
(Falsche Deutung.) Städterin (auf dem Lande, einer Viehherde begegnend): „Weshalb schaut nuch denn der Ochs da so wüthend an?" — Viehmagd: „Das macht Ihr rother Sonnenschirm, Fräulein!" — Städterin (verlegen erröthend): „Nun ja, er ist wohl nicht mehr so ganz modern.. aber woher kann der Ochs das wissen?"