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Gratisbeilagen:Illnstrirtes Sonntagsblatt" n.Illnstrirte landwirthschaftliche Beilage".

Ar. 125. Siorh Sei 22. Lktol.tr ^M

Amtliches.

Hersfeld, den 20. Oktober 1896.

Aus Anlaß des Umtausches von Quittungskarten bei dem bevorstehenden Jahreswechsel sind die sämmt­lichen Ouittungskarten-AuSgabestellen mit weiteren For­mularen zu Quittungskarten in Kürze zu versehen. Um dabei jeden Bedarf noch zeitig decken und jede Stockung im Umtauschgeschäft vermeiden zu können, haben die Herren Ortsvorstände mir bis zum 15. November d. Js. berichtlich anzuzeigen, wieviel weitere Quittungs- karten-Formulare für das Jahr 1897 voraussichtlich er­forderlich sein werden. Der Bedarf an weiteren Karten wird dabei so reichlich zu bemessen sein, daß im Laufe des nächsten Jahres Ersatz vA-aussichtlich nicht nachzu- liefern ist.

J. I. Nr. 5713. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.

Hersfeld, den 19. Oktober 1896.

Der Landes-Ausschuß hat in seiner Sitzung vom 24. v. Mtö. den Beschluß gefaßt, mit Rücksicht auf die Höhe der bezüglichen Reservefonds auch pro 1897 von der Erhebung einer Viehseuchen-Abgabe auf Grund des § 9 des Reglements vom 7. Dezember 1881 bezm. 14. Januar 1882 (conf. Amtsblatt äs 1882, Seite 59) ab- zusehen.

Da gleichwohl eine Zählung des Viehbestandes am 2. November d. Js. zu statistischen rc. Zwecken erforder­lich erscheint, erhalten die Herren Ortsvorstände des Kreises die Auflage, unter Benutzung des in den nächsten Tagen Ihnen zugehenden Formulars demnächst das Ver- zeichniß des Bestandes an Pferden und Rindvieh rc. am 2. November d. Js. aufzustellen und mir bis zum 20. November cr. berichtlich anzuzeigen, wie viel Stück Pferde und Fohlen, Rindvieh und Esel rc. bei der Zählung ermittelt worden sind.

I. 5696. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.

Hersfeld, den 20. Oktober 1896.

Auch in diesem Jahre wird mit Genehmigung des Herrn Oberpräsidenten eine Hauskollekte für die Jdioten-

(Nachdruck v rbote».>

Aus itm Leben W das Leben.

Von A. v. L i l i e n c r o n.

(Fortsetzung.)

Als der Bahnhof erreicht war und der junge Frei­herr abstieg, reichte er ihm die Hand zum Abschied. Laß dir's gut gehen, Christian, vielleicht sehen wir uns doch noch einmal wieder," tröstete er ihn,sage dem Großvater einen Gruß und erzähle ihm, daß sein Enkel ihn und Hohenwalde und den Christian dazu nicht ver- geffen würde."

Werd's bestellen," nickte der Alte mit einem schlauen Blinzeln,aber nicht heute, denn dann gäb's ein Don­nerwetter. ' Zu gelegener Zeit einmal, wenn wir pirschen gefahren sind und einen kapitalen Bock erlegt haben, da darf dann der Christian auch frisch weg von der Leber reden, und es wird nicht übel vermerkt."

Trotz der schweren Gedanken, die das Herz des jungen Mannes bewegten, glitt doch ein Lächeln über seine Züge bei dieser Erklärung, er winkte dem Alten noch einmal freundlich zu, dann trat er in das Stationsge­bäude, und bald entführte ihn der Schnellzug bis zu der nächsten größeren Stadt, wo er die Nacht über blieb, um am andern Morgen in feine Heimath zu reisen.

Die letzte Strecke mußte er mit der Post fahren, denn das Gut seines Vaters lag in Hinterpommern, und so weit war das Dampfroß noch nicht gedrungen.

Es war ein kleines, harmloses Landstädtchen, über "essen holpriges Pflaster die gelbe Kutsche jetzt langsam

Anstalt zu Scheuern stattfinden. Da diese segens­reich wirkende Anstalt, in welcher im Durchschnitt jährlich 300 schwachsinnige Kinder (darunter z. Z. 2 aus dem hiesigen Kreise) verpflegt werden, nur bei mildthätiger Betheiligung der Einwohner der Provinz Hessen-Nassau fortbestehen kaun, so wird die erwähnte Kollekte den hiesigen Kreisbewohnern wärmstens empfohlen. Für die Landgemeinden erscheint es zweckmäßig, wenn aus den Gemeindekassen, wie das bisher schon geschehen ist, ein angemessener Beitrag dazu gezahlt wird.

Der Königliche Landrath Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.

Nichtamtliches.

Her Kaiserin Anznftt $ittorio.

Der deutschen Kaiserin schlagen am 22. Oktober die Herzen der Nation besonders freudig entgegen. Der Hohenzollern Freud ist des Volkes Freud, und so naht es auch der erlauchten Frau huldigend an ihrem acht­unddreißigsten Geburtstage. Es ist nicht nur die Träge­rin des königlichen Purpurs,^vor deren Hoheit sich die Nation verneigt; es ist zugleich die wahrhaft deutsche Frau, die sie in unserer Kaiserin verehrt, die Mutter, welche ihre schönste Pflicht in der treuen Bestellung ihres Hauses erkennt und es mit ihrem Geiste erfüllt, sowie die gottergebene Christin, deren frommer und demuthsvoller Sinn sich wie ein Frühlingsthau auf aller Herzen legt.

Mit aufrichtigen Wünschen für ihr ferneres Wohl umstehen alle deutschen Männer und Frauen heute ihren I Thron; heiße Gebete erflehen Gottes reichen Segen für ihr Haus. In der That, das Morgenroth des anbrechen- - den Geburtstagsfestes möge ein glückverheißendes Zeichen für ihr neu beginnendes Lebensjahr sein, und dieses nur Stunden des reinen Menschen- und Christenglückes für sie haben.

Politische Nachrichten.

Berlin, 20. Oktober.

Ihre Majestäten der Kaiser und die

| rollte. Der Postillon schmetterte seine schönsten Weisen, die ihm jedenfalls sehr gelungen schienen, denn er wie­derholte sie immer von neuem, trotzdem Eberhard sie wahrhaft ohrenzerreißend fand.

Er hatte das Fenster Heruntergelaffen und betrachtete aufmerksam die Häuser, an denen sie vorüberfuhren. Bei dem Bckcker Schmidt lagen noch immer , die großen, braunen Bretzeln auf dem Tisch in der Ladenthür, die als Kind so oft einen heißen Wunsch nach ihrem Besitz in seinem Innern geweckt hatten, und dort beim Flei­scher Tomas stand wahrhaftig noch das kunstvoll nach­gemachte Schwein im Schaufenster, das er so manches­mal angestaunt hatte, wenn ihn die Eltern zur Stadt Mitnahmen. Es mußte ein konservativer Mann sein der Meister Tomas, denn das Schwein war dasselbe ge­blieben, trotzdem die Zeit es dunkel gefärbt hatte, er­kannte er es genau an dem fehlenden linken Ohre.

Ganz das alte Nest geblieben," murmelte er,als ob ich'S heute gerade so aus der Schachtel herausnehme, in die ich es gestern hineingepackt. Ob wohl bei Dok­tors Lieschen noch immer die Myrthenstöcke am Fenster stehen und vergebens darauf warten, zum Brautkranz für die Herrin gepflückt zu werden?"

Ja richtig, da waren die Myrthenstöcke und dahinter das Haupt des ältlichen Lieschen, das neugierig auf die Straße blickte und mit wiederholtem Neigen Eberhards Gruß erwiderte.

Jetzt hielt der schwerfällige Gelbe mit einem letzten, ächzenden Ruck vor dem Postgebäude und entlud sich feiner Insassen. Der junge Freiherr trat den Weg nach

Kaiserin sind am Montag Vormittag im besten Wohlsein um 9 Uhr 30 Minuten in Wiesbaden einge­troffen. Zum Empfange waren anwesend Ihre königl. Hoheiten die Prinzessin Luise von Preußen und Prinzessin Viktoria von Schaumburg-Lippe und Kammerherr v. Liebenau mit Gemahlin. Die Majestäten fuhren in einem geschlossenen Wagen, welchem der Polizeipräsident Prinz Ratibor vorauffuhr, durch die reichgeschmückte Stadt zum Schlosse. Trotz des strömenden Regens hatte sich eine große Volksmenge angesammelt, welche die Majestäten mit begeisterten Hochrufen begrüßten.

Am Montag Mittag um 1 Uhr 55 Minuten ist Se. Majestät der Kaiser Wilhelm mittelst Sonderzuges zum Besuche Sr. Majestät des Kaisers Nikolaus in Darmstadt eingetroffen und am Bahn­höfe von Sr. königl. Hoheit dem Großherzog von Hessen empfangen worden. Nach überaus herzlicher Begrüßung fuhren Se. Majestät der Kaiser und der Großherzog in geschlossenem Wagen nach dem Neuen Palais, wo um 2 Uhr Familientafel stattfand; gleich­zeitig war im Alten Palais Marschallstafel. Eine zahl­reiche Menschenmenge begrüßte Se. Majestät am Bahn­höfe und auf der Fahrt nach dem Neuen Palais und brächte Allerhöchstdemselben begeisterte Ovationen dar. Se. Majestät ist gegen 4 Uhr nach Wiesbaden zurückge­reist. Se. königl. Hvheit der Großherzog geleitete Se. Majestät zum Bahnhöfe und verabschiedete sich dort auf das Herzlichste. Trotz des Regens war wiederum eine zahlreiche Volksmenge auf dem Bahnhöfe versammelt, welche Sr. Majestät begeisterte Huldigungen darbrachte.

Se. Majestät der Kaiser von Rußland, Se. kaiserliche Hoheit der Großfürst S e r g i u s und Se. königliche Hoheit der Großherzog von Hessen sind heute Mittag 12 Uhr 40 Minuten in Wiesbaden eingetroffen. Se. Majestät Kaiser Wilhelm, der russische Uniform trug, empfing die hohen Gäste am Bahnhöfe. Kaiser Nikolaus hatte preußische Uniform angelegt. Vom Bahnhöfe bis zum Schloß bildete Militair Spalier. Die dichtgedrängte Volksmenge begrüßte die Majestäten im Vorbeifahren mit lebhaften Hochrufen.

Ihre Kaiserlichen Majestäten werden, nach den bisher getroffenen Bestimmungen, am Donnerstag früh, den 22. d. M., dem Geburtstage Ihrer Majestät der Kaiserin, auf der Wildparkstation bezw. im Neuen Palais wieder eintreffen.

Anläßlich des Geburtstages der Kaiserin wird

dem einzigen Gasthaus des Ortes an, wohin er sich den Wagen aus Hollfelve bestellt hatte. Er brauchte nicht weit zu gehen, nur eine kurze Querstraße, bann lag der Marktplatz vor ihm, in dessen Mitte der VerschönerungS- Verein eine Baum- und Rasenanlage gemacht hatte. Erstere gediehen fröhlich und strebten schon stattlich zum Himmel auf, der Rasen aber sah kläglich aus, denn Kinder und Hunde, sowie einige vorlaute Gänse der ehrsamen Bürgersfrauen tummelten sich hier in rühren­dem Verein. Der Gasthof zum Löwen hatte für seine fortschreitende Entwickelung gesorgt, der König der Thiere, der ihm den Namen gegeben und in stattlicher Größe über dem Eingänge prangte, war neu vergoldet, und vor der Thür hatte sich der Wmh ein Zeltdach zu­gelegt, das einige kränkliche Oleanderbäume zierten.

Es schien zu Ehren der Herren Offiziere errichtet worden zu sein, denn diese sah man jeden.Nachmittag oft bis in den späten Abend hinein dort sitzen.

Mit einem leichten Gruß schritt Eberhard an den Herren vorüber, hinein in das Gastzimmer, wo er er­fuhr, daß der Wagen aus Hollfelde noch nicht ange- kommen sei. So beschloß er denn, zu warten, und be­stellte sich sein Lieblingsgericht, wie er es aus früheren Jahren in der Erinflerung hatte. Aber schon nach weni­gen Bissen schob er es enttäuscht zurück uud begann ungeduldig eine Wanderung durch das niedrige Zimmer. Die Fenster desselben standen nach dem Marktplatz zu offen, und die Stimmen der Offiziere, welche dicht davor unter dem Zeltdache saßen, schallten zu ihm herein.

Dort der Rittmeister von den Dragonern mit der