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MMerMisblatt.
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Gratisbeilagen r „Illnstrirtes Sonntagrblatt" n. „Zllustrirte landwirthschaftliche Beilage".
Ir. III. Z«nKi> I« II. Juli UM.
Erstes Blatt.
Bestellungen auf das Hersfelder Kreisblatt mit den Gratisbeilagen „Jllnstrirtes Somitagsblatt" ^ „Jllustrirte landwirthschaftl. Beilage" für das 3. Quartal 1896 werden noch von allen Kaiserlichen Poftanftalten, Landbriefträgern und von der Expedition angenommen.
Amtliches.
Hersfeld, den 9. Juli 1896.
Von dem Vorstand des Feuerwehr-Bezirks-Vereins ist dahier zur Sprache gebracht worden, daß seither der Besuch der alljährlich stattfindenden Abgeordneten - Versammlungen seitens der Feuerwehren ein sehr geringer gewesen sei. Im Jntereffe des Feuerlöschwesens erscheint es jedoch als eine Nothwendigkeit, daß sämmtliche Feuerwehren bei den gedachten Versammlungen vertreten sind, indem in denselben wichtige Punkte zur Verhandlung kommen.
Die Herren Ortsvorstände des hiesigen Kreises werden deshalb hierdurch angewiesen, dafür Sorge zu tragen, daß zu der alljährlich stattfindenden Abgeordneten-Ver- sammlung stets ein Abgeordneter entsendet wird. Selbstverständlich müssen dem betreffenden Abgeordneten die entstehenden Reise- und Zehrungskosten ersetzt werden.
Die diesjährige Abgeordneten - Versammlung findet am 19. Juli d. I. Nachmittags 2 Uhr im Saale des Hotels zum Stern hierselbst statt.
I. 3617. Der Königliche Landrath
Freiherr von S ch l e i n i tz, Geheimer Regierungs-Rath.
Warnung.
In Läden und Geschäften, welche als Lotterie-Komtor,
(Nachdrvck verboten.)
schwere Kämpfe.
Roman von J. P i a.
(Fortsetzung.)
Der böse Geist in ihm gewann die Oberhand. Er konnte sie so nicht gehen lassen, konnte nicht so von der Frau scheiden, die ihm das Theuerste und Liebste auf der ganzen Welt war. Er konnte es nicht. Seine besten Vorsätze waren vergessen, sein fester Entschluß brach in ein Nichts zusammen.
Er nahm ihre Hände in die seinen, drückte leidenschaftliche Küsse darauf und rief: „Frau Rainer! Christa!"
Mit großen, weit geöffneten Augen starrte sie ihn an. Der Ton seiner Stimme, sein ganzes Benehmen befremdete sie und flößte ihr Bangen ein.
„Guten Abend, Herr Baron," wiederholte sie hastig und versuchte ihm ihre Hände zu entziehen; — „ich bm länger ausgeblieben als gewöhnlich; mein Mann wird glauben, es sei mir etwas zugestoßen."
Aber er gab sie nicht frei und wandte den leidenschaftlichen Blick nicht von ihren Zügen.
„Christa," flüsterte er in leisem und vor Aufregung heiseren Ton, „ich kann Dich nicht lassen, kann nicht so von Dir scheiden. Christa — ich liebe Dich!"
Wie gelähnit ließ sie den Blick auf ihm hasten; es war, als "ob ein Bann ihr die Lippen versiegelte und ihr alle Glieder zu Stein verwandelte, denn regungslos, wie eine Statue blieb sie vor ihm stehen.
»Ich liebe Dich," wiederholte er, „kann nicht leben
Lotterie-Einnahme oder Lotterie-Kollekte bezeichnet sind und deren Inhaber sich als Lotterie-Einnehmer resp. Kollekteur bezeichnen, werden Loose der Preußischen Klassen-Lotterie und Antheilscheine auf solche Loose, oft unter Benennung als Antheilloose, für Preise angeboten, welche die im Lotterieplan bestimmten Preise sehr weit übersteigert und ferner noch dadurch erhöht werden, daß in den Antheilscheinen selbst die Verkäufer derselben hohe Gewinn-Abzüge für sich ausbedingen.
Die Antheilscheine begründen niemals Ansprüche an die Lotterie-Verwaltung auf Looseerneuerung und auf Gewinnzahlung.
Vielfache gerichtliche Verurteilungen von Loos- antheilschein-Verkäufern haben herausgestellt, daß solche Verkäufer häufig betrügerisch verfahren, indem sie die Loose, auf welche sie Antheile verkaufen, nicht besitzen oder auf wirklich besessene Loose viel mehr Antheilscheine ausgeben, als der Umfang ihres Loosebesitzes erlaubt, oder endlich indem sie ihrerseits erhobene größere Gewinne unterschlagen und mit denselben verschwinden.
Zur Unterscheidung der LooSantheilscheine von den ächten Loosen machen wir darauf aufmerksam, daß die letzteren stets einen Stempel mit der inneren Umschrift „Koen. Pr. Gen. Lotterie-Di'?t." und die gedruckte Unterschrift „Königl. Preuß. General-Lotterie-Direktiou" tragen.
Zur Unterscheidung zwischen den sich als „Lotterie- Einnehmer" benennenden und ihr Geschäft als „Lotterie- Einnahme" oder „Lotterie - Komptor" bezeichnenden Privat-Verkäufern von Loosen einerseits und den Königlichen Lotterie-Einnehmern andererseits aber machen mir darauf aufmerksam, daß die letzteren allein als „Königliche Lotterie - Einnahmen" oder „Königliche Lotterie- Einnehmer" sich namhaft machen.
Berlin, den 8. Juli 1882.
Königliche General - Lotterie - Direktion.
Dammas. Lilienthal.
Unter dem Rindvieh des Landwirthes Landsiedel zu Hof Thalhausen ist die Maul- und Klauenseuche aus- gebrochen.
Philippsthal, den 8. Juli 1896.
Der Bürgermeister Lingemann.
ohne Dich — Du mußt es längst gewußt haben!"
Noch immer der starre Blick, noch immer die starre Haltung — noch immer das athemlose Schweigen. Kuno deutete dies Alles zu seinen Gunsten.
„Dein Verhältniß zu Wilhelm Rainer ist ein unnatürliches," fuhr er fort; „Eure Ehe reine Ironie. Das Band, welches Dich an ihn knüpft, hat nichts Heiliges, denn die Liebe, die allein es heiligt, fehlt.
Zwei Seelen und ein Gedanke,
Zwei Herzen und ein Schlag — das ist die Liebe — das ist die Ehe! Und zwischen Dir und Rainer besteht nicht ein einziger Gedanke, nicht ein einziges Gefühl, nicht eine einzige Empfindung gemeinschaftlich.",
Und noch immer blieb sie regungslos stehen, noch immer sprachen die bebenden, weißen Lippen kein Wort; aber die Augen wanderten von seinem vor Leidenschaft glühenden Gesicht unruhig durch den Park.
„Und auch Du liebst mich! Ja, mein Leben, mein Alles, Du kannst es nicht leugnen. Deine süßen Augen haben es mir verrathen. Ich werde Breitenborn verlassen, aber nicht allein. In fernem Lande wollen wir gemeinschaftlich ein neues Leben beginnen, die Liebe soll unser Leitstern sein, und Du sollst die schwere Kette vergessen, die Dich jetzt fesselt und Deine edle, empfindsame Natur so grausam verwundet hat."
Seine Worte gingen wie ein leerer Schall an Christas Ohr vorüber. Ihre Augen waren jetzt auf einem Gegenstand in der Ferne haften geblieben, und von ihren bleichen Lippen rang es sich leise:
Nichtamtliches.
Industrieller Aufschwung.
Die Segnungen des nationalen Wirthschaftssystems, dessen wir uns in Deutschland erfreuen, treten immer deutlicher,hervor. Die deutsche Industrie hat unter den Einwirkungen desselben die schwere wirthschaftliche Krisis der letzten fünf Jahre verhältnißmäßig gut überstanden, gleichzeitig aber eine solche innere Vervollkommnung erfahren, daß sie fast jedem Wettbewerb nicht nur auf den heimischen Märkten, sondern auch auf dem Weltmarkt ebenbürtig gegenübersteht. Das lange Zeit so hochmüthig unterschätzte Deutschland wird plötzlich als ein höchst unbequemer Nebenbuhler gefürchtet. Man muß nicht nur mit der deutschen Concurrenz als einer gegebenen Thatsache überall rechnen, sondern man muß vielfach auch ihre Ueberlegenheit anerkennen und sich in den einsichtigeren Ländern sogar entschließen, die deutsche Produktion an ihren Urquellen, in den deutschen Be- triebsstätten selbst aufzusuchen, um die Betriebsart und die Bedingungen der Güter-Erzeugung kennen zu lernen und daraus Lehre ■ -n ziehen.
Die von deu eagUlchen Schiffsbau-Ingenieuren vor kurzem unternommene Reise nach Hamburg, Berlin, Stettin und anderen Jndustrieorten diente diesem Zweck, und ein soeben von ihnen erstatteter Bericht bezeugt, daß ihre Wahrnehmungen über den industriellen Aufschwung Deutschlands bei vielen Bewunderung, im allgemeinen aber das Gefühl der Beklemmung erregt haben. Von der deutschen Industrie, insonderheit von dem Schiffsbau, wird u. a. gesagt, daß die maschinelle Ausrüstung voll auf der Höhe der Zeit stehe, die sämmtlichen Arbeitsbetriebe unter den günstigsten Bedingungen, was Sicherheit und Komfort anlange, sich vollzögen und das Arbeitspersonal durch Geschicklichkeit, Fleiß, Beharrlichkeit, Nüchternheit und in Fleisch und Blut übergegangene Disziplin ausgezeichnet sei.
Die Frage, ob England im Stande sei, seinen bisherigen Rang in der Industrie und selbst im Schiffsbau behaupten zu können, wird nicht unbedingt bejaht. Technisch und geschäftlich sei England noch immer das erste Land; aber — die englischen Arbeiter! Diese „von demagogischen Agitatoren im Sinne sozialdemokratischer Wahnideen bearbeitet, leben in den Tag hinein, ver-
„Elfriede!"
Er mißverstand ihre Absicht und sagte eifrig:
„Elfriede soll mir so theuer sein, als ob sie mein eigenes Kind wäre. Du kannst unmöglich glauben, daß ich Dich von ihr trennen will. Natürlich muß sie uns begleiten."
Sie hatte ihm das Gesicht wieder zugewendet und ihre Augen blitzten jetzt.
„Lassen Sie meine Hände los!" gebot sie.
Ihre Stimme klang leise, aber klar und bestimmt, und ihr schönes Antlitz zeigte weder Schwäche noch Un- entschiedenheit. Doch er gehorchte nicht — die Hände, welche die ihren hielten, schloffen sich nur noch fester.
„Lassen Sie meine Hände los!" wiederholte sie stolz. „Was habe ich Ihnen gethan, daß Sie mich so tief beleidigen ?"
Er preßte die Zähne fest aufeinander und schwieg.
„Bevor Sie für eine Andere Anordnungen treffen, meine ich, wäre es gerathen, sich zu versichern, ob die Andere auch damit einverstanden ist," fuhr sie sarkastisch fort.
Erstaunt sah er sie an. War diese stolze Frau, die mit so ruhiger Verachtung zu ihm sprach, wirklich die kleine, schwache Christa, die, wie er glaubte, nur auf seine Erklärung wartete, um ihm zu bekennen, daß sie seine Liebe erwiderte? Zu spät erkannte er seinen Irrthum — jetzt waren alle seine Hoffnungen, die vor wenigen Minuten noch ihm so hoch und verheißend vorgeschwebt hatten, vernichtet — die Luftschlösser, die er so sicher gebaut, in Trümmer zerfallen.