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HerWer Kreisblatt.

Gratisbeilagen:Jllnstrirtes Sonntagsblatt" u.Illustrirte lanbwirthschaftliche Beilage".

«r. V. SnM den 22. AM 1896.

Erstes Blatt.

Amtliches.

Hersfeld, den 18. August 1896.

Der Bürgermeister Balthasar Göbel von Kruspis ist als solcher für einen weiteren achtjährigen Zeitraum eidlich verpflichtet worden.

J. A. Nr. 2003. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.

Gefunden: ein Regenschirm. Meldung des Eigen­thümer« bei dem Ortsvorstand zu Schenklengsfeld.

Die mit Entrichtung der Beiträge zur Landwirth- schaftskammer im Rückstände befindlichen Gemeinden und Gutsbezirke detz hiesigen Kreises werden an die unver­zügliche Einzahlung jener Beiträge hierher erinnert, da sonst das kostenpflichtige EinziehungSverfahren zur An­wendung kommen muß.

Hersfeld, den 21. August 1896.

Königliche Kreiskasse. Schultheiß.

Nichtamtliches.

Das Petroleum-Monopol.

Der ungeheuerliche Plan, den Welthandel in Petro­leum zu monopolisieren, ist seiner Verwirklichung wieder ein gut Stück näher gekommen. Die amerikanischen Petroleuminteressenten waren schon längst in der Standard- Oil-Company in New-Aork vereinigt, deren Seele Herr Nockefeller ist. Er hat es fertig gebracht, durch Unter- bietung zunächst in Amerika jegliche Konkurrenz aus dem Felde zu schlagen und dann durch Gründung der deutsch­amerikanischen Petroleum-Gesellschaft auch in Deutschland das Geschäft fast ausschließlich in seine Hände zu be­kommen. Nur zwei selbständige Geschäftshäuser, Philipp Poth in Mannheim und Rassow, Jung u. Co. in Bremen, bestanden bisher noch in Deutschland. Diese haben sich nunmehr zu einem Unternehmen vereinigt, und es fragt sich, ob die Machtmittel der Standard-Oil-Company aus-

(Nachdruck verboten.) schwere Kämpfe.

Roman von J. P i a.

(Fortsetzung.)

Sie werden mich für recht thöricht halten, meinte sie,wenn ich Ihnen sage, daß ich, so gerne ich Wasser sehe, doch große Angst davor habe. Zum Beispiel würde ich mich nur sehr schwer entschließen können, auf einem Kahn, selbst auf einem größeren Schiff zu fahren. Ich habe immer das Gefühl, als ob mir das Wasser vor vielen Jahren einmal recht verhängnißvoll geworden wäre. Es kann ja nur ein sehr lebhafter Traum ge- wesen sein, aber zuweilen habe ich deutlich die Empsin- °ung, als ob das Wasser sich über meinem Kopfe schlösse, °! es ist seltsam!"

Sie brach mit einem leichten Schauer ab, und wieder wurde ihr schönes Gesicht bleich.

»Wie merkwürdig! Es muß ein böser Traum ge­wesen sein!" rief Marie.Denken Sie, Fräulein Kainer, für mich giebt es kein größeres Vergnügen, als mit Max zusammen auf dem Wasser zu gondeln."

Es war kein Traum," nahm Clotilde plötzlich das Wort;und ich bin erstaunt, daß sich Elfriede eines Ereignisses erinnert, das in ihrer frühesten Jugend statt- fand. Sie konnte kaum drei Jahre zählen, als sie in Kirnburg in das Wasser siel."

«Also wirklich?" rief das junge Mädchen eifrig. »Und wer, Tante Clotilde, rettete mich vor dem Er­trinken?"

reichen, diese eine Firma in das Monopol mit einzu- beziehen.

Das internationale Petroleumkartell würde allerdings in diesem Falle doch noch nicht geschlossen sein. Dazu würden noch die russischen Produzenten Nobel und Roth­schild gehören. Dieselben haben aber bereits ein Kartell mit der Standard-Oil Company abgeschloffen. Nur die russische Regierung verhielt sich bisher ablehnend, weil sie hofft, später günstigere Bedingungen für Rußland zu erlangen. Die Gefahr bleibt somit bestehen, daß über kurz ober lang das Petroleum verbrauchende Publikum auf Gnade und Ungnade der Ausbeutung des internatio­nalen Ringes überliefert wird.

Was das zu bedeuten hat, kann man am besten sehen, wenn man sich die Petroleumpreise des vorletzten Früh­lings ins Gedächtniß zurllckruft. Die damalige Preis­steigerung hat Deutschland rund 100 Millionen Mark gekostet. Die Preiserhöhung von einem einzigen Pfennig für ein Liter Petroleum macht auf den deutschen Konsum eine Mehrbelastung von 10 Millionen Mark aus. Der Staatssekretär Graf Posadowsky bemerkte damals im Reichstage, daß, wenn die Bestrebungen des Petroleum­ringes es ermöglichen sollten, den Petroleumpreis auf die Höhe von 1876 zurückzuführen, so würde dadurch die Einsuhrmeuge an Petroleum für Deutschland um jährlich 300 Millionen Mark vertheuert. Das ist eine Steuer, die alle staatlichen Abgaben weit hinter sich läßt. Und was das Reich für sich in Anspruch nimmt, kommt doch wieder dem einzelnen zu gute; hier aber fließen die un­geheuren Summen ungeteilt in die unersättlichen Taschen der Rothschild und Genossen.

Es fragt sich nun, was gegen eine solche Auswucherung geschehen kann. Die leitenden Kreise haben diese Frage scharf im Auge. Schon im Mai vorigen Jahres gab Staatssekretär v. Boetticher im Reichstage eine dahin gehende Erklärung ab. Ganz besonders wendet der preußische Finanzminister dem Spekulantenringe seine Aufmerksamkeit zu. Der zunächst liegende Gedanke richtet sich auf Verstaatlichung der in Deutschland vorhandenen Petroleumquellen und die Bewilligung von Mitteln, um Bohrungen nach neuen Quellen vorzunehmen; daß solche noch vorhanden sind, beweisen die soeben gemeldeten er­folgreichen Bemühungen der Vereinigten Deutschen Pe­troleummerke. Wird es einstweilen auch nicht möglich sein, den Gesammtbedarf des deutschen Reiches durch Jnlands-Petroleum zu decken, so könnte mit dessen ver-

Baron Kuno von Reifenstein, Ihr unglücklicher Vetter, Herr von Hollmang."

Kaum waren die Worte gesprochen, als Clotilde sie auch lebhaft bereute, Sie wollte in Elfriede die Erin­nerung an ihre frühe Kindheit nicht wachrufen, und um das Gespräch kurz abzubrechen, erhob sie sich.

Es ist Zeit, daß mir nach Hause gehen, Elfriede," sprach sie und reichte der alten Frau von Hollwang zum Abschied die Hand.

Berthold war inzwischen zu Elfrieden getreten, die sich des alten Herrn Gunst schnell erworben hatte.

Sie müssen uns häufig besuchen, mein liebes Fräu­lein," sprach Berthold herzlich.Marie ist nicht kräftig genug, um viel auszugehen, und wird Ihnen sicher dank­bar fein, wenn Sie ihr oft Gesellschaft leisten."

Elfriede dankte dem alten Herrn für seine Güte und fügte hinzu:Ich komme so gern, wenn ich weiß, daß ich willkommen bin."

Ich habe mich oft gewundert, daß Ihr Vater es über sich vermochte, Sie seinem Hause so lange fern zu halten nicht einmal während der Ferien Sie kommen zu lassen," meinte Marie plötzlich.

Die beiden jungen Damen standen jetzt von den übrigen etwas entfernt, die in ein lebhaftes Gespräch über die Vortheile und Nachtheile einer kleinen Stadt gerathen waren.

Die ätherische Erscheinung Mariens entzückte El­sriede; doch mischte sich in ihre Bewunderung ein schmerz­liches, bedauerndes Gefühl. Der sonnige Sommertag fand die junge Frau ungewöhlich wohl, aber so jung

mehrter Gewinnung im Verein mit einer erweiterten Ersetzung des Petroleums durch andere Beleuchtungs- mittel der beabsichtigten wucherischen Ausbeutung unseres Volkes ein Riegel vorgeschoben werden.

Politische Nachrichten.

Inland.

Berlin, 20. August.

Se. Majestät der Kaiser unternahm heute srüh um 7 Uhr 30 Minuten vom Neuen Palais aus einen Spazierritt in die Umgegend.

Ein englisches Blatt, dieDaily Mail", hat einen Vertreter nach Deutschland gesandt, um über die Gründe der Ueberlegenheit der Deutschen in der Industrie Bericht zu erstatten. Der erste Aussatz bezeichnet den militärischen Geist als Signatur des Deutschen Reiches. Es heißt u. A.:In Deutschland ist der Militärdienst eine Speiche im Rade des Lebens geworden. Körperliche Uebungen würden wahrscheinlich nicht in dem Maße gepflegt werden, wenn sie nicht ihren Nutzen beim Heeresdienste sänden. Der letztere verhin­dert frühzeitige Heirathen mit ihren unheilvollen Folgen und verleiht dem Manne vom Lande Sinn für Rein­lichkeit, welche er sonst vielleicht nicht so gepflegt hätte. Ja, der Militarismus ist der Grundton des modernen Deutschlands, und es ist schwer abzusehen, wie viel er zur industriellen Wohlfahrt des Reiches beigetragen hat. Die Statistik giebt nur die Resultate. Die letzteren aber liefern den englischen Nationalökonomen, welche stets von derunerträglichen Militärlast in Deutschland" faseln, genug Stoff zum Nachdenken." Dazu bemerkt dieDaily Mail" selber:Auf den ersten Blick scheint die Kunst des Krieges wenig mit den Künsten des Frie­dens gemein zu haben. Wenn man aber etwas nach- denkt, sieht man ein, daß das eine oberflächliche An­schauung ist. Die Gewöhnung an Zucht, die Uebung des Auges und der Muskeln, welche zur militärischen Ausbildung gehören, sind auch etwas Werlhvolles in der industriellen Erziehung. Die Ansichten gehen aus­einander, wie weit unser Volk körperlich degenerirt ist. Jeder aber giebt zu, daß es degenerirt ist, und zwar deshalb, weil die körperliche Ausbildung vernachlässigt wurde. Das ist nur der erste Punkt, worin unsere Konkurrenten den Vortheil haben: im Allgemeinen bessere

und unerfahren Elfriede auch war, sah sie doch, daß hier ein junges Leben langsam hinsiechte. Die leuchtenden Augen, das hektische Roth auf den eingefallenen Wangen, der kurze, trockene Husten verriethen die traurige Wahr­heit nur allzu deutlich.

Ich habe Ihren Papa gern, Fräulein Rainer," fuhr Marie fort, da Elfriede schwieg,er ist mir stets mit so großer Güte und Liebenswürdigkeit begegnet, aber dennoch fürchte ich mich vor ihm."

Wirklich?" entgegnete die andere sinnend, denn sie fragte sich, ob die Gefühle, welche sie für ihren Vater hegte, auch mit einer gewissen Scheu vermischt wären. Tante Clotilde sagte mir immer, daß mein Vater den Verlust meiner Mutter so tief betrauerte, daß es besser wäre, ich käme nicht eher nach Hause, als bis sein Schmerz etwas gelindert wäre."

Max erzählte mir davon," entgegnete Marie in mitleidigem Tone.Es muß unsagbar traurig gewesen sein, und ich wundere mich nicht, daß Ihr Vater nicht länger in Bucheneck zu bleiben vermochte, nachdem sie fortgegangen war."

Elfriede achtete der Wortegegangen" nicht weiter; sie hielt sie einfach für eine milde Form, in der man vom Tode spricht; während Marie nicht anders glaubte, als daß die Tochter von dem Schicksal der Mutter unter­richtet sei.

Ich habe zu wenig Freundinnen," fuhr sie fort, ba Elfriede schwieg;ich schließe mich sehr schwer an andere an, aber zu Ihnen, liebes Fräulein, zieht es