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den 30. November, ab im Reichstage stattfinden. Unter allen Umständen soll aber daran festgehalten werden, daß vor Weihnachten die Justiznovelle auch noch in dritter Lesung zur Verabschiedung gelangt. Soweit dann noch Zeit vor den noch nicht festgestellten Weih­nachtsferien für andere Gegenstände, namentlich für erste Lesungen sein wird, werden auch diese noch erledigt werden.

Das preußische A b g e o r d n e t e n h a u s hat so­wohl die Vorlage wegen der Verstaatlichung der hessi­schen Ludwigsbahn, sowie die KonvertierungSvorlage an die Budget-Kommission zur Vorberathung überwiesen. In der Debatte über die erstere Vorlage erklärten sich alle Parteien für die Verstaatlichung der Ludwigsbahn. Für die Konvertierungsvorlage sprachen fast sämmtliche Redner. Am Mittwoch und Donnerstag stand die Staats- schuldentilgungs-Vorlage auf der Tagesordnung. Finanz­minister Miguel hielt eineaneisterhafte Rede. Im großen und ganzen waren die Parteien mit Ausnahme der Freisinnigen mit den Finanzplänen einverstanden.

Der Delegirtentag der konservativen Partei hat neulich in Berlin Beschlüsie gefaßt, wonach der Kampf gegen die Sozialdemokratie als eine Haupt­aufgabe der Partei und 'der Regierung erachtet wird. Es wird deshalb vor Partei-Zersplitterung gewarnt und für unzulässig erklärt, daß ein Mitglied der konservativen Partei gleichzeitig einer anderen politischen Partei an- gehöre. Die konservative Partei steht nach wie vor auf dem Boden der Kaiserlichen Botschaft von 1881 und wünscht deshalb die planvolle Weiterführung der Sozial- reform, welche gleichmäßig auf Arbeitnehmer und Arbeit­geber, sowie auf alle Produktivstände sich erstrecken soll.

Die Jsteinnahme an Zöllen und Ver­brauchssteuern in den ersten sieben Monaten des laufenden Etatsjahres hat 399,9 Millionen oder 30,1 Millionen mehr als in demselben Zeitraum des Vor­jahres betragen. Von dem Mehr entfallen 22,4 Millionen auf die Zölle, 4,2 Millionen auf die Branntwein-Ver- brauchsabgabe, 2,9 Millionen auf die Zuckersteuer.

Der Reichstag hat nach den mehrtägigen De­batten über die gegen den Geist und die Standesehre des deutschen Offizierkorps gerichteten Interpellationen sich wieder der Berathung der Justiznovelle zugewandt, aber die Verhandlungen finden eigentlich vor leeren Bänken statt, da die weitaus größte Mehrzahl der Ab­geordneten sich von ihrem mit dem Reichstagsmandat übernommenen Pflichten dispensiert. In der demokratischen Presse ist man noch eifrig beschäftigt, den im Reichstage gegen die deutschen Offiziere unternommenen Vorstoß parteipolitisch zu verwerthen. Es ist ihr daher wohl zu gönnen, daß selbst französische Blätter mit einem ab­fälligen Urtheil über ihr vaterlandsvergessenes Handeln nicht zurückhalten. So sagt derFigaro" u. a.:Es ist unfaßbar, daß die Gegner des Militarismus in Deutsch­land die Prärogative und das Standesbewußtsein der deutschen Offiziere politisch in Frage stellen. Es ist

So lange Map in kindlicher Unbefangenheit Eber­hard gegenüber gestanden, den sie wie einen guten Kameraden behandelt hatte, so lange war sich das junge Mädchen noch nicht klar über die Gefühle der Freundin gewesen erst heute hatte das Geständnis ihrer Liebe und die Ver­wirrung bei dem Gespräch mit ihrem Vetter es Char­lotten gezeigt, daß es für sie nur ein Mittel gab, um mehr Unheil zu verhüten, und zzvar die Pflicht, sich so bald wie möglich dem süßen Zauber zu entziehen, der sie nur zu fest umstrickt hielt, und daher war sie auch zu dem Entschluß gekommen, so bald es ihr um Mays willen möglich war, wieder in ihr stilles Heim zurück zu kehren.

Einem inneren unbewußten Triebe folgend, hob sie jetzt ihren Blick, als sie aber seinen Augen begegnete, die schwermüthig auf ihr ruhten, war es um ihre Fassung geschehen, und eine Entschuldigung stammelnd, wollte sie eben die Laube verlassen, als Tante Lina, einen großen Korb mit Birnen am Arm, im Eingang derselben er­schien.

Kinder, hier giebt es etwas zu thun, kündigte sie fröhlich an,hier könntet ihr einmal alle drei zugreifen, denn außer dieser Portion giebt es noch drei Körbe voll zu schälen, die alle abgebacken werden sollen, das ist kein Spaß, da muß ich mir bei euch Hilfe holen."

Wie eine Erlösung empfanden vielleicht jetzt alle drei das Erscheinen des freundlichen runden Gesichtes der alten Dame, und die zugewiesene Arbeit wurde selbst von May mit Freude begrüßt, auch Eberhard widmete ihr noch eine kurze Zeit, bis er sich zu seiner gewohnten Beschäftigung begab. Wenn auch in diesem Augenblick die kleine Ablenkung wohlthätig auf die erregten Ge­müther wirkte, so konnte damit doch nicht der Bann ge­löst werden, der auf den jungen Herzen lag, und das warf seinen Schatten auch auf die anderen Hausgenossen, so daß Tante Lina höchst ungnädig am Abend dem Frei- herrn erklärte:Weiß der Himmel, was heute den Kindern in den Kopf gefahren ist, es geht eins dem anderen aus dem Wege und macht ein gottsjämmerliches Gesicht dabei selbst die Lotte macht's nicht besser. Wenn sie noch in den kurzen Röckchen umher liefen, dann würde ich sie mir schon vornehmen und ihnen die Leviten lesen, glaube mir'S, Vetter, sie können nicht eher davon, als bis sie sich die Hand gegeben haben und dies Herummucksen ein Ende hat, der Eberhard ist beinahe der schlimmste von ihnen."

Tante Lina hatte sich aber verrechnet, wenn sie hoffte einer gleichen Entrüstung bei dem Vetter zu begegnen, der alte Herr seufzte nur ein paarmal schwer und legte

lediglich dieser Corpsgeist, oder vielmehr dieser Geist, der in dem Adel und in dem höhern deutschen Bürger- thum herrscht, durch den wir 1870 besiegt wurden. Ohne diese Armee, ohne diesen Corpsgeist würde die deutsche Einheit nie errungen worden sein." So das vielgelesene französische Blatt. Es ist immerhin von Werth, daß der deutschen Demokratie einmal von dieser Seite die Augen über das geöffnet werden, was sie in ihrer Engherzigkeit und Parteisucht zu zerstören trachtet.

Ausland.

Der König von Serbien ist am Mittwoch Mittag in Rom eingetroffen und am Bahnhöfe vom Könige empfangen worden.

Aus Söul wird telegraphiert: Eine Anzahl kore­anischer Offiziere wurde verhaftet, weil sie sich verschworen haben sollen, sich des Königs zu bemächtigen und ihn zur Rückkehr in den Palast zu zwingen. Drei russische Offiziere mit 80 Seeleuten und einem Feldge­schütz rückten in Söul ein.

Adventsglscken.

Ueber winterkahle Wälder Ueber frosterstarrte Felder, öchwingt sich weicher Glockenton:

Wer will mir die Klänge deuten, Dieses festlich-frohe Läuten,

Lind es Weihnachtsglocken schon?

In vieltausend Tannenbäumen Flüstert's leis jetzt, wie ein Träumen ZHags durch ihre Wipfel geh'n;

Bald wird ja die Stunde kommen,

Da dem düstern Wald entnommen l)eU im Weihnachtsglanz wir steh'n!"

Tausend Uinderherzen schlagen

Selig froh in diesen Tagen,

Warten auf den Heil'gen Thrist;

Singen süße Weihnachtslieder,

Beten:Steig, Herr Jesu, nieder,

Der du unser Bruder bist!"

Und aus Himmelshöhen sinket

Friede auf die weite Erde,

Und der Weihnachtsstern, er blinket, Daß es Licht hier unten werde.

Herr, zeuch ein zu unsern Thoren, Nimm hinweg, was dich kann hindern,

Bringe alle, die verloren, hin zu deines Lichtes Kinbern 1

Aus Provinz nn- RaWr-ebitt.

* Für Postanweisungen nach C o n st a n - tinopel kommt bis auf Weiteres das UmwandlungS- Verhältniß von 1 Pfund Türkisch = 18 Mark 55 Pf. in Anwendung.

durch einen energischen Wink ihrer Zungenfertigkeit Schweigen auf, als sie von neuem zu reden beginnen wollte. Er hatte in letzter Zeit schon manches zu be­merken gemeint, das ihn nachdenklich machte, und was ihn zugleich heute früh dazu bestimmt hatte, so rasch auf MayS Wünsche einzugehen.

Die beiden jungen Mädchen hatten sich an diesem Abend nicht so innig wie sonst beim Gutnachtkuß ge­trennt; wohl bemühte sich Charlotte, die alte Herzlichkeit aufrecht zu erhalten; doch May empfand es schmerzlich, daß die Freundin sie mit keinem Wort im Lauf des Tages zu einem Herzenserguß aufgefordert hatte, nachdem sie ihr gestanden, daß sie zur Liebe erwacht sei, und diese anscheinende Gleichgültigkeit bohrte sich wie ein Stachel immer tiefer in das erregte Gemüth der Kleinen, so daß sie ihrer sonst so geliebten Charly meist mit fast ver­letzender Kälte oder nervöser Gereiztheit an diesem Tage begegnet war. So kam es, daß sie es beide wie ein Aufathmen empfanden, als sie sich an dem Abend trennen konnten. Den Kopf in die gefalteten Hände vergraben, verharrte Charlotte lange in einem betenden Ringen, während Thräne auf Thräne über ihre Wangen glitt, dann richtete sie sich entschlossen auf, griff nach Feder und Papier und schrieb:

Onkel Theo! Deine Lotte ist müde, sterbensmüde, und sehnt sich danach, von ihrem Posten abgelöst zu werden. Aber sie hat redlich gekämpst, bis sie fühlte, daß ihre Kraft erlahmte und die Pflicht gebot, einen Platz zu verlassen, der ihr nur zu theuer geworden war. Schilt mich nicht fahnenflüchtig und sage nicht, daß ich feige meinen Posten aufgäbe. Gott allein weiß, wie schwer mir das Entsagen wird, aber es ist für mich zur Pflicht geworden. Es muß sein, und ich versuche es, wie Du mir gelehrt hast, zu sagen nichtich muß," son­dernich will." Ja, Onkel Theo, Deine Lotte will mit dem, was sie hier umstrickt hat, brechen, und Gott lotrö ihr Kraft dazu geben. Du darfst aber hier niemaub einen Vorwurf machen, kein Mensch ist Deiner Lotte zu nahe getreten, nur das eigene Herz verirrte sich und ist schuld daran, daß ich, was ich mir vorgcnommen, nicht weiter durchsühren kann. Weißt Du es noch, wie Du mir bei der Abreise sagtest, ich solle es Dir anver­trauen, wenn ich mir einmal da draußen den Kopf stieße, Du wolltest mir durchhelfen, damit wir es dem Vater ersparen könnten. Nun hilf, Onkel Theo, erfinde einen Grund, mich zurückzurufen, mein sorgenbeladenes Väterchen soll es nicht ahnen, daß seine Lotte hier fort wollte, weil sie meinte, ihr Herz zu verlieren!

So nun weißt Du, wie es steht, und wenn ich

* (Personal-Veränderungen.) Ernannt; Die Pfarrer Feyerabend in Nentershausen zum dritten Pfarrer in Hersfeld, Eiter in Hettenhausen zum ersten Pfarrer in Gersfeld und Schütte in Hassen- hausen zum Pfarrer in Münchhausen, die Rechtskandi- daten Eilert und Haymann zu Referendaren, der Forst­aufseher Dreyding zum Förster in Hauwald in der Oberförsterei Treisbach. Versetzt: Der Amtsrichter Unverzagt von Schwarzenfels an das Amtsgericht in Bergen, der Gerichtsaffessor Heß in den Oberlandes« gerichtsbezirk Frankfurt a. M., der Referendar Heinrich Schneider in den Oberlandesgerichtsbezirk Celle, der Strommeister Meyer von Veckerhagen nach Melsungen. Verliehen: Dem Hüttendirektor z. D. Wiegand in Homberg anläßlich feines fünfzigjährigen Dienstjubiläums der Rothe Adler-Orden vierter Klasse, dem Pfarrer Wissemann in Cassel der Rothe Adler-Orden vierter Klasse und dem Königlichen Musikdirektor und Lehrer an der höheren Mädchenschule in Cassel, Albrecht Brede, der Kronen-Orden vierter Klasse. Entlassen: Der Ge­fangenaufseher Krause bei dem Landgerichtsgefängniß in Cassel auf seinen Antrag aus dem Justizdienst. Pensionirt: Der Strafanstaltsaufseher Schwarz in Wehl- Heiden vom 1. Januar k. I. ab.

* Der Getreide markt. (Berichtswoche vom 20. bis 27. November.) Es hat zwar auch in letzter Woche nicht an Versuchen gefehlt, eine neue Preissteige­rung für Weizen und Roggen durchzusetzen und wurde als Grund dafür der ungünstige Stand der Wintersaaten in Amerika angeführt; aber die Macht der vorhandenen großen Vorräthe war doch wirksamer als die Besorgnih der fernen neuen Ernte, und so geschah es, daß zwar Weizen und Roggen wiederholt zu höheren Preisen an­geboten wurden, aber schließlich doch unter dem Angebot verkauft werden mußten, um Käufer zu finden, sodaß für Weizen und Roggen gegen die Vorwoche ein Rück­gang des Preises um 2 Mark per Tonne stattgesunden hat. In Berlin, Hamburg und Leipzig wurde gekauft: Weizen, je nach Güte die Tonne (20 Centner) für 163 bis 180 M., Roggen für 123 bis 132 M., Gerste für 117 bis 145 M., Hafer für 128 bis 155 M., Mais für 98 bis 103 M.

-h Hersfeld, 27. Novbr. Die Frau eines Kommst aus Frankfurt a. M., welche am 18. d. Mts. mit ihrem schulpflichtigen Kinde, einem Mädchen von 7 Jahren, in ihrem Heimathsorte, dem nahe gelegenen B u ch e n a u zu Besuch eintraf, hat sich am nächstfol­genden Tage wegen ungastlicher Aufnahme seitens der Geschwister mit ihrem Kinde wieder entfernt und sind die eifrigsten Nachforschungen ihres Mannes bis zur Stunde ohne Erfolg geblieben. Vielleicht tragen diese Zeilen dazu bei, die hülflos Umherirrende ihrem frühere« Wohnorte schnellstens zurückzuführen.

Cassel, 26. Novbr. Aus Berlin erhält dasT." folgende Depesche: Berlin, 26. November. DieNord­deutsche" bezeichnet die Meldung der ZeitungVolk"

wieder bei Dir bin, will ich Dir klar in die Augen seher und Dir alles, alles sagen, das wird gut thun und eine Erleichterung sein.

Lieber, lieber Onkel, es ist als ob ich Dich hörte, wie du mir zurufst:Kopf in die Höhe, Lotte, tapfer vorwärts, der alle Gott lebt noch, er hilft auch, wen« wir ihm vertrauen und uns brav durchschlagen!

Das will ich thun, dazu helfe mir Gott.

Hollfelde, den 25. September 1892.

Deine Lotte.

(Fortsetzung folgt.)

Zu der bereits gemeldeten Erschießung eines französischen Wilderers durch einen deutschen Hegemeister wird derStraßb. Post" unterm 23. November aus Masmünster geschrieben: Der Gerbereibesitzer Martin Chagus hier hatte den Hege­meister Heinrich Krug eingeladen, mit ihm in dem von ihm gepachteten Distrikt Sudel längs der französische« Grenze zu jagen. Gegen 1 Uhr Nachmittags stand Krug^, plötzlich vor einem französischen Jäger, der auf deutschem Boden jagte. Krug sah, wie der französische Jäger auf I eine Entfernung von zehn Metern seine Jagdflinte lud und auf ihn zielte. Ruhig ermähnte er ihn, nicht z« schießen, da er nicht allein sei. Er wollte den Wilderer dadurch zur Ruhe bringen. Trotzdem schoß der Wilderer dem Krug die ganze Ladung Rehposten an die rechte Seite. Durch eine schnelle Wendung des Hegemeisters entstand ein Streifschuß, der aber den Rock in der Magengegend, sowie den Gewehrriemen ganz zerfetzte. Daraufhin schoß Krug den Wilderer in das rechte Bein und sprang in eine Tiefe, um sich zu decken. In beim selben Augenblick gelang es dem Wilderer, dem Krug einen zweiten Schuß am Kopf beizubringen. Durch die Schießerei wurden die anderen Jagdgäste aufmerksam und eilten auf den Kampfplatz, wo die Beiden verwundet balagen. Dem Wilderer wurde die Flinte (Lefaucheus) durch Herrn Chaguä aus den Händen genommen, er gerade im Begriff war, noch einmal zu laden, um auf Krug zu schießen. Herr Chaguo brächte den Hege­meister in die nahe Ferme Grambachlä und bat de« Pächter, mit einem Wagen und Stroh den verwundete« Wilderer zu holen, damit auch ihm Pflege ertheilt werde. Während er nun Krug nach seinem Kosthause in M«^ Münster brächte, eilte der Pächter mit einem Wage" nach dem Kampfplätze. Er fand aber den Wilderer todt vor.

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