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Hersselliek Sreisilatt
Gratisbeilagen: „Illnftrirtes Sonntagsblatt" n. „Allnstrirte landwirthschastliche Beilage".
Wr. 101 Lichlis den 1. Septemter 1896.
Amtliches.
Hersfeld, den 28. August 1896.
Am Sonnabend den 19. September 1896, Bormittags 10 Uhr, findet im Saale des hiesigen Rathhauses eine Kreistagssitzung statt.
Tagesordnung.
1. Begutachtung des Landwegebau-Etats für 1897.
2. Prüfung und Feststellung der von dem Kreisausschusse revidirten und von der seitens des Kreistags in dessen Sitzung am 31. März 1896 beauftragten Kommission geprüften Kreiskassen - Rechnung für 1895/96 (§ 87 ber Kreisordnung vom 7. Juni 1885).
3. Beschlußfassung über das Gesuch des Herrn Pfarrers Bötte in Friedewald um Gewährung eines Zu- schnstes zu den Kosten der Errichtung eines Schul- bades daselbst.
I. A. Nr. 2100. Der Königliche Landrath Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.
Hersfeld, den 25. August 1896.
Die Herren Ortsvorstände des Kreises benachrichtige ich davon, daß denselben in den nächsten Tagen je ein Exemplar dex aus Kreismitteln beschafften amtlichen Ausgabe des Stempelsteuergesetzes vom 31. Juli 1895 nebst AuSführungSbestimmungen zum dienstlichen Ge-1 brauche zugehen wird. Dasselbe ist' alsbald zu inven- tarisiren und in der Gemeinde-Repositur auszubewahren.
Der eine Theil der AuSführungSbestimmungen enthält in der Bekanntmachung vom 13. Februar d. I. die das Publikum interessirenden Vorschriften, der andere Theil in den Dienstvorschriften vom 14. Februar b. I. die hauptsächlich die Behörden angehenden Bestimmungen.
Die Herren Ortsvorstände haben sich, soweit es noch nicht geschehen sein sollte, nunmehr ungesäumt mit dem neuen Stempelgesetz nebst Ausführungsbestimmungen vertraut zu machen und darüber strengstens zu wachen, daß diesen Vorschriften Genüge geleistet wird, indem zn allen im amtlichen Verkehr zu ihrer Kenntniß kommenden Verträgen, Attesten und sonstigen Schriftstücken, soweit solche der Stempelpflicht unterliegen, aber noch nicht mit dem Stempel versehen sein sollten, nachträglich derselbe kassirt wird. In Fällen, in welchen über die Stempelpflichtigkeit eines Schriftstücks Zweifel ent
schwere Kämpfe.
Roman von J. P i a.
(Fortsetzung.)
„Wie herrlich, wie friedlich alles aussieht!" sprach sie weich. „Dem Gewitter ist eine wunderbare Ruhe gefolgt. Lasse Dir den heutigen Abend ein gutes Omen sein, Schwester Anna," fügte sie, zu dieser gewendet, hinzu. „Sei frohen Muthes; auch Du wirst endlich Ruhe finden."
Mitternacht ging vorüber. Mond und Sterne wurden bleicher, im fernen Osten färbte sich der Horizont r°th und goldig, die Schatten der Nacht schwanden mehr nnd mehr — und Schwester Anna hatte ihr Lager nicht onsgesucht. Zuweilen war sie in dem großen Zimmer ?uf- und abgegangen, dann wieder hatte sie sich vor lhrem Bett auf die Knie niedergeworfen und aus tiefstem Herzen gebetet und geweint. Doch wie das Gewitter, so erschöpfte sich endlich auch ihr herber Kummer, und mit dem ersten Morgenroth zog sie die Gardinen am Fenster zurück und schaute in die hereinbrechende Dämmerung.
. Der junge Tag sah ein bleiches verstörtes Gesicht M" schweren^ thränenfeuchten, schmerzenden Augen und ^'ppen, die noch immer convulsivisch zuckten — ein paar krampfhaft gefaltete Hände und eine Stirn, aus das schneeweiße Haar wie mit fieberheißen Fingern zurückgestrichen war. Aber ein stiller, ruhiger Ausdruck hatte den der hoffnungslosen Traurigkeit verdrängt, den as Gesicht gewöhnlich trug.
stehen sollten, ist sich an das Steueramt I. oder an das Hauptsteueramt zu Hanau zu wenden, welchen seitens des Herrn Ministers des Innern die Pflicht auferlegt worden ist, auf Anfragen Auskunft zu ertheilen.
Auf diejenigen Bestimmungen des Gesetzes bezw. der Ausführungsanweisungen, welche im amtlichen Verkehre besonders häufig vorzukommen pflegen, mache ich nachstehend noch besonders aufmerksam. Es kommen in dieser Hinsicht namentlich in Betracht:
a) die Ziffer 7 der Dienstvorschriften (S. 131 und 132 der amtlichen Ausgabe), betreffend die Vermerke über die Verwendung der Stempel;
b) die Ziffer 33 der Bekanntmachung (S. 106) und die Ziffer 32 der Dienstvorschriften (S. 153 und 154), betreffend die Versteuerung der Ausfertigungen;
c) die Tarifstelle 25, Buchstabe e, des Gesetzes, betreffend die Versteuerung der Statuten von Gesellschaften, Genoffenschasten, Stiftungen, Vereinen u. s. w. mit 1,50 Mark;
d) die Ziffer 14 C Nr. 1 Absatz 2 der Bekanntmachung (S. 78) und Ziffer 45 der Dienstvorschriften (S. 157), wonach Genehmigungen zur Ver - anstaltung öffentlicher Lustbarkeiten nur auf abgestempelten Formularen ertheilt werden dürfen;
e) die Ziffer 47 der Dienstvorschriften (S. 158), be- > treffend die Versteuerung der Pacht-, Mieth- rc. Verträge, bei denen die Gemeinden betheiligt sind.
I. I. Nr. 4767. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz, Geheimer Negierungs-Nath.
Cassel, den 19. August 1896.
Die bisher auf Grund des § 4 meiner polizeilichen Anordnung vom 16. Juli 1896, A III 7826, von den Bürgermeistern ausgestellten Bescheinigungen, entsprechen vielfach nicht dem Wortlaut und Sinn dieser Anordnung. Sie wollen daher die Bürgermeister nochmals anweisen, die Bescheinigungen nach dem Wortlaut des § 4 obiger Anordnung auszustellen, auch bei Kennzeichnung der Thiere die Bestimmung unter 6 der Marktordnung sorgfältig zu beachten.
Insbesondere ist darauf hinzuweisen, daß bei einfarbigem Rindvieh die Stellung der Hörner und bei zweifarbigem Rindvieh (schwarz-roth gelb-graubunt u.s.w.) die Abzeichen am Kopse anzugeben sind und hervorzu-
„Der Morgen bricht an," flüsterte sie. „Nach der langen, finstern Nacht kommt der helle, frohe Tag. Der wilde Sturm ist von der gesegnetsten Ruhe gefolgt."
Ein schwaches, müdes Lächeln flog über das bleiche Antlitz.
„Margarethe sagt, auch ich werde einst Frieden haben? Ist mein Unrecht zu sühnen?
30.
Die Sommerblumen begannen zu welken, die Blätter der alten großen Bäume in Villa Emma färbten sich gelb und roth und fielen eins nach dem anderen verdorrt zur Erde; und Marie von Hollwang welkte mit ihnen dahin. »
Elfriede war ihr täglicher Gast, zwang ihre zunehmende Schwäche sie doch täglich mehr, sich auf des jungen Mädchens Kraft zu stützen; und täglich auch sahen Max von Hollwang und der alte Berthold Elfriedens Kommen mit größerer Sehnsucht entgegen, da sie fühlten, wie diese junge, edle, hoffnungsfrohe Natur auf alle Gemüther erheiternd wirkte in der dunklen Stunde ihrer Prüfung.
Das „Graue Haus" hatte Elfriede seit jenem Ge- mitterabend mehrere Male ausgesucht. Sie liebte die guten Fräulein Haller, mehr noch Schwester Anna. Die Gewalt, mit der es sie zn ihr hinzog, wurde immer mächtiger. Zuweilen versuchte es Elfriede, sich von dem seltsamen Gefühl Rechenschaft abznlegen, doch gelang ihr dies nicht.
Rainer sowohl als seine Schwester freuten sich, daß
heben, daß die oft vorkommende Bezeichnung „schäckig" „weißbunt" die Thiere nicht kennzeichnet, da es zweilfel- Haft bleibt, mit welcher Farbe das Weiße abwechselt.
Der Regierungs-Präsident.
Wirkt. Geh. Ober-Reg.-Rath. Haussonville.
An die sämmtlichen Königlichen Landräthe des Bezirks und den Königl. Polizei-Präsidenten hier. A III 9116.
* * *
Hersfeld, den 28. August 1896.
Wird den Herren Ortsvorständen des Kreises mit Bezug auf die im Kreisblatt Nr. 92 vom l. I. veröffentlichte betreffende Anordnung zur Nachachtung mitgetheilt.
I. 4794. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.
Zu der Herbstksnferenz, welche am Mittwoch den 9. September Vormittags um 10 Uhr in der Schule zu Friedewald abgehalten werden wird, lade ich die Herren Ortsfchul-Jn- spektoren und Herren Lehrer des Bezirks Hersfeld II er- gebenst ein.
Schenklengsfeld, am 29. August 1896.
Der- Kreis schul infpektor Bar ch fei b.
Nichtamtliches.
Das Blutbad in Konstantinopel.
Die Straßenkämpfe, deren Schauplatz in diesen Tagen die Hauptstadt des türkischen Reiches gewesen ist, lasten wieder einmal die Schwierigkeiten erkennen, die der Lösung der orientalischen Frage entgegenstehen. Sie haben erneut gezeigt, wie schwer es der Türkei wird, innerhalb ihres Gebietes eine dauernde Ordnung herzustellen, und wie nothwendig es für die europäischen Großmächte ist, darüber zu wachen, daß die Unruhen nicht auch das übrige Europa in Mitleidenschaft ziehen.
Die Metzeleien sollen von den Armeniern hervorgerufen sein. In der That haben einige von ihnen dadurch gefehlt, daß sie, um eine fremde Intervention herbeizuführen, die Ottomanbank angriffen. Allein ihr Vorgehen läßt sich begreifen. Als nach den kleinasiatischen Metzeleien für die Pforte die Nothwendigkeit
das junge Mädchen sich aller Herzen gewann. Es befriedigte ihren Stolz.
Anton Mervinger war ein regelmäßiger Gast im Hause seines Chefs. Die Liebe zu besten Tochter war die herrschende Leidenschaft seines Lebens geworden. Jetzt schwamm er im seligsten Hoffnungsrausch — im nächsten Moment war er tief darniedergedrückt. Clotilde kannte die Ursache dieser Simmung, Elsriede hingegen begriff sie nicht und schüttelte ahnungslos den Kopf.
Sie war an seine beständige Gegenwart gewöhnt und dieselbe war ihr angenehm. Daß er sie über alles liebte und der Hoffnung lebte, sie einst die Seine zu nennen, das kam ihr nicht in den Sinn.
* *
*
Elfriede hatte sich heute später in der Villa Emma eingefunden, als sie sonst zu thun pflegte, und fand Marie weit bester und heiterer. Der Baron war mit seinem Schwiegervater in die Stadt gegangen, aber Frau von Hollwang war da und auch Elsriede konnte einen freudigen Ausruf bei dieser Ueberraschung nicht zurückdrängen — Schwester Anna. Die sichtliche Freude des jungen Mädchens entging Wiarie nicht
»Ich werde ganz eifersüchtig auf Schwester Anna werden," meinte sie lächelnd.
„Ist sie schon lange bei Dir?" fragte Elfriede.
„Ungefähr eine halbe Stunde. Du mußt sehen, welch' herrliche Weintrauben mir Fräulein Haller ge- schickt hat. Sie war nämlich hente Morgen hier und zufällig erwähnte ich, daß wohl am ganzen Orte keine so herrlichen Weintrauben wüchsen, wie in ihrem Garten,