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HerWer meisblatt.
Gratisbeilagen: „Illnstrirter Sonntagsblatt" n. „Zllustrirte landwirthschaftliche Beilage".
dir. 86.ImeOz ütn 21 Mi 1896.
Amtliches.
Berlin, den 20. Juni 1896.
An sämmtliche RegierungS-Präsidenten mit Ausschluß des in Köln.
Der Regierungs-Präsident zu Köln hat den Antrag gestellt, zur Beschleunigung des Geschäftsganges die Erklärungen über die Zulassung von der Seuchenansteckung verdächtigen Wiederkäuern und Schweinen zur sofortigen Abschlachtung auf dem Schlachthof daselbst sowie die etwaigen Anfragen wegen Zulassung des Transports solcher Thiere vom dortigen Viehhofe nach anderen mit öffentlichen Schlachthäusern versehenen Orten an Stelle des Polizei-Präsidiums zu Köln dem mit der veterinär- polizeilichen Controls auf dem Viehhofe beauftragten Kreisthierarzt oder dem unter dem Kreisthierarzt stehenden Veterinär-Bureau des Viehhofes zu übertragen.
Ich habe dem Anträge stattgegeben und ersuche dem
geboren wohlgeboren,
gemäß Euer Hoch
die Polizeibehörden Ihres
Verwaltungsbezirks zu benachrichtigen, und anzuweisen, in Zukunft alle den Transport von verdächtigem Vieh nach dem Köln'er Schlachthofe betreffenden Anfragen und Benachrichtigungen an „das Veterinär-Büreau des Viehhofes in Köln" zu richten.
Die Behörden sind bei dieser Gelegenheit darauf hinzuweisen, daß alle Anfragen über den Transport von verdächtigem Vieh stets mit größter Beschleunigung evtl.
unter Benutzung des Telegraphen zu erledigen sind. Der Minister für Landwirthschaft, Domänen und Forsten. Im Auftrage: gez. Sterneberg.
Caffel, den 6. Juli 1896.
Abschrift zur Kenntniß und Instruktion der Ortspolizeibehörden.
Der Regierungs-Präsident. I. V.: A l t h a u s.
An die sämmtlichen Herren Landräthe des Bezirks und Herrn Polizei-Präsidenten hier. A. III. 7421.
Hersfeld, den 21. Juli 1896.
Wird den Ortspolizeibehörden zur Nachachtung mitgetheilt.
I. 3801. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.
Hersfeld, den 18. Juli 1896.
Diejenigen Herren Ortsvorstände, welche noch mit Erledigung der Verfügung vom 8. April 1879 Nr. 4257 (Kreisblatt Nr. 29) das Weißen der Schulräume betreffend, im Rückstände sind, werden mit F r i st bis zum 28. b. Mls. hieran erinnert, bei Meidung von 3 Mark Strafe.
Der Königliche Landrath Freiherr von Schleinitz, Geheimer Negierungs-Nath.
Hersfeld, den 16. Juli 1896.
Der Schreinermeister Georg Zlaus von Philippsthal ist für den verstorbenen August Aulepp als Stellvertreter des Ortsschätzers für den Gemeindebezirk Philippsthal widerruflich bestellt und eidlich verpflichtet worden.
I. I. 3619. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.
$nd|tnmtIid)C5.
Der heilige Säbel.
Das Schwert hat in der Geschichte Frankreichs wiederholt eine entscheidende Rolle gespielt. Die Erinnerung daran scheint auf die französischen Offiziere eine so betäubende Wirkung zu üben, daß sie mehr und mehr der Versuchung unterliegen, sich politisch zu bethätigen und sich zu .Trägern der Revanchesucht zu machen. Früher tödtete die Lächerlichkeit unfehlbar in Frankreich. Seit den Tagen des Generals Boulanger hat sich das französische Seelenleben auch in dieser Hinsicht geändert, und an den deutschen Grenzen spielen sich in gehäufter Zahl Scenen ab, in denen französische Truppenbefehlshaber handelnd auftreten und in theatralischer Weise dem Nachegedanken gegen Deutschland Nahrung geben.
So erhielt das 19. französische Jägerbataillon von seinem Kommandeur am 7. Juli folgenden Tagesbefehl:
„Die Kompagniechefs werden heute Nachmittag den Mannschaften über den Krieg von 1870 und dessen Folgen Vortrag halten. Sie werden ihnen die vom Feinde eroberten und besetzten französischen Territorien Elsaß-Lothringen schildern; sie werden ihnen sagen, was die Provinzen Frankreich gegeben haben; sie werden
ihre großen Leute zeichnen; sie werden die elsässisch- französische Bewegung nach dem Kriege schildern, die Engagements in der Fremdenlegion; die Unterdrückung durch die Eroberer; sie werden ihnen schließlich das gegenwärtige Elsaß schildern, auch das zukünftige, wenn wir zu lange zögern. Morgen marschiert das Bataillon auf den Drumont. Militärische Pilgerfahrt an die Grenze! Abfahrt 51/, Uhr. Feldausrüstung!"
Auf dem Drumont angekommen, ergreift der Kommandeur des Bataillons das Wort:
„Jäger! Das Schauspiel, das Ihr da vor Augen habt, ist beredter, als irgend eine menschliche Stimme es sein könnte. Zu unseren Füßen breitet sich unsere verlorene Provinz aus. Nur eine einfache Linie trennt uns von ihr. Hinter jener, um sie zu vertheidigen, steht eine Armee, die uns geschlagen, besiegt hat. Aus jedem Unglück löst sich eine große Lehre aus. Nach dem Unglück von 1870 hat man die Armee, die französische Armee beschuldigt. Niemals ist die Armee heldenhafter gewesen. Sie war zehnmal so viel werth als die deutsche Armee. Schaut um Euch, meßt den Weg, den wir zurückgelegt haben. Die ganze Nation ist bewaffnet und zum Kriege vorbereitet. Indem man den Säbel schleift, macht man seine Spitze schärfer. Wir haben den französischen Säbel geschliffen, wir haben ihn gehärtet; das Volk hat gelernt, sich des Säbels zu bedienen; das französische Volk wird sich seiner bedienen, Jäger! Die Bajonette aufgepflanzt! Wir sind hierhergekommen unter den Tönen eines kriegerischen Marsches, des Marsches des Befreiers: den Befreier — hier seht Ihr ihn!
Der Kommandant zog seinen Degen und hob ihn in die Höhe: Der Gewalt überlasten wir die Vertheidigung und Geltendmachung unserer Rechte. Der Säbel ist es, an den ich appelliere,Säbel, heiliger Säbel, ich grüße dich! In dir Säbel grüße ich unsere Macht, in dir unsere Rechte zur gegenwärtigen Stunde. Säbel, ich grüße dich! Du, du bist es allein, zu dem wir unsere Zuflucht nehmen, du bist es allein, in den wir unser Vertrauen setzen, weil wir es verstanden haben, unsere Herzen zu erheben, unsere Muskeln zu stärken, unsern Muth auf den Krieg vorzubereiten und uns durch die Arbeit des Friedens im Kriege zu üben. Jäger! Unsere Stärke grüßt das Elsaß und ruft ihm zu: Auf Wiedersehen!"
Man wird den Antheil der Hundstage an diesem Erguß keineswegs unterschätzen wollen, und wird doch
(Nachdruck verboten.)
schwere Kämpfe.
Roman von I. P i a.
(Fortsetzung.)
Kuno beugte sich zu ihr herab, zog sanft ihre Hände fort und blickte ihr ernst in die verstörten Züge.
„Christa," sprach er mit unendlicher Weichheit, „was ist geschehen? Sagen Sie mir Alles?"
„Mein Gott," entgegnete diese, „ich bin namenlos unglücklich!"
Es kam ihr so lange vor, seit sie seine wohlklingende Stimme gehört — so lange, seit man freundlich zu ihr gesprochen, und zwei dicke Thränen lösten sich aus ihren Augen und rollten ihr langsam die Wangen herab. Bald steigerte sich ihr Weinen zum wilden, leidenschaftlichen Schluchzen, und ihr überreiztes, brennendes Hirn wurde dabei kühler und ruhiger — die Qual in ihrem Herzen geringer.
Er versuchte nicht, sie durch Worte zu trösten; doch hielt er die eine ihrer brennenden Hände noch immer in der seinen, und sie dachte nicht daran, sie ihm zu entziehen.
»Sagen Sie mir, was Sie bedrückt," sprach er nach geraumer Zeit, als ihre Thränen spärlich flossen.
»Man hat mir Elsriede genommen und in die Pension gebracht, wo sie ihre Mutter vergessen wird," schluchzte sie und erzählte ihm nun von ihrem Besuche bei Bertha Velten und Elfriedens Entfernung während
ihrer Abwesenheit. Es war so süß, einen Zuhörer ge- I funden zu haben, der bei jedem Worte mit ihr empfand, । den ihr Schmerz tief und aufrichtig rührte.
„Sie haben mir das Leben gerettet," rief sie, „mit Wilhelm Rainer soll es aber nie wieder vereint sein! Ich will fort, in die weite Welt, damit wir uns nie wiedersehen."
Der junge Baron sprang auf und schritt den schmalen Wiesenpfad mehrmals auf und ab Die alte Leidenschaft, die alte Liebe brannte mit erneuter Gewalt in seinem Herzen.
„Misten Sie, wo Elfriede ist?" fragte er plötzlich, vor ihr stehen bleibend.
Ja, sie wußte es und nannte ihm den Ort.
„Clotilde wurde in derselben Pension erzogen," fügte sie hinzu, „und was man dort aus ihr gemacht, das; wissen Sie."
„Christa," rief er hastig und beugte sich abermals zu ihr nieder, hören Sie mich einige Augenblicke ruhig und geduldig an. Ihre verächtlichen Worte, die kalte Zurückweisung meiner Liebe trieben mich von Breiten- born hinweg; in den Freuden und Vergnügungen von Paris hoffte ich, Sie zu vergessen. Doch bald erkannte ich, daß meine Liebe mächtiger war, als mein Wille — daß ich nicht vergessen konnte; ich dürstete nach einem Blick in Ihre Züge, lechzte nach dem Klang Ihrer Stimme. Reue Gesichter, neue Scenen stillten mein Sehnen nicht — ich konnte nicht länger fern bleiben und kehrte gestern Abend zurück. War es nicht
ein Fingerzeig des Himmels, der uns für einander bestimmt hat? Warum hätte er meine Schritte gerade in diesem Moment hierher gelenkt?"
Mit freudig klopfendem Herzen lauschte sie seinen Worten: sie versuchte nicht, ihm die verführerische Rede ab= zuschneiden, nicht der Stimme ihres Herzens Schweigen zu gebieten, die ihr zuflüsterte, wie süß die Annahme einer solchen Liebe sein müsse — weit süßer, als zwischen den Lilien auf dem Grunde des Masters zu schlummern. Kummer und Schmerz hatte sie geblendet und ihre Sinne umnachtet, so daß sie Recht von Unrecht nicht mehr unterscheiden vermochte; sie tonifte nur matt und träumerisch denken, wie herrlich das Leben an der Seite eines Mannes sein müsse, der sie so innig liebte.
„Im sonnigen Italien wollen wir das Glück suchen, das uns hier versagt ist," flüsterte ihr Versucher. „Sage ja, Geliebte, und ich will Dir ewig dankbar sein. Du sollst mein Weib werden — mein theures, mein vergöttertes Weib, und bis zu dem Tode will ich jede L>orge von Dir fern halten, unaufhörlich für Dein Wohl bedacht sein. Auch sollst Du nicht ohne Dein Kind gehen; wenn Menschenkraft es vermag, so sollst Du Elfriede binnen wenigen Tagen wieder haben.
„Wie wäre das möglich?"
Er lächelte herab in das voller Spannung zu ihm erhobene Gesicht und drückte feurige Küste auf die kleine, weiße Hand, die willig in der feinen ruhte.