y1 1 "■"■■....... ------—"^ ''^-x
Erscheint wöchentlich drei Mal Dienstag, Donnerstag und Sonnabend.
Abonncinentspreis Vierteljährlich 1 Mark 40 Psg.
excl. Postaufschlag.
A -- -^
Die Jnsertionsgebühren betragen für den Raum einer Spaltzelle 10 Pfg., im amtlichen Theile 15 Pfg. Reklamen die Zeile 20 Pfg. Bei größeren Aufträgen entsprechender Rabatt.
Hersselher Aeisblatt.
Gratisbeilagen: „Jllustrirtes Sonntagsblatt" u. „)ll«strirte landwirthschaftliche Beilage".
Nr. 82. Iitilstng ta 14. W ' 1888.
Bestellungen auf das Hersfelder Kreisblatt mit den Gratisbeilagen „Jllustrirtes Sonntagsblatt" und „Jllustrirte landwirthschaftl. Beilage" für das 3. Quartal 1896 werden noch von allen Kaiserlichen Postanstalten, Landbriefträgern und von der Expedition angenommen.
Amtliches.
Hersfeld, den 10. Juli 1896.
Für die am 24. Dezember 1877 zu Kerspenhausen geborene Anna Barbara Freund ist um Ertheilung eines Reisepasses behufs Auswanderung nach Amerika nachgesucht morden.
I. I. 3636. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz,
Geheimer Regierungsrath.
Nichtamtliches.
Die Pariser Weltausstellung.
Der letzten Pariser Weltausstellung (1889) war die deutsche Industrie fern geblieben, das deutsche Reich konnte sich an ihr nicht betheiligen; denn abgesehen davon, daß sie als Verherrlichung der Revolution von 1789 dienen sollte, was auch in der Eröffnungsrede des Präsidenten Carnot zum Ausdruck kam, war zu der Zeit, als die Betheiligung Deutschlands in Frage kam, in Frankreich noch der Boulangerschwindel im Gange und das politische Verhältniß beider Staaten zu einander unter den Nachwirkungen des Schnäbelefalles und der Kriegstreibereien des „brave general“ stark getrübt. Erst kürzlich hat wieder ein Intimus Boulangers, der Laternenmann Rochefort, offen bekannt, daß deffen ganzes Sinnen und Trachten auf Anzettelung eines Revanche- krieges gerichtet war, über dessen möglicherweise schlimmen Ausgang er die bodenlos leichtsinnige Phrase in Bereit-
schwere Kämpfe.
Roman von J. P i a.
(Fortsetzung.)
„Der Vorschlag ist gut. Nun wird es seltsam still im Hause sein, wenn sie nicht da ist," entgegnete Rainer.
„Du wirst Deine Bequemlichkeit in keiner Weise vermissen, bemerkte Clotilde gereizt, worauf Rainer schmieg.
Gleichzeitig lenkte Christa ihre Schritte dem Hause zu und trat wenige Minuten später ins Zimmer. Rainer ging ihr entgegen und ergriff ihre Hand.
„Christa," begann er, „Du siehst seit einiger Zeit nicht wohl aus, und ich habe soeben mit Clotilde gesprochen, daß, wenn Du damit einverstanden bist, Du für einige Zeit zu Bertha Velten gehen sollst, um dort die GebirgSluft zu genießen. Sie hat Dich ja wiederholt eingeladen und wird sich auf Deinen Besuch freuen. Sag', würdest Du gern zu ihr gehen?"
Christa sann einen Moment nach, bevor sie antwor- tete. Ja, sie würde gern gehen, jeder Wechsel würde willkommen sein. Ihre bleichen Wangen und matten Augen waren nur schwache Aeußerungen des wilden Kampfes, welcher in ihrem Innern tobte. Nur fort von hier, wo sie beständig an denjenigen erinnert wurde, an ben zu denken Sünde war. Jeder andere Ort war recht — nur Vergessen suchte sie, und das fand sie allenthalben eher als hier. Sie schaute ihrem Manne ruhig in das Gesicht, und nichts an ihr verrieth, was in ihrem Innern vorging.
schaft hielt: „Dann schieße ich mir eine Kugel vor den Kopf."
Wenn die deutsche Regierung jetzt ihre Betheiligung zugesagt hat — zum Reichskommissar ist der Geh. Rath Richter aus dem Reichsamt des Innern ernannt —, so ist darin gewiß gegen damals eine Besserung in dem politischen Verhältnisse beider Staaten zu erkennen. Freilich ist der Revanchetraum in Frankreich noch keineswegs verflogen; erst kürzlich ist wieder in einzelnen Reden und sogar in dem Tagesbefehl eines französischen Generals mit dem Gedanken einer Rückeroberung Elsaß- Lothringens kokettiert worden. Aber eine kritische Spannung wie zu Ende der achtziger Jahre ist nicht vorhanden, und inzwischen haben auch beide Staaten gelegentlich in außereuropäischen Fragen zusammengewirkt.
Unter diesen Umständen wäre es eine ungerechtfertigte und zweckwidrige Unfreundlichkeit gewesen, hätten wir allein unter den fremden Nationen die französische Einladung ausgeschlagen. Mit der Annahme haben wir uns nichts vergeben, und die böswillige Auslegung verhindert, daß wir es sein, die keine friedfertigen Gesinnungen hegten. Französische Blätter erkennen denn auch bereitwillig an, daß Deutschland wieder einmal seine korrekte und friedliche Haltung beobachtet habe, und der Figaro wirft mit Recht die Frage auf, wie sich wohl ; die Pariser Lärmpresse im umgekehrten Falle verhalten । hätte.
Wie sich die deutsche Betheiligung praktisch gestalten wird, das zu erwägen ist zunächst Sache der betheiligten gewerblichen^Kreise. Für sie kommt die allgemeine Frage in Betracht, inwieweit die Ausgaben einer Beschickung sich rentieren oder nicht. Wenn aber einmal beschickt wird, so kann man nur wünschen, daß es so würdig wie möglich geschehe.
Politische Nachrichten.
Inland.
Berlin, den 11. Juli.
Ein Telegramm aus V o ß von gestern Abend meldet: Se. Majestät der Kaiser und König sind nach einem flotten Marsch von 2 Stunden 10 Minuten in bestem Wohlsein hier eingetroffen.
Wie die „Nordd. Allg. Ztg." hört, ist in Preußen die Besoldungraufbesserung für sämmtliche
„Ja, ich werde sie sehr gern besuchen," sagte sie einfach.
„Das freut mich, denn ich hoffe, daß Dir der Aufenthalt dort gut thun wird. Leider nur kann ich Dich nicht begleiten, da es jetzt zur Erntezeit zu viel zu thun giebt. Vielleicht aber hole ich Dich ab," fuhr er in freundlichem Tone fort, obgleich er es wie eine Enttäuschung empfand, daß sie keinen Moment bedauerte, ihn und das Haus, welches in seinen Augen das be- gehrenswertheste von der Welt war, für längere Zeit verlassen zu sollen. „Morgen werde ich an Bertha schreiben, und sobald ihre Antwort da ist, magst Dn Dich reisefertig machen."
Mit der Miene großer Selbstbefriedigung setzte er sich nieder. Im Zimmer war Alles still, bis auf das eintönige Geräusch, welches Clotildens geschäftige Nadel und Rainers Zeitung hin und wieder verursachten, sobald er die Blätter umwandte.
Christa hatte sich mit Elfriede in eine tiefe Fensternische zurückgezogen und schilderte ihr im Flüstertöne die Freuden ihrer bevorstehenden Reise. Bertha Velten war eine entfernte Verwandte ihres Mannes, die nach Allem, was sie von ihr gehört hatte, eine liebenswürdige, gutherzige Person war, und Christa zweifelte nicht, daß sie ihr und dem Kinde eine freundliche Wirthin sein würde. Plötzlich legte Clotilde klirrend die Nadeln auf den Tisch, riß energisch den Faden durch und sagte, sich in den Stuhl zurücklehnend:
„So, das wäre fertig. Wie Du das Kind verwöhnst, Christa," fuhr sie nach einer Welle fort. Ein so großes
mittleren und höheren Beamten, einschließlich der vortragenden Räthe der Ministerien, in Aussicht genommen. Die Verhandlungen hierüber sind bereits so weit vorgeschritten, daß Aussicht vorhanden ist, die Aufbesserung im nächsten Staatshaushaltsetat für 1897/98 zu ermöglichen. Ebenso liegt diese Angelegenheit für die Beamten des Reiches.
In den Blättern laufen allerlei Nachrichten über die den aus den vierten Bataillonen zu bildenden neuen Regimentern bestimmten Garnisonen um, welche dann gewöhnlich bald nachher als unrichtig bezeichnet werden. Da diese Garnisonsvertheilung zwar in Vorbereitung befindlich ist, aber noch keine Entscheidungen darüber getroffen sind, so scheinen die darüber verbreiteten Nachrichten mehr den Wünschen einzelner Orte dienen zu sollen, als auf Richtigkeit Anspruch zu machen.
Der Bundesrath hat das Z u ck e r st e u e r g e s e tz angenommen..
Der VerstärkungStranSport der Schutztruppe für Deutsch-Südwestafrika ist am 25. Juni an der Swakopmündung glücklich gelandet.
Der Entwurf einer Abänderung der Prüfungsordnung für Lehrer an Mittelschulen und für Rektoren, die an Stelle der Prüfungsordnung vom 15. Oktober 1872 treten soll, ist im Kultusministerium ausgearbeitet und den sämmtlichen Provinzialschulkollegien und Regierungen zur Aeußerung übersandt worden.
Die hessische Regierung hat bereits Schritte beim Bundesrathe unternommen, um eine Ausnahme von dem Verbote des Detailreisens für den Weinhandel zu erwirken.
Ausland.
Auf der Balkanhalbinsel ist ein Balkanbund zwischen Serbien, Bulgarien und Montenegro in Bildung begriffen. Die Vereinigung soll unter dem Schutze Rußlands stehen und von dem Fürsten Nikolaus von Montenegro, als dem ältesten der slavischen Balkanfürsten, geleitet werden. Der förmliche Abschluß des Bündnisses soll auf einer Fürstenbegegnung in Sofia erfolgen. Der Zweck der Union wird die „friedliche Vertheidigung" der gegenwärtigen Grenzen der verbündeten Staaten sein.
In Japan hat ein Erdbeben stattgefunden, dem eine ungeheure Meereswelle folgte, welche den Tod von 27 000 Menschen verursachte; über 25 000 Menschen sind verwundet worden.
Mädchen zu hätscheln, wie ein Schoßkind, ist wirklich unerhört."
„Ich denke, es ist Zeit, daß Du zu Bette gehst, Elfriede," bemerkte Rainer, von der Zeitung aufblickend. „Komm, sage gute Nacht."
Die Kleine gehorchte und trat an seine Seite. Er zog sie liebevoll an sich, strich ihr die dunkeln Locken aus der Stirn und sagte: „Sie wird Dir täglich ähnlicher, Christa, obgleich sie braunes Haar und braune Augen hat und die Linien ihres Mundes fester und entschiedener sind als die Deinen."
„Sie hat Augen und Haar der Rainer," bemerkte Clotilde, „und verspricht größer zu werden als Deine Frau."
„Ja," sprach Rainer zerstreut zur Antwort, während er dem kleinen Mädchen liebkosend die Wange streichelte und zu diesem gewendet fortfuhr: „Sag' Kind, warst Du heute vergnügt im Garten?"
„Ja, Vater, warum aber gehen wir gar nicht mehr in den Park?"
Die Frage kam so unerwartet, so plötzlich, daß Christa erschrocken zusammenfuhr und Rainer einen Moment lang überlegte, bevor er antwortete:
„Ich weiß nicht. Wahrscheinlich ist Deiner Mutter der Weg dahin zu weit in solcher Hitze."
Wir sind so lange nicht dort gewesen, nicht ein einziges Mal seit dem Abend, an welchem die Mutter mir "icht erlaubte, zurückzulaufen und dem Baron Adieu zu sagen."
„Ich wußte nicht, Christa, daß Du Reifenstein wie-