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Gratrrbrilagen: „Illnstvirter Sonntag-blatt^^ u. „3öit stritte lanbwirthschaftliche Veilage^^.
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Amtliches.
Bekanntmachung.
Die von den Herren Apotheker W. Hunrath und Dr. phil. Paulmann hierselbst errichtete Anstalt zur Untersuchung von Nahrungs- und Genußmitteln, sowie von Gebrauchsgegenständen ist von mir als eine öffentliche im Sinne des § 17 des Reichsgesetzes vom 14. Mai 1819 (R.-G.-Bl. S. 145) anerkannt worden.
Cassel, den 16. September 1896.
Der RegierungS-Präsident Hauf-sonville.
Ziegenhain, den 7. Oktober 1896.
Das Verbot des Aussührens und Durchtreibens von Wiederkäuern und Schweinen wird nunmehr auch für die Gemeindebezirke Frielendorf, Todenhausen, Groß- ropperhausen, Spießkappel, Gebersdorf, Lenderscheid, Lanertshausen, Siebertshausen, Seigertshausen, Schwarzenborn und Hauptschwenda aufgehoben. Unter Bezugnahme auf meine Bekanntmachung vom 21. v. Mts. wird dieses hiermit zur öffentlichen Kenntniß mit dem Bemerken gebracht, daß der Kreis Ziegenhain seuchen- frei ist.
Der Königliche Landrath v o n,S ch w e r tze l l. In Abschrift dem Herrn Landrath in Hersfeld zur Kenntnißnahme. J. 1. Nr. 8999. * * * Hersfeld, den 10. Oktober 1896.
Wird veröffentlicht.
I. 5606. Der Königliche Landrath Freiherr von Schleinitz, Geheimer Negierungs-Rath.
Stitutüni llMM'mfiW ta WtrMift (Nerlsucht, Aranzosenkraukheit) in Rindvieh- und Schweinedestiinden.
(Schluß.) Instruktion
zur Ausführung der Tuberkulin-Impfungen bei Rindern und Schweinen.
1. Das Tuberkulin wird von den Apotheken der thierärztlichen Hochschulen zu Berlin und Hannover in verdünntem Zustande zum Selbstkostenpreise in Fläsch-
t Nachdruck v rboten.)
As btm Leben — Bär das Leben.
Von A. v. L i l i e n c r o n.
Erstes Kapitel.
Nach langem Winterschlafs war die Erde wieder zu neuem Blühen erwacht, und überall zeigte sich sprossendes Leben. Der Frühling, der mit Sonnenschein und Vogelgezwitscher seinen Einzug hielt, hatte eine Schar von Spaziergängerinnen ins Freie gelockt, die, in elegante Frühjahrstoiletten gekleidet, sich fröstelnd und enttäuscht fester in die leichten Umhüllungen wickelten. Denn trotz der warmen Sonnenstrahlen, die von einem wolkenlosen Himmel herab leuchteten, war es empfindlich kalt, und der Wind, der um die Straßenecken der Haupt- kladt fuhr, gab nicht nur den Wangen der Spazierenden blühende Farbe, sondern er hatte sogar die Unverschämt- Jeit, manches zierliche NäSchen mit einem lebhafteren ^otlj zu bemalen, als es der fröstelnden Trägerin Heb mochte..
Bor einem der ersten Gasthöfe hielt mit zurückge- Magenem Verdeck ein leichter Wagen, in dem zwer Damen saßen. Der jugendliche Offizier von den Gardeulanen, der daneben stand, überließ es dem Kellner, die Ältere der beiden Insassen mit einer Wagendecke zu ver- lchen, während er sich bemühte, ein großes Plaid um bierlichen Schultern des jungen Mädchens zu legen, - halb Kind, halb Jungfrau - übermüthig die abschüttelte und im kurzen, pelzverbrämten Jäckchen ""liebst aussah, wie sie ihn mit strahlenden Blauaugen
chen versandt, welche 0,5 ccm Tuberkulin enthalten, dem 4,5 ccm einer wässerigen ’/, prozentigen Karbollösung zugesetzt sind. Dieses verdünnte Tuberkulin besitzt nur geringe Haltbarkeit, es niuß deshalb an einem kühlen Orte aufbewahrt und innerhalb 8 Tagen nach seiner Herstellung verwendet werden.
2. Das unverdünnte Tubelkulin hält sich in wohl- verschlossenen Gefäßen, und in einem kühlen, dunklen Raume aufbewahrt, mehrere Monate wirksam. Vor seiner Anwendung muß es mit dem 9 suchen Volum einer '/.^prozentigen wässerigen Karbollösung versetzt werden. Die Verdünnung wird in der Weise hergestellt, daß man mittelst einer reinen Pipette dem das Tuberkulin enthaltenden Gefäße die entsprechende Dosis, z. B. 0,5 ccm Tuberkulin, entnimmt und mittelst einer anderen reinen Pipette das 9 fache Volum einer ^/^ prozentigen wässerigen Karbollösung, bei obiger Dosis mithin 4,5 ccm Karbollösung, hinzusetzt.
3. Zur Ausführung der Impfung kann eine gewöhnliche, 5 ccm haltende, gereinigte und desinfizirte Pravaz'sche Spritze mit kräftiger Hohlnadel verwendet werden. Die nach jeder Injektion vorzunehmende Desinfektion der Spritze kann in verschiedener Weise erfolgen. Ein sehr einfaches Verfahren besteht darin, daß man durch die Hohlnadel absoluten Alkohol einzieht und denselben wieder ausspritzt, worauf man die Nadel an der Luft trocknen läßt.
4. Die Einspritzung des verdünnten Tuberkulius wird subkutan an der seitlichen Halsfläche oder in der Schultergegend ausgeführt.
5. Die Dosis des unverdünnten Tuberkutins beträgt für Kühe und Bullen .... 0,5 ccm
„ Jungvieh .....0,25 „
„ Kälber und Schweine . . 0,1 „
Das verdünnte Tuberkulin wird somit in einer Flüssigkeitsmenge von 5 ccm bei Kühen und Bullen, von 21/» ccm beim Jungvieh, von 1 ccm bei Kälbern und Schweinen eingespritzt.
6 Als Zeit für die Vornahme der Tuberkulinein- spritzungen empfehlen sich die späten Abendstunden.
7. Vor der Einspritzung des Tuberkulius sind mindestens zwei Messungen der Eigenwärme der zu impfenden Thiere vorzunehmen. Die erste Messung hat 6 Stunden vor der Einspritzung, die zweite unmittelbar vor der Einspritzung stattzufinden.
8. Die Wirkung des Tuberkulins (Höchster Präparat)
anschaute und behauptete, daß man nicht an frieren denken könne, wenn die Sonne so lustig vom Himmel lache und es so viel Neues und Schönes zu sehen gäbe.
„Nimm dich vor unserem scharfen Ostwind in Acht," warnte der junge Ulanen-Offizier und die Hand, die sie ihm zum Abschied entgegen streckte, sorgsam wieder unter die Decke schiebend, gebot er, — „du mußt lernen Ordre parieren, Kleine! Hier, das Tuch wird umgenommen und dies durchlöcherte Zeug über das Rüschen gezogen."
Er hatte den Schleier über ihr Gesicht geschoben, aber ohne Erfolg, denn das seine Spitzengewebe wurde ebenso schnell wieder von ihrer kleinen Hand zurückge- worfen, und in dem rosigen Kinderantlitz vertieften sich in Kinn und Wangen die schelmischen Grübchen.
„Bist du General und ich Rekrut," fragte sie lachend mit einem leichten, fremdartigen Accent. „Kommandiere nur deine Ulanen, Vetter Eberhard, die werden das Gehorchen besser verstehen als ich," fuhr sie fort und nickte ihm lustig zu.
„Kleines Perßon ümmer rebellieren," klang es etwas unverständlich aus den Falten des dicken Plaids heraus, in das sich Miß Tarrak, die Begleiterin der Kleinen, gewickelt hatte.
Der Offizier legte noch einmal grüßend die Hand an die Mütze und schaute dem davourollenden Wagen nach, bis er um die nächste Straßenecke bog, dann schritt er nachdenklich die Treppe zum ersten Stock des Gasthofes hinauf.
Als er dort das Balkonzimmer öffnete, flackerte ihm ein helles Kaminfeuer entgegen, und sich die Hände
tritt in der Regel 12 bis 15 Stunden nach der Impfung ein. Nach der Impfung sind daher mindestens 4 Tem- peraturmessungen erforderlich, und zwar sind dieselben 9, 12, 15 und 18 Stunden nach der Einspritzung vorzunehmen. Wird beispielsweise Abends um 9 Uhr geimpft, so hat die Temperaturabnahme am nächsten Tage zu erfolgen um 6 Uhr Morgens, 9 Uhr Vormittags, 12 Uhr Mittags und 3 Uhr Nachmittags.
9. Vergleicht man hierauf die höchste, vor der Einspritzung erhaltene mit der höchsten nach der Einspritzung festgestellten Temperaturzahl, so ist bezüglich der Temperaturdifferenz Folgendes zu beachten:
a) Die Temperatur des geimpften Thieres übersteigt die höchste, vor der Impfung festgestellte Temperatur um 1,50 C. und darüber. In diesem Falle ist das Vorhandensein der Tuberkulose mit Wahrscheinlichkeit anzunehmen.
b) Die Differenz beträgt weniger als 1,5° 6. In diesem Falle ist mit Wahrscheinlichkeit anzunehmen, daß das Thier frei von Tuberkulose ist.
10. In der Regel reicht eine einmalige Tuberkulin- einspritzung aus. In besonders wichtigen Fällen, so z. B. bei Bullen, welche angekört oder mit Unterstützung des Staates angekauft werden sollen, empfiehlt sich eine zweimalige Impfung. Die zweite Impfung wird 4 Wochen nach der ersten vorgenommen.
11. Zur Abnahme der Temperatur sind mehrere geprüfte Thermometer vorräthig zu halten. Das vor der Einspritzung benutzte Thermometer soll womöglich auch für die Temperaturabnahme nach der Einspritzung benutzt werden.
12. Fiebernde Thiere, sowie Thiere in einem sehr vorgeschrittenen Stadium der Tuberkulose eignen sich nicht zur Vornahme der Tuberkulin-Jmpfung.
Politische Nachrichten. Inland.
Berlin, 12. Oktober.
S e. Majestät der Kaiser kehrte am Donnerstag, erst nach 6 Uhr Abends aus dem Groß- Schönebecker Revier nach Jagdschloß Hubertusstock zurück. Die Pürschfahrt Seiner Majestät war den ganzen Tag über von herrlichstem Wetter begünstigt, und die Strecke wies auch an diesem Tage ein erhebliches Resultat auf, da Seine Majestät einen Sechzehnenver, zwei Vierzehnen-
: reibend, trat er fröstelnd heran, um sich zu wärmen.
Auf dem Marmortisch daneben, von der Flamme i röthlich beleuchtet, stand ein silberner Kübel mit Eis, dem ein älterer Herr eben die Champagnerflasche entnommen hatte, um zwei Gläser zu füllen.
„Wir müssen auf eine glückliche Reise und auf ein frohes Wiedersehen trinken," erklärte er seinem jugendlichen Gefährten, „ich habe das Kind fortgeschickt, damit wir noch ein paar ernste Worte mit einander sprechen können, die nicht für ihre Ohren bestimmt sind!"
Die Gläser trafen sich mit einem hellen Klang, und nachdem der Gastgeber sie noch einmal mit dem perlenden Naß gefüllt, ließen sich beide Herren am Kamin nieder. Die Cigarren waren angezündet, der Ranch löste sich in leichten, blauen Ringen davon ab, und noch immer herrschte Schweigen. Es war, als warte ein jeder der beiden darauf, daß der andere beginnen solle.
Als aber der junge Ulan mit einer gewissen eigensinnigen Beharrlichkeit seine Aufmerksamkeit zwischen dem Dampf seiner Cigarre und dem flackernden Kamin- feuer zu theilen schien, da entschied sich sein Gegenüber dafür, das erste Wort zu sprechen.
„Ich habe mich nicht entschließen können, meine Tochter darüber aufzuklären, daß mein Aufenthalt in Indien möglicherweise pd) auf ein bis zwei Jahre ausdehnen könnte, da das Jnordnungbringen meiner Br- Ntzungen, bte mir jetzt dort durch den Tod meines Schwagers zugefallen sind, viel Zeit und Arbeit in An- Ipruch nehmen wird," hob er an. „Die Aussicht auf eine ]o lange Trennung würde bei May einen nicht enden