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GratisbeilagenIllustrirtes Sonntagsblatt" u.)lluftrirte landwirthschaftliche Veilage^^.

A. II3.Ioiiiikrsllig des 21 Sevtemkr 1886.

Moiiiimifiifs-Jiiisiiiliiiig.

Mit dem 1. Oktober beginnt ein neues Abonnement auf das wöchentlich 3 Mal erscheinende Hersfelder Kreisblatt

mit den Gratisbeilagen

Jllustrirtes Sonntagsblatt" und Jllnstrirte landwirthschaftl. Beilage"

DasKreisblatt" bringt außer den amtlichen Bekanntmachungen zuverlässige Mittheilungen über Er­eignisse in der Politik, Berichte aus dem Areise und der Provinz. Reichhaltige Nachrichten vermischten In­halts bringen alle sonstigen mittheilenswerthen Ereig­nisse des täglichen Sehens zur Kenntnis der Leser. Daneben werden sorgfältig ausgewählte Erzählungen einen weiteren Theil des Lesestoffes bilden.

Die wichtigsten Ereignisse gehen uns durch Telegramme zu und werden wir dieselben nöthigen- falls durch Extrablätter verbreiten.

Der vierteljährliche Abonnementspreis für das Kreisblatt" beträgt t 2Harf 40 pfg

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die Expedition.

Amtliches.

Hersfeld, den 21. September 1896

Diejenigen Herren Ortsvorstände des hiesigen Kreises, welche noch mit Erledigung der Verfügung voM 28. Fe­bruar 1880, I. I. Nr. 2182 (Kreisblatt Nr. 18), die Einzahlung des Forstgeldes an die Königliche Forstkasse betreffend, im Rückstände sind, werden mit F r i st bis zum 30. September d. I hieran erinnert.

Der Königliche Landrath Freiherr von Schleinitz, Geheimer NegierungS-Rath.

Hersfeld, den 21. September 1896.

Die Herren Ortsvorstände zu Allendors, Asbach, Dünkelrode, Eitra, Lampertsfeld, Lengers, Malkomes, Mecklar, Obergei«, Petersberg, Reimboldshausen und Stärklos sind noch mit Erledigung der Verfügung vom 2. Juni d. Js., I. L Nr. 2999 (Kreisblatt Nr. 66), die Revision der Schankgefäße betreffend, im Rückstände und werden mit F r i st bis zum 29. b. Mts. bei Meldung v 0 n 3 M a r k S t r a f e wiederholt hieran erinnert.

Der Königliche Landrath Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.

Nichtamtliches.

Pariser Festrausch.

Noch muß das Wasser reichlich 14 ^age lang die Teilte hinabfließen, bis es den Parisern vergönnt sein ^rd, vor dem Angesicht des Zaren ihrer überschwäng- ^chen Russenbegeisterung freien Lauf zu lassen. Aber ^vn jetzt sind' die Pariser Blätter Tag für Tag mit Berichten über das große Ereigniß angefüllt, das bald °°n seiner politischen, bald von der theatralischen, bald auch das darf bei unsern spottlustigen und Ovalen Nachbarn nicht fehlen von seiner komischen

Politisch liegen ja die Dinge ziemlich einfach. Der

Kaiser von Rußland findet es zweckdienlich, bei seinen Besuchsreisen im Auslande den Präsidenten der franzö­sischen Republik nicht zu übergehen. Vom russischen Standpunkt aus wäre es gewiß politisch unklug gewesen, gerade gegen diejenige Macht nicht höflich zu sein, die, aus welchen Motiven es auch sei, am eifrigsten um die russische Gunst wirbt und in ihrer Willfährigkeit der russischen Politik noch manchen Gefallen erweisen kann. Die Pariser Preffe möchte ihren Lesern gern einreden, daß man sich innerhalb des Dreibunds und besonders in Deutschland vor Aerger und Neid kaum lassen könne. Das Schlimme ist nur, daß alle Beweismittel hierfür fehlen und die französische Selbstgefälligkeit somit in diesem Punkte auf sich selber angewiesen bleibt.

Im Theatralischen, in den dekorativen Künsten, in allem, was festliche Mache heißt, sind unsere Nachbarn Meister. Sie haben sich vorgenommen, etwas noch nie Dagewesenes zu leisten, und sie werden es wohl auch fertig bringen. An Kosten wird nicht gespart. Eine neue Staatskaroffe für 100000 Franken ist im Bau, 100000 Franken erhalten die Komitees der Stadtviertel zur Veranstaltung örtlicher Feste, 200 000 Franken wer­den an die Armen vertheilt, Hunderttausende werden von der Feststraße und dem geplanten Feuerwerk ver­schlungen werden. Der EiffÄthurm soll in eine Reihe von Dauercascaden verwandelt werden, ein phan­tastischer NiagarafaU mit einer Breite von 230 m an der Grundfläche auf der halben Höhe des Thurmes wird ein riesenhafter, flammender heiliger Georg er­scheinen und auf der ganzen Höhe ein russischer Adler im elektrischen Licht seine mächtigen Flügel über das trunkene Paris ausbreiten.

Während so das republikanische Frankreich ganz von dem einen Gedanken erfüllt ist, dem Selbstherrscher Ruß­lands das erdenklich glänzendste Schauspiel zu gewähren, muß die Hauptlasten der unvermeidlichen Spottlust das eigene Staatsoberhaupt, der Präsident Faure, tragen. Soll er im bürglichen Frack erscheinen oder in einem neu ersonnenen Staatskleid, zu Wagen, zu Fuße oder zu Pferde? Die Boulevardblätter bringen einen Ulf nach dem andern über dieses Thema. Eine ernstere Gestalt nimmt die Satire bei den Radikalen und Sozialisten an; ihnen wird die Sache zu bunt.Das französisch­russische Rebus hat schon zu lange gedauert," ruft Roche- fort aus, wir verlangen das Auflösungswort zu kennen (ob nämlich eine Allianz besteht ober nicht und was in dem Vertrage steht), um darnach unseren Enthusiasmus einzurichten!"La Petite Nepublique," das verbreitetste Volksblatt, ermähnt alle guten Bürger, von den Excessen der Kriecherei zu einer für Republikaner geziemenden Haltung zurückzukehren.

Dieser hin und wieder noch durch die Sorge um Attentate und Massenunglücksfälle getrübte Gemüthszu- stand des französischen Volkes, wie er sich jetzt in der Vorbereitung auf den ersehnten Tag des Zarenbesuchs äußert, bietet für den kühlen Beobachter viel Merkwür­diges, für uns Deutsche aber sicherlich nicht den mindesten Anlaß, NeidlingSgefühle zu hegen.

Politische Nachrichten.

Inland.

Berlin, 22. September.

Se. Majestät der Kaiser erfreut sich, wie aus Nominten gemeldet wird, daselbst des allerbesten Wohl­seins. Die gestrige Ankunft desselben in Rominten er­folgte bei strömendem Regen.

DieN. A. Z." schreibt: Aus Beamtenkreisen an uns gerichtete Zuschriften brachten mancherlei Besorgnisse wegen der geplanten Aufbesserung der B e - a m t e u g e h ä l t e r zum Ausdruck. Dem gegenüber sind wir in der Lage, zu versichern, daß kein Grund für die Befürchtung bekannt ist, daß eine Gehaltsauf­besserung nicht auch im Reiche wie für Preußen sollte stattfinden können, und daß die für die preußischen Be­amten geplante Fortführung der Aufbesserung etwa des­

halb scheitern könnte, weil eine solche im Reiche nicht möglich wäre.

Auf dem sozialdemokratischen Partei­tage für Mecklenburg wurden folgende Verhältnisse zur Berücksichtigung bei der Agitation empfohlen: 1. Die Löhne der Frauen, 2. das Hofgängerwesen, 3. die Ge­sindeordnung, 4. das Unwesen mit den Hütejungen und und Kükenmädchen, 5. die in die Willkür der ArbeitS- herren gestellte Dauer der täglichen Arbeitszeit und 6. die unzulänglichen Schul- und Lehrerverhältnisse auf den Rittergütern.

Im Bürgersaale des Berliner Rathhauses hat der Internationale Kongreß für Frauen- werke und Frauenbestrebungen getagt. Ueber 500 Theilnehmerinnen aus den verschiedensten Ländern waren anwesend, besonders stark war Oesterreich, Frankreich, England und Italien vertreten.

Der Verband deutscherGewerkvereine hat in Stuttgart unter zahlreicher Betheiligung von Delegierten der deutschen Gewerbevereine, Gewerbe- kammern und technischen Hochschulen seine fünfte Haupt­versammlung abgehalten. U. A. war auch der Geheime Ober-RegierungSrath Dr. Wilhelmy aus Berlin am mesend.

Ueber den d e « . s ch - r u s s i sch e n Zollkon­flikt meint derHamb. Corr.", daß das Verbot der Lombardirung . russischer Staatspapiere erst in Frage komme, wenn die Bemühungen, die russische Zollverwal­tung zur Zurückziehung der Tarifverschärfungen zu be­stimmen, erfolglos bleiben würden.

Der Chef des Versicherungswesens in Schweden und Dezernent für die dort geplante ArbeiterversicherungS- gesetzgebung, Prof. Dr. L i n d st e d t, hält sich gegen­wärtig zum Studium der Reformvorschläge für die Arbeiterversicherung in Berlin auf.

In Bayern sind in der letzten Woche wiederum un­gefähr 30 Haberfeldtreiber gesänglich eingezogen worden. Weitere Verhaftungen stehen bevor. Der als Haberermeister verhaftete Bürgermeister von Sauerlach bot 80 000 M. Kaution, ist aber nicht freigelassen worden.

Das zu erwartende Defizit der Berliner Gewerbe-Ausstellung ist von dem Berliner Stadtverordneten Rosenow, einem Mitgliede des Aus­schusses, auf mindestens 20 Prozent des Garantiefonds geschätzt worden. Zugleich gab Herr Rosenow der Hoff­nung Ausdruck, daß der Magistrat die Wiederherstellung des Treptower Parkes nicht verlangen und die hierzu erforderliche bedeutende Ausgabe dem Unternehmen er­sparen werde.

Die englischen Agitatoren haben bei uns kein Glück. Wie aus Hamburg und Bremen sind sie auch aus Oldenburg, wo sie die seemännischen Arbeiter aufwiegeln wollten, ausgewiesen worden.

Ausland.

(Ankunft des Z a r e n p a a r e s in England.) L e i t h, 22. September. Der Prinz von Wales, der Herzog von Connaught, der russische Botschafter von Staal und das Gefolge begaben sich am Vormittag 11 Uhr an Bord eines Dampfers, um der russischen Kaiser - AachtStandard" entgegenzniahren, welche mit dem Kaiser und der Kaiserin von Rußland kurze Zeit später eintraf und unter den Salutschüssen der Artillerie der englischen Flotte Anker warf. Die englischen Prinzen und der Botschafter von Staal begaben sich an Bord desStandard," wo sie mit dem Kaiser und der Kaiserin das Frühstück einnahmen. Die Begrüßung zwischen den Majestäten und den Prinzen war eine überaus herzliche. Der Kaiser und die Kaiserin von Rußland verließen dann denStandard" und begaben sich an Bord des DampfersTantallou Castle." Dieser führte die Maje­stäten durch die Linien des Geschwaders, dessen Schiffe den BegrüßungS-L-alut abgaben. Der Kaiser und die Kaiserin gingen um 13/4 Uhr an Land; die Truppen präsentirten, die Musik spielte die russische National­hymne. Trotz der regnerischen Witterung war eine zahlreiche Zuschauermenge anwesend, welche die Maje­stäten mit großem Enthusiasmus begrüßte.