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Nr. 131. - Soniitritafl h 5. November 1888.
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Amtliches.
Hersfeld, den 31. Oktober 1896.
Den Herren Orts- (Guts-) Borständen wird zur Vor- nahme der Vorarbeiten zur Staatssteuerveranlagung für 1897/98 in den nächsten Tagen das hierzu nöthige Formularpapier zugehen. Ein etwaiger Mehrbedarf ist unter näherer Begründung alsbald hier anzuzeigen.
Zur Ausführung der Arbeiten verweise ich auf meine Verfügungen vom 26. Oktober 1895 I. III. Nr. 2782, Kreisblatt Nr. 128/1895, und vom 3. November 1894 J. III. Nr. 3056 A und B, Kreisblatt Nr. 130//1894. ' Im Besonderen bemerke ich zu Artikel 38 Absatz 1 der Ausführungsanweisung zum Einkommensteuergesetz, daß der Herr Minister der öffentlichen Arbeiten im Einverständnisse mit dem Herrn Finanzminister eine an die Königlichen Eisenbahn-Direktionen gerichtete Verfügung erlassen hat, nach welcher die Mittheilungen der Eisenbahnbehörden über die Dienstbezüge der unterstellten etatsmäßigen und diätarisch beschäftigten Beamten für die Zwecke der Steuerveranlagung fortan von den Königlichen Eisenbahn-Direktionen bezüglich jedes Beamten nur einer Stelle, und zwar dem Vorstände derjenigen Gemeinde, in welcher die Beamten ihren Wohnsitz haben, bis zum 15. Oktober jedes Jahres zu machen sind. Diese Mittheilungen sind von den bethei- ligten Ortsvorständen nach Gebrauch mit dem Veranla- gungsmaterial au mich zur Benutzung bei Prüfung der Steuerlisten einzureichen.
Die Personenstandsaufnahme findet am 12. November d. Js. statt.
(Nachdruck v rboten.) Aus dem Leben — Für das Leben.
Von A. v. L i l i e n c r o n.
(Fortsetzung.)
„Hast du das ganz allein besorgt," erkundigte sich der Gras lachend.
„Befehlen, Herr Lieutenant, nein, der Peter hat mir geholfen," meldete Quandt mit einem breiten Grinsen auf seinem gutmüthigen Gesicht.
„Na, wohl bekomm'S," nickte Bärenstein und schwang sich vom Pferde.
Oben in seinem Zimmer schaute der Mond neugierig durch das Fenster hinein, ein breiter Streifen seines blassen Lichtes hatte sich bis zum Schreibtisch ausgedehnt und beleuchtete dort scharf die einzelnen Gegenstände. Unwillkürlich war der Graf an den Tisch herangetreten, und ein Bild von demselben nehmend, betrachtete er es nachdenklich. Er war dabei so völlig in Gedanken versunken, daß er das Oeffnen der Thür überhörte und erst die Stimme des Rittmeisters schreckte ihn auf. „Hör einmal, „MutterS Kiste" scheint meinem Peter den Kopf verdreht zu haben, weiß der tausend, wo der Kerl meine Schwefelhölzer gelassen hat," beklagte er sich, „du kannst mir wohl aushelfen, aber was hast du denn da," und er griff nach dem Bilde, das Bärenstein hastig wie ein ertappter Schulknabe sortgelegt hatte.
Der Mond leuchtete hell genug, um den feinen Stahlstich erkennen zu lassen. „Werthers Lotte," sagte der Rittmeister langsam mit eigenthümlicher Betonung.
Die Vorarbeiten sind bis spätestens zum 21. November! abzuschließen. Das gesammte Veranlaguugsmaterial muß am 2 7. November er. in den Händen der Vorsitzenden der Voreinschätzungskommissioneu sein. Diese haben mindestens »Tage vorher die Mitglieder der Voreinschätzungs- kommissionen zu den Sitzungen, die in der Zeit vom 30. November c r. b is 5. Dezember c r. stattfinden, einzuladen und dem Unterzeichneten bis spätestens zum 2 6. November d. Js. anzuzeigen, an welchem Tage, § n welcher Tages st unde und an w e l ch e m O r t e die Sitzungen stattfinden. Die Vorein- schätzung zur Staatseinkommensteuer muß möglichst an einem Tage erledigt werden.
Die Einreichung des Gesammtmaterials an mich — der Gemeindesteuerliste für 1897/98, der Staatssteuerliste für 1896/97 und 1897/98, der Staatssteuerrolle für 1897/98, der über die Sitzung der Voreinschätzungskom- mission aufgenommenen Verhandlung, die von allen au der Sitzung theilgenommeueu Mitgliedern zu unterschreiben ist, und der Liquidationen der Mitglieder der Kommissionen über Reisekosten und Tagegelder, sowie über Versäumnisgebühren — hat bis spätestens zum 12. Dezember d. Js. zn geschehen.
Der Vorsitzende der Ueranlagungs- Kommisston.
Freiherr von Schlei nitz. Geheimer Regicrungs-Rath.
Zugelaufen: ein kleiner weißer Pinscher und ein kleiner weißer Spitz mit grauen Flecken. Meldung der Eigenthümer bei dem OrtSvorstand zu Schenk- lengsfeld.
ßlichtamtlich es.
8«at der LMicktWft in Anicrikii.
Im Januar 1895 schrieb I. A. Collins in dem „Magazin of Civil" folgendes: „Vor 50 Jahren waren die Vereinigten Staaten eine Nation von Landbesitzern; ein mit Hypotheken belastetes Grundstück war eine seltene Ausnahme. feilte sind ungefähr 70 Prozent der Bevölkerung thatsächlich Pächter; eine Hypothek entfällt auf das siebente Mitglied der Bevölkerung — sechs aus jede Familie. Der freie Landbesitzer ist die Ausnahme. Die
„Ja, ja, weißt du, ich glaube, diese Lotte hat dirs angethan."
Bärenstein warf sich in den Stuhl am Fenster. „Es will mir selber so scheinen," gab er fast kläglich zu, „vor sechs Wochen hätte ich es noch für einen bodenlosen Unsinn erklärt, wenn ein junger Mann von 23 Jahren daran denken konnte, sich allen Ernstes für das Leben zu binden, und nun muß gerade mir solch eine Verrücktheit passieren." Harzenberg lehnte mit untergeschlagenen Armen dem Freunde gegenüber am Pfeiler. „Giebst du diesen Ehrentitel der Sache nur, weil du noch so jung bist, oder bezeichnest du das „Herz verlieren" im großen und ganzen als ein Grad von Tollheit."
„Beides erscheint mir dahin gehörig," behauptete der Kamerad, „übrigens möchte ich hierbei nicht von Herz- verlieren sprechen, denn ich habe wohl schon manchmal gemeint, daß mir das meinige abhanden gekommen sei, um es in allerkürzester Zeit wiederzufinden, aber diesmal — nun diesmal glaube ich nicht, daß ich mich wieder davon los machen kann, denn ich sehe die braunen Augen vor mir, wo ich auch bin."
„Hast du eine Ahnung davon, wie es um das Mädchen steht, das heißt, wie es mit ihrem Herzen aussieht," forschte Harzenberg.
„Keinen Schimmer," gestand der andere, „und ich glaube auch nicht, daß sie selbst im geringsten meine Gefühle kennt."
„So laß dir Zeit, dich selbst zu prüfen, ehe du auch in ihr Herz die Unruhe bringst," mahnte der Rittmeister. „Es ist ein eigen Ding um die Liebe, sie kommt über
Vereinigten Staaten zeigen heute eine höhere Anzahl von Abhängigen und von Pächter-Familien als irgend ein anderes Land, ausgenommen Großbritannien."
Collins giebt das Verhältniß der Pächter zu der Ge- sammtbevölkerung au auf: Australien 10 Proz., Kanada 12 Proz., Frankreich 28 Proz., Vereinigte Staaten 70 Proz. — Frewen, der das Jahres-Einkommen des amerikanischen Farmers auf 450 Mark und seine Zinsen und Steuern auf 90 Mark berechnet, was ein Tageseinkommen von ungefähr 90 Pfennigen übrig ließe, hebt hervor, daß der Farmer sich damit nähren, kleiden und schützen muß, in einem Lande, wo der Winter sehr kalt und der Sommer sehr heiß und trocken ist. Zum Vergleich dazu bemerkt er, daß die Armenbehörde in Illinois ihre Ausgaben aus 6 bis 8 Mark per Kopf wöchentlich berechnet. Das Zuchthaus des Staates Illinois berichtet, daß für einen beim Straßenbau verwendeten Sträfling ungefähr 1,50 bis 1,80 Mark pro Tag bezahlt werden.
Sowohl der Census-Bericht als die Berichte des Acker- bau-Departements bestätigen, daß unter der landwirthschast- lichen Bevölkerung der Vereinigten Staaten großes Elend vorhanden ist.
Politische Nachrichten.
Inland.
Berlin, 3. November.
Zur gestrigen Frühstückstafel im Neuen Palais waren der Staatssekretär des Reichsmarineamtes, Admiral Holl- mann, und der Chef des MarinekabinetS, Admiral ä la suite Kontreadmiral Freiherr von Senden-Bibran geladen. Nachmittags unternahm das Kaiserpaar einen gemeinsamen Spaziergang in die Umgebung des Neuen Palais.
Heute Vormittag hörte Se. Majestät der Kaiser von 9 Uhr ab den Vortrag des Staatssekretärs des Neichsschatzamtes, Grafen v. Posadowsky-Wehner, und empfing um 10 Uhr den Kriegsminister, Generallieutenant v. Goßler, zum Vortrage. Nachmittags gedachte das Kaiserpaar gegen 2 Uhr nach Berlin zu fahren und Abends das Theater zu besuchen. Gegen 10*/.2 Uhr wollte der Kaiser die Reise nach Schlesien antreten.
Wegen der ungünstigen Witterung hat das Kaiserpaar die Absicht aufgegeben, an der heutigen Hubertusjagd im Grunewald theilzunehmen.
den Menschen, ehe er sich deffen versieht, und wenn er auch wie du die Sache eine Verrücktheit nennt, sie läßt sich nun einmal nicht fort diöputiren, und wie es endet, das steht eben in den Sternen geschrieben.
Sie schwiegen beide — über den Mond zog eine Wolke, und der Lichtstreifen im Zimmer erlosch, es wurde ganz dunkel.
„Gutenacht Werner," sagte der Rittmeister endlich und wandte sich zum Gehen.
„Gutenacht," wiederholte der andere mechanisch und träumte mit wachen Augen weiter, während der Mond langsam aus der Wolke wieder auftauchte und sein Streiflicht in das Zimmer sandte. An die Streichhölzer hatte keiner der beiden mehr gedacht.
Am anderen Tage bräunte eine heiße Julisonne, und trotz der herunter gelassenen Jalousien war es doch in dem sonst so kühlen Gartenzimmer von Hollfelde schwül.
Charlotte saß am Schreibtisch, und auf dem Blatte vor ihr reihte sich Zeile an Zeile ihrer festen und zierlichen Handschrift, May lag ausgestreckt auf dem Ruhebett, das Buch mit Chamiffos Frauenliebe und Leben und den Thumanschen Bildern in ihrer Hand. Sie hatte lange darin gelesen und geblättert, bis sie es mit einer unmutigen Bewegung heftig geschloffen und nun eine Welle in regungsloser Stellung verharrte.
„Charly, wie kann man bei einer solchen Hitze ar= fliehte 66 li ^um ruhend zu ertragen," klagte die
Die Angeredete wandle sich um. „Ich habe dem Vater lo viel von Hollfelde und von euch allen zu er-