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trÄr Kreisblatt.

Gratisbeilagen:Illuftrirtes Sonntagsblatt" n.)llnstrirte landwirthschaftliche Veilage".

Nr. 188. Acnstlis Sei 8. September M

Amtliches.

Hersfeld, den 3. September 1896.

Im Anschluß an die allgemeine Versammlung deut­scher Pomologen und Obstzüchter findet vom 1. bis 6. Oktober 1896 eine allgemeine deutsche Obstausstellung im Königlichen Orangerieschlosse und Auepark zu Cassel statt. Eine rege Betheiligung an der Ausstellung würde für die Aussteller um so eher Anerkennung finden, als von Seiten des Gartenbau-Vereins Cassel eine große Anzahl von Ehrenpreisen und Medaillen nur zur Ver- theilung im diesseitigen Regierungsbezirk gestiftet wor­den sind.

Die Aufstellung der Gegenstände geschieht, falls der Aussteller sie nicht besorgen kann oder will, durch den Ausschuß, so daß also Ersterem die Arbeit so leicht als möglich gemacht wird.

Interessenten des Kreises wird die Beschickung sowie der Besuch dieser Obstausstellung empfohlen.

Ein Exemplar der Ausstellungs-Ordnung liegt zu Jedermanns Einsicht während der Dienststunden im Ge- schästslokal des Unterzeichneten offen.

I. l. Nr. 4905. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.

Hersfeld, den 2. September 1896.

Nach einer Mittheilung des Königlichen Landraths­amts zu Homberg ist unter dem Rindvieh des Land- wirths Georg Keim zu Remsfeld die Maul- und Klauen­seuche ausgebrochen und der Durchtrieb von Klauenvieh durch diesen Ort sowie die benachbarten Ortschaften ver­boten worden.

J. I. Nr. 4915. Der Königliche Landrath Freiherr von Schleinitz, Geheimer Negierungs-Nath.

Gefunden: ein Sack. Meldung des Eigenthümers bei dem Ortsvorstand zu Reckerode.

Politische Nachrichten.

Inland.

Se. Majestät der Kaiser und Ihre Majestät die Kaiserin trafen am Freitag Mittag zur festgesetzten

Schwere Kämpfe.

Roman von J. P i a.

(Fortsetzung.)

Diesmal hatte sich Clotilde bis zu dem höchsten Grade ihrer tugendhaften Empörung hinaufgearbeitet. Sie wür­digte Elfriede keines Wortes weiter, bis sie im Wohn­zimmer beisammen saßen. Selbst dort nahm sie erst eine Näherei zur Hand und bewahrte eine Weile noch ein tiefes Schweigen. Elfriede hatte sich ein Buch ge­holt, ihre Gedanken aber flogen zu Schwester Annas Erzählung, zu dem Schmerz und Kummer ihrer Heldin hin und zu der seltsamen Stimme, welche so dicht in ihrer Nähe gerufen hatte:

»Ich allein will Euch richten, spricht der Herr!

Die Worte wollten ihr nicht aus dem Sinn kommen; de würde viel darum gegeben haben, wenn sie gewußt hatte, wer sie gesprochen.

Ich wünschte,. ich hätte nicht so hart geurtherlt. dachte sie.Meine Worte haben Schwester Anna sichtlich ^geschmerzt; aber ich sagte nur, was ich fühlte. Kein Wunder, daß sie so traurig aussieht, wenn sich an ihre Schwester eine so schmachvolle Geschichte knüpft! Ihre Schwester? Sagte sie aber nicht zu Anfang, daß sie gar

näheren Verwandten mehr habe?"

_Ich hätte geglaubt, Du würdest Dich über Deines Paters Abwesenheit wundern," hob Clotilde plötzlich in urzem Tone an.

Elfriede fuhr aus ihrem Sinnen auf und schaute der "zürnten Tante ruhig lächelnd in das Gesicht.

Zeit auf dem Bahnhöfe in Breslau ein und wurden vom kommandierenden General des 6. Armeekorps, General der Infanterie Erbprinzen Bernhard von Sachsen-Mei- ningen, vom Kommandanten der Stadt, General von Alvensleben, vom Oberpräsidenten Fürsten v. Hatzfeldt zu Trachenberg, vom Regierungspräsidenten Dr. von Heydebrand und der Lasa und vom Polizeipräsidenten Dr. Bienko empfangen, worauf alsbald der Einzug der Majestäten in die Stadt erfolgte. Ihre Majestät die Kaiserin begab sich zu Wagen nach dem Denkmalsplatze, während Se. Majestät der Kaiser zu Pferde, begleitet von einer Eskorte der Leib-Kürassiere, dem Wagen folgte. Auf dem ganzen Wege vom Bahnhöfe bis zum Denk­malsplatze wurden die Allerhöchsten Herrschaften von der dichtgedrängten Menschenmenge, welche hinter den Spalier bildenden Truppen Platz gefunden hatte, mit begeistert tem Jubel begrüßt. Auf dem Denkmalsplatze, wo eine Ehrenkompagnie Aufstellung genommen hatte, war für Ihre Majestät ein Zelt hergerichtet, in welchem Aller- Höchstdieselbe von den Prinzen und Prinzessinnen des königlichen Hauses empfangen wurde. Nach der Be­grüßung nahm die Feier mit einem altdeutschen Gesänge ihren Anfang. Nachdem der Gesang verklungen war, ergriff der frühere Oberpräsident der Provinz Schlesien, v. Seydewitz» das Wort zu einer Ansprache. Nachdem der Kaiser die Enthüllung befohlen hatte, fiel die Hülle unter brausenden Hurrahrufen der Truppen und der Bevölkerung; gleichzeitig wurden 101 Kanonenschüsse abgefeuert. Als der Donner der Geschütze verhallt war, ergriff der Oberpräsident v. Seydewitz nochmals das Wort und schloß mit einem Hoch auf das Kaiserpaar. Die Musik, welche bei dem Fallen der Hülle den Prä- sentirmarsch angestimmt hatte, spielte bei dem Hoch auf den Kaiser und die Kaiserin die Nationalhymne, worauf die Truppen defilirten und der Vorbeimarsch des ca. 4000 Mann starken Breslauer Kriegervereinö erfolgte.

Der Kaiser und die Kaiserin von Ruß­land sind am Sonnabend Vormittag 8 Uhr 50 Mi­nuten, zu dem vorher bestimmten Zeitpunkte, in Breslau eingetroffen, nachdem sich in Brieg um 8 Uhr 10 Min. der Ehrendienst, sowie der russische Botschafter Graf v. d. Osten-Sacken gemeldet und dem Hofzuge ange­schlossen hatten. Die auf dem Bahnhöfe ausgestellte Ehrenkompagnie des Grenadierregiments Nr. 11 präsen- tirte, während die Musik den Präsentirmarsch spielte. Auf dem Bahnhöfe waren bei Ankunft des Zuges an­

Ich habe mich längst darüber gewundert," entgegnete sie;aber ich lasse mir nicht gern böse Worte sagen."

Clotilde sah ihre Nichte über alle Maßen erstaunt an.

Was willst Du damit sagen," fragte sie.

Du sprichst in einem bösen Tone mit mir."

Und habe ich dazu nicht alle Ursache? Du bleibst bis in die Nacht hinein fort und hast bei Deiner Heim­kunft nicht ein einziges Wort der Entschuldigung?"

Du bist schon den ganzen Tag über böse, Tante Clotilde."

Sie ist eine wahre Rainer," dachte diese;sie ist zu leiten, aber niemals mit Gewalt zu treiben."

Beide schwiegen.

Doch plötzlich legte Elfriede das Buch bei Seite, trat dicht zu ihrer Tante heran und fragte in einschmeicheln­dem Tone:

Tante Clotilde, willst Du mir sagen, wo mein Vater ist?"

Er ist noch in der Fabrik. Die Arbeiter haben revoltirt."

Revollirt? Und warum?" rief das junge Mädchen besorgt.

Dein Vater wollte eine neue gute Maschine ein­führen, die er für sehr vortheilhaft hält, aber die Leute waren damit nicht einverstanden und empörten sich da­gegen."

Wollten sie nicht weiter arbeiten? Weigerten sie sich, die neue Maschine zu probiren?"

Ungefähr so; die Sache ist mir selbst noch nicht ganz klar. Dein Vater schickte einen Buchhalter heraus,

wesend: Ihre Majestäten der Kaiser und die Kaiserin, die Prinzen, Prinzessinen, der Reichs­kanzler, Staatssecretär Marschall, die Generalität, die Spitzen der Behörden. Nachdem der kaiserliche Hofzug eingelaufen und Kaiser Nikolaus sowie die Kaiserin Alexandra ausgestiegen waren, begrüßten sich die Majestäten auf das Herzlichste. Kaiser Nikolaus trug die Uniform seines Garde-Grenadierregiments Kaiser Alexander, Kaiserin Alexandra hatte ein Kleid von weißer, Kaiserin Auguste Victoria ein Kleid von lachsfarbener Seide angelegt. Die Majestäten schritten alsbald unter den Klängen der russischen Hymne die Front der Ehren­kompagnie ab, wobei Se. Majestät Kaiser Wilhelm die Kaiserin Alexandra, Kaiser Nikolaus die Kaiserin Auguste Victoria führte. Hierauf traten die Allerhöchsten und Höchsten Herrschaften in den Königssalon ein, worauf der Vorbeimarsch der Ehrenwache vor Ihren Majestäten dem Kaiser Wilhelm und dem Kaiser von Rußland er­folgte. Nach gegenseitiger Vorstellung der Würdenträger erfolgte die Abfahrt nach dem Landeshause. Vorauf ritt eine Eskadron des Husarenregiments Kaiser Niko­laus II. von Rußland (Westfälischen) Nr. 8, dann folgten die beiden vierspännigen Hofequipagen, in der ersten die beiden Kaiser, in der zweiten die beiden Kaiserinnen. Vom Bahnhof ab badete ha§ Kaiser Alexander Garde- Grenadierregiment Nr. 1 Spalier, welches auch vor dem Landeshause in der Gartenstraße eine Ehrenwache gestellt hatte. Dort angelangt schritten die Allerhöchsten Herr­schaften die Front der Ehrenwache ab, wobei die Negi- mentsmusik die russische Nationalhymne spielte. Nachdem die russischen Majestäten das Frühstück eingenommen hatten, machten sie gegen 10*/.2 Uhr Ihren Majestäten dem Deutschen Kaiser und der Kaiserin im Schlöffe einen Besuch und waren auf dem ganzen Wege von stürmischen Begrüßungen des Publikums begleitet. Nach kurzem Aufenthalt erfolgte sodann die Abfahrt der deutschen und russischen Majestäten nach dem Paradefelde.

Der herzliche Empfang, welchen der Kaiser und die Kaiserin von Rußland bei ihrem Ein­treffen in Breslau seitens der zahllosen Volksmassen gefunden hatten, die das Landeshaus bis zur Abfahrt der Majestäten zur Parade dichtgedrängt umstanden, und die den ganzen langen Weg bis zum Paradefelde wie lebende Mauern, deren erstes Glied die Kriegervereine bildeten, einsäumten, gestaltete sich beim Vorüberfahren der beiden Herrscherpaare zu einer wahrhaft begeisterten

der mich von dem Ausstand unterrichten sollte. Der meinte, wenn Berthold, der frühere Chef, und der Baron von Hollwang, die beide noch großen Einfluß auf die Arbeiter haben, nicht rechtzeitig dazu gekommen wären, würde es sicher zu Gewaltthätigkeiten gekommen sein."

Würde denn die Einführung der neuen Maschine die Arbeiter in ihrem Einkommen schmälern?"

Durchaus nicht. Sie haben im Gegentheil mehr Vortheil dabei als Dein Vater, denn es wird Mühe, aber keine Zeit dadurch gespart."

Könnte es ihnen mein Vater nicht auseinander­setzen?"

Du kennst die Arbeiterklasse hier nicht," entgegnete Clotilde trocken,sonst würdest Du wissen, daß mit ihnen nicht zu reden ist."

Und doch sagtest Du, daß sie auf Herrn Berthold und den Baron gehört haben?"

Weil die beiden es besonders gut verstehen, mit dergleichen Leuten umzugehen. Die Arbeiter zerstreuten sich allerdings auf das Zureden der beiden Herren, aber Berthold sowohl als Hollwang riethen Deinem Vater, mit ein paar zuverlässigen Leuten die Nacht über im Mühlenwerk zu bleiben, da zu befürchten sei, daß die Anführer der Ausständigen zurückkommen werden, um die neue Maschine zu demoliren."

Wäre es möglich, daß sie das wagen?"

Nicht nur möglich, sondern sehr wahrscheinlich."

weshalb kam gewiß auch der Baron gar nicht zu Hause; Marie wunderte sich über sein Ausbleiben."

Vielleicht hält auch er mit Wache."