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Gratisbeilagen:Illustrirtes Sonntagsblatt" u.Jllnstrirte landwirthschaftliche Veilage^^.

Nr. ^11. Somiabtuh iltn 19. ©tDteutber 1896.

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DasKreisblatt" bringt außer den amtlichen Bekanntmachungen zuverlässige Mittheilungen über Er­eignisse in der Politik, Berückte aus dem Kreise und der Provinz. Reichhaltige Nachrichten vermischten In­halts bringen alle sonstigen mittheilenswerthen Ereig­nisse des täglichen Sehens zur Kenntniß der Leser. Daneben werden sorgfältig ausgewählte Erzählungen einen weiteren Theil des Lesestoffes bilden.

3M& Die wichtigsten Ereignisse gehen uns durch Telegramme zu und werden wir dieselben näthigen- falls durch Extrablätter verbreiten.

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die Expedition.

Amtliches.

Unter dem Rindvieh des Gutsbesitzers Weitemayer zu Gethsemane ist die Maul- und Klauenseuche ausge­brochen.

Gethsemane, den 17. September 1896.

Der Bürgermeister Heiner.

Politische

Inland.

Berlin, den 17. September.

Ihre Kaiserlichen M a j e st ä t e n machten gestern Nachmittag eine gemeinsame Spazierfahrt und ; nahmen um 5 Uhr den Thee in der Villa Jakobs bei ; Potsdam ein. Zur gestrigen Frühstückstafel im Neuen Palais waren der Chef des Geheimen Zivilkabinets, Wirklicher Geh. Rath Dr. v. Lukanus, und der Finanz- | minister Dr. Miguel mit einer Einladung beehrt worden. ; Zur Abendtafel war der außerordentliche Gesandte und bevollmächtigte Minister aus Kairo, Graf Wolf Metter- ; nich geladen. Heute früh unternahmen Ihre Maje- ftäten einen gemeinsamen Spazierritt in- die Umgebung des Neuen Palais. Von demselben zurückgekehrt, em- . ^ug Se. Majestät der Kaiser um 9*/^ Uhr den Minister

Innern, Freiherrn von der Mette von der Horst und um 10 Uhr den Kriegsminister, Generallieutenant v°n Goßler zum Vortrage und arbeitete längere Zeit dem Chef des Militärkabinets, General v. Hahnke.

. Der K a i s e r hat an den König von Sachsen in "nem Handschreiben die lebhafteste Anerkennung über den vortrefflichen Zustand des 12. (königlich sächsischen) Armeekorps ausgesprochen. Von den Manövern sagt er Kaiser u. A ,Sie gaben beredtes Zeugniß davon, der so vielfach erprobte FeldherrnbUck Eurer Ma- ellät unausgesetzt und zielbewußt zum Wohle des ge- ammten Vaterlandes auf feinen Kriegern ruht und der "st der Väter in ihnen fortlebt!"

Auf das an Se. Majestät den Kaiser gerichtete AUldrgungstelegramm des Gustav Adols-Vereruö

Nachfolgende Antwort eingegangen:Se. Majestät

| der Kaiser und König haben Allerhöchst Sich über die telegraphische Begrüßung der 49. Hauptversammlung des evangelischen Vereins der Gustav-Adolf-Stiftung herzlich gefreut und wünschen der treuen Arbeit des Vereins auch ferner des Allmächtigen Schutz und reichsten Segen. Auf Allerhöchsten Befehl v. Lucanus, Geh. Kabinetsrath."

Die Aeußerungen der Presse über den imReichs- Anzeiger" veröffentlichten Entwurf eines Gesetzes, betr. die Abänderung von Arbeiter-Versicherungs­Gesetzen, gehen mehrfach von der irrigen Annahme aus, daß eine umfassende Revision der Üufallversiche- rungsgesetze nicht mehr in Aussicht genommen sei und die Abänderung dieser Gesetze auf die in jenem Entwurf vorgesehene Vereinigung einiger Reihen von Unfall­schiedsgerichten mit den Schiedsgerichten für die Jnva- liditäts- und Altersversicherung beschränkt werden solle. Wir werfen, schreibt dieN. A. Z.", demgegenüber da­rauf hin, daß sicherem Vernehmen nach die Berathungen des Bundesraths über den ihm im Jahre 1894 vorge­legten eingehenden Entwurf einer Novelle zu den Un­fall-Versicherungsgesetzen inzwischen so weit gefördert worden sind, daß ihr Abschluß schon in nächster Zeit zu erwarten sein dürste.

Der Reichskanzler Für st zu Hohenlohe ist nach Aussee abgereist.

Bezüglich der Schuldentilgungsvorlage, über welche der nächste preußische Landtag berathen soll, schreibt derHamburgische Korrespondent": Der Finanz- minister fei nicht der Mann, den das Vorhandensein von Einnahmeüberschüssen zu entbehrlichen Ausgaben verführen könnte. Die Andeutungen, als ob Finanz- minister Miguel das berührte Mittel nur ersinne, um einen Widerspruch gegen die Konvertirungen im Keime zu ersticken, beruhten auf Ueberteibungen. Dem Land­tage würde die Kouvertirungsvorlage gleichzeitig mit dem Etat Anfangs Januar zugehen.

Die Vorarbeiten für die Betheiligung Deutsch­lands an der Pariser Weltausstellung nehmen, wie diePost" mitlheilt, einen ruhigen, aber stetigen Verlauf. Der Reichskommissar Dr. Richter be­absichtigt, sich in den nächsten Tagen nach Süddeutsch­land zu begeben, um mit den Regierungen in dieser Frage Fühlung zu nehmen, theils auch um sich mit den einzelnen Großindustriellen zu besprechen.

Der englische Arbeiterführer Tom Mann von der Londoner Sailors, Dockers and Fireman Union, der am Dienstag Abend in Hamburg vor einer großen Versamm­lung der Hafenarbeiter sprechen sollte, sowie dessen nor­wegischer Genosse Fehr erhielten einen Au s w ei i u n ge­be fehl und wurden am selben Abend zugleich mit dem am Tage vorher ausgewiesenen Sekretär derselben Union, Buzzo, nach London eingeschifft.

In Königsberg haben, wie dieK. Hart. Z." erfährt, in letzter Zeit von drei Gymnasien ungefähr 60 Primaner wegen Theilnahme an verbotenen Schüler- Verbindungen entlassen werden müssen.

Auslanv.

Die von den Türken gefangen genommenen mace- dänischen Aufständischen werden als Briganten vor die gewöhnlichen Gerichte gestellt werden. Diese Nach­richt ruft, wie aus griechischer Quelle berichtet wird, unter der makedonischen Bevölkerung lebhafte Erregung hervor.

In Kopenhage n verhaftete gestern die Polizei als Anarchisten einen früh mit einem Dampfer aus Stettin eingetroffenen Reisenden, der angeblich in Leip­zig geboren ist.

Durch die gleichzeitige Verhaftung von englischen Anarchisten in Rotterdam, Boulogne und Glasgow ist nunmehr festgestellt, daß die in der Autwerpener Vor­stadt Berchem aufgedeckte Werkstätte jur Herstellung von Bomben den Zwecken eines weitgehenden Komplotts dienen sollte. Es scheint festgestellt zu sein, daß von Antwerpen aus in neuester Zeit angefertigtes Spreug- material nach Rotterdam an Kearney und Wallace ge­schickt worden. Letztere sollten mit Tynan in Boulogne Zusammentreffen, um angeblich die Bomben nach Eng­

land oder Schottland zu befördern. Die Londoner Ge­heimpolizei hat an die Presse folgende Notiz gelangen lassen:Die Verschwörung ist in Amerika gebildet wor­den. Wir wissen, daß beabsichtigt war, eine Anzahl von Bombenverbrechen in England und möglicherweise in Irland zu begehen. Wir wissen, daß vor zwei Monaten eine geheime Versammlung in New-Dork abgehalten und daß damals der Plan im Einzelnen ausgearbeitet wor­den ist. Ich kann so weit gehen, zu sagen, daß Nitro- glyzerin zur Verwendung kommen sollte. Die Bomben sollten nicht Schrecken erregen, sondern tobten. Eine Gesellschaft von etwa zehn Personen war ausersehen worden, die Verbrechen auszuführen; sie traf vor etwa einem Monat in Paris zusammen." Was den in Bou­logne verhafteten Fenier Tynan betrifft, so geht heute in London das Gerücht, er sei es gewesen, der die Dynamitverschwörung der Polizei verrathen habe, und er werde in dem bevorstehenden Prozeß nicht als Ange­klagter, sondern als Kronzeuge austreten. DerKöln. Ztg." wird über Tynan aus Boulogne unterm 16. d. Mts. geschrieben:Der Unterstaatsanwalt hat in Be­gleitung eines britischen Geheimpolizisten und zweier vereidigter Uebersetzer die Persönlichkeit Tynans festge­stellt. Letzterer ist sehr ruhig und verwahrt sich gegen seine Einsperrung. Er gesteht zu, daß er sich am 6. Mai 1882 im Phönix Park in Dublin befunden hat, behauptet jedoch, von der Ermordung des Lords Frede- rick Cavendish und Bourkes nichts gesehen zu haben. Er hofft, daß die französische Regierung, die im Jahre 1883 die Auslieferung von zwei Leuten, die der Mit­schuld an diesem Verbrechen verdächtig waren, verweigert hat, das heurige Gesuch in derselben Weise bescheiden wird. Er erklärt sogar, sich am Freitag nach Amerika einschiffen zu wollen, um sich zu seiner Familie zu be­geben."

In Rußland soll im nächsten Jahre die erste all­gemeine Volkszählung stattfinden. Diese Zählung ist nicht für die Berufsstatistiker ein Ereigniß ersten Ranges, sondern verdient wegen ihrer kulturellen Bedeutung all­gemeine Beachtung. Bisher ist es noch niemals möglich gewesen, die Bevölkerung des russischen Reiches auch nur einigermaßen genau festzustellen.

Der Zar hat dem Chef des Hauses Rothschild in Paris, Baron AlphonS Rothschild das Groß­kreuz des Weißen Adlerordens verliehen. Diese Aus­zeichnung hängt offenbar mit den großen russischen An­leihen zusammen, die unter der Führung des Pariser Hauses Rothschild untergebracht wurden.

Die französische Nation wird noch manchen Tropfen Wasser in ihre überschäumenden Becher gießen müssen. Legt sich doch schon die soeben gemachte Entdeckung des nihilistisch-anarchistischen, muthmaßlich gegen den Zaren gerichteten Komplotts wie ein dunkler Schatten auf ihre rauschenden Veranstaltungen zu Ehren der russi­schen hohen Gäste. Haben bei jenem ruchlosen Versuche auch nur die Anhänger der großen internationalen Welt­verschwörung ihre Hände im Spiel, und mögen die in Boickogne, Antwerpen, Rotterdam und Glasgow Verhaf­teten zum Theil nur die Zwecke der irischen Fenier haben fördern wollen, so wird der junge russische Kaiser sich doch schwerlich verhehlen, daß ein Staat, wenn er sich wie Frankreich so bedenklich den radikalen Bahnen nähert, einen ergiebigen Boden für alle politischen Um­triebe und so auch für das seinen eigenen Thron be­lagernde Verbrecherthum bildet. Solche kühlen Er­wägungen leisten aber hochgeheuden Erwartungen chau­vinistischer Gemüther sicherlich keinen Vorschub.

Aus Paris wird gemeldet: DerJutransigeant" versichert aus bester Quelle zu wissen, der Zar habe eine Depesche erhalten in der ihm eine Verschlimmerung des Gesundheitszustandes des Zarewitsch Georg gemeldet werde. Gerüchtweise verlautet, der Zar werde den Grundstein zur Weltausstellung von 1900 in Paris legen, obgleich das offizielle Festprogramm hiervon nichts erwähnt.

In K o n it a n tinopeI ist die Beunruhigung wieder eine lebhaftere geworden. Gestern entstand in