y ' r— ■' *
Erscheint wöchentlich drei Mal Dienstag, Donnerstag und Sonnabend.
AbonnementSpreis vierteljährlich 1 Mark 40 Pfg.
exel. Postaufschlag.
A ....... ' ■ --- ■ . ——■ ■ —
Die Insertionsgebühren betragen für den Raum einer Spaltzeile 10 Pfg., im amtlichen Theile 15 Pfg. Reklamen die Zeile 20 Pfg. Bei größeren Aufträgen entsprechender Rabatt.
eröfeWer Kreisblatt.
Gratisbeilagen: „Illustrirter Sonntagsblatt^^ n. „Illnstrirte landwirthschaftliche Verlage".
dir. 101. ' Jelinersiiig den 27. August
1896.
Vestellungen auf das Hersfelder Kreisblatt mit den Gratisbeilagen „Jllustrirtes Sonntagsblatt" -"» „Jllustrirte landwirthschaftl. Beilage" für den Monat September d. I. werden von allen Kaiserlichen Postanstalten, tandbriefträgern und von der Expedition angenommen.
Amtliches.
Cassel, den 6. August 1896.
Das aus verseuchten Sperrgebieten auszuführende Vieh muß nach den gegebenen Vorschriften vor der Ausführung von einem beamteten Thierarzt untersucht werden. Die Kosten dieser Untersuchungen sind von den Interessenten zu tragen.
Von einem Interessenten ist Beschwerde erhoben worden, weiter als derjenige, der deu.Kreisthierarzt zur Untersuchung seines auszuführenden Viehes bestellt hatte, neben den Gebühren für die Untersuchung auch noch die Reisekosten des Kreisthierarztes zu tragen hatte, während andere Interessenten an demselben Orte und an demselben Tage (also gelegentlich der Anwesenheit) für Untersuchung ihres auszuführenden Viehes nur die Gebühren für die Untersuchung der Viehes zu tragen hatten. Der Beschwerdeführer befindet sich den gesetzlichen Bestimmungen gegenüber im Unrecht, jedoch muß anerkannt werden, daß die Zahlung der Reisekosten für den Thierarzt von einem Interessenten eine große Härte in sich schließt, zumal wenn, wie im vorliegenden Falle, bei einem Ortsbewohner der Erlös für nur 2 untersuchte Schweine ein geringer ist und in keinem Verhältniß zu den Kosten für die Heranziehung des beamteten Thierarztes steht.
Für die Milderung dieser Härte dienstlich einzutreten, bin ich den gesetzlichen Vorschriften gegenüber nicht in der Lage. Jedoch empfehle ich, im Kreise auf folgendes Verfahren hinzuwirken:
Jeder Ortsbewohner, der Vieh ausführen will, theilt
(Nachdruck verboten.)
Schwere Kämpfe.
Roman von J. P i a.
(Fortsetzung.)
Ein greller, leuchtender Blitz zeigte Elfrieden« neu- gierigen Blicken jeden Winkel des Zimmers, in welches sie Fräulein Haller gefolgt war. Es war groß, viereckig und sehr einfach möblirt. An der anderen Seite stand ein weißes Bett und neben diesem kniete oder kauerte vielmehr eine Gestalt in einem dunkelgrauen Kleide. Sie hob den Kopf nicht, als die beiden Damen ^intraten, und etwas verlegen blieb Elfriede an der Thür stehen, während Fräulein Haller stracks auf die B°r bem Bett zusammengekauerte Gestalt zuschritt.
„Schwester Anna," sprach sie freundlich, wobei sie tl)re Hand zärtlich auf die Schulter der grauen Gestalt legte, „komm, fürchte Dich nicht so sehr vor dem Gewitter. Wir stehen jetzt so gut in Gottes Hand, rote ^i hellem Sonnenschein."
„Ich weiß es," war die geflüsterte Antwort, doch verharrte die Angeredete in ihrer vorigen Stellung.
_ „Ich habe etwas für Dich zu thun," fuhr Fräulein Haller fort. „Hier ist eine junge Dame, welche trockene Kleider braucht. Nicht wahr, Du wirst gern für Alles sorgen? Ich habe unten Freunde, die auf mich warten." . Jetzt wurde der Kopf gehoben und wie fest ent Ichlossen, ihre Angst muthig abzuschütteln, sprang die Gestalt schnell auf ihre Füße.
«Es soll mich freuen, wenn ich der jungen Dame
dies dem Ortsvorsteher mit. Der Ortsvorsteher sammelt die eingegangenen Mittheilungen und bestellt den beamteten Thierarzt erst, wenn mehrere Mittheilungen vorliegen, vorausgesetzt, daß jeder Betheiligte hiermit einverstanden ist. Der beamtete Thierarzt liquidirt alsdann die Kosten bei dem Ortsvorsteher. Dieser vertheilt die Reis ekosten gleichmäßig auf die Betheiligten, zieht sie neben den UntersuchungSgebühren von denselben ein und führt sie an den Liquidanten ab. Dasselbe Verfahren kann auch von mehreren Personen eines Ortes ohne die Vermittelung des Ortsvorstehers ausgeführt werden, sofern sie sich nur darüber einigen und einer die Sache in die Hand nimmt. In vielen Fällen wird sich sogar ermöglichen lassen, daß mehrere Ortschaften, sich gemeinsam zu diesem Verfahren zusammenschließen, wodurch die auf den Einzelnen entfallenden Reisekosten noch geringer werden rc.
Der RegierungS-Präsident. I. A.: gez. A l t h a u S. A. III. 8159. * * *
Hersfeld, den 22. August 1896.
Vorstehende Verfügung des Herrn Regierungs-Präsi- denten bringe ich zur Kenntniß der Herren Ortsvorstände, um die Interessenten hiernach zu bescheiden und vorkommenden Falles sich danach zu richten.
J. I. Nr. 4701. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schlei n i tz , Geheimer Regierungs-Rath.
Hersfeld, den 22. August 1896.
Am 3., 4. und 5. September d. J. findet (jedesmal Vormittags 9 Uhr beginnend) ein öffentlicher theoretischer und praktischer KursuS für Obstverwerthung nach dem Vorbilds der Geisenheimer Kurse in der Landwirth- schaftsschule zu Gelnhausen statt. Der Besuch des Kursus, welcher insbesondere die Unterweisung in der Ernte, Aufbewahrung und Versendung von Obst und Beeren, Herstellung von Obst- und Beerenwein, Saft, Gelse, Marmelade, Paste, das Dörren, Einmachen und Konfer- viren behandeln wird, steht jedermann gratis frei. Anmeldungen sind an den Direktor der landwirthschaftlichen Winterschule zu Gelnhausen zu richten.
Die Betheiligung an diesem Kursus kann allen Interessenten auf das Wärmste empfohlen werden.
Ich bemerke, daß Besucher des Kursus eine besondere Anregung durch Besichtigung der bekannten Schöffer- Hohmschen Obstanlagen und Baumschulen empfangen,
helfen kann," sagte sie, und Elfriede lauschte mit Vergnügen der leisen Stimme, von der ein jeder Ton wie sanfte Musik ihr Ohr berührte.
In der Dunkelheit, welche das Zimmer wieder um- hüllte, konnte die Frau das Gesicht des jungen Mädchens nicht erkennen — nur eine große, schlanke Gestalt sah sie an der Thür stehen; Elfriede hingegen sah Schwester Anna ganz deutlich — eine anmuthig biegsame Figur, deren schöne Formen die schweren Falten ihres Wollkleides nicht ganz verbargen — ein Gesicht, bei dessen Anblick ein seltsames, ihr unerklärliches Sehnen sie ergriff. Es war noch ein junges Gesicht, schien aber aller Hoffnung und aller Freude für diese Welt Lebewohl gesagt zu haben; es war ein schönes Gesicht, das den Stempel unendlicher Geduld und Sanftmuth trug, aber der milde Frieden, welcher aus Fräulein HaUerS Zügen ruhte, fehlte hier.
Das Alles sah Elsriede auf den ersten Blick, und wie von einer unwiderstehlichen Macht getrieben, flog ihr Herz Schwester Anna entgegen. Mit ausgestreckter Hand trat sie auf sie zu; und in bemfelben Moment flammte abermals ein blendender Blitz durch das Zimmer, bei dessen grellem Licht Schwester Anna ElfriedeuS Züge deutlich sah. Gleichzeitig entrang sich ihren Lippen ein halb unterdrückter Schrei und taumelnd wankte sie gegen die Wand.
„Ist Ihnen nicht wohl?" rief Elsriede erschrocken und sprang auf sie zu. Das bleiche Gesicht sah jetzt fast weißer aus als die große, saubere Haube um das
und daß dieselben an den Nachmittagen durch die Anlagen geführt und auf Kosten des Kreises fachmännisch über den Werth und die Art des Anbaues der einzelnen Obstsorten unterrichtet werden.
Der Kursus ist so eingerichtet, daß nur eine zweimalige Uebernachtung in Gelnhausen nöthig wird.
I. 4717. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.
Steckbrief.
Der unten beschriebene Corrigend Friedrich Rosen- berger aus Coblenz ist heute Vormittag von der in Gensungen stationirten Arbeitercolonne entwichen.
Es wird ergebenst ersucht, denselben im Betretungs- falle verhaften und in die unterzeichnete Anstalt zurückbringen zu lassen, sofern die Verhaftung und Zurücklieferung bis zum 31. Mai 1898 geschehen kann.
Breitenau, Reg.-Bez. Cassel, den 21. August 1896.
Corrections- und Landarmen-Anstalt.
Der Dirigent: Schmidt, Inspektor.
An das Königl. Landrathsamt zu Hersfeld. J. Nr. 1185.
Signalement. Alter: 27 Jahre, geboren am 31. August 1868. Religion: katholisch. Stand: ledig. Gewerbe: .Poliere-. Größe: 1,67 m. Haare: blond. Augenbrauen: blond. Augen: braun. Stirn, Nase und Mund: gewöhnlich. Zähne: gut. Kinn: oval. Bart: rasirt. Gesicht: oval. Gesichtsfarbe: gesund. Statur: Mittel. Besondere Kennzeichen: Keine.
Bekleidung. Graue Drell-Jacke, Weste und Hose, graue Tuchmütze, Schuhe, braune Strümpfe und blaugestreiftes Hemd. Sämmtliche Gegenstände sind mit dem Anstaltsstempel versehen.
* *
*
Hersfeld, den 25. August 1896.
Wird den Ortspolizeiverwaltungen und der Königlichen Gendarmerie zur Fahndung nach dem rc. Rosen- berger mitgetheilt.
I. 4764. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.
Gefunden: eine Peitsche und zwei Halsriemen mit Anbindeketten. — Meldung der Eigenthümer bei dem Ortsvorstand zu Sorga.
schneeige Haar, welches hier und da unter derselben hervorquoll.
„Heftiges Gewitter macht Schwester Anna immer nervös," nahm Fräulein Haller das Wort, „aber so schlimm wie heute Abend ist es noch nie gewesen. Lege Dich nieder," fügte sie, zu dieser gewendet, freundlich hinzu, „ich werde Fräulein Rainer alles Nöthige geben."
„Wem? Wie nanntest Du sie?" stieß Schwester Anna mühsam hervor, ohne den starren Blick von dem Gesicht des jungen Mädchens zu wenden.
„Fräulein Rainer — die Tochter Wilhelm Rainers, des Mühlenwerkbesitzers Sie ist erst kürzlich aus der Pension gekommen. Hast Du sie schon einmal gesehen, Schwester Anna?"
„Sie — sie erinnert — ja, so ist es — sie erinnert mich an eine Person, die mir einst theurer war, als die ganze übrige Welt," stammelte Schwester Anna einigermaßen gefaßter. „Ich bin vollständig bereit, Fräulein Rainer Hülfe zu leisten."
„Das Gewitter zieht vorüber. Ich denke, das Schlimmste liegt hinter uns. Du sorgst also für Fräulein Rainer, Schwester Anna? Gut, so gehe ich hinunter zu Ihrem Vater und Herrn Mervinger."
Das geisterhaft bleiche Gesicht hatte unmöglich farbloser werden können, in die blauen Augen trat aber jetzt ein beinahe angstvoller Ausdruck. Hastig begann sie aus einem Schränk verschiedene Kleidungsstücke heraus- zunehmen und dieselben auf dem Bett auszubreiten.
„Ich überlasse Sie jetzt Schwester Annas Händen," sagte Fräulein Haller zu Elsriede. „Wie ich sehe, hat