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Üir. 142. WO« Den 1. IezemKr 1896.

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Ias Lthrertlesoldaagssesetz

ist nach zweitägiger Berathung im preußischen Abgeord­netenhause einer Kommission überwiesen worden. Die Verhandlungen lassen die Hoffnung berechtigt erscheinen, daß die Lehrer nicht noch einmal unbefriedigt von der Schwelle des Parlaments weggehen werden. Wenn auch von den Parteien der Rechten, der Mitte und von den Rationallrberalen aus einige verbefferungssählge Be­stimmungen des Gesetzes hingewiesen wurde, so sind sie doch geneigt, im Interesse der ,Lehrer etwas von ihrer Ueberzeugung zu opfern. Nur die freisinnigen Parteien sind nach wie vor grundsätzlich Gegner der GehaltSauf- besseiung der Lehrer. Sie suchten zwar ihre Gegner­schaft in erster Linie damit zu begründen, daß den Lehrern nicht genug geboten werde; in Wahrheit aber ist für ihr Verhalten entscheidend die Annahme, daß durch die Rege­lung der Staatszuschüsse die großen Städte gegenüber den kleinen Städten und dem platten Lande benachtheiligt würden. Wie weit diese Annahme Boden gefaßt hat, zeigte die Entrüstung, die der Abgeordnete Rickert von der freisinnigen Vereinigung an den Tag legte, als er sich mit Entschiedenheit gegen die schlechte Behandlung der Städte verwahrte.

Zu einem solchen Auftreten lag durchaus kein Grund vor. Die Zuschüsse zu den Schullasten, welche gegenwärtig vom Staate an die Gemeinden bezahlt werden, beruhen auf den Gesetzen vom 14. Juni 1888 und vom 3 l. März 1889. Schon der Umstand, daß die genannten Gesetze überhaupt nur eine Zeit lang gelten sollten, wie sich dies aus ihrer Entstehungsgeschichte unzweideutig ergiebt, noch mehr aber die Erwägung, daß durch sie dem

Aus dem Leben Ur öa$ Beta.

Von A. v. L i l i e n c r o ».

(Fortsetzung.)

Drei Tage später wurden zwei Briefe in Charlottens Hand gelegt; der erste war aus Berlin von ihrer Tante, die sich mit Freuden dazu bereit erklärte, die jungen Mädchen bei sich aufzunehmen, sobald sie es wünschten, das andere Schreiben hatte Onkel Theodor gesandt, es lautete:

Kind, wir brauchen Dich hier sehr nöthig, die großen Jungen wachsen unserer Dora etwas über den Kopf, und der Vater kann bei seinen vielen Arbeiten seinen Famulus nicht mehr lange entbehren. Im übrigen wollte ich Dir mittheilen, daß wir alle wohlauf sind, des Vaters Buch ist freilich noch nicht zum Druck an- genommen worden, dafür haben wir aber eine andere Freude gehabt, mir ist ein kleiner Gewinn in der Lotterie zugefallen, just so viel wie der Vater erwartete, für sein Buch zu bekommen, und Du weißt, wie er sagt, bekomme ich das Honorar, dann hole ich mir die Lolte heim. Nun, es ist ja gleich, woher das Geld gekommen, kurz wir sagen, die Lotte muß zurück« kommen, sieh also zu, wie Du dort die Sache arran­gieren kannst. Und wenn Dir's vielleicht hart an- kommt, Dich so schnell dort loSzureißen, wo Dein kleines Herz sehr glücklich war, so denke daran, hier wartet der Vater auf Dich, dessen Augapfel Du bist, hier wird es wieder an allen Ecken heißen:Lotte hier, Lotte da," und, daßich's nur gestehe, Dein alter Onkel

Staate auf Grund einer vorübergehend günstigen Finanz­lage ohne Bestehen einer Verpflichtung dauernde Lasten auferlegt worden sind, welche sich bei der rapiden Ent­wicklung der größern Gemeinden jährlich um etwa l/-2 Million gesteigert haben und bis ins Ungemeffene weiter erwachsen würden, während dringlichere Bedürfnisse des StaateS deshalb nicht befriedigt werden konnten, mußte die Vornahme einer Revision dieser Gesetze als gerecht­fertigt und unaufschiebbar erkennen lassen.

Dazu kam, daß die Verhältnisse der größeren Ge­meinden, wie sie zur Zeit der Bewilligung der StaatS- beiträge bestanden, seit der Geltung der genannten Ge­setze wesentlich andere geworden sind. Infolge der Durch­führung der Steuerreform, insbesondere der Ueberweisung der Realsteuern, hat sich der Haushalt der größeren Ge­meinden völlig umgestaltet. Namentlich durch das Kom- munalabgabengesetz sind den Gemeinden neue Einnahmen und Steuerquellen eröffnet worden, die mit erheblichem Erfolge auszunutzen gerade die großen Städte im Stande sind, (Gebühren und Beiträge, indirkte Steuern, Be­steuerung der Dienstwohnungen und Dienstgrundstücke der Beamten zc.). Der Finanzminister schätzte die den Städten überwiesenen Steuerquellen auf 108 Millionen Mark. Man wird ihm darin zustimmen müssen, daß eine solche Bevorzugung der großen Städte nicht unberücksichtigt bleiben darf und daß es die Pflicht des Staates ist, bei der Vertheilung seiner Zuschüsse mehr auf die Leistungs­fähigkeit der Gemeinden zu sehen.

Wenn die Staatsregierung trotzdem 2/+ Mill. Mk. ausgesetzt hat, um die großen Städte für den Ausfall an Staatszuschüssen zu den Besoldungen zu entschädigen, so ist dar nur geschehen, damit die Vorlage nicht wieder scheitere. Derselbe ernstliche Wille der leitenden Kreise, die Vorlage zum Gesetz zu erheben, ist auch bei den Verhandlungen im Abgeordnetenhause in den Reden der Minister Bosse und Wliquel zu Tage getreten. Mit Be­friedigung wird man in Lehrerkreisen vernommen haben, daß der Kultusminister mit allem Nachdruck für die Ge­haltsverbesserung der Lehrer eintrat:Die Lehrer noch einmal zu vertrösten, ist meiner Ansicht nach absolut ausgeschlossen. Es muß jetzt etwas zu Stande kommen. Selbst das Bescheidenste ist dem Zustande, daß gar nichts zu Stande kommt, noch immer vorzuziehen!" Aus diesem Grunde ist auch die Regierung geneigt, auf eine mäßige Erhöhung der Dienstalterszulagen einzugehen. Des Wünschenswerthen wegen aber darf das Erreichbare

hat eine ganz unbändige Sehnsucht nach seiner kleinen, tapferen Schülerin, die das Ä-B C des Lebens, das Vertraue Gott und thue deine Pflicht," so gut ge­lernt hat, daß sie ihren Lehrmeister am Ende einmal selbst in die Schule nehmen kann.

Nun, meine Lotte, wir warten auf Dich, laß Dich bald umarmen von

Stettin, den 27. 9. 1892. Deinem

alten Onkel.

Das junge Mädchen reichte beide Briefe an May, sie fühlte sich unfähig, dabei zu sprechen, so tief hatte Onkel Theos Brief sie bewegt, denn sie wußte genau, kein Lotteriegewinn war ihm zugefallen, sondern es war eine Summe, die er von seinen Ersparnissen genommen, und die er nun allmählich mühsam ersetzen würde, um das kleine Kapital für die Kmder zu erhalten. Denn er scheute keine Opfer, wenn es galt, der Lotte zu helfen und dem Schwager eine Sorge zu ersparen.

May hatte rasch die beiden Schreiben durchflogen, und als sie aufblickend die Thränen in den Augen der Freundin gewährte, schmiegte sie sich in alter Zärtlichkeit an sie und schluchzte:Willst du mich denn nicht be­gleiten, Charly, soll ich ganz allein unter die fremden Menschen gehen?"

Ich werde dich hinbringen und dort so lange bleiben, bis du dich heimisch bei ihnen fühlst, erst dann werde ich zu den Meinen zurückkehren," wurde sie beruhigt, und bereitwilligst ließ sie sich trösten und lauschte mit er­wartungsvollen Augen, wie Charlotte ihr immer mehr von der Tante und ihrem thätigen Leben erzählte.

nicht aus dem Auge gelassen werden; das mögen die Freunde des Gesetzes bei ihren weitergehenden Forde­rungen beherzigen.

Politische Nachrichteu.

Inland.

Berlin, 28. November.

Se. Majestät der Kaiser, welcher gestern Abend gegen 8 Uhr im besten Wohlsein aus Kiel in Wildpark bezw. im Neuen Palais wieder eingetroffen ist, begab sich heute früh kurz nach 7 Uhr mittelst Sonderzuges nach Barby zur Jagd beim Amtsrath Dietze und ge­dachte heute gegen Mitternacht von dort nach dem Neuen Palais zurückzukehren.

Wie aus Detmold gemeldet wird, ist dort in ver­gangener Nacht Ihre Durchlaucht die Fürstin Eli­sabeth zur Lippe im Alter von 63 Jahren ge­storben.

Blättermeldungen zufolge ist der deutsche Botschafter in Konstantinopel, Freiherr S a u r m a v. d. I e l t s ch, nach Berlin berufen worden. Wie wir von maßgebender Stelle erfahren, ist die Nachricht unrichtig.

Die von mehreren Blättern verbreitete Meldung, daß der Reichskanzler Fürst Hohenlohe sich im Dezember nach Petersburg begeben werde, wird von maßgebender Stelle als durchaus unbegründet erklärt.

Das preußische Abgeordnetenhaus hat die Schuldentilgungsvorlage an eine besondere 21er-Kom- mission überwiesen. Das Lehrerbesoldungs­gesetz wurde ebenfalls einer solchen Kommission über­wiesen.

Dem Abgeordnetenhause ist ein Gesetzentwurf, betr. Aenderung des Gesetzes vom 3. Juli 1876 über die Besteuerung des Gewerbebetriebs im Umherziehen, zugegangen.

Der Gesetzentwurf, betr. die Kündigung und Um­wandlung der 4prozentigen konsolidirten Staatsanleihe in 3' /.^prozentige, ist von der Budgetkommission des Abgeordnetenhauses unverändert angenommen worden. Ein Antrag, die Schutzfrist auf fünf Jahre zu ermäßigen, wurde mit 12 gegen 6 Stimmen abgelehnt.

Der Gesammtbedarf für den R e i ch S - I n v a - ' lidenfonds ist im Etat für 1897/98 auf 28 504 497

Das frühere herzliche Verhältnis zwischen den beiden jungen Mädchen war wieder hergestellt, nur einen Punkt gab es, den sie beide wie in schweigendem Ueberein- kommen vermieden, das war MayS Liebe und alles, was damit zusammenhing.

Eberhard war viel beschäftigt und wenig zu Hause; das erleichterte Charlotten die letzten Tage in Hollfelde und machte es ihr möglich, sich noch in hingebender Sorgfalt den Interessen des alten Freiherr» zu widmen, dessen Augen oft mit schmerzlicher Wehmuth auf ihr ruhten.

So war der letzte Tag gekommen, den Charlotte unter diesem Dache zubringen sollte, denn am nächsten Morgen wollte Tante Lina mit den jungen Mädchen nach Berlin reisen. Eberhard war schon bei Tagesan­bruch fort gefahren und hatte seine Rückkehr erst für den späten Abend in Aussicht gestellt, und als daher nach Tisch der alte Herr sein Schläfchen hielt, und May mit Packen beschäftigt war, wanderte Charlotte allein durch den herbstlichen Park dem Walde zu, ihr war es, als müsse sie Abschied nehmen von einem jeden Platz, der wonnig liebe Erinnerungen barg.

Etwa zwanzig Minuten von Hollfelde auf einer malerischen Anhöhe bauten sich zerbröckelte Mauer-este auf, von denen es ungewiß blieb, ob sie einst zu einem alten Wachtthurm gedient hatten, oder ob es nur eine künstliche Ruine war, die einer der Vorbesitzer an diesem rdyllrsch gelegenen Platze aufgerichtet hatte.

Dorthin lenkte Charlotte ihre Schritte, es mar Eber- yaibö Lieblingsplatz, den er wiederholt gemalt Halle.