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Gratisbeilagen:Illnstrirtes Sonntagsblatt" n.Illnstrirte landwirthschaftlichs Veilage".

«r. 141

Ssmiabeil- Ütn 21 NsvtmKr

1888.

Zweites Blatt.

Bestellungen auf das Hersfelder Kreisblatt

mit den Gratisbeilagen Jlliistrirtes Sonntagsblatt" und Süuftrirte landivirthschaftl. Beilage" für den Monat Dezember werden von allen kaiserlichen Postanstalten, Landbriefträgern und von der Expedition angenommen.

Advent.

Ein neues Jahr beginnt für die christliche Kirche mit dem heutigen Tage. Wir feiern das Neujahr der Christenheit, den ersten Advent. Wohl Manchem steht dieser Jahreswechsel fern und ist ihm zu einer dunkeln Sage geworden. Und doch, ein eigener stiller Zauber, eine die Herzen ahnungsvoll bewegende Macht liegt auf den Advents Sonntagen, eine Empfindung begleitet sie, die so tief ist, daß die wenigsten sich ihr ganz zu ent­ziehen vermögen. Es ist das alternde, sich zu Ende neigende Jahr mit seinen kurzen Tagen, seiner Hellen, aber rasch am Himmelsbogen vorüberziehenden Dezember- Sonne, es ist die nahende Weihnacht mit der helleren Sonne der Freude, die ihre Strahlen vor sich hersendet, welche vereint diese Empfindungen in uns erwecken und unsere Seelen erfreuen zugleich und rühren.

Ahnungen und Hoffnungen erfüllen uns. Der Blick ist auf das Kommende gerichtet. Es ist uns wie vor dem Sonnenaufgang zu Muthe, wenn der Himmel sich röthet und die ersten goldenen Streifen ihn säumen. Es ist uns zu Muthe, als ob wir noch einmal jenen herrlichen Sonnenaufgang der Weltgeschichte miterleben sollten, der so lange ersehnt und gehofft und durch die weiffagenden Stimmen aller Völker verheißen war. Aber wir schauen zugleich das Helle Licht, das aufgegangen über die Welt, die Erfüllung dessen, was die Vorzeit gehofft. In ihm, unserm Herrn und Heiland, sind die Weissagungen erfüllt. Sie sind anders, aber herrlicher erfüllt, als die Welt sie dachte. Sie sind geistig erfüllt und im Innern zur Wahrheit geworden. Es ist ein König in die Welt getreten, aber nicht ein König mit dem Herrscherstabe Davids, sondern ein König des großen, unsichtbaren, aller Völker und Menschengeschlechter um- spannenden Reiches der Wahrheil. Und er thront nicht in Jerusalem auf dem Berge Zion, er thronet in den Herzen aller Derer, die vor ihm sich beugen. Und er kam nicht zu herrschen, sondern zu dienen. Es ist ein Hohepriester in das Allerheiligste getreten, aber nicht, um an bem Altare Jehovas das Opfer der Böcke und Farren darzubringen, nein! um das Opfer des Gehor­sams, sich selbst und sein Leben darzubringen im schmach­vollen Tode, um für die Wahrheit zu zeugen, aus der er geboren. Und er hat ein Reich des Geistes und der Liebe gegründet unter den Menschen, das nimmer auf­hören soll. Er hat ein Reich des Friedens aufgerichtet in den Tiefen unserer Seele, des Friedens, den die Welt nicht zu geben, aber auch nicht zu rauben vermag und der durch alles laute Getümmel des Menschenver- kehrs, durch den Streit der Parteien, durch den Krieg der Völker nicht von uns genommen werden soll.

Das ist die Erfüllungen der Weissagungen! Das ist das Licht, welches aufging in dunkler Nacht! Und die Kirche Christi, die mit dem ersten Advente ein neues Kirchenjahr beginnt, sie will dieses Licht verbreiten. Sie will von neuem ihre Pforten weit austhun und einladen, zu dem zu kommen, der da ist der Weg, die Wahrheit und das Leben. Es soll in einem ganzen vollen Jahre

von den Kanzeln herab in den Kirchen, in unsern Häusern, an Kranken- und Sterbebetten, vor der Jugend in den Schulen, vor Hohen wie Niedrigen, vor Kranken wie Gesunden, ja in allen Verhältniffen des Lebens das alte, aber nie veraltende Evangelium gepredigt werden von dem Herrn, der aus Liebe zu uns Mensch geworden ist, damit er unser Erretter und Erlöser würde, damit er uns neue Lebenskräfte schenke und uns reich mache in Gott.

Vermischtes.

Der Zunahme des Postversendungsverkehrs in Deutschland entspricht der gesteigerte Verbrauchvon Postwerthzeichen. Die Gesammtstückzahl der ver­brauchten Postwerthzeichen ist von 1588 Mill. im Jahre 1891 auf 1904 Mill. im Jahre 1895, oder durchschnitt­lich im Jahre um 79 Mlll. Stück gestiegen. Die stärkste Zunahme wies in diesem Zeitraum das Jahr 1895 mit 95 Mill. Stück auf. Der Nennwerth der verbrauchten Postwerthzeichen belief sich 1891 auf rund 169 Mill. Mark, 1895 auf 196 Mill. Mark; auch hier weist das Jahr 1895 mit 9,5 Mill. '.Wart eine über den Durch­schnitt von 7 bis 7,5 Mill. Mark erheblich hinausgehende Steigerung auf. Die verhältnißmäßig stärkste Steiger­ung hat der Verbrauch von Dreipfennig-Freimarken auf- zuweisen, er ist von 239 Mill. auf 320 Mill. Stück gestiegen. Absolut genommen ist aber der Verbrauch von Zehnpfennig-Freimarken der weitaus erheblichste; die Stückzahl bezifferte sich hier 1891 aus 620 Mill., 1895 auf 706 Mill. Bei den Fünfpfennig-Freimarken ergab sich eine Steigerung der Stückzahl von 245 Mill. auf 315 Mill. Bei den Zwanzigpfennig-Freimarken ist eine VerbrauchSzunahme von 127 Mill. auf 151 Mill. Stück eingetreten. Bei den höher bewertheten Freimarken ist gleichfalls eine bedeutende Verbrauchszunahme zu verzeichnen ; bei den 25-Pfennig-Freimarken eine solche um 5 Mill., bei den 50-Pfennig-Freimarken eine solche um 14 Mill. Stück. Der Verbrauch der 2-Mark Frei­marken ist von 727 934 auf 824 330 Stück gestiegen. Bei den Postanweisungen ist der Verbrauch von 2 9 Mill. auf 32 Mill. Stück, bei den Postkarten von 226 Mill. auf 261 Mill. Stück gestiegen Dagegen ist der Ver­brauch von Rohrpostbriefumschlägen von 208 822 auf 199 619, der von Rohr Postkarten von 300 118 auf 281 445 zurückgegangen. Die Zahl der neben den Post- anstalten mit dem Betriebe von Postwerthzeichen beauf­tragten amtlichen Verkaufsstellen ist von 14876 im Jahre 1890 auf 19 272 im Jahre 1895 gestiegen.

Gold im Fichtel-Gebirge ist nach einer Notiz derZeitschrift für praktische Geologie" neuerdings bei Waldsassen in der Obeipfalz nachgewiesen worden, es findet sich in Gängen von Quarz, dem gewöhnlichen Muttergestein des Goldes. Schon früher einmal wurde nicht weit davon aus dem Glimmerfchieferschutte des Düllengebirges Gold gewaschen; wie der bayerische Geologe v. Gümbel annimmt, stammt dieses aus einer benachbarten, fiüher auch bergmännisch verarbeiteten Einlagerung von Schwefelkies und anderen Schwefel­metallen im Glimmerschiefer in der Nähe der sogenannten Schmelz unweit des Osser-Berges im Böhmerwalde.

Am 21. November ereignete sich auf einer Treib­jagd in E r st e i n ein schwerer Unglücksfall. Ein Jagd­hüter ging mit seinem Hunde vor der Linie der Treiber her. Als er sich einem Premier-Lieutenant der Straß- bürger Garnison, welcher an der Jagd theilnahm, auf etwa 30 Schritte genähert hatte, hielt dieser im dichten Unterholze den Hund für ein Kaninchen. Der Premier- Lieutenant bückte sich um besser sehen zu können, dabei entlud sich sein Gewehr. Der Hund wurde leicht ver­letzt, der hinter demselben herkommende Jagdhüter schwer in die Brust getroffen. Der hinzugerufene Arzt konnte nach kurzer Zeit nur den Tod des Jagdhüters feststellen.

Ein Landmann aus der Lasdehner Gegend war, wie dieKgsb. Allg. Ztg." erzählt, kürzlich an einem

Markttage mit seiner besseren Hälfte zur Besorgung ver­schiedener Geschäfte nach Pillkallen gekommen. Nach Erledigung derselben kam der schon etwasfeucht-fröh­liche" Gatte nach dem Absteigequartier zurück, trank noch einige Schnäpse zumAbgewöhnen" und machte sich dann wohlgemuth auf den Heimweg. Nachdem er etwa eine Meile gefahren war, machte er vor einemZGasthause wieder Rast, wo ihn einige seiner Nachbarn verwundert nach dem Verbleib seinerAlten" befragten. Da erst ging dem Vergeßlichen ein Licht auf. Entsetzt trat er schleunigst den Rückweg an und fand denn auch seine aufs Tiefste beleidigte bessere Hälfte, die ihren Zorn biszu Hause" zu meistern versprach.

Düsseldorf, 24. November. Das Ober- landeSgericht in Cöln hat die Beschwerde des verurtheilten Homöopathen Dr. V o l b e d i n g gegen die sofortige Jnhaftnahme verworfen. Gestern Nachmittag^gerietst unterhalb unserer Stadt bei Mönchenwerth, wo Arbeiter mii Peilen beschäftigt waren, in der Mitte des Stromes ein Flieger mit vier Insassen unter das gespannte Drahtseil. Der Kahn kippte um; einem der darin fahrenden Arbeiter gelang es, sich durch Schwimmen zu retten, die andern drei ertranken. Heute Morgen wurde bei Kaiserswerth eine der Leichen gelandet,

Bremerhaven, 25. November. Heute früh traf mit dem LloyddampferPrinz Heinrich" der Matrose Habeck von dem untergegangenen KanonenbootIltis" hier ein.

Der Stadt Speyer hat die Wahl Mac-Kinleys zum Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika die Summe von 150000 Mk. eingetragen. Und das kam, wie man derPfälz. Volksztg." schreibt, po:n Vor ungefähr 8 Wochen weilte dort Henry Hilgard. Mit dem Leiter der Diakonissenanstalt, Pfarrer Scherer, ver­bindet ihn innige Freundschaft. Letzterer hegt nun die Absicht in Speyer ein Asyl für schwachsinnige und kranke Kinder zu errichten. Ader die bisher gesammelten Gelder wollten doch noch immer nicht ausreichen. Da kam vor einigen Wochen Hilgard nach Speyer. Pf. Scherer wandte sich auch an ihn mit der Bitte um einen Zuschuß für den geplanten Bau. Und Hilgard, der für die alte Heimath, speziell auch für Speyer schon viel gethan hat, versagte auch dieses Mal nicht. Ja, er ging so weit, daß er sagte:Geht Mac Kinley aus der Wahl in den Vereinigten Staaten von Amerika als Präsident hervor, so übernehme ich die ganze für den Bau nöthige Summe von 150 000 Mk." Kinley ist gewählt worden. Hilgard hat Wort gehalten, die Summe von 150 000 Mk. ist angewiesen, und so wird denn schon im nächsten Früh­jahr mit den FundamenlirungSarbeiten des Kinderasyls dahier begonnen werden.

In Cainsdorf bei Zwickau erschoß der Ar­beiter Oesterreich, während seine Frau sich in der Kirche befand, seine beiden Kinder und dann sich selbst. Nahr- ungssorgen dürften den Grund der furchtbaren That bilden.

Auf dem Kirchhofe des Dorfes T r o n z a n o spielte sich, wie man derMagdeb. Ztg." aus Mailand meldet, in der Nacht zum 21. November eine grausige Tragödie ab. Drei Einbrecher versuchten aus der Friedhofskapelle den Almosenkasten und die silbernen Votivherzen zu stehlen. Sie wurden aber dabei von dem Todtengräber überrascht, der sich an sie herangeschlichen hatte und, von seiner handfesten Frau unterstützt, einen der Räuber festnehmen wollte. Aber die Genossen machten mit Zündhölzern Licht und schössen den Todtengräber und dessen Frau nieder. Dann ergriffen sie die Flucht, ohne daß sie hätten ihren Raub ausführen können. Die beiden Kinder der Ermordeten halten dem entsetzlichen Vorgänge beigewohnt.

Fruchtpreise.

Weizen 15 Mk. 50 Pfg. bis 16 Mk. Pfg. (Durch chnittspreis 15 Mk. 75 Pfg.) Roggen 12 Mk. 25 Pfa.

13 Mk. Pfg. (Durchschnittspreis 12 Mk. 63 Pfa ) Hafer 11 Mk. 25 Pfg. bis 12 Mk. 50 Pfg. (Durch- schmttSpreiS 11 Mk. 88 Pfg).