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t$Wt meisblatt.
Gratisbeilagen: „Illnftrirtes Sonntagsblatt" n. „)llnstrirte landwirthsehaftliche Beilage".
lir. Iß?. Sonnerftng K» 10. September 1888.
Amtliches.
Hersseld, den 7. September 1896.
Zur Regelung der Anmeldung der Betriebsveränderungen sind von deni Vorstand der Hessen-Nassauischen landwirthschastlichen Berufsgenossenschaft anderweite Bestimmungen getroffen worden, welche den voraussichtlichen Bedürfnissen und den für die Abschätzung der Betriebe jetzt geltenden Einheitssätzen 2C. entsprechend sind.
Für die Anmeldung des Personenwechsels, sowie der Betriebs-Einstellungen, Eröffnungen und Veränderungen ist unter Aufhebung der im Ausschreiben vom 9. Oktober 1891, Kreisblatt Nr. 124, bezeichneten 4 Formulare fortab nur e i n Formular (Formular A 7) vorgesehen, in welchem gemäß Ziffer II des zweiten Statut-Nach- trags vom 9. April 1895 alle Anzeigen z u Protokoll des Bürgermeisters zu erstatten sind.
Den Herrn Ortsvorständen des Kreises werden in Kürze je 3 Stück dieser Formulare (für 3 Jahre ausreichend) zugehen. Nach Empfang derselben ist durch ortsübliche Bekanntmachung in den Gemeinden auf die für Betriebsveränderungen bestehende Anzeigepflicht (siehe Ausschreiben vom 6. Juni 1889 I. A. Nr. 550, Kreisblatt Nr. 71) wiederholt hinzuweisen und sodann jede zur Anmeldung kommende Betriebsveränderung unter Abschnitt A. B. C. oder D. nach lfd. Nr. in das Formular einzutragen, auch von dem Anzeigenden in der dazu bestimmten Rubrik durch Namensbeischrift die Anmeldung vervollständigen zu lassen.
Das Protokoll-Formular über die das Jahr hindurch so gesammelten Anmeldungen der Betriebsveränderungen ist sodann bis s p ä t e st e n s zum 2 0. Noveinber jeden Jahres an den Unterzeichneten einzureichen.
Im Terminkalender ist hiernach das Erforderliche zu wahren.
Der Sektionsvorstand:
Freiherr von S ch l e i n i tz.
A. Nr. 2082.
WchlamMches.
AHerW Friedrich Bon Wen.
Zu seinem 70. Geburtstage, 9. September.
Großherzog Friedrich von Baden feiert heute unter freudiger und herzlicher Theilnahme seines Volkes und des gesammten Deutschen Reiches seinen 70. Geburtstag. Was diesem Fürsten die einmüthige Verehrung aller Deutschen verschafft hat, das ist die allbekannte Thatsache, daß er ein echter deutscher Fürst ist, dem keine Fürstentugend fehlt, die das Herz des Volkes gewinnt. Er weiß Ernst und Milde zu paren, ein Bild der deutschen Treue, auf die man sich verlaffen kann, und ist Don einer Leutseligkeit, die selbst dem geringsten in im- mer gleicher Freundlichkeit begegnet. Kein Fürst hat, wie er, zur Einheit des Deutschen Reiches mitgewirkt. Unerschütterlich stand er zu den drei Kaisern, mit denen er auch verwandtschaftlich innig verbunden war.
So lange ein Deutscher lebt, wird es unvergefsen bleiben, daß Großherzog Friedrich von Baden eS war, der nach der Kaiserproklamation im Schlöffe zu Versailles am 18. Januar 1871 das erste Hoch auf den Neuen deutschen Kaiser ausbrachte. Von da an ist er einer der ersten Rathgeber im Kreise der deutschen Fürsten geblieben. An allen nationalen Angelegenheiten hat er den regsten Antheil genommen. Kaiser Friedrich konnte von ihm das schöne Wort sagen: „Vorauszu- schreiten mit großem und gutem Entschluß ist ein Anrecht des erlauchten Zähringer Hauses!" .
. Wie kaum ein anderer Fürst hat Großherzog Friedrich dahin gewirkt, dem Reichsgedanken im Herzen seiner Unterthanen festen Boden zu bereiten. Auf seine Ver
anlassung wurde in den Schulen die Pflege des Patriotismus in den Vordergrund gestellt. Bekannt sind auch seine von warmer Vaterlandsliebe getragenen Ansprachen an die früheren Angehörigen des Heeres, an die Mitglieder der Kriegervereine, bie. überall, wo Deutsche wohnen, einen tiefen Eindruck hinterlaffen haben.
Auch um das deutsche Heer hat sich Großherzog Friedrich große Verdienste erworben. Er war der erste süddeutsche Fürst, welcher nach dem Jahre 1866 neben der politischen Einigung auch die militärische durchzu- sühren bestrebt war. Die badische Armee wurde nach preußischem Muster eingeiichtet, die allgemeine Wehrpflicht eingeführt. Seit dem Jahre 1877 fand Großherzog Friedrich durch seine Ernennung zum Generalinspekteur der 5. Armeeiuspektion noch mehr Gelegenheit, seine Thätigkeit auf militärischem Gebiete zu ensalten. Die Feldübungen besuchte er in Elsaß-Lothringen wie in Baden, lernte durch Besuche in sämmtlichen Garnisonen des Reichslandes die Truppen und das Land näher kennen. Namentlich bei der Bevölkerung des Elsaß, welche eines Stammes mit den meisten Badensern ist, erfreut sich der Großherzog aufrichtiger Beliebtheit.
Wenn das badische Volk bin heutigen Tag besonders festlich begeht, so ist das mit in der Fürsorge begründet, die Großherzog Friedrich für seine Unterthanen in so reichem Maße bewiesen hat. In Bezug auf Wohl- fahrtsbestrebungen für Arme und Geringe ist durch das Beispiel und die praktische Förderung des Großherzoglichen Paares in Baden Bewundernswerthes geleistet worden. Schon 1870 war das erste Arbeiterschutzgesetz in Kraft getreten, das Kindern und jugendlichen Arbeitern weitgehenden Schutz gewährte und ihre Ausbeutung verhinderte. Durch wohlthätige Fürsorge des Großher- zogs und seiner Gemahlin erwuchsen überall Anstalten zum Besten der Kranken und Armen, welche wesentlich dazu beigetragen haben, die allgemeine Zufriedenheit der Bevölkerung zu heben. Warmherzig begrüßte er die Sozialreform, die unter Kaiser Wilhelm dem Großen und seinem Kanzler Fürsten Bismarck zum Vortheil der wenig bemittelten Klaffen eingeführt wurde. Arbeiter- bildungsvereine, in denen lernbegierige Arbeiter sich zu- sammensanden, wurden unter seiner Regierung thatkräftig gefördert und unterstützt, und die badischen Arbeiter haben sich staatstreu und ihres Wahlspruches: „Arbeit, Ehre, Vaterland" würdig erwiesen.
Baden, welches so leicht durch konfessionelle Kämpfe zerrissen wird, verdankt es der Religiosität, Weisheit i und Duldsamkeit seines gegenwärtigen Fürsten, daß der i vorhandene Gegensatz nicht zu erbitterten Kämpfen führt, sondern daß das Volk einmüthig zu seinem Landesherrn steht.
Möge der Allmächtige über ihm walten mit seiner Gnade! Gott schütze und segne ihn und sein Haus!
Politische Nachrichten.
Inland.
Berlin, 8. September.
Die P a r a d e ü b e r das 5. A r m e e k o r p s bei MoyS ist äußerst glänzend verlaufen. Auf den Straßen, welche die Majestäten zu passiren hatten, waren Triumphbogen errichtet, die mit Tannenreisern festlich geschmückt waren. Dichtgedrängte Volksmassen säumten die Straßen zu beiden Seiten. Kurz nach 11 Uhr erschienen Ihre Majestäten die Kaiser Wilhelm und Nikolaus zu Wagen stiegen in Mops zu Pferde und ritten sodann die Fronten der Truppen ab. Beide Kaiserinnen folgten in sechsspännigem Wagen. Bei dem sich hieran anschließenden Vorbeimarsch führte Kaiser Wilhelm das Grenadier- Regiment König Wilhelm I. und das Leib-Kürassier- Negiment dem Kaiser Nikolaus vor, während dieser an der Spitze des Ulanen-Regiments Kaiser Alexander III. vor Kaiser Wilhelm desilirte. Der erste Vorbeimarsch der Kavallerie und der Artillerie erfolgte im Trabe; der zweite Vorbeimarsch geschah von der Kavallerie und der Artillerie im Galopp. Se. Majestät Kaiser Wilhelin
führte die oben genannten beiden Regimenter dem Kaiser Nikolaus nochmals vor. Als beide Monarchen sich an die Spitze ihrer Regimenter setzten, brach das überaus zahlreiche Publikum in stürmischen Jubel und dreifache Hurrahs aus. Hierauf hielt Se. Majestät Kaiser Wilhelm die Kritik ab und nahm Meldungen entgegen. Inzwischen formirte sich das Armeekorps nochmals in zwei Treffen in der Richtung der Abmarschstraße. Beide Kaiser ritten nochmals die Fronten ab; die Kaiserinnen passirten nochmals im Wagen. Die Kapellen spielten die russische Hymne, die Truppen präsentirten. Seine Majestät der Kaiser und der Kaiser von Rußland kehrten vom Paradefelde an der Spitze der Fahnenkompagnie und Standarteneskadron um 2 3/4 Uhr nach der Stadt bis zu dem Ständehause zurück. Se. Majestät der Kaiser ritt links von dem Kaiser von Rußland, rechts von demselben der kommandirende General des 5. Armeekorps, General der Ins' nterie v. Seeckt. Se. Majestät der Kaiser und der Kaiser von Rußland blieben vor dem Ständehause so lange zu Pferde halten, bis die Fahnenkompagnie und die Standarteneskadron abgerückt waren, und begaben sich demnächst in das Ständehaus. Als Ihre Majestäten die Kaiserin Auguste Viktoria und die Kaiserin Alexandra sich vom Paradefelde nach der Stadt zurück begaben, wurden Aüerhöchstvieselben an Der Reichenbergerstraße, wo die Schulen Spalier gebildet hatten, von 30 Ehrenjungfrauen unter Ueberreichung von Blumensträußen begrüßt, wofür die Majestäten huldvollst dankten. Alsdann begaben sich die Allerhöchsten Herrschaften nach dem Ständehause, wo um 4*/-! Uhr die Mittagstafel stattfaud. Das Wetter hat sich aufgeklärt.
Aus Görlitz wird unterm 7. Sept. gemeldet: Zu einer großartigen Kundgebung gestaltet sich die Abreise des Kaisers und der Kaiserin von Rußland, welche um 6 Uhr erfolgt. Auf dem Platze vor dem Bahnhof war eine Ehrenkompagnie des 6. Grenadierregiments Graf Kleist von Nollendorf sowie das Wahlstätter Kadettenkorps aufgestellt. Die ganze Einfahrtstraße war mit einem Militärkordon besetzt. Auf dem Bahnhöfe fanden sich sämmtliche hier anwesenden Fürstlichkeiten ein; dieselben versammelten sich in der Lichthalle. Kaiser Nikolaus fuhr mit dem Kaiser Wilhelm im ersten, die beiden Kaiserinnen im zweiten Wagen. Se. Majestät Kaiser Wilhelm trug russische Uniform, Kaiser Nikolaus die Uniform seines Husarenregiments. In der Lichthalle verabschiedete sich Kaiser Nikolaus von den Fürstlichkeiten und höheren Offizieren. Nach dem Aufstieg durch den Tunnel zum Bahnhofssteig intonirte die Kapelle des Grenadierregiments Rr. 6 die russische Nationalhymne. Kaiser Nikolaus küßte der Kaiserin Auguste Viktoria die Hand und dann die Wangen; in derselben Weise verabschiedete sich Kaiser Wilhelm von der Kaiserin Alexandra. Die beiden Kaiserinnen umarmten und küßten sich darauf in sichtlicher Bewegung. Auch die beiden Monarchen umarmten und küßten sich in überaus herzlicher Weise. Als der Zug sich in Bewegung setzte, winkten sich die beiden Herrscherpaare Abschiedsgrüße zu. Bei der Rückfahrt Ihrer Majestäten des Kaisers Wilhelm und der Kaiserin Auguste Viktoria nach dem Ständehaus erschollen jubelnde Hurrahs seitens der Bevölkerung. Die Stadt ist festlich erleuchtet, die Schaufenster der größeren Geschäfte sind prachtvoll geschmückt.
Der Trinkspruch, welchen Se. Majestät der Kaiser bei der gestrigen Paradetafel auf das 5. Ameekorps ausbrachte, hat folgenden Wortlaut: „Freudigen Herzens erhebe Ich Mein Glas bei dem heutigen Festmahl, um auf das Wohl des 5. Korps zu trinken. Ich danke Ihnen von ganzem Herzen, daß Sie das Korps in dieser vorzüglichen Verfassung erhalten haben. Aber nicht nur für Mich und Meine Person, sondern vor allen Dingen im Namen Meines hochseligen Herrn Großvaters und Meines verewigten^ Herrn Vaters spreche Ich diesen Dank aus, denn Sie handeln in deren Sinne, wenn Sie die schönen Regimenter, die dem Herzen der beiden Herren so nahe gestanden haben und die heute so vor- züglich vorbeimarfchirten, in diesem Zustande erhalten. Fürwahr ein schönes Stück preußischer Geschichte zieht