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Amtliches.
Unter der Aufschrift „Lunge und Hals" wird neuerdings in Zeitungen vielfach ein früher unter dem Namen „Homerianathee" feilgehaltener Brustthee als Heilmittel gegen Brust- und Halskrankheiten (Lungentuberkulose, Luftröhrenkatarrh, Husten, Heiserkeit u. A.) von einem Agenten Ernst Weidemann in Liebenburg am Harz angepriesen und in Päckchen von 60 Gramm Inhalt — bei einem reellen Werthe von 5—6 Pennigen — zum Preise von 1 Mark verkauft. -- Das Mittel, welches angeblich aus einer nur in Rußland vorkommenden Knöterichpflanze gewonnen wird, besteht nach sachverständiger Untersuchung aus einfachem Vogelknöterich, der an allen Wegen und oft auch in weniger verkehrsreichen städtischen Straßen zwischen den Pflastersteinen wächst. Eine spezifische Heilwirkung hat das genannte Kraut nicht. Solches wird zur Warnung für das Publikum hierdurch bekannt gemacht.
Caffel am 12. Oktober 1896.
Der Regierungs-Präsident. I. V.: v. Pawel.
Nichtamtliches.
Das Kaiser Wilhelm-Denkmal an der 4>orta-westfaliea.
An dem ehrwürdigen und landschaftlich bevorzugten Punkte des Wiehengebirges, der bei der Porta West- falica dem Wanderer besonders ins Auge fällt, ist am Sonntag, dem 18. Oktober, in Gegenwart des Kaiserpaares ein Denkmal feierlich enthüllt worden, das von neuem einen lebendigen Beweis der Dankbarkeit des deutschen Volkes, besonders der Provinz Westfalen, für unsern großen Heldenkaiser Wilhelm I. liefert. Der Gedanke zu dieser Ehrung des unvergeßlichen Schöpfers des deutschen Reiches hatte in den Volkskreisen der Provinz so lebhaften Wiederhall gefunden, daß die gespendeten Beträge die stattliche Summe von l‘/2 Millionen Mark ergaben. Diese Mittel gestatteten die Schaffung eines großartigen Werkes.
Vor fünf Jahren schrieb die Provinz eine allgemeine Bewerbung unter den deutschen Künstlern aus. Der Sieger in diesem friedlichen Kampfe, Architekt Bruno
(Nachdruck verboten.»
Aus ileiil Seien — Für das Seien.
Von A. v. L i l i c ii c r o n.
(Fortsetzung.)
Aber, ehe wir da von anderem reden, laß Dir S sagen, mein Sohn, daß ich eueren Schmerz begreife und ehre. Ja, ja," setzte er hinzu, und seine Stimme klang dabei unendlich weich, „man hat nur eine Mutter, und was die für uns gethan, das vergißt sich nicht, darum kommt es dem Menschen auch hart an, wenn er sie hergeben muß."
„Der Tod meiner Mutter traf mich völlig unerwartet," kam es gepreßt über die Lippen des jungen Mannes. „Ich danke Gott, daß es mir wenigstens noch vergönnt war, während ihrer kurzen Krankheit bei ihr zu weilen und ihr den letzten Liebesdienst zu erweisen."
Der alte Herr wiegte gedankenvoll den Kopf, er schien etwas sagen zu wollen, aber sich wieder anders besinnend, machte er noch einige freundliche Bemerkungen über die Verstorbene nnd lenkte dann die Unterhaltung in andere Bahnen.
Es war augenscheinlich, daß er erst versuchen wollte, eine möglichst ruhige Stimmung in beiden Gemüthern herzustellen, ehe er die entscheidende Frage that.
Etwa eine halbe Stunde war so vergangen, da brach er unvermittelt das Gespräch ab, und sich gerade reckend, nagte er mit scharfer Betonung: „Wie steht es mit °"- welche Antwort bringst du deinem Großvater?"
Einen Augenblick blieb es still im Zimmer, dann
Schmitz in Berlin, der auch für die Kaiserdenkmäler auf dem Kyffhäuser und auf dem Deutschen Eck in Koblenz die Palme errang, verwerthete dabei in glücklichster Weise die charakteristische Umgebung des Platzes, um in architektonischem Sinne eine hochragende Kuppelhalle baldachin- artig über dem eigentlichen Kaiserbilde zu errichten und so gewissermaßen aus dem Haupte des Berges selbst die monumentale Huldigung des Volkes erwachsen zu lassen.
Ein Aufgang führt den Besucher rasch dem Riesenbau näher. Bald stehen wir auf dem Vorplatz des Denkmals, mit einem Blick da4, ganze Werk überschauend. Den Kern der stolzen Anlagtz bildet der stattliche Baldachin, durch dessen bogenförmige Oeffnungen das Standbild Wilhelms L von allen Seiten sichtbar ist. Die sechs Pfeiler, die möglichst leicht ^halten sind, wurden bis zum Gesimse durchgeführt undUgeben dadurch dem ganzen Bau ein leichteres Ansehens Ueber dem Zinnenkranz ruht die geneigt ansteigende Kuppel, deren Spitze die Kaiserkrone bildet. Nach dem Bergrand zu, der die Steine zum Bau hergeben mußte, hat der Denkmalsplatz eine Einfriedigung erhalten.
Nach der Thalseite hin ist der Denkmalsplatz rund abgeschlossen, durch einen maßvoll gehaltenen Unterbau, der zwischen den Lisenen des Mittelfeldes eine Wid- mungstafel von kolossaler Ausdehnung trägt: Wilhelm dem Großen die Provinz Westfalen. Seitlich ziehen sich die Treppenwangen empor, getragen von ungefügen, cyklopenartigen Blöcken. Es liegt über dem Ganzen ein Hauch jener rauhen Festigkeit und zähen Unbeugsamkeit, die die Söhne der Rothen Erde seit vielen Jahrhunderten auszeichnet.
Der Baldachin, zu dessen Innern bequeme Stufen- reihen hinaufführen, umhegt das prächtige, von Professor Zumbusch in Wien, einem geborenen Westfalen, geschaffene, in Wien gegossene Kaiserstandbild. Auf einem hohen Sockel steht die sieben Meter hohe Erzfigur des Kaiser Wilhelm, welche segnend die Rechte über Westfalens Gaue ausbreitet.
Das Denkmal bildet einen schönen Schmuck jener von der Natur schon so bevorzugten Gegend, und mehr noch als bisher wird die Porta Westfalica in Zukunft das Ziel patriotischer Wanderer und eine Anziehungskraft für die Vorüberreisenden sein.
hatte sich auch Eberhard gefaßt, und ruhig, dem durchdringenden Blick des Großvaters nicht ausweichend, sprach er: „Wollte ich es versuchen, nach deinem Willen zu thun, so weiß ich, daß ich es doch nicht durchführen könnte, denn über kurz oder lang würde ich fahnenflüchtig werden, und du hättest dann ein Recht, dem Wortbrüchigen zu zürnen."
Die Ader auf der hohen Stirn der Hausherrn schwoll bedenklich an. „Soll das etwa heißen, daß du mir und meinen Zukunftsplänen für dich den Rücken kehren willst," erkundigte er sich.
Eberhard war aufgestanden, und mit verschränkten Armen am Fenster lehnend, schweiften seine Augen mit einem sehnsuchtsvollen Blick über die Heimath seiner Väter, und ein Seufzer hob seine Brust, als er mit gedämpfter Stimme, aber in festem Tone erwiderte: „Es soll heißen, Großvater, daß ich der Kunst nicht entsagen kann. Den Pinsel nicht mehr führen zu dürfen, wäre für mich gleichbedeutend mit Gefangenschaft und Sklaverei, und du wirst mir zugeben, die Sternbergs sind nicht dazu geboren, sich in Ketten schlagen zu lassen, und wären es auch goldene. Das Leben fordert von mir schon früh ein Entsagen, sei's darum, ich habe meine Kräfte Überschlagen, um klar zu wissen, auf welcher Seite für mich das Aufgeben liegen mußte. Es war ein harter Kampf, aber die Entscheidung konnte nicht anders ausfallen, ich habe gewählt, und mein Entschluß steht unwiderruflich fest.
„Du willst unter die Künstler gehen — dein Leben mit Farbenklexen und Nichtsthun verbirgen," donnerte
Politische Nachrichten.
Inland.
Berlin, 18. Oktober.
Heute früh erschien Se. Majestät der Kaiser vor der Abreise nach Minden zu Wagen bei dem Mausoleum Kaiser Friedrichs und legte dort einen prachtvollen, mit weißen Rosen, Tuberosen und Veilchen verzierten Lorbeerkranz nieder. Der Kranz hatte eine weiße Schleife, auf deren einen Seite das „W.“ mit der Krone angebracht war, während die andere Seite die Initialen „V. A.“ mit der Krone zeigte. Se. Majestät verweilte einige Zeit in tiefer Andacht im Mausoleum. — Um 11 Uhr erschienen die drei zur Zeit hier anwesenden Kaiserlichen Prinzen und legten ebenfalls Kränze nieder.
Ihre Majestäten der Kaiser und die Kaiserin sind in Minden heute Nachmittag 2*/4 Uhr eingetroffen und auf dem Marktplatze von dem Oberbürgermeister Bleek und den Vertretern der Stadt begrüßt worden. Se. Majestät der Kaiser dankte in huldvollen Worten, während Ihre Majestät die Kaiserin eine von jungen Mädchen dargebrachte Blumenspende entgegennahm. Nach kurzem Aufenthalte fuhren Ihre Majestäten nach der Porta weiter. — Nieder Einfahrt zum Festplatz hatte eine Ehrenkompagnie des 15. Infanterie-Regiments mit der Front gegen das Denkmal Aufstellung genommen. Gegen drei Uhr erfolgte unter Voranreiten einer Schwadron der 4. Kürassiere die Ankunft Ihrer Majestäten des Kaisers und der Kaiserin, während vom Jakobsberg Kanonen den Salut donnerten. Se. Majestät der Kaiser verließ den Wagen, schritt die Front der Ehrenkompagnie ab, ging alsdann Ihrer Maj. der Kaiserin zum Wagen entgegen und geleitete Allerhöchstdieselbe zum Kaiserzelt, wo die Majestäten Begrüßungen entgegennahmen. Nachdem ungefähr 600 Sänger aus Minden und der Umgegend einen von Paul Bär gedichteten und von Pros. Zuschneid komponirten Sängergruß an Kaiser Wilhelm II. vorgetragen hatten, unterhielten sich Ihre Majestäten mit dem Vorsitzenden des Provinzial-Landtages v. Oheimb und Anderen. Nach Schluß des Gesangsvortrages richtete der Vorsitzende des Provinzial-Landtages v. Oheimb an Ihre Majestäten eine Begrüßungsansprache. Seine Majestät der Kaiser reichte Herrn von Oheimb nach der Ansprache dankend die Hand. Der stellvertretende Vorsitzende des Provinzial-Landtages, Freiherr v Landsberg-
die Stimme des alten Herrn — „willst deinem Herrgott den Tag stehlen mit schmieren und pinseln, derweilen dieser Herrgott dir's doch handgreiflich zeigt, wo der Platz ist, den ein tüchtiger Mensch — wie du sein könntest — auszufüllen hat. Auf der Scholle deiner Väter solltest du das Arbeiten lernen, wenn du des Königs Rock auszogst, und meine Augen hätten sich dann in Frieden schließen können, wenn ich dich vor den teuflischen Narrheiten bewahrt wußte, in die du mit deinem blinden Kunstschwärmen hinein fallen wirst."
„Großvater," klang es zürnend und bittend zugleich, „schmähe nicht, woran meine Seele hängt, ich erflehe jetzt nichts anderes von dir, als mir meine Freiheit zu lassen!"
Die Thür öffnete sich, und auf der Schwelle erschien Fräulein Brigitte von Sternberg, die ältliche Cousine des Freiherrn, die ihm, seitdem er verwittwet war, den Haushalt führte. „Darf ich die Herrn zum Frühstück einladen," bat sie mit einer etwas ungeschickten Verbeugung und einem ängstlichen Blick auf die beiden.
„Kannst das alleine besorgen, Brigitte," grollte der Hausherr, „mir ist. der Appetit vergangen, und der Junge dort trägt kein Verlangen nach einer näheren Besichtigung des Platzes, wo seine Väter im Schweiße ihres Angesichts es sich sauer werden ließen, ihr Erb- theil zu hegen und zu pflegen. Der Christian soll vorfahren, verstanden?"
Aber das alte Fräulein hatte nicht so schnell begriffen, wie die Sachen standen. Ihre lange, hagere Gestalt wiegte sich unschlüssig auf den Hüften, und die