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erWer AeiMt.

Gratisbeilagen:Illustrirtes Sonntagsblatt" n.Illnstvirte landwirthfehaftliche Beilage".

Nr. ßl LsWerftaz Sei 12. NOemitr 1896,

Amtliches.

Hünfeld, den 7. November 1896.

Unter dem Nindviehbestand des Handelsmannes Jsaak Pfifferling zu Rhina ist die Maul- und Klauenseuche auSgebrochen. Gehöft- und Gemarkungssperre sind angeordnet, und aus dem ganzen Kreise ein Be- obachtungSgebiet im Sinne des § 59 der Instruktion vom 27. Juni 1895 gebildet.

Der Königliche Landrath von D a l w i g k.

An Königliches Landralhsamt zu Hersfeld. J.-Nr. 8908.

* *

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Hersfeld, den 9. November 1896.

Wird veröffentlicht.

I. 6061. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schlei n i tz , Geheimer Regierungs-Nath.

Gefunden: eine Pferdedecke. Meldung des Eigen- thümers bei dem Ortsvorstand zu Reckerode.

Gefunden: eine Peitsche. Meldung des Eigenthümers bei dem Ortsvorstand zu Meckbach.

Nichtamtliches.

Der Reichstag

hat feine Sitzung wieder ausgenommen. Die politische Lage, die sich während der viermonatigen Unterbrechung seiner Berathungen herausgebildet hat, ist nicht ganz sorgenfrei, denn sie wird beeinflußt durch verschiedene Vorgänge der inneren und äußeren Politik. In die parlamentarische Zwischenzeit fällt die Reise des russischen Kaiserpaares, welche zwar dem Weltfrieden neue Bürg­schaften geschaffen, aber auf die Gruppierung der euro­päischen Mächte zweifellos eine große Einwirkung geübt hat, deren Folgen einstweilen noch dem Auge der Zeit­genossen verhüllt bleiben. Die auswärtige Politik des Reiches ist auch in Mitleidenschaft gezogen worden durch die Enthüllungen derHamburger Nachrichten." Die politische Welt hat sich noch immer nicht den Eindrücken derselben entziehen und weder über ihre Tragweite noch über ihre Zwecke volle Klarheit gewinnen können. So­mit sieht sich der Reichstag bei seinem Wiederzufammen-

tritt hier komplizierten Verhältniffen gegenüber, welche unmittelbar auf seine Verhandlungen zurückwirken müssen und voraussichtlich bald sehr lebhafte Erörter­ungen veranlassen werden.

Auch auf dem Gebiete der innern Politik hat sich seit der im Juli erfolgten Vertagung der Reichstagsbe- rathungen manches vollzogen, was feine Schatten bis in den Reichstag wirft. Eine ungewöhnlich hohe Zahl von Reichstagsersatzwahlen hat stattgefunden, die ebenso un­erquicklich in den sie begleitenden Erscheinungen, wie beschämend in ihren Ergebnissen waren. Trotz aller Er­fahrungen der Vergangenheit boten die zu solidarischem Einstehen für ihre Interessen verpflichteten bürgerlichen Parteien bei diesen Wahlen stets das Bild der Uneinig­keit, mit dem Erfolge, daß die Sozialdemokratie der triumphierende Theil war. Sie wird fortan in einer Stärke von 50Genossen" im Reichstag vertreten, und somit wiederum in der Lage sein, bestimmend auf den Gang der Verhandlungen einzuwirken, wenn anders die übrigen Parteien ihr nickt endlich da» Spiel erschweren.

Hoffentlich sind dieselben durch den Verlauf des Londoner Sozialistenkongresses und durch die klägliche Rolle, welche die Bebel, Singer und Liebknecht dort und in Lille gespielt haben, für immer von dem Vorurtheil, die Sozialdemokratie wandle sich zu einer bürgerlichen Reformpartei um, geheilt. Die bei dem Wahlkampf in Westhavelland gesammelten Erfahrungen haben ander­seits den überzeugenden Beweis von der Nutzlosigkeit eines Kampfes mit geistigen Waffen gegen die sozial­demokratische Bewegung erbracht. Die breite Basis, auf der die gesammten bürgerlichen Parteien gemeinsam zu operiren vermögen, erweitert sich mehr und mehr, so daß es nur des guten Willens bedarf, um über das sie Trennende hinwegzusehen und fruchtbringende Arbeit für das Gemeinwohl zu vollziehen. Es ist bekannt, welche Fülle von wichtigen Gesetzen ihrer baldigen Verabschie­dung durch den Reichstag entgegensieht. Weitere bedeu­tungsvolle Vorlagen zur Erhaltung des Ansehens und der Macht des deutschen Reiches werden sich zu ihnen gesellen. Da ist die Eintrackt der bürgerlichen Parteien unentbehrlich für das Wohl des Vaterlandes.

Politische Nachrichten.

Berlin, 10. November.

Se. Majestät der Kaiser unternahm gestern Nach-

mittag einen Spaziergang in die Umgebung des Neuen Palais. Heute Vormittag arbeitete derselbe von 9 Uhr ab mit dem Chef des Militärkabinets, General v. Hahnke, empfing um 11 Uhr den österreichisch-ungarischen Bot­schafter v. Szögyenpi-Marich und wohnte um 12 Uhr Mittags im langen Stall in Potsdam der Vereidigung der Rekruten der in Potsdam garnisonierenden Garde­truppen bei. Das Frühstück nahm der Kaiser im Kreise des Offizierkorps des ersten Garde-Regiments z. F. ein und gedachte nach demselben nach dem Neuen Palais zurückzukehren. Zur heutigen Abendtafel sind mit Ein­ladungen beehrt worden: Prinz und Prinzessin Hein­rich XIX. Reuß, sowie Graf und Gräfin Hohenau.

Ihre Majestät die Kaiserin ist heute früh um

4 Uhr 25 Min. aus Ploen mittelst Sonderzuges im Neuen Palais wieder eingetroffen.

In Blättern, die sich oft und meist mit Unrecht den Schein besonderer Unterrichtung geben, ist viel über zollpolitische Verhandlungen zwischen Deutschland und Rußland hin- und hergeredet worden. Bald sollte Deutschland, bald Rußland ein besonderes Entgegenkommen zeigen, bald sollte in Peters­burg eine gemischte Kommission zusammentreten, bald sollte diese wieder vertagt sein. Wie je^t zuverlässig verlautet, tritt .ik veu nächsten Tagen in Berlin eine aus russischen und deutschen Delegierten bestehende Kom­mission zusammen, um die vorliegenden Schwierigkeiten im Zollverkehr und auf veterinärpolizeilichem Gebiete zu berathen und zu begleichen.

Der Reichskanzler ist am Montag auf kurze Zeit auf sein Gut Grabowo in Posen gereist. An der Jagd, die er dort abhält, wird auch der Gouverneur von Wißmann als Gast theilnehmen. Fürst Hohenlohe wird sich dann nach Bromberg begeben, um als Ritter­gutsbesitzer sein Wahlrecht bei einer Präsentationswahl zum Herrenhause auszuüben. Der Ausenthalt im Osten wird nur wenige Tage dauern. Der Reichskanzler dürfte darnach nach Letzlingen fahren, um hier als Gast des Kaisers an der Hofjagd theilzunehmen.

Der Kaiser hat Ernst von Wildenbruch für die TragödieHeinrich und Heinrichs Geschlecht" den Schillerpreis verliehen. Der Preis besteht in einer Summe von 6800 Mark und in einer goldenen Denkmünze im Werthe von 300 Mark.

Der Ober - Konsistorialrath Hofprediger Dr. Frommel ist am Montage in Ploen gestorben.

t Nachdruck verboten.)

Aus htm Leben gir bas Leben.

Von A. v. 8 i t i e n c r o n.

(Fortsetzung.)

Die beiden Herren blieben allein zurück, und unwill- kürlich^schauten beide ihrer entschwindenden Gestalt nach. So sehr sich Eberhard auch früher zu Bärenstein hin- gezogen gefühlt hatte, in diesem Augenblick wünschte er ihn über alle Berge, denn eine quälende Eifersucht war in ihm erwacht, und der junge Gras, unangenehm be­rührt durch das Dazwischentreten des Freiherrn in einem Augenblick, wo er sich dem geliebten Mädchen näher als sonst gewußt, fühlte doch das Verlangen, eine Aufklärung seines Geschenkes zu geben.

Es war ein verlorenes Vielliebchen, das ich einlöste und das mir gestattete, Fräulein von Santen eine kleine Aufmerksamkeit zu erweisen, berichtete er," während er mit Eberhard den Weg nach dem Croquetplatz einschlug.

Es ist angenehm, wenn man bei einer solchen Ver­anlassung das Erwünschte trifft," warf dieser hin und erkundigte sich dann angelegentlich nach dem letzten Uebungsritt der Herren.

Die Stunden des heiteren geselligen Verkehrs ver­gingen im Fluge, und schon waren die ersten Gäste auf- gebrocken, als man die Pferde der Offiziere vorführte. Der Goldfuchs, den Harzenberg ritt, war eist kurze Zeit in seinem Besitz, es war ein junges, feuriges Thier, das seinem Herrn oft viel zu schaffen machte. Auch heute schienen die wechselnden Schatten, die daö Mondlicht

auf den Weg streute, es in höchste Aufregung zu ver­setzen, und kaum hat Der Rittmeister den Fuß im Bügel, so versuchte es zu steigen. Doch mit raschem Schwung saß Harzenberg im Sattel, und weit ausgreifend stürmte der Fuchs vorwärts. Aber da an der Biegung des Weges warf die Eiche ihren Schatten quer über den hellen Kies, und erschreckt parirte das Thier seinen Sprung, um sich im nächsten Augenblick mit einer schar­fen Wendung rückwärts zu werfen. Wie aus Erz ge­gossen saß sein Reiter, mit kraftvoller Hand das schäu­mende Thier bändigend. Als es sich einigermaßen be­ruhigt hatte, klopfte er ihm den schlanken Hals, und feine Stimme klang ohne jede Erregung, während er es ermunterte:Ruhig, Mustapha, ruhig so ist6 schön so ist brav!"

Er hatte dabei den Versuch gemacht, das Pferd an die gefürchtete Stelle zurück zu bringen, doch in dem Augenblick, wo es den wunderlichen Schatten der Eiche vor sich sah, sprang es mit Entsetzen zurück.

Zwei, drei Mal wiederholte sich dasselbe. Aus dem Kreise der Gäste, die diesen Erziehungsversuch mit an- sahen, wurden mehr und mehr Zurufe laut, die ihn drängten die Sache aufzugeben. Er hörte nicht darauf, das einzige, was er sah, wenn er zu einem neuen Ver­suche an der Terrasse vorbei ritt, war Mays weiße Ge­stalt, die zwischen den Blätterranken mit gefalteten Händen weit vorlehnte. Das Mondlicht zeigte ihm da­bei den seltsamen Ausdruck in den weit geöffneten Kinder­augen.

War es Angst, war es Bewunderung, oder ein Ge­

misch von beiden, das sich in ihnen ausprägte, er wußte es nicht, und hatte auch nicht Zeit darüber nachzudenken, denn Mustapha nahm seine ganze Aufmerksamkeit in Anspruch. Jetzt hielt er hart an der fraglichen Stelle, dem Thiere zusprechend, aber jeden Augenblick auf einen Seitensprung gefaßt. Schnarchend, mit geblähten Nüstern streckte der Fuchs den Hals weit vor, um das Schreck­gespenst zu betrachten. Harzenberg ließ ihm willig die Zeit dazu, und den Grafen rufend, bat er ihn, dem Thiere an dieser Stelle den Zucker zu geben, den er für solche Fälle beim Zureiten der Pferde bei sich trug. Erst als Mustapha sich entschlossen hatte, trotz des ge- sürchteten Schattens den Leckerbissen zu nehmen, kehrte er langsam mit ihm zurück, um noch einmal energisch das widerstrebende Thier zum Vorwärtsgehen zu zwingen.

In raschem Trabe nahte er sich jetzt der Stelle, der Fuchs versuchte zu steigen, aber ein fester Schenkeldruck hielt ihn nieder, die Zügel wurden gelockert, die Sporen eingesetzt, und zugleich flog die Gerte, die der Rittmeister sich hatte geben lassen, über die Kruppe des Pferdes, das nun in gewaltigem Satz über den Schatten sprang. Ein Bravoruf der Zuschauenden begleitete das Gelingen, der Rittmeister hatte sich über sein Pferd gebeugt und streichelte es lobend, während er es in eine ruhigere Gangalt brächte. Um das große Rondal reitend, kam er noch einmal an den Kampfplatz, um diesmal zeigen zu können, daß Mustaphas Furcht besiegt, sein Eigensinn gebrochen war, denn ohne zu zaudern, wie ein Vogel fetzte er über den Schatten fort.

Es war wohl etwas anderes als die Erziehung des