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Erstes Blatt.

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Amtliches.

Hersfeld, den 24. August 1896.

Der Ackermann Heinrich Opfer zu Obergeis ist heute als Bürgermeister der dasigen Gemeinde eidlich verpflichtet worden.

A. 2089, Der Königliche Landrath

Freiherr v o n Schleinitz, Geheimer RegierungS-Rath.

Cassel, den 21. August 1896.

Königliches Laudrathsamt beehre ich mich unter Dank­sagung für die bisherigen Bemühungen ergebend zu be­nachrichtigen, daß der Zwangszögling Konrad Vormschlag aus Homberg inzwischen in seine Lehrstelle zurückgebracht morden ist, weshalb ich mein Ersuchen vom 15. d. M, II. Nr. 3682, als erledigt hierdurch zurückziehe.

Der Landes-Direktor.

An das Königl. Landrathsamt zu Hersseld. II. 3740.

♦ *

Hersfeld, den 25. August 1896.

Wird den Ortspolizeiverwaltungen und der Gendar­merie mit Bezug auf das Ausschreiben vom 19. d. M., 1. Nr. 4653 (Kreisblatt Nr. 100), mitgetheilt.

I. 4765. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz, ______________ Geheimer Negierungs-Rath.

Die l a n d w i r t h^ ch a f t l i ch e W i n t e r s ch u l e

schwere Kämpfe.

Roman von J. P i a.

(Fortsetzung.)

„Es ist schon viele Jahre her?"

»Zehn Jahre — zehn lange Jahre!"

Ihr Ton war der einer Hoffnungslosen — einer Verzweifelten und drang Elsrieden bis ins innerste Herz. Sie trat dicht an sie heran und legte ihre Hand sanft auf ihre Schulter.

„Arme Schwester Anna!" Weiter konnte sie ihr jetzt nichts sagen. „Arme Schwester Anna!"

Und bei der Berührung der weichen Hand und dem ^ange der mitleidigen Stimme brachen Schwester Annas Thränen von neuem hervor.

Das junge Mädchen machte nicht den Versuch, ihnen Einhalt zu thun. Es beugte sich nur noch tiefer über aie Weinende und flüsterte von Zeit zu Zeit:

„Arme Schwester Anna!"

Nach einer Weile hörte diese auf zu schluchzen, erhob sich aus ihrer knieenden Stellung, wischte sich die Thränen von den Wangen, setzte sich auf das Sopha nieder und i°Ö das junge Mädchen dicht an ihre Seite. Sie faßte wieder nach dessen Hand, und ihm fest in das schöne Gesicht blickend sagte sie:

„Meine Nervosität heute Abend — Sie erinnern sich, Inas Fräulein Haller wegen meiner Angst bei heftigem Gewitter sagte? — und Ihr plötzliches Erscheinen und \e auffallende Aehnlichkeit mit meinem Kinde werden wir, wie ich hoffe, Ihre Nachsicht erwerben."

H o f g e i S m a r beginnt ihren Kursus am 22. Okto­ber d. Js.

Anmeldungen sowie Anfragen sind an den Herrn Direktor Otte zu richten.

Hofgeismar, den 19. August 1896.

Das Kuratorium:

BeckhauS, Königlicher Landrath.

Nichtamtliches.

Prinz August Don Preußen bei Kulm.

30. August 1813.

Prinz August von Preußen, der Neffe Friedrichs des Großen und der Bruder des bei Saalfeld gefallenen Prinzen Louis Ferdinand, war in der Unglückszeit Preußens durch heldenmüthiges Verhütten und militärische Tüchtigkeit so in den Vordergrund "getreten, daß sein Neffe, zugleich sein König und Herr, Friedrich Wilhelm III,, dies erkennend, aber auch durch Schatnhorst bewogen, dem Prinzen 1808 den Befehl über die ganze preußische Artillerie anvertraute. Was „bei Prinz dieser Waffe gleich am Anfang geworden, drückte Scharnhorst, der alte gewiegte Kavallerist,, xu einAy anPtinz August ge- richtetenE^fe. treffend ^kit derfWrrtsü äüN „Euer Königliche Mhei't haben die Artillerie gleichsam in ihrer Aufkeimung zu einer herrlichen Frucht belebt!"

Aber, als Preußen 1813 das verhaßte französische Joch abschüttelte, als die Freiheitswaffen blitzten, da wollte der Prinz durchaus auch am Kampfe selbst theil- nehmen, an der Spitze der Truppen sein Schwert schwingen, und er ruhte nicht eher, als bis der König, seinem wiederholten Drängen endlich nachgebend, ihm neben seiner Stellung die Führung der 12. Brigade des Kleistschen Corps übertrug, an deren Spitze er auch in der Schlacht bei Culm focht und in einem kritischen Moment durch eine hervorragende Heldenthat auf die ihm unterstehende Truppe mächtig einwirkte.

Vandamme, von Kleist und NoUendorf her unver- muthet im Rücken angegriffen, wehrte sich wie ein Löwe, und der Angriff der Franzosen, die sich, nunmehr von zwei Seiten bedroht, durch die Preußen einen Weg bahnen wollten, glich einem brausenden Waldstrom. Sehr bald befand sich auch Prinz August mit feiner Brigade im heißesten Kampfe und zwar um das brennende Dorf

„Bin ich Ihrem Kinde so sehr ähnlich?" fragte El­friede.

„Sie haben dasselbe braune Haar, dieselben dunkeln Augen — dieselben —, mein liebes Fräulein, bitte, lassen wir das; diese Erinnerungen sind mir gar zu schmerzlich. Erzählen Sie mir von sich — von Ihrem Leben zu Hause."

„Ich bin erst vor kurzem aus der Pension gekommen; ich habe den größten Theil meines Lebens dem Hause fern verbracht."

„Waren Sie glücklich in der Pension?"

„Man war im ganzen freundlich und gut zu mir; aber trotzdem that es mir nicht leid, von dem einför­migen Schulleben zu scheiden."

„Und Ihr Vater — ist er gut und liebevoll zu Ihnen?"

Der Schatten, welcher bei dieser Frage über Elfrie- den» schönes Gesicht flog, entging dem forschend auf sie gerichteten Blicke nicht. Doch der Schatten verzog sich sogleich wieder, als sie sich der Hoffnung erinnerte, der sie sich heute Abend noch so freudig hingegeben hatte.

„Er ist sehr gut — er hat mir niemals einen Wunsch versagt; aber ich glaube nicht, daß man ihn gerade liebe­voll nennen könnte. Er grämte sich so sehr um den Verlust meiner Mutter, daß es Taute Clotilde für ge­rathen hielt, während einer langen Reihe von Jahren mich ihm fern zu halten. Deshalb auch habe ich meine Ferienzeit nie zu Hause zubringen dürfen."

„Er grämte sich so sehr um den Verlust seiner Frau, sagen Sie?" Mir hat man von Wilhelm Rainer ge­

Arbesan. Die Bataillone des 10. Landwehr-Regiments stockten, wichen zurück und warfen sich auf das ebenfalls im Vorgehen begriffene 2. Schlesische Infanterie-Regi­ment (jetzt Grenadier-Regiment Kronprinz Friedrich Wil­helm s2. Schlesisches) Nr. 11). Die Gefahr drohte, daß auch diese Truppe in den allgemeinen Rückzug verwickelt wurde. Da sprang Prinz August vom Pferde, ging mit dem gezogenen Degen in der Hand auf den Fahnen­träger des 2. Bataillons Nr. 11 zu, ergriff die Fahne, stellte sich mit den Worten: „Wer ein preußisches Herz hat, folge mir!" an die Spitze dieses Bataillons und machte mit diesem, sowie mit dem unmittelbar vorgehen­den 1. Bataillon eine Bajonettattacke mit Hurra in den hervorbrechenden Feind. Dieses Beispiel wirkte so be­lebend auch auf die zurückweichende Landwehr, daß sich auch viele Landwehrleute dem Angriff anschlossen. Die Attacke hatte die glänzendste Wirkung; der Feind wurde völlig geworfen, zersprengt und zerstreute sich nach allen Richtungen der bewaldeten Elbgegend. Der tapfere Kampf der Preußen führte zur Auflösung des französischen Heeres, nachdem am ersten Schlachttage, am 29. August, die Russen Vandamme mit Heldenmuth widerstanden und am 30. August die vordringenden Oesterreicher seine Stellung zu erschüttern begannen.

In dem an den Berliner Thiergarten anstoßenden Parke des einst PrirH August gehörenden Schlaffes Bellevue steht ein einfaches Denkmal, dessen Vorderseite ! in einem Relief die Heldenthat des Prinzen darstellt; eine kurze Inschrift giebt darüber Aufschluß. Der Prinz, welcher sich auch noch weiter in den Freiheitskriegen auf das rühmlichste hervorgethan hat, ist als um diese Waffe hochverdienter General-Inspekteur der preußischen Artillerie auf einer Inspektionsreise 1843 gestorben.

Sein Großneffe König Friedrich Wilhelm IV. widmete ihm in einem Befehl an die Armee die ihn hochehrenden Worte: „Fortdauernd muß der kriegerische Geist und die Pflichttreue, womit der Prinz bis zum letzten Augen­blicke seines Lebens seinen wichtigen Beruf erfüllte, in dem Heere fortleben und als ein rühmliches Beispiel in seinen Denkbüchern verzeichnet bleiben," und Kaiser Wilhelm II. befestigte das Andenken des so hochverdienten Prinzen aus dem Hohenzollernstamme dadurch, daß er durch Kabinets-Ordre vom 27. Januar 1889 dem Feld- Artillerie-Regiment Nr. 1 den Namen „Feld-Artillerie- Regiment Prinz August von Preußen (Ostpreußisches) Nr. 1" verlieh. T.

sprochen als von einem harten, kalten, gefühllosen Men­schen, der sich um den Verlust einer Frau wenig Sorge macht."

„Sie reden von meinem Vater," sagte Elfriede, und ihr Ton verrieth eine Mischung von sanfter Würde und Ueberraschung. „Mag man Ihnen von meinem Vater gesagt haben, was es auch sei, Schwester Anna, jeden­falls hat er meine Mutter tief betrauert und thut das, wie ich bestimmt glaube, noch heutigen Tages."

„Verzeihen Sie mir das unüberlegte Wort," entgeg- nete Schwester Anna kleinlaut. „Sie sprachen von Ihrer Tante. Ich kenne die Dame von Ansehen. Ist auch sie gut mit Ihnen?"

Die unermüdlichen Fragen erregten bei Elfriede weder Verwunderung noch Mißfallen.

„Sie ist sehr gut," sagte sie mit einem kurzen Lachen, das sie nicht unterdrücken konnte bei dem Gedanken an den Zorn ihrer Tante, welchen der Anblick der von dem Regen verdorbenen Sachen in dieser erregen würde. „Ich hielt sie früher immer für mürrisch und unfreund­lich und fürchtete mich vor ihr, seitdem ich aber mit ihr zusammenlebe, beurtheile ich sie ganz anders, und ich ^aube, daß sie mich lieber hat, als sie zugestehen will.

Hier unterbrach ein lautes Klopfen an der Thür den begonnenen Satz und gleich darauf zeigte sich eine kleine Dame auf der Schwelle, welche Fräulein Haller so ähn­lich sah, daß Elfriede im ersten Augenblick glaubte, es fei diese selbst; doch ein zweiter Blick überzeugte sie, daß