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Gratisbeilagen: „)llnstrirtes Sonntagsblatt^^ u. „)ll«ftrirte landwirthschaftliche Beilage".
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Erstes Blatt.
Bestellungen auf das Hersfelder Kreisblatt mit den Gratisbeilagen „Jllustrirtes Sonntagsblatt" -"» „Jllustrirte landivirthschaftl. Beilage" für die Monate August und September d. I. werden von allen Kaiserlichen Poftanftalten, tand- briefträgern und von der Expedition angenommen.
Amtliches.
Hersseld, den 21. Juli 1896.
In der am 28. Juni 1896 da hier stattgesundenen Generalversammlung der Allgemeinen OrtSkrankenkasse für die ländlichen Gemeinden des hiesigen Kreises ist u. A. solaeuder Beschluß gefaßt morden:
„Kassenarzt der Krankenkasse ist nach Beschluß der Generalversammlung vom 28. Juni 1896, Herr Dr. und Landkrankenhaus - Direktor Israel zu Hersfeld und gelten für die Heranziehung eines anderen Arztes die Bestimmungen im § 22 des Statuts, und diene zur Erläuterung desselben folgendes:
Außer NolhsäUen gestattet der Vorstand die Herallziehung eines andern Arztes nur den Kassenmit- gliedern, welche über 10 Kilometer von Hersfeld entfernt wohnen, wenn die Erkrankung eine leichtere ist, und die Erwerbsunfähigkeit voraussichtlich nicht länger als 8 Tage dauert. Für alle anderen Fälle ist zur Behandlung durch einen andern Arzt die Genehmigung des Vorstandes erforderlich.
Die Krankenscheine, welche nicht vom Kassenarzt ausgestellt sind, werden nur dann als gültig anerkannt, wenn die Behandlung mit Genehmigung des Vorstandes stattgesunden hat."
Auf Ersuchen des Vorstandes der genannten Kasse wird dieser Beschluß hierdurch veröffentlicht und weise
(Nachdruck verboten.) schwere Kämpfe.
Roman von I. P t a.
(Fortsetzung.)
15.
Ueber Bucheneck dämmerte der junge Tag herauf. Die Blumen hoben ihr Köpfchen und schüttelten den Thau von ihren Blättern. Die Vögel erwachten, putzten sich das Gefieder und sangen ihr Morgenlied. Im Osten war der Horizont wie in Purpur und Gold getaucht, die Königin des Tages stieg langsam in strahlender Pracht herauf.
Das Gesinde ging den verschiedenen Beschäftigungen nach; auch im Hause wurde es rege, und dann kamen Wilhelm und Clotilde in das Frühstückszimmer herunter. Des ersteren Gesicht war bleick, seine Augen trübe, halte doch die ganze Nacht der Schlaf sein Lager geflohen. Clotilde hingegen war, so weit man nach ihren, Aeußern schließen konnte, nicht weniger selbstbewußt und selbstzufrieden als stets.
Schweigend nahmen Beide ihr Frühstück ein, worauf Rainer seinen breitrandigen Strohhut nahm und in das Freie hinauStrat, um seinen Pflichten nachzugehen. Zögernden Fußes schritt er durch den Garten, öffnete unentschlossen die Gitterthür, dann schloß er dieselbe wieder rasch und lenkte die Schritte nach dem Hause zurück.
„Clotilde," sagte er, in das Zimmer tretend, „Christa macht mich unruhig. Es ist grausam, sie so lange mit sich und ihrem Kummer allein zu lassen."
ich die Herren Bürgermeister rc. des hiesigen Kreises hierdurch an, denselben in ihren Gemeindebezirken alsbald durch Ausruf zur allgemeinen Kenntniß zu bringen und die in Betracht kommenden Mitglieder dieser Kasse noch besonders damit vertraut zu machen.
I. I. Nr. 3755. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.
Hersseld, den 22. Juli 1896.
An Stelle des verstorbenen Thierarztes Fürer ist dessen Tochter, Fräulein Jda Fürer, für den V. Schaubezirk der hiesigen Stadt als Sachverständige zur amtlichen Untersuchung des Schweinefleisches auf Trichinen sowie zur Schlachtviehbeschau widerruflich bestellt und verpflichtet worden.
J. l. Nr. 3845 u. 3846. Der Königliche Landrath Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.
Hersseld, den 23. Juli 1896.
Mit Einzahlung der Beiträge zur forst- und land- wirthschaftlichen Unfallversicherung pro 1895 sind noch mehrere Gemeinden rc. im Rückstände und werden die betreffenden Herren Bürgermeister rc. Hierdurch angewiesen, dafür zu sorgen, .,äß die bezüglichen Beträge noch alsbald, spätestens aber bis zum 29. d. Mts., zur Kieiskommunalkasse dahier eingezahlt werden.
Der Königliche Landrath Freiherr von Schleinitz, Geheimer RegierungS-Ratb.
Hersfeld, den 24. Juli 1896.
Mit Abholung der in meiner Verfügung vom 29. Juni d. Js., I A. Nr. 1606, im Kreisblatt Nr. 77, bezeichneten Nechnungs-Beläge sind noch niedere Herren Orlsvorslände des hiesigen Kreises im Rückstände. Bevor ich dieselben auf Kosten der betreffenden Gemeinden 2C. absenden lasse, will ich die noch rückständigen Herren Ortsvorstände hierdurch nochmals auffordern, die fraglichen Beläge nunmehr noch alsbald, spätestens aber b i s z u in 28. d. MtS., dahier abholen zu lassen.
I. A. Nr. 1606. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.
Die Angeredele sah von ihrer Arbeit auf — es war ein rascher, prüfender Blick, der sein Gesicht traf. Seine festgeschlossenen Lippen zeigten eine Entschlossenheit, die keine Widerrede duldete. Er verließ das Zimmer wieder, stieg langsam bie Treppe hinan, blieb vor der Thüre, die zu dem Gemach seiner Frau führte, stehen und klopfte an.
Das Klopsen klang deutlich bis zu Clotildens Ohr, und den Athem anhaltend lauschte diese auf das Oeffnen der Thür oder Christas Antwort; doch Alles blieb still. Rainer-klopfte zum zweiten Male; wieder keine Antwort. Jetzt hörte sie, wie der Drücker ihres Bruders Hand nachgab und er das Zimmer durchschritt. Tiefes Schweigen — athemlose Stille, und im nächsten Moment erscholl ihr 9tame so heiser und entsetzt von ihres Bruders Lippen, daß sie seine Stimme kaum erkannte:
„Clotilde! Clotilde!"
Das Gefühl, als ob etwas Furchtbares geschehen sei, bemächtigte sich ihrer, und voll Angst zögerte sie, dem Rufe des Bruders zu folgen.
„Clotilde."
Seine Stimme klang noch Heiserer, noch tonloser. Sie ging aus dem Zimmer und stieg langsam die Treppe hinauf. Christas Thür stand weit offen, ein Blick genügte, um ihr zu sagen, daß sich außer ihrem Bruder kein Mensch in dem freundlichen sauberen Zimmer befand.
Rainer stand, wie eine Stütze suchend, gegen das weiße, unberührte Bett gelehnt und hielt einen offenen Brief in der Hand. Sein Gesicht war todtenbleich — selbst seine Lippen waren farblos.
Nachrichten.
Jnlanv.
Von der N o r d l a n d s r e i s e Sr. Majestät des Kaisers wird gemeldet: Molde, 22. Juli. Während des heutigen Tages blieb die „Hohenzollern" hier vor Anker. Seine Majestät der Kaiser nahm Vorträge entgegen. Das Wetter ist andauernd trübe und regnerisch, so daß die geplanten Landpartieen voraussichtlich aufgegeben werden müssen. Morgen früh findet die Zusammenkunft mit Sr. Majestät dem König Oskar von Schweden und Norwegen statt, der um 9 Uhr zum ersten Frühstück an Bord der „Hohenzollern" erwartet wird. Der König wird von seinem norwegischen Hofstaat begleitet sein. — Aus Molde wird vom 23. gemeldet: Nachdem die „Hohenzollern" unter Nacht bei Naeste vor Anker gelegen, kam heute früh halb 9 Uhr die Jacht König Oskars in Sicht und ankerte um 9 Uhr der „Hohenzollern" gegenüber. Der König begab sich sofort an Bord der „Hohenzollern", wo ihn der Kaiser empfing. Beide Monarchen begrüßten sich aufs Herzlichste. Nach Vorstellung der Gefolge wurde an Bord der „Hohenzollern" ein gemeinschaftliches Frühstück eingenommen, während dessen bi» Kapelle der „Hohenzollern" concer- tierte. Um 10‘/+ Uhr kehrte der König auf seine Jacht zurück nach herzlichster Verabschiedung vom Kaiser. Kurz darauf ging die „Hohenzollern" Anker auf, um die Fahrt nach Maeraak fortzusetzen. Das Wetter ist fortgesetzt trübe und regnerisch
Der „Reichsanzeiger" veröffentlicht folgenden, vom 21. d. M. datirten E r l a ß des K r i e g s m i n i st e r s, gez. i. V.: Viebahn: Es wird hiermit zur allgemeinen Kenntniß gebracht, daß den Unteroffizieren und Mannschaften dienstlich verboten ist: 1. jede Betheiligung an Vereinigungen, Versammlungen, Festlichkeiten, Geldsammlungen, zu der nicht vorher besondere dienstliche Genehmigung ertheilt ist, 2. jede Dritten erkennbar gemachte Bethätigung revolutionärer oder sozialdemokratischer Gesinnung, insbesondere durch entsprechende Ausrufe, Gesänge oder ähnliche Kundgebungen, 3. das Halten und die Verbreitung revolutionärer oder sozialdemokra- tischer Schriften, sowie jede Einführung solcher Schriften in Kasernen oder sonstige Dienstlokale. Ferner ist sämmtlichen Angehörigen des aktiven Heeres dienstlich befohlen, von jedem zu ihrer Kenntniß gelangenden
„Wo ist Christa?" fragte Clotilde erschrocken.
„Lies laut," gebot er.
Sie gehorchte. Der Ausdruck seiner Züge flößte ihr noch mehr Angst ein, als der Brief.
„Wilhelm Rainer!" las sie. „Ich kann ein Haus, in dem Du Herr bist, nie wieder mein Heim nennen; ein Haus, das mich so namenlos unglücklich, gemacht hat ; ein Haus, in dem mir so grausames Unrecht widerfahren ist. Die Sünde, die zu begehen ich im Begriff bin — wenn es eine Sünde ist — wird der Himmel Dir zur Last legen. Du und Deine Schwester — Ihr habt mich gepeinigt und gequält; Ihr habt nicht geruht, bis Ihr mich an den Rand der Verzweiflung getrieben haltet. Mein Verlust wird Dir keinen Schmerz bereiten, und wegen der Schande, die ich über Deinen Namen bringe, mache ich mir keinen Vorwurf. Was ich jetzt bin, was in^utunft — dazu hast Du mich gemacht. In Jahren, wenn Du alt geworden und Niemand Dich liebt, Niemand für Dich sorgt, keine Gattin Dir zur Seite steht, die Dir treu und innig zugethan gewesen sein würde, hättest Du es so gewollt, keine Kinder Dein Herz erfreuen — dann, wenn nicht früher, wird Dein Gewissen Dich anklagen, Dein Herz Dich verdammen.
Christa."
Der Brief entfiel Clotildens Händen, ihr Gesicht war aschfarben geworden.
„Gott fei uns gnädig!" entrang es sich flüsternd ihren Lippen.
„Was kann sie meinen?" fragte ihr Bruder, und seine Augen starrten sie trostlos an.