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Gratisbeilagen:Illustrirtes Sonntagsblatt" «.Zllustrirte landwirthschaftliche Beilage".

A. 11V. I-Nerstliz hn 17. Schtmber 1888.

Amtliches.

Hersfeld, den 15. September 1896.

Zufolge Anordnung des Herrn Negierungs-Präsidenten wird wegen Ausbruches der Maul- und Klauenseuche in der Gemeinde Nemsfeld sowie der Scharfsmühle bei Homberg über sämmtliches Klauenvieh Rindvieh, Schafe, Ziegen und Schweine der an der Hersfeld- Homberger Straße gelegenen Gemeinden von heute ab auf die Dauer von 14 Tagen die Sperre ver­hängt.

Innerhalb dieser Frist muß alles Klauenvieh inner­halb der Gemarkung bleiben, in der es sich zur Zeit befindet. Das Treiben von Klauenvieh über die Feld­marksgrenze hinaus ist verboten.

Ebenso ist der Durchtrieb von Klauenvieh aus an­deren Ortschaften durch das Sperrgebiet verboten.

Diese Bekanntmachung ist alsbald auf ortsübliche Weise in den Gemeinden zu veröffentlichen.

J. I. Nr. 5131. Der Königliche 'Landrath

Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.

Hersfeld, den 16. September 1896.

Nach § 20 der mit dem 1. April d. Js. in Kraft getretenen neuen Dienstanweisung für die Rechnungs- sührer der Landgemeinden des hiesigen Kreises hat die Einreichung der Rechnung an die Aufsichtsbehörde spä­testens bis zum 1. Oktober eines jeden Jahres zu erfolgen, worauf ich die Herren Ortsvor­stände bezüglich der 1895/96er Gemeinde-Rechnung hier­durch aufmerksam mache.

Der Königliche Landrath Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.

Hersfeld, den 14. September 1896.

Im Verlag von G. D. Baedeker zu Essen ist vor kurzem ein Schriftchen erschienen betitelt:

Die Ernährung und U n t e r ha l t u ng d e r Z i e g e als Milchthier des kleinen Mannes. Von Dr. E. Kloepfer, Direktor der landwirthschaft- lichen Schule Ketlwig (Ruhr). Preis in elegantem Umschlag 40 Psg. In Partien von 100 Exem­plaren an 30 Psg.

Der Verfasser, ein auf dem landwirthschaftlich-socialen

schwere Kämpfe.

Roman von J. P i a.

(Fortsetzung.)

»Wie ist er? Bitte, sagen Sie ihn mir, Fräulein Haller," bat Elfriede eifrig.

Margarethes Verwirrung steigerte sich, und stotternd erwiderte sie:

Christ Christine."

Welch reizender Name!" rief das junge Mädchen. Und ich liebe ihn ganz besonders, weil er dem meiner Mutter so ähnlich ist. Sie hieß Christa. Und wie Mjjt sie weiter?"

Die alte Dame hatte inzwischen ihre Fassung wieder gewonnen und entgegnete mit ruhiger Würde:

.Mein Kind, Schwester Anna zieht es vor, nur unter dem angenommenen Namen bekannt zu sein. Ich habe ^u^ zwar nicht verpflichtet, ihren wahren Namen ge= Heim zu halten, aber ich weiß, daß es ihr nicht ange- uehm sein würde, wenn ich ihn verriethe."

@6 folgte ein kurzes Schweigen.

Ich freue mich unendlich, mehr als ich Ihnen sagen ^nn," hob Fräulein Haller nach einer Weile wieder^an, "daß Sie Schwester Anna so lieb gewonnen haben.

, »3«, es ist seltsam," entgegnete Elfriede sinnend, wie es mich vom ersten Augenblick an zu ihr hinzog.

Das sind Gefühle, mein Kind, die sich nicht erklären Das aber kann ich Ihnen sagen, Ihre Liebe ist bester Anna ein unendlicher Trost." -

Gebiete durch Schrift und Rede bewährter Fachmann hat in diesem Werkchen in gemeinverständlicher Form die rationelle Haltung und Pflege der Ziegen und deren Milchleistung erläutert. Die hier niedergelegten Lehren stützen sich meist auf eigne Beobachtungen.

Interessenten des Kreises wird die Beschaffung dieser Vrochüre empfohlen, auch steht nichts dagegen zu er­innern, wenn die Anschaffung je eines Exemplars aus Gemeindemitteln seitens der Herren Ortsvorstände erfolgt. I. I. Nr. 5090. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.

Hersfeld, den 15. September 1896.

Diejenigen Herren Ortsvorstände, welche noch mit Erledigung der Verfügung vom 15. April 1896 I. I. Nr. 4578, Kreisblatt Nr. 46, die Körung der Zuchtbullen betreffend, im Rückstände sind, werden mit F r i st bis zum 3 0. d. M t s. hieran erinnert.

Der Königliche Landrath Freiherr von Schleinitz, Geheimer Negierungs-Rath.

Gefunden: auf der Straße zwischen BeierShausen und Niederaula ein kleines Körbchen mit Halstuch und Schürze. Der Eigenthümer kann solches bei dem Bürgermeister Nuhn in Niederaula im Empfang nehmen.

Ilichtamltiches.

Ein Mordanschlag auf den Zaren?

In Barchem bei Antwerpen, in Rotterdam, in Bou- logne und in Glasgow sind in diesen Tagen Anarchisten verhaftet worden, die, wie aus deu vorgefundenen Schrift­stücken hervorgeht, mit einander in Verbindung standen. Ihr Hauptquartier war in Barchem. Hier hatten sie ein Haus gemiethet, um Bomben und andere Explosiv- körper herzustellen. Von der Polizei wurden mehrere fertige Sprengstücke beschlagnahmt.

Es wird angenommen, daß ein Attentat auf den Zaren geplant war. Dies wird daraus geschloffen, daß die Verschwörer auch mit russischen Nihilisten im Schrift­wechsel standen. Vermuthlich sollte das Attentat auf französischem Boden ausgeführt werden. Darauf deuten Schriftstücke hin, die bei dem in Boulogne verhafteten

Wilhelm Rainer erhielt vom Baron von Hollwang stets in kurzen Zwischenräumen Nachricht.

Die Briefe sprachen nicht von dem großen Verlust, nicht von dem herben Schmerz, nicht von dem Gefühl der Einsamkeit, welches den Schreiber verfolgte, wohin er auch ging, sondern sie erzählten von seinen Reisen, von allem, was er gesehen und erlebt halte.

Zuweilen ließ sich Frau von Hollwang sehen; dann auch, doch nicht sehr häufig, besuchte Elfrieve sie in ihrem Häuschen. Die alte Dame liebte das junge Mädchen. Ihre Schönheit erregte ihre Bewunderung, ihre ruhige, anmuthige Würde entzückte sie, und so war Elfriede dort jederzeit ein gern gesehener Gast.

Anton Mervinger kam selten, und Elfriede fing an zu hoffen, daß er seine Liebe zu ihr vergessen werde.

Weder er noch Wilhelm Rainer waren unter den Ar­beitern beliebter geworden. Letzterer hatte sein Augen­merk abermals auf die neue Maschine gerichtet, die im vergangenen.Herbst eine solche Empörung machgerufen. Rainer hatte sich nun einmal fest vorgenommen, der Erste am Orte zu sein, der die neue Maschine arbeiten ließ, und Mervinger zeigte sich dabei als sein treuer Verbündeter. Eines Abends, als die ersten Sommer­blumen den Garten durchdufteten, kam Rainer später nach Hause als gewöhnlich, und zwar mit der Nachricht, daß die neue Maschine mit all ihren komplicirten Theilen in der Fabrik aufgestellt sei und die Arbeiter, vom jüng­sten bis zum ältesten hinauf, Männer sowohl als Frauen, sämmtlich gestreikt hätten.

Die Neuigkeit erfüllte Clotilde mit großem Unwillen.

Anarchisten Tyron, dem Urheber des Attentats im Lon­doner Phönixpark im Jahre 1882, und bei dem in Glasgow verhafteten Anarchisten Bell gefunden wurden. Darnach hat Tyron seinen Mitverschworenen Bell ver­schiedentlich aufgefordert, nach Boulogne zu kommen. Hierzu kommt noch der Umstand, daß die in Rotterdam festgenommenen Anarchisten sich bemüht hatten, sich zwei Plätze auf einem an diesem Donnerstage nach New-Aork gehenden Dampfer, der in Boulogne anlegt, zu sichern.

Alle diese Momente scheinen in der That darauf hinzuweisen, daß es sich um einen Mordanschlag gegen das Leben des Zaren handelt. Daß gerade Frankreich als Schauplatz des Attentates gewählt sein soll, darf nicht Wunder nehmen. In Frankreich sind die nihilistisch­anarchistischen Elemente zahlreich vertreten. Sie genießen namentlich in Paris die größte Bewegungsfreiheit, weil die republikanische Staatsform der Regierung und der Verwaltung nicht die nöthige innere Kraft verleiht, ihnen entschieden entgegenzutreten. In einem kraftvoll regierten monarchischen Staate sind die Bedingungen für anarchistische Mordthaten in der Menge, wie sie von den Anarchisten in Paris während der letzten Jahren verübt sind, weniger günstig.

Dieses Komplott gegen den Zaren falls es sich hier um ein solches bündelt ist dank der Wachsamkeit der Behörden auswärtiger Staaten glücklicherweise früh­zeitig entdeckt worden. Einer etwaigen Wiederholung hat die französische Regierung selbst vorzubeugen. Na­mentlich ist die Verantwortlichkeit, welche auf den Pa­riser Polizeichef während des Zarenbesuchs in Paris fällt, sehr groß.

Nachrichten.

Inland.

Berlin, 15. September.

Se. Majestät der Kaiser unternahm heute früh einen Spazierritt in die Umgebung des Neuen Palais und arbeitete nach dem Neuen Palais zurückgekehrt längere Zeit mit dem Chef des Militärkabinets, General v. Hahnke. Um 11 Uhr vormittags empfing der Kaiser den Reichskanzler, Fürsten zu Hobenlohe- Schillingsfürst, zum Vortrage. Die Frühstückstafel fand im Neuen Palais um 1Uhr statt. Zu derselben

Mit dem vorgerückten Alter erschlafften ihre Nerven, und die eiserne Willenskraft, welche sie früher auszeich- nete, erlahmte. Sie gedachte all der schrecklichen Be­richte, welche sie über Streiks gelesen und gehört hatte, und erwartete nicht Geringeres, als eine Rotte verzwei­felter Männer, Frauen und Kinder, welche erst das Mühlenwerk bis auf den Grund niederbrennen, dann Wilhelm, Elfriede und sie aus dem Hause treiben und alles zerstören würden, was darin zu zerstören war. Die schrecklichsten Träume störten ihre Nachtruhe. Tag für Tag suchte sie ihren Bruder zu überreden, daß er die Fabrik verkaufe und irgendwo anders hinginge, gleich­viel wohin, nur weit fort von hier.

Doch vergebens. Zum ersten Male in feinem Leben hatte Wilhelm ein taubes Ohr für die Rathschläge und warnenden Worte seiner Schwester.

Weder der Herr noch die Arbeiter wollten nachg^ben; einzelne der Leute fanden in anderen Fabriken Beschäf­tigung, andere ergriffen, was sich ihnen gerade bot während des Sommers und Herbstes gab es in den Gärten und auf den Feldern Arbeit genug und noch andere, die es vorzogen, mit der Pfeife im Munde und den Händen in den leeren Taschen durch die Gaffen und Landstraßen zu ziehen, lebten von den kleinen Münzen, die ihnen ihre fleißigeren und besser gestellten Mitmenschen reichten.

Ein paar Monate lang wartete Wilhelm Rainer ge- oulbig, daß sie wiederkommen sollten, obgleich ihm der Stillstand der Maschinen sehr empfindlichen Schaden that; schließlich aber dauerte ihm die Halsstarrigkeit