lichen Maueranschlag bestätigen ließ, daß ihn, den Deutschen, ein französischer Konsul im Jahre 1871 wegen seiner franzosen-freundlichen Haltung beglückwünscht habe. Wir möchten meinen, daß selbst vielen deutschen „Genossen" diese prahlerische Verleugnung jedes nationalen Selbstgefühls gegen den Strich gehen wird, und wenn unsere Sozialisten glauben sollten, daß sie dafür bei den französischen Sozialisten Anerkennung finden werden, so dürsten sie ihre Rechnung erst recht ohne den Wirth gemacht haben.
Politische Nachrichten.
Inland.
Berlin, 28. Juli.
Von der R o r d l a n d s r e i s e Sr. Majestät des Kaisers wird gemeldet: Bergen, 28. Juli. Die „Hohenzollern" traf gestern Abend 9 Uhr nach sehr guter Fahrt im Hafen von Bergen ein, wo das Schiff „Stein" lag und Salut feuerte. Heute Morgen besichtigte Se. Majestät das Schiff. Abends gedenkt der Kaiser das Diner beim deutschen Konsul Mohr einzu- nehmen. Die Ankunft in Kiel soll Donnerstag Abend oder Freitag früh erfolgen.
Kaiser Wilhelm saydte, wie aus London gemeldet wird, dem neuvermählten Paare, dem Prinzen und der Prinzessin Karl von Dänemark, durch den deutschen Botschafter mehrere kostbare Vasen und Armleuchter als Hochzeitsgeschenk. Auch herzliche Glückwunschtelegramme trafen dort vom deutschen Kaiserpaare ein.
Zn dem Kaisermanöver in Schlesien hat auch Prinz Ruprecht von Bayern eine Einladung erhalten. Mit Rücksicht hierauf wird sich der Prinz am 3. September von den Manövern des 1. bayerischen Armeekorps von Unterthingau nach Görlitz begeben.
Fürst Bismarck erfreut sich, wie der „Hamb. Korr." anderweiten Meldungen gegenüber berichtet, des besten Wohlseins. Er machte gestern ebenso wie vorgestern eine Ausfahrt und wurde von hundert Personen, die ihn vor dem Schlosse erwartet hatten, begrüßt.
Die Enthüllung des Denkmals für die 1870/71 in Frankreich gefallenen Gardefüsiliere, welches auf dem Schlachtfeld von St. Privat — unweit St. Marie aux Chönes, das vom Gardefüsilier-Regiment im Sturm genommen wurde — an der Stelle errichtet wird, wo der Kommandeur des Regiments, Oberst v. Erckert, den Heldentod starb, soll am 18. August stattfinden.
Der Ausschuß des Centralverbandes deutscher Industrieller wird Ende September oder Anfang Oktober zu einer Sitzung zusammentreten, in welcher über die Theile des Entwurfs eines neuen Handelsgesetzbuchs berathen werden wird, die für die Industrie von besonderer Bedeutung sind.
Wie das „Posener Tagebl." meldet, ist der Propst Bartsch, der in einem Briefe an den Invaliden Gronostei die Ausstellung eines Taufscheines auf ein in deutscher Sprache geschriebenes Gesuch verweigert hatte, von dem Erzbischof Dr. v. Stablewski mit dem kanonischen Monitum bestraft und beauftragt worden, davon dem „Posener Tagebl." Kenntniß zu geben.
Die Sonntagsruhe im Güterverkehr auf den meisten preußischen Bahnen hat sich sehr gut bewährt. An 60000 Eisenbahnbeamte und Eisenbahnarbeiter mehr wie früher erfreuen sich dank dieser Einrichtungen nunmehr der wohlverdienten Sonntagsruhe.
Der Kriegsminister hat angeordnet, daß die Proviantämter mit ihren Getreidekäufen jetzt schon beginnen sollen. Die Aemter sind angewiesen worden, nur beste Qualitäten zu kaufen, dafür aber auch die höchsten Tagesmarktpreise zu zahlen.
danken beschäftigt, daß ich nicht merkte, wie die Zeit verging. Was macht Ihre Frau Mutter?"
„Danke. Die Hitze bekommt ihr nie recht gut, vielleicht geht sie noch in ein Seebad."
„O, das thut mir leid!" erwiderte der Fabrikherr zerstreut; seine Gedanken waren dem von ihm angeregtem Tone sichtlich sehr fern. „Sie waren gestern Abend nicht in Villa „Emma," auch vorgestern nicht," fuhr er fort, „ich glaube fast acht Tage sind vergangen, seit Sie sich das letzte Mal sehen ließen. Wie kommt das? Marie äußerte bereits die Besorgniß, wir könnten Sie durch irgend etwas beleidigt haben."
Ueber des jungen Mannes Züge glitt ein leichtes Roth, während sie sich in ernste Falten legten. — Bert- holds scharfem Blick entging das nicht.
„Wie kommt das?" fragte er noch einmal. „Sind Sie unseres stillen Hauses überdrüssig geworden?"
Hollwangs Antlitz färbte sich noch tiefer.
„Nein, das gewiß nicht, Herr Berthold. Sie wissen ja, wie gern ich zu Ihnen komme, und wie dankbar ich Ihnen bin, daß Sie mir Ihr Haus so liebenswürdig geöffnet haben."
„Warum kommen Sie dann nicht öfter? Vor kurzem noch ließen Sie keinen Abend vorübergehen, ohne wenigstens auf ein halbes Stündchen bei uns vorzusprechen."
Der junge Mann war auffallend verlegen geworden und schwieg.
„Ich will es Ihnen sagen," fuhr Berthold daher fort und legte die Hand auf des Anderen Schulter, „weil Sie meine Tochter lieben."
Hollwang warf den gesenkten Kopf stolz zurück, schlug die zu Boden gerichteten Augen auf und begegnete voll den gespannten Blicken des alten Herrn.
Die erste hessische Kammer hat den preußisch-hessischen Staatsvertrag in Betreff der L u d w i g s b a h n ebenfalls angenommen. A
In Eichstätt ist am Sonntag an dem Prinzen Max von Sachsen durch den Bischof Wahl aus Dresden in der Schutzengelkirche die Priesterweihe vollzogen worden. Die Handlung währte zwei Stunden.
Auslanv.
Sonnabend Nacht wurde in Zürich ein Bürger von zwei Italienern erstochen. In Folge dieser und anderer Ausschreitungen der Italiener kam es zu größeren Ausschreitungen. Am Sonntag früh wurden die zwei Italiener, welche des Mordes verdächtig waren, von einer großen Volksmenge arg mißhandelt. Nachmittags zog eine Schaar von Ruhestörern vor zahlreiche italienische Gastwirthschaften und zertrümmerte Thüren und Fenster. Die Polizei nahm eine Verhaftung vor, die Menge folgte bis zum Polizeilokal und schlug auch dort Fenster und Thüren ein, konnte jedoch den Verhafteten nicht befreien. Später trieb ein heftiger Regen die Ruhestörer auseinander. Bis Montag früh erfolgten zwölf Verhaftungen, von denen sechs aufrecht erhalten wurden. — Weiteren Nachrichten zufolge demolirte die erbitterte Menge etwa ein Dutzend italienischer Wirthschaften und Magazine. Ein Arbeiter wurde dabei von dem Militär durch einen Bajonettstich lebensgefährlich verwundet, ein Polizist büßte ein Auge ein, fünf andere Polizisten wurden verwundet. Von den demolirten Wirthschaften gehören zwei Südtyrolern. Vor dem italienischen Konsulat war andauernd ein großer Auflauf. Viele Italiener rüsten sich zur Abreise. Die italienische Gesandtschaft unterhandelt mit der Züricher Regierung. Der Bundesrath verhandelte heute über die Vorgänge und verlangte telegraphisch von der Züricher Regierung telegraphischen Bericht. Diese besichtigte heute die angerichteten Verwüstungen. Heute Nachmittag 4 Uhr rückten 3 Bataillone aus St. Gallen hier ein.
Der sozialistische Arbeiter-Kongreß wurde am Montag in London unter dem Vorsitz von Edward Cowey eröffnet. Die Zahl der Delegierten beträgt etwa 800. Nach der Eröffnung entspann sich eine Debatte über die Zulassung der Anarchisten zu den Berathungen. Mit 223 gegen 144 Stimmen wurde beschlossen, den in Zürich gefaßten Beschluß, nur Sozialisten zuzulassen, aufrecht zu halten. Die geplante Kundgebung für den Weltfrieden im Hydepark wurde gänzlich zu Wasser. Strömender Regen brach herein, als die ersten Reihen des langen Festzuges den Park betraten. An der Kundgebung nahmen über 700 auswärtige Vertreter, darunter Liebknecht, Nebel und Singer, theil, die Reden halten sollten. Bevor die Redner aber noch begonnen hatten, strömte der Regen in solchen Massen herab, daß die Versammlung aufgegeben werden mußte.
An der griechisch-macedonischen Grenze dauern die Kämpfe zwischen den plötzlich eingebrochenen griechischen Banden und den von ihnen überraschten Türken fort. Die türkischen Truppen wurden wiederholt geschlagen. Es wird verbreitet, daß die Insurgenten durch ein geheimes macedonisches Komitee, welches sich seit langer Zeit in Larissa gebildet habe, bewaffnet sei, und daß sie Lebelgewehre führen.
Die Bekämpfung des Auf st and es der Matabele verlangt immer größere Anstrengungen von den Engländern. Nach einem Telegramm der Londoner „African Rewiew" hat sich ergeben, daß die Stellungen der Eingeborenen nur mit Aufwendung von 20000 Mann zu nehmen sind. Es wird daher beabsichtigt, sie mit einer Kette von Forts zu umgeben und die Eingeborenen aus- zuhungern. Die Verluste, welche die kombinierte Kolonne Carrington und Laing an Menschen, Pferden und Maulthieren bei ihrem Angriff auf die Hügel erlitt, stehen
„So ist es," sprach Hollwang fest. „Ich liebe Ihre Tochter von ganzem Herzen, aber ich glaube es ihr weder durch ein Wort noch einen Blick verrathen zu haben. Ich habe gegen diese Liebe gekämpft und versucht, sie zu besiegen. Wegen der Regungen seines Herzens ist kein Mensch zu tadeln, und wie die Sonne nicht anders kann als scheinen, so kann ich nicht anders, als Ihre Tochter lieben. Aber sie soll es durch mich nie erfahren, das verspreche ich Ihnen. Wenn Sie es wünschen, will ich sogar die Stadt verlassen."
Der alte Herr mußte lächeln und sah den erregt Sprechenden freundlich an.
„Sie thörichter Knabe!" rief er, „die Stadt verlassen. Was sollte aus dem Mühlenwerk werden ohne Sie? Und was sollte ich anfangen ohne Sie? Und was Marie ohne Sie?"
In Hollwangs Zügen flammte es freudig und erleichtert auf, und die glückstrahlenden Augen stellten die Frage, welche seine bebenden Lippen nicht zu formen vermochten.
„Mein lieber Hollwang," fuhr der alte Herr gütig aber ernst fort, „meines Kindes Glück ist mir das Höchste auf Erden; ich bin ein alter Mann, der im besten Falle nur noch wenige Jahre zu leben hat, und würde glücklich fein, wenn ich meiner Tochter Zukunft in guten, sicheren Händen wüßte."
„Würden Sie mir Ihre Tochter geben?" rief Hollwang eifrig. „Würden Sie mir wirklich das Glück Ihres Kindes anvertrauen?"
„Ich kenne Sie von Ihrer Kindheit an, Max kannte und achtete Ihren Vater während vieler Jahre — er war mir ein treuer Freund, dessen Sohn ich mein Kind lieber geben würde, als irgend Jemand auf der Welt."
in keinem Verhältniß zu den erlangten Resultaten. Die Eingeborenen fochten mit großer Kühnheit und Energie.
Aus $roiin$ und Achbargthifl.
Hersfeld, den 29. Juli 1896.
* Vom 1. August ab sind Ursprungszeugnisse für Postfrachtstücke aus Deutschland nach Italien nicht mehr erforderlich; die Begleit- adresse wird als genügender Ausweis über den Ursprung der Waare angesehen.
* E i n M i t t e l, um Bremsen vom Vieh fern zu halten, ist Lorbeeröl (eine butterähnliche Substanz). Man nimmt einen wollenen Lappen, tränkt ihn mit Lorbeeröl, drückt ihn gut aus und bestreicht damit das Vieh an den Stellen, wo es am meisten vom Ungeziefer belästigt wird. Die Insekten können den Geruch des Oeles nicht vertragen und meiden Vieh, welches damit bestächen ist.
* Hersfeld, 29. Juli. Mit Rücksicht auf das am 1. April d. Js. in Kraft getretene S t e m p e l g e s e tz vom 31. Juli v. Js. haben die Minister des Innern und der Finanzen unter Aufhebung der Vorschriften unter Ziffer 1 bis 6 des Runderlasses vom 7. November 1876, betreffend die Verwendung der Vollmachtstempel im Verwaltungsstreitverfahren Folgendes bestimmt: 1. Die Höhe des Vollmachtstempels richtet sich nach Tarifnummer 73 zu dem genannten Gesetze. Die Vollmachten sind stempelfrei, wenn der Werth des Streitgegenstandes nach Geld geschätzt werden kann und 150 Mark nicht übersteigt (§ 4a des Gesetzes). Diese Befreiung findet auch auf diejenigen Vollmachten Anwendung, aus deren Inhalt der Werth des Gegenstandes nicht ersichtlich ist, sofern nachgewiesen wird, daß der Werth den Betrag von 150 Mark nicht übersteigt (§ 4 Abs. 2 des Gesetzes). Der bereits verwandte Vollmachtstempel wird von der Steuerbehörde auf Antrag erstattet werden, wenn der Werth des Streitgegenstandes durch das demnächst erfolgende Endurtheil auf 150 Mk. oder weniger festgesetzte wird. 2. Zur Entrichtung oder Nach- bringung des Stempels sind verpflichtet der Aussteller der Vollmacht, sowie jeder Inhaber oder Vorzeiger, welcher ein rechtliches Interesse an deren Gegenstand hat (§ 12b und § 13d des Gesetzes). 3. Die Verwendung des Stempels hat innerhalb 14 Tagen nach der Ausstellung der Vollmacht zu geschehen (§ 16g des Gesetzes). Für Inhaber oder Vorzeiger der Vollmacht, die ein rechtliches Interesse an deren Gegenstand haben, läuft die 14tägige Frist erst vom Tage des Empfangs (§ 14 Absatz 2 des Gesetzes). 4. Vollmachten, welche ohne den vorgeschriebenen Stempel eingereicht werden, sind dem Einreicher so zeitig zurückzugeben, daß er noch innerhalb der gesetzlichen Frist die Verwendung des Stempels bewirken kann.
* Hersfeld, 29. Juli. Das diesjährige Manöver der 22. Division wird in der Werragegend (Eschwege rc.) stattfinden.
Hersfeld, 29. Juli. Das Stützen reichlich mit Früchte beladener Bäumen darf unter keinen Umständen versäumt werden, sofern dem Baume seine Fruchtbarkeit für spätere Jahre erhalten und derselbe vor einem Zusammenbrechen unter der Last seiner Früchte bewahrt werden soll. Am besten bringt man hierzu an den Hauptästen der Bäume einen Pfahl an, dem man durch Anbinden an den Stamm des Baumes mit Weiden, Stricken oder am besten mit breiten Hansgurten genügenden Halt verleiht. An diesem Pfahl, welcher jedoch ziemlich stark sein muß, befestigt man je nach Bedarf eine größere oder kleinere Zahl von Tannenholzstäben mit je einem Nagel so, daß dieselben auf- und abwärts bewegbar sind. Diese Stäbe werden nun strahlenförmig vom Mittelpfahl aus gegen die mit Früchten
„Und Marie — Ihre Tochter?"
„Das müssen Sie sie selbst fragen; doch glaube ich nicht, daß Sie zu verzweifeln brauchen," fügte er lächelnd hinzu.
„Wie soll ich Ihnen danken," sprach Hollwang warm. „Worte vermögen nicht auszudrücken, wie glücklich Sie mich machen; und ich werde Alles thun, mich Ihres Vertrauens würdig zu zeigen. Jetzt bin ich ein unbemittelter Mann, aber ich werde nicht ruhen, bis ich Ihrer Tochter eine Stellung erworben habe, die mindestens derjenigen gleichkommt, welche sie jetzt einnimmt."
In des alten Mannes Augen traten Thränen der Rührung, als er Hollwang so reden hörte.
„Was wollen Sie thun," fragte er. „Ich erinnere mich, daß vor ungefähr sieben Jahren, als Sie vielleicht sechs Monate schon bei mir arbeiteten, ich Sie einmal fragte, ob Sie hofften, eines Tages ein großer Kaufmann zu sein. Da antworteten Sie mir: nein, denn Sie würden den Kaufmannsstand niemals genug lieben, um darin etwas Hervorragendes leisten zu können."
Max von Hollwangs Züge umwölkten sich und wieder färbte ein leichtes Roth seine Wangen. In den Tagen, von denen Berthold sprach, hatte er von Lorbeeren geträumt, die er sich auf einem anderen Felde zu erobern gedachte. Schon als kleiner Knabe hatte er ein besonderes Talent für Musik an den Tag gelegt, und nur die bitterste Nothwendigkeit, sowie das ausgeprägteste Pflichtgefühl hatten ihn bestimmt, Kaufmann zu werden.
(Fortsetzung folgt.)__________________
— Richter (zum Dieb): „Warum stahlen Sie außer dem Schinken auch noch Torten?" — Dieb: „Ich bin gewohnt, Dessert zu essen!"