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Erscheint wöchentlich drei Mal
Dienstag, Donnerstag und Sonnabend.
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Die Jnsertionsgebühren betragen für den Raum einer Spaltzeile 10 Pfg., im amtlichen Theile 15 Psg. Reklanien die Zeile 20 Pfg.
Bei größeren Aufträgen entsprechender Rabatt.
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Sr. M.
IieilftW den 1 November
1896.
Bestellungen auf das Hersfelder Kreisblatt
mit den Gratisbeilagen „Jllustrirtes Sonntagsblatt" und „Jllnstrirte landwirthschaftl. Beilage" für die Monate November und Dezember werden von allen Kaiserlichen Postanstalten, taud- briefträgern und von der Expedition angenommen.
Amtliches.
Hersfeld, den 30. Oktober 1896.
Diejenigen Herren Ortsvorstände, welche noch mit Erledigung meiner Verfügung vom 1., Oktober 1880 Nr. 11469, Kreisblatt Nr. 79, den Erlös für verkauftes Gemeiudeobst betreffend, im Rückstände sind, werden in i t F r i st' b i s z u m 1 5. N o v e m b e r 18 9 6 b e i Reibung von 3 Mark Strafe hieran erinnert.
Der Königliche Landrath Freiherr von S ch l e i n i tz, Geheimer Regierltngs-Rath.
Cassel, den 22. Oktober 1896.
Dem Vernehmen nach versuchen die Viehhändler vielfach die Bestimmung im §j2 meiner landespolizeilichen Au- ordnung vom 16. Juli d. I. A. III. 7826, dadurch zn umgehen, daß sie das Handelsvieh burd) vorgeschobene Personen transportiren lassen, oder dadurch, daß sie bei Ankauf von Vieh angeben, dasselbe sei bereits weiter verkauft, und um Nachforschungen vorzubeugen, als Käufer deu Bewohner eines Ortes in einem anderen Kreise oder einem anderen Bundesstaate bezeichnen, obwohl thatsächlich ein Weiterverkauf noch gar nicht stattgeflinden haben kann.
Um diesem Treiben eutgegeuzutreteu, ersuche ich die Herren Landräthe die ihnen unterstellten Polizeiorgane dahin zn instruieren, daß sie beim Antreffen von Vieh, welches von Viehhändlern oder im Auftrage von solchen auf öffentlichen Straßen transportirt wird, von dem Treiber des Viehes den kreisthierärztlichen Gesnndheitsschcin stets verlangen. Ist derselbe nicht vorhanden, so wird regelmäßig
(Nachdruck verboten.» te dem geben — Ur M Leben.
Von A. v. L i l i e » c r o n.
(Fortsetzung.)
Er beruhigte das Thier, dann senkten sich seine Augen einen Moment in die ihren, es war, als ginge ein Kampf durch seine Seele, und als würde es ihm schwer, das Wort auszusprechen, aber dennoch drängte es sich mit schneidender Schärfe über seine Lippen, als er sprach: „Weil nach meiner Auffassung durch solche Dinge die Grenzen der Weiblichkeit überschritten werden."
Map gab keine Antwort, sie war so weiß geworden wie das Kleid, das sie trug, und auch ihn durchzuckte eine tiefe Bewegung, als er sich bewußt wurde, daß er dies liebliche Wesen auf das tiefste verletzt hatte.
„Verzeihung," bat er mit gepreßter Stimme, „Sie selbst drängten mich zum sprechen, und ich kann nicht lügen. Weil alles in und an Ihnen Zartheit und weibliche Anmuth athmet, so war mir's, als könnte ich es nicht ertragen, wenn Uebermuth oder Widerspruchsgeist Sie aus dem Rahmen reißen, den ihr eigenstes Selbst um Sie schließt. Aber ich habe Ihre Geduld bereits länger, als erlaubt ist, in Anspruch genommen," brach er ab. „Hier sind die Zügel, mein gnädiges Fräulein, der Weg ist frei, ich trete zurück."
Nun war sie wieder frei, nun konnte sie auf Musta- ' phas Rücken davon jagen, weit fort von dem Manne, der ihr eben so bitter weh gethan hatte, aber sie wandle statt dessen den Kopf ihres Pferdes dem Hause zu, und
sofort Anzeige zu erstatten sein. Die Ermittlungen werden dann schon ergeben, ob eine nach § 5 der polizeilichen Anordnung strafbare Zuwiderhandlung gegen § 2 a. n. O. vorliegt.
Der Regiernngs-Präsident. H a u s s o n v i l l e.
An die sämmtlichen Königlichen Landräthe des Bezirks und den Königl. Polizeipräsidenten hier. I. A. III. Nr. 11460.
Hersfeld, bei* 30. Oktober 1896.
Wird den Ortspolizeibehörden und der Königlichen Gendarmerie des Kreises znr Nachachtung mitgetheilt.
I. 5896. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz, __Geheime^Regierungs-Rath.
Hersfeld, den 30. Oktober 1896.
Die mit einem competenzmäßigen Einkommen von 995,47 Mark neben freier Wohnung und 90 Mark Feuerungsvergütung verbundene e r st e Schnlstelle in Obergeis (die zweite Schnlstelle wird in aller Kürze errichtet werden) wird infolge Versetzung des bisherigen Inhabers vom 1. November d. Js. ab vacant.
Bewerber um dieselbe wollen ihre Meldungsgesuche nebst den erforderlichen Zeugnissen innerhalb 14 Tagen bei dem Königlichen Lokalschulinspektor Herrn Pfarrer Gamb in Obergeis oder dem Unterzeichneten einreichen.
Namens des Schulvorstandes.
Freiherr von Schleinitz, Landrath, Geheimer Reqierunqs-Rath.
I. I. Nr. 5895.'' _____
In der mit Genehmigung des Herrn Regierungspräsidenten eingerichteten Lehrschmiede des Hufbeschlag - Lehrmeisters Carl Ebel zu Wommen im Kreise Eschwege beginnt mit dem 16. November 1896 ein neuer Lehrkursus. Die Dauer desselben beträgt 2 Monate; die Abgangsprüfung erfolgt am 16. Januar 1897.
Da zu jedem Kursus nur 6 Schüler zugelassen werden dürfen, bis jetzt aber bereits 2 Anmeldungen vorliegen, können noch 4 Personen Aufnahme finden.
Znr Aufnahme sind erforderlich: a. ein polizeiliches Führungsattest und b. der Nachweis über die praktische Ausbildung als Hufbeschlagschmied.
Der im Voraus an den, Hufbeschlag-Lehrmeister zu entrichtende Beitrag beträgt 50 Mark. Das nöthige Eisen und die erforderlichen Kohlen liefert derselbe. Für Wohnung unb Beköstigung sorgt jeder Schüler selbst.
er mußte es mehr errathen, als daß er es verstehen konnte, so leise flüsterten ihre Lippen: „Sie haben mir meine Freude genommen."
Stumm schritt er ihr zur Seite und empfand es wie eine Wohlthat, als gleich darauf der junge Graf sich zu ihnen gesellte, dessen feiner Takt schnell erkannte, daß eine Verstimmung zwischen den beiden eingetreten war, und der nun, in seiner harmlosen Weise scherzend, über das Peinliche des Augenblicks hinfort half. Er war es auch, der May vom Pferde hob, die gleich darauf, das Neitkleid über dem Arm, im Hause verschwand.
Erst nach geraumer Zeit erschien sie umgekleidet wieder, und nun plauderten die rosigen Lippen fröhlich, als wäre nichts vorgefallen, nur wenn Harzenberg das Wort an sie richtete, kam eine gewisse Zurückhaltung über sie.
Die Croquetparthie war längst zu Ende, das Abendbrod gegessen, und noch immer hielt der laue Sommer- abend die Herren in Hollfelde fest. Schon tauchte an dem dämmerigen Himmel ein Stern nach dem andern auf, und noch immer schienen die Offiziere nicht an den Aufbruch zu denken.
Der Hausherr hatte sich mit dem Rittmeister in eine Unterhaltung vertieft, Map scherzte mit dem Grafen, und Charlotte, von keinem in Anspruch genommen, gestattete ihren Gedanken den Flug in die Heimath.
Da weckte sie die Stimme des Grafen, der sich erkundigte: Ist es erlaubt, zu fragen, woran Sie eben dachten?" Er hatte sich dabei vorgebeugt, als wolle er
Die Lehrschmiede ist berechtigt, Prüfungszeugnisse aus- zustellen, von deren Beibringung der Betrieb des Hufbeschlag-Gewerbes abhängig ist.
Die von jedem Schüler zu entrichtende Prüfungsgebühr beträgt 10 Mark.
Anmeldungen sind an den obengenannten Lehrschmiede- meister zu richten.
Eschwege, den 26. Oktober 1896.
Der Königliche Landrath v. K e u d e l l.
Politische Nachrichten.
Inland.
Berlin, 31. Oktober.
Seine Majestät der Kaiser ist heute früh aus Blankenburg am Harz auf der Wildparkstation wieder eingetroffen, wurde daselbst von der Kaiserin empfangen und begab sich mit ihr zu Wagen nach dem Neuen Palais, wo der Kaiser von 91 /1 Uhr ab den Vortrag des Chefs des Generalstabes, Grasen v. Schlieffen, ent- gegennahm und anschließend daran längere Zeit mit dem Chef des MilitärkabinetS, General von Hahnke, arbeitete. Um 12 Uhr empfing der Kaiser den Reichskanzler Fürsten zu Hohenlohe und den Staatssekretär Marschall v. Bieberstein zum Vortrage.
Prinz Heinrich von Preußen, welcher heute früh mit dem Kaiser aus Blankenburg in Wildpark ein- traf, verabschiedete sich daselbst alsbald von beiden Majestäten und reiste von Wildpark über Berlin nach Kiel zurück.
Der Kaiser hat, wie verlautet, sämmtlichen deutschen Fürsten ein Widmungsexemplar der neuesten, nach seinen Angaben vom Professor Knackfuß hergestellten Zeichnung übermitteln lassen. Der Sendung dieser Zeichnung „Sieg des deutschen Michels über die Frieden und Wohlfahrt bedrohenden Mächte der Finsterniß", ist eine erklärende Auseinandersetzung des malerischen Vorgangs beigefügt.
Eine in voriger Woche aufgetretene leichte katarrhalische Affektion Sr. königl. Hoheit des GroßherzogS v o n B a d e n ist als beseitigt zu betrachten. Dagegen hat sich in den letzten Tagen bei Sr. königl. Hoheit unter Fiebererscheinungen ein schmerzhafter Abszeß entwickelt, welcher, nach der KarlSr. Ztg.", den hohen Patienten noch einige Zeit an das Bett fesseln wird.
ihr Gesicht, das der aufgehende Mond jetzt beschien, genau studieren.
„Ich dachte an zu Hause," lächelte sie, „und sah im Geiste die Kleinen, wie jedes von ihnen noch vor dem Gutenacht ein besonderes Anliegen hatte."
„Und nach der ausgeflogenen Schwester jammert," ergänzte er. „Wissen Sie, mein gnädiges Fräulein, daß mir am ersten Tage, da ich Sie sah, eine Aehnlichkeit ausfiel, von der ich mir keine bestimmte Rechenschaft geben konnte, und erst als Sie später einmal von Ihren vielen Geschwistern sprachen, und.dem munteren Leben babeim um den Kaffeetisch, da wußte ich die Aehnlichkeit unterzubringen, die mich förmlich verfolgt hatte. Es ist das Bild von Werlhers Lotte, wie sie den Kleinen, die sie umdrängen, Brod schneidet."
„Es gehört Phantasie dazu, um diese Aehnlichkeit zu entdecken," neckte der Rittmeister. „Der Name stimmt und vielleicht eine innerliche Gleichheit, denn das Bild jener Wertherschen Lotte ist für mich eigentlich die Verkörperung einer jugendfrischen, deutschen Hausfrau, wie sie auch in den Thumanscheu Bildern so herrlich gezeichnet ilt als des Hauses Krone, die in nie rastender Liebe für alle sorgt und schafft."
Der Diener erschien, um zu melden, daß die Pferde vorgeführt seien, unb die Herren zögerten nun nicht mehr länger, den Heimritt anzutreten. "
„Charlp, flüsterte Map als sie die Freundin zur Gutenacht umarmte, „irgendwo müssen hier unten im Salon jene Thumanschen Bilder liegen. Hilf mir doch