Abonnementspreis vierteljährlich 1 Mark 40 Pfg. exel. Postausschlag.
Die JnsertionSgebühren betragen für den Raum einer Spaltzeile 10 Pfg., im amtlichen TheUe 15 Pfg. Reklamen die Zeile 20 Pfg. Bei größeren Aufträgen entsprechender Rabatt.
x
Erscheint wöchentlich drei Mal
Dienstag, Donnerstag und Sonnabend.
HersWer Neisblatt
Gratisbeilagen: „Illustrirtes Sonntagsblatt" u. „Allustrirte landwirthschaftliche Beilage
«r. 120
Sonnabend Den 10. Sttoitr
1896
Bestellungen auf das Hersselder Kreisblatt
mit den Gratisbeilagen „Jllustrirtes Sonntagsblatt" un» „Jllustrirte landwirthschaftl. Beilage" für das vierte Quartal 1896 werden von allen Aaiserlicheu Poftanftalten, tandbriefträgern und von der Expedition angenommen.
Die bereits erschienenen Nummern werden nachgeliefert.
Amtliches
$tiltuliiiio und Mnmfnno der Tuberkulose (Uerlsucht, Arauzosenkrankheit) in Rindvieh- und Schmeinedeständen.
(Fortsetzung.)
Beurtheilung der Berwerthbarkeit bei Fleisches tuber kulöser Thiere »um Genusse für Menschen.
Nach bem Ministerial-Erlasse vom 26. März 1892 ist eine gc- sundhkiiSschädliche Beschaffenheit deS Fleisches von tuberkulösen fperb süchtigen) Rindern der Regel nach nur dann anzunehmen, wenn das Fleisch Perlknoten enthält oder daS Thier, ohne daß sich in seinem Fletsche Perlknoten finden lassen, abgemagert ist.
Dagegen ist daS Fleisch eines tuberkulösen Thieres für genießbar (nicht gesundheitsschädlich) zu halten, wenn daS Thier gut genährt ist und
a) die Perlknoten ausschließlich in einem Organe — also nicht im Fleische — vorgefunden werden, oder
b) falls zwei oder mehrere Organe daran erkrankt sind, diese Organe in derselben Körperhöhle liegen und miteinander direkt oder durch Lymphgefäße oder durch solche Blutgefäße verbunden sind, welche nicht dem großen Kreisläufe, sondern dem Lungen- oder PfortaderkreiSlaufe angehören.
7. Tuberkulöse Organe oder gesundheitsschädliches Fleisch geschlachteter tuberkulöser Thiere sind unschädlich zu beseitigen. Dies kann durch Verbrennen oder Vergraben der Organe oder des Fleisches geschehen. Werden die zu beseitigenden Theile vergraben, so sind sie vorher mit gelöschtem Kalk oder mit Karbolsäure oder einem andern übelriechenden Stoffe zu überschütten. Die tuberkulösen Organe oder das gesundheitsschädliche Fleisch tuberkulöser Rinder dürfen weder an Schweine verfüttert, noch auf den Düngerhaufen geworfen werden.
8. Rinder der Gruppe 1 können zwar zu den üblichen Nutzungszwecken gebraucht werden. Es empfiehlt sich aber, sie zu beseitigen, sobald es ohne Nachtherl für die Wirthschaft möglich ist, oder sobald andere Erscher- nungen der Tuberkulose an ihnen zu erkennen sind.
9. Kälber, welche von Kühen der Gruppe 1 geboren werden, sind schon am zweiten Tage nach der Geburt von den Kühen zu^ trennen und im Stalle der Rinder der Gruppe 3 unterzubringen.
. Am elften Tage nach bet Geburt können die Äußer noch an d" Eutern ber Mütter saugen ober mit der frischen Milch getränkt werben, weil der Genuß deS Kolostrums (Biestmilch) für den Ab- »»"g des Darmpechs bei Kälbern nothwendig ist und die etwa dabei batifindende einmalige Aufnahme einer kleineren Menge von Tuberkel- daziUen ohne Schaden ertragen wird.
| , $om zweiten Tage ab dürfen die Kälber nur ge- I l°chte oder sterilisirte Milch erhalten, unb zwar gilt dies I W nur für die Voll-, sondern auch für die später zur | .^'Wendung kommende Magermilch. Das Pasteurisiren I Milch genügt nicht, um in derselben etwa vorhan- | Tuberkelbazillen zu vernichten.
; Kälber von Kühen der Gruppe 1 sind einige Wochen I «ach der Geburt der Tuberkulinprobe zu unterwerfen. I fairen sie auf die Einspritzung des TuberkulinS, so | sie aus dem Stalle der Rinder der Gruppe 3 zu | '"fernen und möglichst bald der Schlachtbank zuzuführen. I , '""d dringend empfohlen, allen Kälbern, auch denen I «üben der Gruppe 3, nach dem Absetzen nur ge- I J e ^ilch zu geben.
10. Zur Zucht sollten nur Bullen benutzt werden, welche auf die Einspritzung des TuberkulinS nicht rea- girt haben. Es ist wünschenswerth, daß für die Kühe der Gruppen 1 und 2 und diejenigen der Gruppe 3, besondere Bullen benutzt werden.
B. Für dieBekämpsung der Tuberkulose in Schweinebeständen genügen folgende Maßnahmen:
1. Wenn Milch, gleichgiltig ob Voll-, Mager- oder Buttermilch an Schweine verfüttert werden soll, so ist sie vorher zu kochen oder zu sterilisiren.
2. Schlamm aus Milchcentrifugen, sowie Organe oder gesundheitsschädliches Fleisch tuberkulöser Thiere dürfen an Schweine nicht verfüttert werden.
3. Die Verwendung schwindsüchtiger Personen zur Wartung und Pflege von Schweinen ist möglichst zu vermeiden.
V. Schlutzbemerkuug.
Die Tilgung der Tuberkulose wird in Beständen, in denen die Zahl der tuberkulösen Rinder gering ist, leichter gelingen, als in Beständen, in denen viele oder fast alle Rinder an der Tuberkulose leiden. Aber auch in den zuletzt erwähnten Beständen dürften die auf Tilgung verwandte Mühe und Zeit durch die Vortheile reichlich belohnt werden, welche der Besitz nicht tuberkulöser Rinder gewährt. Deshalb empfiehlt es sich, beim Ankäufe von Zuchtthieren zunächst weniger auf Rassen- reinheit, als darauf zu achten, daß die Thiere nicht an der Tuberkulose leiden. Dasselbe gilt für den Ankauf von Milchvieh. Im Uebrigen lassen die Ergebnisse der bisher erfolgten Einspritzungen des TuberkulinS erkennen, daß es auch in Deutschland Bestände giebt, welche frei oder beinahe frei von Tuberkulose sind, aus denen also schon jetzt geeignetes Zuchtmaterial bezogen werden kann.
(Schluß folgt.)
Nichtamtliches
Her Zareilbefuch in Frankreich.
Paris, 7. Oktober. In unterrichteten Kreisen versichert man, daß der K a i s e r v o n R u ß l a n d sich im vertraulichen Verkehr sehr gerührt zeigte und seine ganze Genugthuung über die so glänzenden Pariser Festlichkeiten und den so warmen und zugleich so würdigen Empfang seitens der Bevölkerung äußerte. Man ist in diesen Kreisen der Meinung, daß diese Feste sicher dazu beitragen werden, die Union Frankreichs und Rußlands
in dauerhafter Weise zu kitten.
Paris, 8. Oktober. Gestern Abend 7 Uhr fand daS Diner in der russischen Botschaft statt; an demselben harmlose nahmen der Präsident Faure und Frau Faure Theil,
ferner sämmtliche Minister, der Kammerpräsident Briffo», der Senatspräsident Loubet, General Saussier sowie das ganze Gefolge des Kaisers. Nach dem Diner fuhren der Kaiser und die Kaiserin nach dem TheLtre Frantzais, wo sie um 10 Uhr ««langten. Die Galavorstellung daselbst verlief glänzend. Das reich mit Blumen gezierte Haus bot einen wundervollen Anblick; die Ausschmückung der kaiserlichen Loge war in Weiß und Gold gehalten. Die Minister, zahlreiche Deputirte und Senatoren, Generale, frühere Minister und Botschafter waren im Hause anwesend, das eine glänzende Festversammlung füllte. Letztere erhob sich und wandle sich der kaiserlichen Loge zu, als der Kaiser zur Rechten, die Kaiserin zur Linken des Präsidenten Faure in derselben erschienen; zur Rechten des Kaisers befand sich Frau Faure. Mehrere Minuten lang ertönten Händeklatschen und Hochrufe auf deu Kaiser, die Kaiserin und den Präsidenten Faure. Das Kaiserpaar dankte wiederholt durch Verneigen. Der Kaiser trug Gesellschaftsanzug mit dem Großkordon der Ehrenlegion, Präsident Faure den Großkordon des Andreas-Ordens. Die russische Hymne wurde in tiefem Schweigen gehört. Darauf hob sich der Vorhang, und unter lebhaften Beifallsrufen zeigten sich sämmtliche Künstler des ThöStre Fran?ais in rothen Gewändern um die
Büsten Molieres, Corneilles und Racines gruppirt. Der Schauspieler Mounet verlas hiernach ein HuldigungS- gedicht an das Kaiserpaar. Es wurden noch weitere HuldigungSverse deklamirt. Am Schlüsse der Vorstellung wurde die Marseillaise gesungen, welche von dem Kaiserpaare stehend angehört wurde. Das ganze Haus bereitete zum Schlüsse den russischen Majestäten eine begeisterte Huldigung, wofür dieselben lächelnd dankten. Um 12 Uhr war die Galavorstellung zu Ende und die Majestäten kehrten nach der russischen Botschaft zurück.
Gestern ereigneten sich infolge des fürchterlichen Gedränges in den Straßen von Paris wieder zahlreiche Unglücksfälle, doch ist bis zur Stunde von solchen mit tödtlichem Ausgange nichts bekannt geworden. Bei dem Gedränge vor dem „Hotel de Ville" wurden über 100 Personen verwundet, darunter viele Kinder.
Der „Figaro" sagt bei Besprechung der am Dienstag ausgetauschten Trinksprüche: „Die Verträge, welche diese entscheidenden Worte beweisen, sind also nunmehr ausgetauscht, und sie werden sich billiger Weise ergänzen durch die prächtige Truppenschau in Chalons. Aber diese Worte genügen für heute, und sie beweisen, daß Frankreich und Europa auf den Frieden zählen können." Das ,J n w - n a l" erklärt, der Trink- spruch des Zaren im Elys6e werde selbst den unruhigsten Gemüthern ihre Sicherheit wiedergeben. „L a n t e r n e" schreibt: „Die Sprache des Zaren ist von einer Art, welche das lebhafte Vertrauen für, die Zukunft erweckt." Der „Matin" sagt: „Frankreich ist keineswegs an- griffslustig und beklagt immer noch im Stillen die Verluste des Jahres 1870. Aber es ist stark genug, von der Zukunft eine Vergeltung kraft des Bündnisses mit Rußland zu erwarten. Der Zar diktirte der Welt seinen Willen. Also sind auch wir zu dem Glauben berechtigt, daß unsere begründeten Ansprüche fernerhin vor den Augen, unserer Nachbarn nicht mehr für kriegerische und anmaßende Hoffnung gelten." Der „Sied e" hebt hervor, daß beide Trinksprüche die Worte enthalten: „die Bande, welche uns vereinen". Dieser Austausch einer gewiß vorher genau durchdachten Wendung sei ein Beweis, daß zwischen den beiden Regierungen mehr bestehe als eine natürliche Sympathie und mehr als ein unbestimmtes Einvernehmen. Allgemein erblicken die Blätter in den Trinksprüchen den Beweis dafür, daß in der That ein unbedingtes Einvernehmen zwischen den beiden Regierungen besteht.
Ein greller Mißton ist in der Freudensymphonie erklungen, an deren Klängen sich das französische Volk seit drei Tagen berauscht. Donnerstag früh l Uhr, platzte auf dem Concordienplatze ein Geschoß, das der offizielle Polizeibericht allerdings nur als eine
Petarde" bezeichnet, das sie aber doch
wohl nicht als einen „schlechten Scherz" auffaßt, wie sie glauben machen möchte. Denn eine Stunde nach dem unliebsamen Vorkommniß schritt sie zur Verhaftung
der beiden Leiter des Anarchistenblattes „Liberts", Matin und Matta, setzte einen russischen Journalisten namens Feodorow, den die Polizisten aus dem Bette holten, hinter Schloß und Riegel und stellte auch Ver - haftsbefehle gegen zahlreiche Anarchisten aus, die vor einigen Tagen Paris verlassen hatten. Noch in der Nacht wurden in Paris Haussuchungen vorgenommen und Vorkehrungen für eine erhöhte Sicherheit der hohen Gäste getroffen. Die Lage der Polizei wird in den nächsten Tagen, da die Blätter noch von einer zweiten E x p l o s i o n , die sich um 2 Uhr in der Rue Florestan ereignete, wissen wollen, keine be- neidenswerthe sein. Das war sie übrigens auch schon seither nicht. Die Polizisten sind nämlich die einzigen Pariser, die das Zarenpaar nicht zu sehen bekommen. Der Pariser Polizeichef, Herr Lupine, hat sich nämlich von den russischen Geheimwächtern davon überzeugen lassen, daß die Aufgabe der Sicherheitsorgane nicht darin bestehe, eine Ehrenwache für den hohen Besucher abzu- geben, sondern vielmehr über sein Leben zu wachen. Deshalb haben die Straßenschutzleute strengste Weisung erhalten, auf allen von dem Zarenzuge berührten Straßen