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tr^ellier Kreisblatt.

Gratisbeilagen :)llustrirter Sonntagrblatt" n.Zllnstrirte landwirthschaftliche Beilage".

Nr. 1-4. Soniitrüoo hu 1 September 1896.

Bestellungen auf das Hcrsselder Kreisblatt mit den Gratisbeilagen Mustrirtes Sonutagsblatt" -» Mnstrirte landwirthschaftl. Beilage" für den Monat September d. J. werden von allen Kaiserlichen poftanftalten, tandbriefträgern und von der Expedition angenommen.

Amtliches.

Hersfeld, den 2. September 1896.

Der auf den 9. September d. Js. angesetzte hiesige Kram- und Viehmarkt wird mit Genehmigung des Herrn RegierungS-Präsidenten auf

Donnerstag, den 10. September d. Js.

verlegt.

Die Herren Ortsvorstände des Kreises haben dieses unverzüglich in den Gemeinden auf ortsübliche Weise bekannt machen zu lassen.

I. 4900. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schlei nitz, Geheimer Regierungs-Rath.

Hersfeld, den 29. August 1896.

Nach einer Mittheilung des Königlichen Landraths­amts zu Ziegenhain ist in der Gemeinde Frielendorf die Maul- und Klauenseuche ausgebrochen und das Durch­treiben von Wiederkäuern und Schweinen einge- spanntes Vieh einbegriffen durch diese Gemeinde und die umliegenden Ortschaften verboten worden.

I. l. Nr. 4844. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schlei n i tz, Geheimer Regierungs-Rath.

Hersfeld, den 1. September 1896.

Für

1. den am 29. Juni 1881 zu Stärklos geborenen Hein­rich Sippel,

2. die am 15. Februar 1874 zu Stärklos geborene Anna Marie Krauser,

schwere Kämpfe.

Roman von J. P i a.

(Fortsetzung.)

Wie froh bin ich, daß Schwester Anna da war," meinte Marie, als sie sich mit ihrer Schwiegermutter allein sah,sie ist eine vollendete Dame."

Ja," stimmte jene chr bei,zuweilen aber ist sie b°$ ganz eigenthümlich." .

Es folgte eine Pause, während welcher jede der bet-- den Damen ihren Gedanken nachhing, bis Marie die­selbe brach, indem sie leise sagte:

Ich bin so müde. Wenn doch Max da wäre.

31.

Schwester Anna und Elfriede kreuzten inzwischen die Anlagen von Villa Emma. Keine von ihnen sprach ein ^oft; sie waren zu tief in ihre Gedanken versunken.

Der Abend senkte sich immer dunkler auf die Erde herab; ein Stern nach dem andern erschien am Himmel; die braunen dürren Blätter raschelten unter den Füßen der schweigend Dahinschreitenden. Jetzt traten sie durch das Gitterthor hinaus auf die Straße und L>chwestei Anna blieb unentschlossen stehen.

Wollen wir die Chaussee gehen oder durch bie Fel­der und den Park?" fragte sie.

Ganz wie Sie denken ich bin mit allem em- rerstanden," auwortete Elfriede und wendete sich aber gleichzeitig dem Feldwege zu.

Im Park wird es schon sehr dunkel sein," meinte

ist um Ertheilung eines Reisepaffes behufs Auswande­rung nach Amerika nachgesucht worden.

I. 4879 u. 4880. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.

Der Beginn des nächsten Kursus zur Ausbildung von Lehrschmiedemeistern an der Lehrschmiede in Char- lottenburg ist auf Montag den 2. N o v e m b e r 1896 festgesetzt.

Anmeldungen sind zu richten an den Direktor des Instituts, Oberroßarzt a. D. Brand in Charlottenburg, Spreestraße 42.

Cassel, am 15. August 1896.

Der RegierungS-Präsident. I. A.: Alt Haus.

Gefunden: ein Umhang. Meldung der Eigen- thümerin bei dem Ortsvorstand zu Petersberg.

Nichtamtliches.

Sedan.

Die Glocke» rufen ins Gotteshaus, zur hohen Feier versammeln sich zum sechsundzwanzigsten Male die Kämpfer des großen Jahres, versammeln sich die Alten, ! welche 1870 den Sohn in6 Feld ziehen sahen, und die Jungen, welche von den großen Tagen unter König Wilhelm nur gehört haben. Nicht im wüsten Taumel, nicht in Ruhmredigkeit und Ueberhebung, nicht im Ver­langen nach neuen Erfolgen begehen wir diesen Tag, vielmehr zieht durch unsere ganze Feier, vom Altar ausgehend in das Volksfest hinein das Bekenntniß, das der oberste Feldherr auf die Kriegsmünze hat prägen lassen:Gott war mit uns; Ihm sei die Ehre!"

Gott war mit uns! Ehe er das Schicksal der Schlachten wog, wog er das Herz unseres Volkes, und er fand es, geläutert durch eine lange, schwere Schule nationalen Leidens, bereit, das Höchste für das Höchste einzusetzen. Er hatte den auseinander gehenden Sinn der Stämme gewendet und hatte ihn auf ein großes Ziel gerichtet. Ehe die Deutschen einig an der Grenze des Reiches waren, hatten sie sich eine Sehnsucht nach Einigkeit erworben, daß alle in dem einen sich beleidigt fühlten, als Frankreichs Uebermnth kein Ende nehmen

Schwester Anna,aber ich ziehe diesen Weg vor. Man trifft dort weniger Menschen."

Wieder schweigend gingen sie weiter, bis sie am Park angelangt waren, den ein» dichte Hecke umschloß. An der Thür, welche durch diese führte, blieb Schwester Anna abermals stehen und blickte Elfrieden in das Ge­sicht, als ob sie plötzlich einen Entschluß gefaßt hätte.

Fräulein Rainer," rief sie,wird jener junge Mann jener Anton Mervinger Ihr Ihr Bräutigam werden?"

Die Frage kam so plötzlich, daß das junge Mädchen nicht sofort im Stande war, sie zu beantworten; aber eine Helle Nöthe flog über ihr Gesicht.

Ich verstehe," fuhr Schwester Anna in weichem, traurigem Tone fort.Ist er auch Ihrer würdig, mein Kind?"

Er ist nach allem, was Taute Clotilde sagt, ein sehr guter Mensch," entgegnete Elfriede in ihrer Ver­wirrung, kaum wissend, was sie sprach;aber Schwester Ann, Sie irren sich, wenn Sie etwa glauben"

Daß Sie seine Liebe erwidern? Dann, Kind, hei- rathen Sie ihn um Gottes willen nicht."

Elfriedens Verwirrung steigerte sich mit jedem Wort, welches Schwester Anna sprach.

Verzeihen Sie mir, wenn Ihnen meine Worte zu­dringlich erscheinen sollen," fuhr diese fort;aber so kurze Zeit ich Sie auch erst kenne, habe ich Sie doch herzlich lieb, und so lange ich lebe, wird mir Ihr Wohl­ergehen am Herzen liegen."

Wirklich," rief Elsriede,ich versichere Sie, daß

wollte, und daß der eine für alle sprechen und handeln konnte.

Gott beschied uns Sieg auf Sieg. Das Volk in Waffen war einig, ehe eine Reichsverfassung die Stämme unauflöslich an einander knüpfte, und im Lager des Heeres standen bereits zahlreiche Fürsten nicht minder einig, nicht minder Deutschlands Einigkeit erstrebend.

Gott gab uns aber nicht nur Herz und Sinn zur nationalen Wiedergeburt, er schenkte uns zur rechten Zeit auch den rechten Mann! Ernst und bestimmt, freundlich und bescheiden war König Wilhelm in seinem Herrscherleben gewesen; seine Begabung als Feldherr war auf den Schlachtfeldern erwiesen. So hatte All­deutschland das höchste Vertrauen zu seiner Führung und warme Liebe zu seiner Person. Und der König hatte treue und kluge Diener. Das Schwert war scharf, und es wurde weise und kräftig geführt; die Feder ver­darb nichts, sie vollendete vielmehr. Erprobte und den Tod verachtende Führer befehligten Armeen wie jeden kleinen Truppentheil, und die Hingebung des Mannes in Strapazen, Entbehrungen und Schlachtengetümmel hielt die schwersten Proben aus.

Am Tage von Sedan erfolgte die Entscheidung des Feldzuges: eine Armee, die vor wenigen Tagen noch 130 000 Mann gezählt hatte, war kriegrgefangen, der Kaiser in der Hand seines Feindes, und seine Regie­rung, glanzvoll und anspruchsvoll, verschwand für immer.

Gegenüber solchen Ereignissen, welche die Welt nicht zu fassen wußte, sprach und spricht das Menschenherz wohl mit dem greifen König:Ihm sei die Ehre!"

Es ist Großes an uns gethan worden, aber Großes muß auch von uns gefordert werden! Was an Mannes­tugenden in dem schweren Kriege bereitwillig zur Ver­fügung gestellt wurde, es muß erhalten werden. Die Treue zum Fürsten war damals von viel Tausenden mit dem Blute zu besiegeln, sie soll auch heule noch so tief im Herzen des deutschen Mannes eingegraben sein, daß sie keiner Probe aus dem Wege geht, vielmehr Ge­legenheit sucht, sich zu bethätigen. Die Liebe zum Vaterlande muß gepflegt werden, damit ihr ewig grüner Schmuck die Jugend zur Nacheiferung anreize; und wie es im Felde eine hohe Blüthe der Kameradschaft gab, so soll die brüderliche Gesinnung Deutschland von der einen Grenze bis zur andern fest umschließen.

Dabei wird Gott mit uns sein, wenn wir nur die ernste Absicht haben, selbst zu helfen, und zu seiner

zwischen Herrn Anton Mervinger und mir nie ein Wort von Liebe gefallen ist und es ihm so wenig wie mir in den Sinn gekommen ist, daß wir uns näher treten könnten."

Die großen, sprechenden Augen schauten offen und unschuldig zu der älteren Gefährtin auf.

Ich habe Eure beiden Namen oft zusammen nennen hören," sprach Schwester Anna nach einer kurzen Pause, man sagte mir, daß Mervinger den Boden verehrt, den Ihr Fuß betritt, daß die herrlichste Musik ihm nicht so süß klinge, wie Ihre Stimme, das Rauschen Ihres Kleides. Auch sagte man, daß Ihr Vater wohlgefällig zusähe, wie Merwinger sich um Ihre Gunst bemühe, weil er reich und ein guter Geschäftsmann ist. Ist das alles so?"

Wieder hoben sich die schönen, braunen Augen und begegneten offen und ehrlich den blauen Schwester Annas.

Ich hätte es kaum für möglich gehalten, daß Sie oft so leere Gerüchte hören könnten," erwiderte die Jüngere mit leisem Vorwurf,und ich kann Ihnen nur wiederholen, Schwester Anna, daß ich von dem Allen nichts weiß."

Haben Sie Nachsicht mit mir," rief diese;ich habe Sie so lieb, so sehr, sehr lieb und muß Sie noch mit einer letzten Frage quälen. Ist nichts in Ihrem Herzen, das Sie zu dem Manne hinzieht?"

In ihrer Erregung legte sie beide Hände auf des Mädchens Arm. Elfriede fühlte, wie sie bebten, und jal; Thränen in den milden, blauen Augen stehen.

Nein," antwortete sie, und ihre Stimme, obgleich