Einzelbild herunterladen
 

Erscheint wöchentlich drei Mal Dienstag, Donnerstag und Sonnabend.

AbonnementspreiS vierteljährlich 1 Mark 40 Pfg. cxcl. Postaufschlag.

......... - 1 *

Die Jnsertionsgebühren betragen für den Raum einer Spaltzeile 10 Pfg., im amtlichen Theile 15 Pfg. Reklamen die Zeile 20 Pfg. Bei größeren Aufträgen entsprechender Rabatt. * .......^-- =<

..------- ......

Gratrsbeilagen:Illustvirtrs Konntag^blatt" u. ,,2Hhi stritte landwivthschastliche Skilaae"*

Nr. Ul.onnaüenü den 28. Nosemier

1888.

Erstes Blatt.

Amtliches.

Hersfeld, den 26. November 1896.

Die Erinnerung vom 20. November b. I. im KreiS- blott Nr. 139 unter Ziffer 3, bezüglich der Wasser- und Privatuserbauten, wird als i r r l h ü nl l i ch hiermit zurückgezogen.

Der Königliche Landrath Freiherr von Schlei nitz, i Geheimer Regierungs-Nath.

Cassel, den 17. November 1896.

Der dem diesseitigen Bezirksverbande auf Grund . m . 13. März 1878 _ des Preußtschen Gesetzes vomzur ZwangS- Zo. ZNIIt l884 eiziehung übsrwiesene und von mir bei dem Schmiede- nteiher Karl Bug zu Ntederröderhöhe in Lehre unterge­brachte Ferdinand Georg Giezendorf aus Ejchwege, ge­boren am 24. September 1880, ist am 15. d. MlS. aus seiner Lehrstelle durchgebrannt.

Königliches Landrathsamt ersuche ich ganz ergebenst, nach dem Zögling umgehend Nachforschungen gefälligst anstellen, im BetretungSsalle ihn sestnehinen und durch eine geeignete Civilperson, welcher ich neben den bauten Auslagen für Eisenbahnfahrt ein Tagegeld von 3 Mark und bei nöthig werdender Uebernachtung ein solches von 4 Mark gewähren werde, seinem odenge- nannten Lehrmeister wieder zuführen lassen zu wollen.

Von dem Geschehenen beziv, dem Ergebniß der Nach­forschungen bitte ich mich hiernächst gefälligst zu benach­richtigen.

Der Landes-Direklor. An Königliches Landrathsamt HerSfeld. Jr. II. Nr. 5078.

* Hersfeld, den 25. November 1896.

Wird den Ortspolizeibehörden und der Gendarmerie des Kreises zur Fahndung nach dem Entlaufenen mit- aetheilt.

I. 6331. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz, Geheimer RegierungS-Nath.

Aus dem Leben Für bas Leben.

Bon A. v. L i l t e n c r o n.

(Fortsetzung.)

Die letzten Worte waren ganz leise gesprochen, aber Charlotte hatte sie doch vernommen, auch begriffen, daß sie nach Berlin wollte, weil Eberhard während des Winters dort feine Malstudien fortzusetzen gedachte. Sanft strich sie über das heiße Gesicht der Kleinen, und Wehmuth zitterte durch ihre Stimme, als sie antwortete:Die Liebe ist eine gute Lehrnieisterin, sie wird dir helfen, datz Ziel zu erreichen, das du dir gesteckt hast."

Da schlangen sich ein paar weiche Arme um ihren Hals, Plays strahlendes Antlitz hob sich verschämt zu ihr empor, während sie halb lachend, halb weinend flüsterte: O Charly, ich glaube es selbst, daß die Liebe doch noch ein klein wenig gutes aus mir thörichtem Dinge machen kann! Ich habe es säum gewußt, daß ich ihn lieb, so lieb hatte, bis mir mit einemmale die Augen aufgingen, und nun weiß ich auch, wie glücklich ich sein kann, wenn ich erst lerne, verständiger zu werden "

Sie preßte die Freundin fest an ihr Herz, bereit ihr alles zu sagen, was in ihr zum Leben erwacht war, doch Charlotte fühlte sich völlig unfähig, jetzt noch mehr über eine Liebe zn hören, die der ihren den Todesstoß geben sollte, sie küßte nur mit zitternden Lippen das lockige. Haupt, das sich an sie schmiegte.

Aber May hatte ein hingebende« Eingehen von ihrer Charly erwartet und empfand ihr Schweigen wie eine Gleichgültigkeit gegen ihre Gefühle, die ihr erst seit so

HerSfeld, den 24. November 1896.

Wegen Auftretens der Maul- und Klauenseuche unter dem Rindvieh des Landwirths Jakob Ernste Glebe zu Kohlhausen ist für diesen Ort Orts- und Gemarkungs- sperre aus die Dauer von 14 Tagen für alles Klauen- vieh angeordnet worden.

I. I. Nr. 6303. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Nath.

MchlamMchrs.

K Wüsche Frage.

Zum Ausgleich dafür, daß auf die neugierige Frage in der französischen Depuliertenkammer nach Form und Inhalt derAllianz" mit Rußland vom Muüstertische nur in allgemeinen Wendungen geantwortet werden konnte, hatte der Minister Hanotaux in stärkeren Agenten über die Räumung Egyptens gesprochen nnd hinzuge- sügt, Frankreich werde in dieser Sache von einer freund- lich gesinnten Nation, eben Rußland, unterstützt. Bisher schien es sogar, nach der Haltung der Presse zu ur­theilen als ob mehr noch ü^ Rußland als in Frank­reich dahin 'gedrängt werde, die Frage der Räumung Egyptens ernstlich aufzuwerfen. In russischen Blättern ist der Gedanke, eine Konferenz über die Frage einzu- berufen, mannigfach erörtert und dabei wiederholt ver­sucht worden, Deutschland in den Vordergrund zu schieben.

Der Staatssekretär v. Marschall hatte in seiner Rede vom 16 Nov. auch erwähnt, die Entwicklung der überseeischen Interessen werde wohl in der Zukunft wieder dazu führen, mit den Mächten zusammenzugehen, mit denen wir in Ostasien zusammengegangen sind. Einzelne französische Blätter wollen daraus schließen, daß Deutschland die Hand dazu bieten werde, die Eng­länder aus Egypten zu entfernen, und heißen natürlich eine solche Unterstützung höchlich willkommen. Indessen fragt es sich doch, ob wir Veranlassung haben, gerade wegen Egyptens mit Frankreich und Rußland gemeinsame Sache zu machen. Der Staatssekretär sprach -von der Entwicklung unserer überseeischen Interessen. In Egypten haben wir keine. Frankreich hat seiner Zeit den Fehler gemacht, daß es England allein überließ, Egypten zu 1

kurzer Zeit zum Bewußtsein gekommen waren. In scheuem Stolz wich sie in sich selbst zurück, denn ungesragt wollte sie e« auch Charly nicht anvertrauen wie es zugegangen, daß sie sich ihrer Liebe bewußt geworden.

Ohne ein Wort zu sage», löste sie sich aus den Armen des jungen Mädchens und trat an das Fenster. Wirst du bald an deine Tante schreiben und anfragen, ob und wann wir kommen können," fragte sie zurück.

Sie sah nicht, wie bleich Charlotte geworden, wie sie vergebens kämpfte, um Herr ihrer Gefühle zu werden, und wie sich gleich einem Angstruf das bebende Wort aus ihrem Munde ranggleich werde ich schreiben, gleich, laß uns so bald wie möglich nach Berlin gehen."

May wandte sich nicht um.Ich werde zum Onkel gehen und mir seine Einwilligung holen," erklärte sie, dann können wir jeden Tag abreisen, so bald bei deiner Tante Platz für uns ist," und ohne eine Antwort abzu- warten, war sie aus dem Zimmer geeilt.

Der Freiherr war nicht wenig überrascht, als seine junge Nichte ihm ihren Wunsch vortrug, den sie ihm theils abzuschmeicheln wußte, theils so gut zu begründen verstand, daß er nach einem kurzen Hin und Her seine i Einwilligung gab, trotzdem ihm der Gedanke einer zeit­weiligen Trennung von Lotte schwerer wurde, als er sich selbst zugestand.

Bleibt nur nicht zu lange fort," rief er ihr nach, als sie ihn verlassen wollte,und theile Eberhard deine Pläne mit, ich bin überzeugt, daß er nichts dagegen haben wird."

Doch May mußte an dem Vormittage keine Gelegen­

besetzen und dort Ordnung zu schaffen. Was hätten wir davon, Frankreich seine alte Stellung in Egypten wieder zu verschaffen? Müssen uns auch englische Verlegenheiten in Anbetracht der mancherlei übekse'eischen Beschwerden, die mir gegen die oft kleinlich selbstsüchtige englische Politik haben, durchaus kühl lassen, so wäre es doch unverständig, uns völlig mit England zu Überwerfen, lediglich um den französischen Einfluß zu stärken. Daran ist um so weniger zu denken, so lange wir mit dem fran­zösischen Revanchehoffnungen, b. h. Kriegstreibereien gegen uns zu rechnen haben.

Politische Rüchtichteil.

Inland.

Berlin, 26. November.

Wie aus Kiel berichtet wird, begab sich Se. Majestät der Kaiser heute Vormittag 10 Uhr in Begleitung der Admirale v. Kuorr und Hollmann nnd des Kontre- Admirals Oldekop vomKönig Wilhelm" an Bord des TorpedoschiffesFriedrich Carl", welches alsbald zu Torpedo-Schießübungen in See ging. Das Wetter ist anhaltend günstig.

Ihre Majestät di Kaiserin traf heute früh aus Ploen auf der Wildparkstation wieder ein und begab sich von dort nach dem Neuen Palais.

Der B u n d e s r a t h hat in seiner heutigen Sitzung dem Entwurf von Ausführungsbestimmungen zur Ge­werbeordnung, betreffend den Gewerbebetrieb der Aus­länder im Umherziehen, dem BesoldungS- und Pensions- etat der Reichsbankbeamten für 1897, dem Entwurf einer Ausnahmebestimmung von dem Verbote der Sonn­tagsarbeit in Mälzereien, sowie den Ausschußanträgen, betreffend den Salzsteuerverwallungikostenelat für Anh ilt, betreffend den Zoll- und Salzsteuerverwaltungskostenetat für Elsaß-Lothringen und betreffend die zollfreie Ab- lassung von Mineralöl zu Rasfinations- und anderen gewerblichen Zwecken die Zustimmung ertheilt. Ange­nommen wurde ferner der Zollanschluß des neuen Fischereihafens in Geestemünde, sowie eine Abänderung der Vorschriften über die Denaturirung von Salz.

Nach dem am Mittwoch vom Seniorenkon - v e n t des Reichstages gefaßten Beschlusse soll die erste Berathung des ReichshaushaltSelats, des ErgänzungS- etalS und der Etats für die Schutzgebiete von Montag,

heit dazu gefunden haben, denn ihr Vetter erfuhr die Sache erst von seinem Vater, als sie von Tisch aufge- standen waren und die Kleine schon mit Charlotte durch den Garten schritt.

Er folgte den jungen Mädchen zur Laube, in der sie Platz genommen hatten.Bin ich jetzt abgesetzt als dein Hüter?" erkundigte er sich neckend bei May,oder woher kommt es, daß du mich nicht wie sonst um Rath gefragt hast?"

Auf ihrem errötenden Antlitz malte sich große Ver- wirrung.Sei nicht böse, Eberhard," bat sie,ich dachte es würde dir so ganz recht sein, du meintest ja oftmals, daß ich noch so wenig verstände!"

Er betrachtete sie mit Erstaunen, es war das erste Mal, daß sie diese Schüchternheit ihm gegenüber zeigte, und er forschte weiter,warum hast du e« denn so eilig' könntest du denn nicht bis Weihnachten hier bleiben und dann erst fortgehen?"

Nein, nein," wehrte sie ängstlich,ich habe noch so viel zu lernen, was mir fehlt, ich möchte nicht länger damit warten."

So soll's also geschieden sein," kam es mit einem tiefen Seufzer von Eberhards Lippen, und sein Auge streute das blasse Mädchenantlitz neben May, das sich tief über die Arbeit geneigt hatte.

Charlotte sah diesen Blick nicht, aber sie fühlte ihn mit Zittern.So soll's also geschieden sein," klang es ul lhc L-[)r und drang mit bitterem Weh in ihr H>'rz hinein, aus dem sich das ungestüme Verlangen rang, iort, nur fort, es muß ein Ende gemacht werden."