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Hersscker SreidMatt
Gratisbeilagen: „)llnstrirtes Sonntagsblatt" n. „)llnstrirte landwirthschaftliche Veilage^^.
Nr. a L-Wtrftiir Stil H. giß 1896.
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Amtliches.
Herefeld, den 28. Juli 1896.
Durch Ministerialerlaß vorn 21. Juni d. I. U. III. E. Nr. 3219 ist bestimmt morden, daß die vom 1. April d. I. ab aufs neue bewilligten widerruflichen Staatsbeihülfen, welche bis jetzt von den betreffenden Herren Lehrern bei der Königlichen Kreiskasse dahier am 1. eines jeden Monats selbst in Empfang genommen worden sind, nicht mehr direkt an die Lehrer, sondern, wie solches bei einzelnen Posten infolge Einführung von Gehalts- regulativen rc, bereits angeordnet, vom 1. April d. I. ab auf Weiteres durchgängig an die Schulverbände berufe. diejenigen Gemeinde- rc. Kassen zu zahlen sind, aus welchen die Schulunterhaltungskosten bestritten werden müssen. Es geschieht solches u. A. deshalb, um den Schulverbänden zum Bewußtsein zu bringen, daß sie es sind, welche in erster Linie die Schullasten zu tragen haben.
Die Quittungen der Herren Lehrer über die vom 1. April d. I. ab bis jetzt direkt empfangenen Beträge dieser Beihülfen sollen gegen solche der Gemeinden um- getauscht werden. Die Königliche Kreiskaste hat sich mit meinem Einverständnisse jedoch bereit erklärt, den am 1. August d. I. fällig werdenden Betrag nochmals direkt an die Herren Lehrer zu zahlen, während diese Zahlung vom 1. September d. I. ab an die betr. Gemeindekassen gegen ordnungsmäßige Quittung erfolgt.
Die Königlichen Herren Ortsschul - Jnspektoren des hiesigen Kreises ersuche ich deshalb hierdurch ergebenst um gefällige recht baldige
(Nachdruck verboten. > schwere Kämpfe.
Roman von J. P i a.
(Fortsetzung.)
Kuno folgte ihm mit den Blicken, bis er in der Buchen-Allee verschwunden war. Es schien, als ob er seit gestern um Jahre gealtert wäre: seine Schritte wankend und unsicher, seine Haltung wie gebrochen. Dann trat Kuno in das kleine Sommerhaus und warf sich mit einem schweren Seufzer, der fast wie ein Stöhnen klang, auf eine Bank nieder.
„Gibt es wohl einen schändlicheren Bösewicht, als ich es bin?" dachte er in bitterem Selbstvorwurf. „Und ich hielt mich für einen ehrlichen Menschen — mich, der ich mich nicht entblöde, zu betrügen — ja selbst eine Lüge nicht scheue!"
Er bedeckte das Gesicht einige Augenblicke mit beiden Händen; als er wieder aufblickte, war er kreideweiß und auf der Stirn standen dicke Schweißtropfen; seine Augen aber hatten einen trotzigen Ausdruck angenommen.
„Was mache ich mir da für unnütze Sorgen," murmelte er vor sich hin. „Ein altes Sprichwort sagt, daß in der Liebe wie im Kriege Alles erlaubt ist; und wie unendlich ich Dich liebe, mein theurer Schatz, das sollst Du bald sehen! Ich hatte keine Ahnung, daß ihr Mann — bah! ich will ihm den Namen nicht geben, den ich, bevor wenige Monate vergangen sind, hoffentlich für mich selbst errungen habe — ich hatte keine Ahnung, daß Rainer sie so lieb hat, daß er überhaupt fähig ist,
entsprechende Bescheidung der Ihnen unterstellten Herren Lehrer, welche nunmehr den bezüglichen Besoldungstheil vom 1. September d. I. ab monatlich im Voraus bei der betr. Gemeindekasse gegen ordnungsmäßige Quittung in Empfang zu nehmen haben.
Die HerrenBürgermeisterder betr. Schul- verbandS-Gemeinden weise ich hierdurch an, die Ihnen unterstellten Gemeinderechnungsführer hiernach mit entsprechender Anweisung zu versehen und denselben auf- zugeben, die am 1. eines jeden Monats fällig werdenden Beiträge der fraglichen Staatsbeihülfe, welche mit dem gesetzlichen Staatsbeitrage von jährlich 500 Mark rc. nichts zu thun hat, vom 1. September d. I. ab bei der Königlichen Kreiskaste dahier gegen ordnungsmäßige Quittung in Empfang nehmen zu lasten und an den betr. Lehrer ungesäumt gegen rechnungsmäßige Quittung aus- zuzahlen. Am 1. März 1897 haben die betreffenden Gemeinden der Königlichen Kreiskasse dahier eine Jahres- quittung auszustellen, trotzdem, daß sie die Beihülfe nicht vom 1. April d. I. ab sondern erst vom 1. September d. I. ab erhalten haben.
In der 1896/97er Gemeinde-Rechnung ist der Betrag aber nur in der wirklichen Höhe (also für 7 Monate) in Einnahme und Ausgabe nachzuwerfen.
In denjenigen Fällen, wo die persönliche Abholung des Geldes nicht möglich fein kann, ist es auch zulässig, daß die bezügliche vorschriftsmäßige Quittung rechtzeitig vorher an die Königliche Kreiskasse dahier portofrei gesandt wird, woraufhin alsdann die alsbaldige unfran- ' kirte Zusendung des Geldes erfolgen wird.
I. 1. Nr. 3873. Der Königliche Landrath.
I V.: H e e g.
Nichtamtliches.
Kläglicher Wetteifer.
Frankreich hat in seiner Fortentwickelung auf der schiefen Ebene des politischen Radikalismus solche Fortschritte gemacht, daß eine Anzahl von Städten, zum Beispiel Roubaix, Carmaux, bis vor einigen Wochen sogar Marseille, und nicht in letzter Reihe Lille, sich bereits sozialdemokratischer Stadtverwaltungen erfreuen. Wie diese Herren ihr Amt auffasten, hat vor kurzem der
so tief zu empfinden. Ach was, seine Schwester wird ihn schon trösten. Jetzt muß ich vor allem das Kind holen — und dann ist Christa — Lieb und Glück die Losung."
17.
Ungefähr dreißig Meilen von Kirnburg entfernt lag ein kleiner Fabrikort. Die Häuser waren von Rauch geschwärzt — die Straßen eng und winkelig, doch sah man darin manch großes und bedeutendes Fabrikgebäude und gewiß nicht das unscheinbarste darunter war das große Mühlenwerk von Karl Berthold.
Dieser war ein streng rechtlicher, liebenswürdiger Mann, der für die Armen stets eine offene Hand, und die Unglücklichen ein offenes Ohr hatte, und wohl keines Menschen Namen wurde in der Stadt mit mehr Achtung und Liebe genannt als der seine.
Er hatte sich spät verheiralhet, aber leider sollte er nur zwölf Monate lang glücklich sein in dem Besitz seiner jungen, heißgeliebten Frau, die ihm bei ihrem Hinscheiden eine Tochter hinterließ. Die kleine Marie füllte nun den leeren Platz in seinem Herzen gänzlich au«. Er widmete ihr seine ganze Liebe, seine ganze Sotgfalt; kein Wunsch wurde ihr versagt, keine Bitte verweigert.
Doch die Leute schüttelten ernst den Kopf, wenn sie das zarte, blasse Mädchen sahen; ihre Augen waren so leuchtend, ihre ganze Erscheinung zu ätherisch, und die Aerzte meinten, sie habe die zarte Konstitution ihrer Mutter geerbt und jede geistige wie körperliche Aufregung müsse ihr fern gehalten werden.
Maire von Carmaux, der wegen Mißachtung der Staatsgesetze von seinen eigenen Untergebenen verhaftet werden mußte, aller Welt bewiesen. Ein Seitenstück zu ihm bildet der Bürgermeister von Lille. Auf dem dort soeben abgehaltenen, durch die Rolle der deutschen Sozialisten zu einem reinen Satyrspiel ausgearteten Sozia- listenkongreß übernahm er die leitende Rolle. Die Einladungen und Anordnungen für denselben erließ er auf amtlichem, mit dem Staatsstempel versehenem, weißem Papier. An den öffentlichen Kundgebungen nahm er, bekleidet mit den Abzeichen seines Amtes, — mit dreifarbiger Schärpe, theil. Für die Sitzungen des Kongresses räumte er das Stadthaus ein, er selbst führte den Vorsitz bei dem Festmahl der Sozialisten.
Er stellte also die ganze staatliche Autorität, über die er verfügte, in den Dienst der internationalen, revolutionären Bewegung. Da wird es erklärlich, daß die französische Bevölkerung die Geduld verlor und sich in Demonstrationen erging, die in erster Reihe den Taktlosigkeiten des Liller Bürgermeisters und den Maßlosigkeiten der Sozialdemokratie galten und die den deutschen Sozialisten füglich das Konzept gründlich verdarben.
Das Verhalten der letzteren findet an Kläglichkeit kaum irgendwo seines Gleichen. Der „Vorwärts" giebt sich alle erdenkliche Muhe, die Liller Vorgänge einfach wegzuleugnen und den Empfang und Erfolg der Bebel, Singer und Liebknecht als einen glänzenden, alle gegen- theiligen Mittheilungen als Erfindungen der Bürgerschaft hinzustellen. Aber die von ihm verschwendete Druckerschwärze schafft doch die Thatsache nicht aus der Welt, einmal, daß die deutschen Sozialisten sich heimlich zum Stadthaus hinschleichen und heimlich wieder wegschleichen mußten, um nicht der Volksjustiz zu verfallen, und zweitens, daß die von Liebknecht in der Sozialistenversamm- lung geführte Sprache an Erbärmlichkeit der Gesinnung alle bisherigen Leistungen übertrifft. Er scheute sich nicht, darauf hinzuweisen, daß er gegen die Einverleibung von Elsaß-Lothringen gestimmt habe, und renommierte mit den zwei Jahren Gefängniß, die er wegen seiner franzosenfreundlichen Haltung bekommen haben will. Wenn er das in Deutschland thut, so mag das noch allenfalls hingehen, aber in Frankreich eine solche Sprache zu führen, das zeigt doch einen starken Grad von Vater- landslosigkeit und Franzosenschmeichelei an.
Würdelos ist es auch, daß er sich in Lille durch öffent-
Der heiße Herbsttag neigte sich dem Ende zu. Karl Berthold saß allein in seinem Privatkomploir. Das Läuten der großen Glocke, der plötzliche Stillstand der Maschinen, das Geräusch vieler Tritte verkündete die Feierabendstunde. Gewöhnlich verließ Berthold die Fabrik eine halbe Stunde früher, heute aber saß er sinnend da, ohne der enteilenden Zeit zu achten.
Plötzlich wurde laut an seine Thür geklopft und, aus seinen Gedanken erwachend, rief er:
„Herein!"
Einer der CommiS steckte den Kopf herein und sagte bescheiden:
„Verzeihen Sie Herr Berthold; aber Friedrich wartet um zuschließen zu können."
„Ich hatte keine Ahnung, daß es schon so spät ist," antwortete Berthold, die Uhr ziehend. „Ist Herr von Hollwang schon fort?"
„Nein!"
„Bitte, sagen Sie ihm, daß ich ihn sprechen möchte, und Friedrich sagen Sie, daß er gehen könne, ich werde selbst zuschließen. Gute Nacht!"
Wenige Minuten später ließen sich näher kommende Schritte hören, und über Bertholds edle, noch immer schöne Züge glitt ein freundliches Lächeln, als sich im Nahmen der Thür eine schlanke, junge Männergestalt zeigte mit schön geformtem Kopf, den braune Locken zierten, lebhaften, grauen Augen und Zügen, die eine edle Natur wie einen festen Charakter verriethen
„Gut, daß Sie noch da sind, Hollwang," rief ihm Berthold entgegen. „Ich war so eifrig mit meinen Ge-