zugeben, daß diese fortgesetzten Verstöße gegen den militärischen Takt etwas Bedenkliches haben. In Frankreich bringt manchmal ein Körnchen Sand eine Lawine zum Absturz. Der Revanchesucht in Frankreich gegenüber steht die Stimmung von Millionen und Millionen ruhiger Leute, welche aufrichtig deu Frieden wünschen und an den „heiligen Säbel" nicht glauben. Nur schade, daß in erregten Zeiten, wie sie jenseit der Vogesen jeder kleine Zwischenfall hervorrufen kann, nicht die Mehrzahl der ruhig und friedliebenden Leute deu Ton angiebt, sondern die Minderheit der Stürmer und Dränger! —r.
Politische Nachrichten.
Inland.
sV o n der K a i s e r r e i s 6.] Aus Drontheim wird unter dem 20. Juli gemeldet: Am Sonntag hielt der Kaiser den Gottesdienst an Bord der „Hohenzollern" ab und nahm abends das Diner bei dem Konsul Jenssen ein. Am Montag Vormittag besuchte Seine Majestät den Dom und hörte dem Orgelspiel daselbst zu. Um 11 Uhr sollte die Fahrt nach dem Moldefjord angetreten werden, in dem am 23. d. M., morgens 9 Uhr, die Begegnung mit dem König Oskar stattfinden wird. — Ueber eine Ehrung des' deutschen Kaisers durch norwegische Soldaten berichtet die Bergener „Annonce Tidende" folgendes: „Bei dem Rücktransport einer Abtheilung von Landwehrleuten des Soguschen Corps begegnete das Schiff, welches die Soldaten an Bord hatte, in Lördal dem deutschen Kaiserschiff, das im dortigen Hafen vor Anker lag. Der Kommandeur des norwegischen Dampfers, Kapitän Voß, fuhr um die Pacht des Kaisers herum, nachdem er zur Begrüßung Flaggen- schmuck hatte Hissen lasten, und brächte mit der Mannschaft dem Kaiser ein neunmaliges kräftiges Hurrah. Der Kaiser, welcher Admiralsuniform trug, kam in Begleitung mehrerer Adjutanten sofort auf Deck und dankte außerordentlich erfreut den norwegischen Offizieren und Soldaten für die unerwartete Begrüßung." — Ein Telegramm aus Molde vom 21. d. Mts. Vormittags meldet: Der Kaifer ist gestern Abend 11 Uhr vor Molde nach etwas bewegter Fahrt eingetroffen. Das Wetter scheint sich aufzuklären. An Bord alles wohl.
Der Kaiser hat sein Erscheinen zur Schlußparade, welche der Prinzregent Luitpold über das zweite bayrische Korps abhält, zugesagt.
Das Befinden des Prinzen Georg von C u m b e r l a n d hat sich erheblich verschlimmert. Bei einer neuen Operation hat sich gezeigt, daß die der eiterigen Markhautentzündung in der Regel folgende Nekrofenbildung sowohl das Gelenkende des Oberschenkels wie auch des Schienbeines in großem Umfange befallen hat.
Dem Lieutenant a. D. v. Ha nneken, der früher als General in chinesischen Diensten stand, ist der Rothe Adlerorten dritter Klasse verliehen worden.
Der Finanzminister Miguel und der Staatssekretär Graf v. Posadowski sind mit Urlaub von Berlin abgereist; der letztere hat sich nach Tyrol begeben.
Von Berlin aus werden polnisch-social- demokratische Agitationstouren nach verschiedenen Gegenden, in denen polnische Landarbeiter beschäftigt sind, unternommen.
Ausland.
Aus Spanien wird gemeldet, daß jetzt sogar die Frauen anfangen, sich in die kubanischen Angelegenheiten zu mischen. Die. Mütter der nach Kuba abgehenden Soldaten haben Protestschriften gegen die Truppensen-
„Es werden sich Mittel und Wege finden, nur willige ein, die Meine zu werden."
„Wenn Sie mir versprechen, Elfriede mir zurück- zugeben, willige ich ein," sprach sie langsam aber fest. „Die Sünde, mit Ihnen dahin zu gehen, wo ich Ruhe und Zufriedenheit finde, kann unmöglich größer fein, als wenn ich in Bucheneck bleibe und gegen Wilhelm Rainer bittern, tödtlichen Haß im Herzen trage."
„Nein lange nicht so groß," bekräftigte er, „gewiß nicht." Worauf er fortfuhr: „Deine Verbindung mit ihm ist in Gottes Augen niemals eine Ehe gewesen, denn die Liebe fehlte, die sie heiligt; das Band hingegen, das uns verknüpfen soll, segnet die Liebe."
Sie mußte die schmale Grenze, welche die Vernunft vom Wahnsinn trennt, überschritten haben, denn sie lauschte seinen Worten und glaubte sie.
„Willst Du sofort nach B. abreisen?" fragte Kuno. „Der Schnellzug geht 5 Uhr 40 Minuten nach Kirnburg ab. Oder fühlst Du Dich zu sehr angegriffen?"
„Nein, ich will fort, so schnell als möglich. Wilhelm Rainers Schwelle soll mein Fuß nie wieder betreten," rief Christa in entschiedenem Tone.
Er sah, daß Kummer und Leidenschaft sie blind machten für den unwiderruflichen Schritt, den zu thun sie im Begriff war, und voll Selbstsucht zog er Vortheil davon. Er nannte ihr ein wenig besuchtes und in einer ruhigen Straße gelegenes Hotel und fuhr dann fort:
„Sobald Du in B. ankommst, nimm Dir einen Wagen und fahre dorthin. In zwei Tagen hole ich Dich ab."
„Mit Elfrieden?"
„Mit Elsrieden — das gelobe ich Dir."
Sie blieb eine Weile in Gedanken verloren stehen.
„Ich thue es, um wieder in den Besitz meines Kindes zu gelangen," flüsterte sie träumerisch vor sich
dungen eingereicht. Man glaubt, daß dies Vorgehen durch Agenten der kubanischen Freibeuter veranlaßt ist. Die Regierung ist entschlossen, gegen die Anstifter thatkräftig vorzugehen.
Der französische Präsident Faure besuchte gestern das nationale Preisschießen in dem Lager von Satory. Auf die Begrüßungsansprachen erwiderte der Präsident, er sehe mit Genugthuung das Werk der Schützen, welche für die Armee und das Vaterland arbeiteten.
Die türkischen Truppen suchten in dem Bezirke von Apokorona einige strategisch wichtige Punkte zu besetzen, wobei sie zwar zwei Schlappen erlitten, jedoch auch einen theilweisen Erfolg zu verzeichnen hatten.
Die „Times" lassen sich aus Hongkong unter dem 18. d. M. folgende Tartarennachricht melden: Missionare schreiben aus Süd-Formosa, daß die Japaner dort scheußliche Grausamkeiten gegen die chinesische Bevölkerung begehen, letztere würde sehr bald ausgerottet sein. Ueber 60 Städte seien verbrannt, Tausende seien in schrecklicher Art und Weise umgebracht worden. Man wird abzuwarten haben, was hieran wahr und wieviel erfunden ist.
Aus Provinz und Aachburstbiel.
Hersfeld, den 22. Juli 1896.
* Durch § 3 der Vorschriften für die Förster-Prüfung vom 3. Februar 1887 war nachgelassen, daß die Oberforstbeamten die Abhaltung dieser Prüfung unter Umständen in einer Gemeinde- oder Anstalts-Forststelle anordnen konnten. Diese Befugniß ist jetzt dahin erweitert worden, daß die Prüfung auch in einer geeigneten Privat-Forststelle stattfinden darf, sofern es möglich ist, die Prüflinge hier bezüglich ihrer Leistungen und ihres gesammten Verhaltens gehöriger Aufsicht zu unterstellen. Im Anschluß hieran ist die Bestimmung, wonach eine andere Regierung, in deren Bezirk der zu Prüfende sich ; aufhält, um Ausführung der Prüfung nicht angegangen werden soll, aufgehoben worden.
* Die „Berl. Corresp." schreibt: Die in viele andere Zeitungen übergegangene Nachricht des Hannoverschen Couriers über ein vertrauliches Rundschreiben des Evangelischen Ober - Kirchenraths an die Superintendenten in Beziehung auf die Propaganda der katholischen Kirche ist unwahr.
* Vor nachstehend aufgeführten Amsterdamer Firmen wird, dem „Reichs-Anz." zufolge, seitens der dortigen Polizeibehörde gewarnt: I. van der Gun u. Co. Goudsmit u. Co. A. La Grand, La Ville de Paris. A. Element u. Co. H. C. H. Adams. P. C. Homer. G. de Kruyff.
* sWichtig für Stslle suchende und auch für dieBerufswah L] Fast alle Berufszweige leiden an Ueberfüllung, in Folge dessen das Angebot von Arbeitskräften die Nachfrage bedeutend übersteigt. Unter die wenigen Stellungen, wo fast das Umgekehrte der Fall ist und seit längerer Zeit ein erheblicher Mangel an geeignetem Personal vorhanden ist, dürfte die des Rechnungsführers und Amtssekretärs zu zählen sein. Derartige Personen sind stets gesucht und finden leicht Plazement, da der Oekonom nur ungern sich mit Bureauarbeiten befaßt, in Folge des neuen Einkommensteuergesetzes jedoch verpflichtet ist, genau Buch zu führen. Wir können deshalb jungen Leuten mit guter Schulbildung und Handschrift, die wenig vermögend sind, nur rathen, diese Karriere einzuschlagen. Nach einer Vorbereitung von 4—8 Wochen ist ein einigermaßen befähigter junger Mann im Stande, sofort eine Anstellung zu erhalten, I die ihn in die Lage setzt, bei bescheidenen Ansprüchen
hin, „und wenn es Sünde ist, so wird der Himmel mir vergeben."
„Du wirst doch noch einmal nach Hause gehen müssen," unterbrach Kuno ihr Sinnen; „Du kannst nicht gut ohne die nöthigsten Sachen reisen."
„Ja," gab sie mit kaltem, freudeleerem Lächeln zurück; „ich muß noch einmal nach Bucheneck; ich habe ja noch viel Zeit. Leben Sie wohl," und dabei versuchte sie, ihm ihre Hand zu entziehen.
„Lebe wohl, Geliebte, bis wir uns wiedersehen," antwortete er und bedeckte ihre Hand mit innigen Küffen, bevor er sie frei gab. „Du wirst mich sicher erwarten, Christa?"
„Sicher."
Dann wandte sie sich und schritt langsam wie eine Träumende über die Wiese nach Bucheneck zurück. Er folgte ihr mit den Augen bis sie seinen Blicken entschwunden war; dann warf er sich in das Gras nieder und fing an zu überlegen und Pläne zu machen.
* ^ *
Wilhelm und Clotilde Rainer saßen noch im Wohnzimmer, in dem eine lautlose beängstigende Stille herrschte. Sie hörten Christa ins Haus treten, über den Flur die Treppe hinausgehen und das Zimmer öffnen, welches seit so manchem Jahr ihr ausschließliches Eigenthum gewesen war. Sie hörten, wie sie den Schlüssel im Schloß umdrehte, den Riegel vorschob und durch das Zimmer schritt.
Wilhelms Brust entrang sich ein Seufzer der Erleichterung.
„Ich habe Dir doch gleich gesagt, daß sie wiederkommen würde," sagte Clotilde. „Ueberlasse sie bis morgen ruhig sich selbst. Bis dahin wird sie vollends eingesehen haben, wie schamlos ihr Benehmen war."
nicht den geringsten Zuschuß mehr zu bedürfen. Besondere landw. Vorkenntnisse sind kaum erforderlich. Der Vorstand des Landwirthschaftlichen B eamten-Vereins zu Braun schweig, Madamen- weg 160, ist gern geneigt, dem sich hierfür interessierenden Theile des Publikums jede gewünschte Auskunft zu geben. Gegen Einsendung von 50 Pfg. in Briefmarken erfolgt nähere schriftl. Auskunft und portofreie Zusendung eines 144 Seiten starken Leitfadens im geschlossenen Couvert.
* Vor den preußischen Landgerichten fanden im Jahre 1895 vor den Civilkammern 144 454 mündliche Verhandlungen in erster Instanz statt, wobei Termine nicht mitgezählt sind, in denen lediglich Entscheidungen verkündet oder ohne mündliche Verhandlung die Sache erledigt wurde. Davon waren 87 398 kontradik- torische Verhandlungen; während 60 754 mündliche Verhandlungen Sachen betrafen, die in früheren Jahren anhängig geworden waren, bezogen sich 83 700 auf im laufenden Jahre anhängig gewordene. Die Kammern für Handelssachen hatten 42 296 mündliche, darunter 15 430 kontradiktorische Verhandlungen; sie bezogen sich auf 7 377 in früheren und 34 919 im laufenden Jahre anhängig gewordene Rechtsstreitigkeiten. In der Berufungsinstanz fanden vor den Landgerichten 55 757 mündliche, darunter 45 486 kontradiktorische Verhandlungen statt, von denen 22 585 in früheren Jahren und 33 172 im laufenden Jahre anhängig gewordene Sachen betrafen. In der Beschwerdeinstanz wurde 86 Mal mündlich verhandet.
* Die letzte Sonnenfinsterniß in diesem Jahrhundert wird am 9. August sich ereignen. In Deutschland werden wir davon aber nicht viel zu sehen bekommen, denn der Mondschatten trifft diesmal die Erde im Atlantischen Ocean, zieht über Norwegen, Nowoja-Semlja, das Eismeer, Sibirien, die Insel Jesso und verläßt im großen Ocean die Erdkugel. Von den Gegenden, die der Schatten durcheilt, sind nur zwei Stellen einem Astronomen leichter zugänglich, nämlich Norwegen und die japanische Insel Jesso. Erst im Jahre 1900 durchzieht der Mondschatten Spanien wieder.
-r Hersfeld, 22. Juli. Nächsten Mittwoch den 29. d. Mts. trifft die 3t£ reitende Batterie Hess. Feldartillerie-Negts. Nr. 11, auf ihrem Rückmarsch vom Uebungsplatz Griesheim bei Darmstadt nach dem Standquartier Wilhelmshöhe, in der Stärke von 5 Offizieren, 19 Unteroffizieren, 95 Gemeinen und 140 Pferden, in Hersfeld ein, bezieht hier Quartier, hat am 30. d. Mts. Ruhetag und reist am 31. d. Mts wieder ab nach Hainebach und Altmorschen. Die Mannschaften rc. erhalten das Quartier mit Verpflegung.
* Hersfeld, 22. Juli. In der gegenwärtigen Zeit können die Eltern ihre Kinder nicht genug vor der Unsitte warnen, Kirschkerne und Stachelbeerreste auf die Bürgersteige zu werfen, da durch Ausgleiten auf derartigen Obstresten schon manches Unglück herbeigeführt worden ist. So hatte vor mehreren Tagen ein Schreinerlehrling in Witzenhausen das Mißgeschick, durch irgend welche Ursache vom Bürgersteig abzugleilen und sich bei dem Fall einen Bruch eines Oberschenkel-Knochens zu- zuziehen, welcher unter Umständen eine dauernde Lähmung zur Folge haben kann.
-e- Hersfeld, 22. Juli. sD i e Ernte hat b e- gönnen.] Zwar steht der Hafer noch wie ein Bräut- chen im Kirchstuhl, und Gerste und Weizen harren noch des baldigen Schnittes; doch die Roggenähre ist gebleicht von den Gluthen der Sonne. Segenschmer und de. müthig neigte sie sich dem Landmanne entgegen, als Hütte sie ihm zuflüstern wollen: Komm und brich mich! Er folgte ihrem Winke, und nun stehen die Segenshalme
Rainer erwiderte nichts, doch war von seinem Herzen eine Centnerlast genommen.
„Willst Du nun nicht nach den Feldern sehen? Du weißt doch, wie wenig die Leute thun, wenn man ihnen nicht aus die Finger sieht," hub Clotilde nach einer Weile wieder an.
Mechanisch erhob er sich.
„Schicke Christa eine Erfrischung herauf," sagte er, als er sich zum Gehen wandte.
„Deine Frau vergißt wohl ihre Pflichten, ich aber niemals," entgegnete sie mit stolzer Ueberlegenheit.
Christa indessen weigerte sich, ihre Thür zu öffnen, und das Mädchen kehrte mit dem vollen Brett wieder zurück. Clotilde hatte das erwartet und ließ sich dadurch nicht aus ihrer Ruhe bringen. Mit triumphierendem Lächeln trat sie auf den hinter dem Hause gelegenen Hof hinaus und streute dem Federvieh, das von allen Seiten herbeigeeilt kam, Futter hin, während Wilhelm langsamen Schrittes mit gesenktem Kopfe den Felder» zuschritt.
Und Niemand hörte, wie oben leise die Thür geöffnet wurde, und leichte Tritte die Treppe hinunter eilten. Niemand sah die schlanke, anmuthige Gestalt, welche hastig den Garten kreuzte und die staubige Landstraße entlang lief. Niemand sah das schöne, bleiche Gesicht mit den wild entflammenden Augen, welches sich noch einmal dem Hause zuwandte, das ihr Fuß nie wieder betreten sollte.
Niemand vernahm die geflüsterten Worte: „Die Schuld trifft sie — sie haben mich fast zum Wahnsinn getrieben!" (Forts, folgt.)
— (Verfängliche Frage.) „Papachen, braucht die Mama, wenn sie zum Wildhändler geht, auch ’ne Jagdkarte?"