"'...........-.■r:^' ^
Erscheint wöchentlich drei Mal
Dienstag, Donnerstag und Sonnabend.
AbonnementSpreis vierteljährlich 1 Mark 40 Pfg.
exel. Postausschlag.
». -^— . ------------......_4.
Die Jusertionsgebühren betragen für den Raum einer Spaltzeile 10 Pfg., im amtlichen Theile 15 Pfg. Reklamen die Zeile 20 Pfg. Bei größeren Aufträgen entsprechender Rabatt.
erWer Aeisb latt.
Gratisbeilagen: „Illustrirtes Ssnntagsblatt" n. „Allnstrirte landwirthschaftliche Beilage".
A. 86.Isililerstllg Ky S. Kli 1896.
Bestellungen auf das Hersfelder Kreisblatt
mit den Gratisbeilagen „Jllustrirtes Sonntagsblatt" und „Jllustrirte landwirthschaftl. Beilage" für das 3. Quartal 1896 werden noch von allen Aaiserlicben Poftanftalten, tandbriefträgern und von der Expedition angenommen.
Amtliches.
Berlin, den 17. Juni 1896.
Da Cholerasälle seit vorigem Jahre in Preußen nicht mehr ausgetreten sind, auch in Rußland die Cholera in diesem Jahre erloschen ist, erscheint es gerechtfertigt, die gegen Herkünfte aus letzterem Lande noch bestehenden Einfuhrverbote und Desinfektionsmaßregeln zu beseitigen.
Ew. Hochgeboren ersuchen wir ergebenst, die in Ge- mäßheit unserer Runderlasse vom 6. März 1893 — M. b. I II. 3020, M. b. g. A. M. 2279 II und M- b. J. II. 3074, M. d. g.R2l.MJU2397 — und vom 19. August 1893 — M. b. I. II 10 488, M. b. g. A. M. 8505 — für den dortigen Bezirk bezüglich der Ein- und Durchfuhr gebrauchter Kleider, Leib- und Bettwäsche sowie des Gepäcks und Umzugsguts der Reisenden aus Rußland noch in Kraft befindlichen Beschränkungen oben bezeichneter Art gefälligst schleunigst aufzuheben.
Der Minister der geist- Der Minister des lichen, Unterrichts- und Me- Innern. dizinal-Angelegenheiten. J. A.: gez^ H a a st. J. A. gez. B a r t h.
An den Königlichen RegierungS-Präsidenten, Wirklichen Geheimen Ober-Regiernngsrath Herrn Grafen Clairon d'Haussonville, Hochgeboren zu Cassel. — M. b. g. A. Nr. 5900. M. d. I. II. Nr. 8525/26.
* * *
Cassel, den 1. Juli 1896.
Abschrift vorstehenden Erlasses unter Hinweis auf meine Verfügungen vom 11/3. 93 A. II. 2293 und vom 29/8. 93 A. II. 7655 zur Kenntniß. Die etwa noch bestehenden Beschränkungen werden aufgehoben.
Der RegierungS-Präsident. I. V.: v. P a w e l. An sämmtliche Herren Landräthe des Bezirks und den Herrn Polizeipräsidenten hier. A. II. 6017.
* *
Hersfeld, den 7. Juli 1896.
Wird mit Bezugnahme auf meine Verfügung vom
Schwere Kämpfe.
Roman von J. P l a.
(Fortsetzung.)
„Vergeben Sie mir," rief er. „Liebe Frau Ramer, sagen Sie, daß Sie mir nicht zürnen. Ich hatte rein Recht, so zu Ihnen zu reden, und bedaure von ganzem Herzen, es gethan zu Ijaben!"
„Sie brauchen es nicht zu bedauern, antwortete sie in bitterem Tone. „Mein Unglück und die Stellung, die ich in meines Mannes Haus und Achtung einnehme, find nicht zu verkennen und müssen jedem ins Auge fallen.
„Aber Ihr Töchterchen muß Ihnen eine große Freude fein", meinte der Baron, um dem Gespräch eine andere Wendung zu geben. r . .. . ,
„Ja, sie ist ein liebes, gutes Kind, auf das ich lehr ßolz bin," antwortete sie und fuhr dann fort. »^och lassen Sie uns zurückkehren. Müssen wir denselben Weg wieder nehmen?" £..r .
„Das ist nicht nothwendig. Dieser Weg hier fuhrt direkt in den Park."
Sie schlugen ihn ein, und als sie das Herrenhaus wieder betraten, waren Christas Züge wieder ruhig und ^te Augen wieder hell.
4. 9. 1893 J. I. Nr. 5340, im Kreisblatt Nr. 105, veröffentlicht.
I. 3565. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz, Geheimer Negierungs-Nath.
Bekanntmachung.
Der Herr RegierungS-Präsident zu Cassel hat die am 10. und 11. Juli d. Js. in Rotenburg stattfindende landwirthschaftliche Bieh- Ausstellung in Gemäßheit des § 17 Absatz 2 des ReichS- ViehseuchengesetzeS und § 7 des dazu ergangenen Preußischen AusführungSgesetze« unter die Aufsicht des Herrn Kreis-Thierarztes Dr. Göhre gestellt und zugleich unter dem Hinzufügen, daß zur Zeit die Kreise Fritzlar (insbesondere die Orte Zwesten, Gudensberg, Niedernstein), Gelnhausen (insbesondere der Ort Niedergründau), Gersfeld (insbesondere die Orte Schachen, Melperts, Wüstenfüchsen), Hanau (insbesondere die Orte Langenselbold, Langendiebach, Niedrissigheim), Homberg (insbesondere der Ort Lem- bach), Marburg (insbesondere der Ort Ockershausen), Schlüchtern (insbesondere die Orte Hohenzell, Sterbfritz), Schmalkalden (insbesondere die Orte Fambach, Aue, Herrenbreitungen,Hergers-Bvgcei) durch Maul-undKlauen- seuche verseucht seien, angeordnet, daß die nachstehenden Schutzmaßregeln zur Anwendung kommen sollen:
1. An den Ausstellungstagen und an dem voraufgehenden Tage sind an den Eingängen zur Stadt bezw. Ausstellungsplatz zuverlässige, mit den Erscheinungen der Maul- und Klauenseuche vertraute Männer in geeigneter Zahl aufzustellen, welche den Gesundheitszustand der Thiere und die unter Ziffer 5 erwähnte Bescheinigung zu prüfen haben.
2. Thunlichst in der Nähe der Stadteingänge sind genügende BeobachtungSräume — Ställe, Scheunen — in Bereitschaft zu halten.
3. Den einzelnen Thiergattungen sind getrennte Plätze anzuweisen.
4. Für Schafe und Schweine sind die erforderlichen Pferche bezw. Buchten, für Rindvieh feste Barren zum Anbinden bereit zu halten.
5. Jeder, welcher Wiederkäuer und Schweine an den Ausstellungstagen und an dem voraufgehenden Tage nach Rotenburg bezw. auf den Ausstellungsplatz bringt, hat durch eine Bescheinigung der Polizeibehörde des Ursprungsortes der Thiere den Nachweis zu führen, daß in diesem weder die Maul- und Klauenseuche noch eine der Schweineseuchen herrscht und daß der Ort nicht zu einem Beobach- tungSgebiet im Eine des § 49 a der B.-Jnstr. vom 27. Juni 1895 und des Ministerial-ErlasseS vom 16. November 1893 gehört.
Der Frühling war dem Sommer gewichen. Das unfruchtbare Stück Land war aus Rainers Händen in die des jungen Barons übergegangen, und der Bau der neuen Landstraße machte rasche Fortschritte. Der Verkehr zwischen Kuno von Reifenstein und Rainers hatte sich immer freundschaftlicher gestaltet; der Besuch auf Breitenborn war öfter als einmal wiederholt worden, und es verging selten ein Tag, an dem sich Kuno nicht in Bucheneck gezeigt hätte. Der Chausseebau war eine nie versiegende Unterhaltungsquelle, die Wilhelm Rainer stets interessirte; das Wohl und Wehe der Pächter und Arbeiter blieb für Clotilde jederzeit ein ergiebiger Thema, während über Christa ein ganz neuer Geist gekommen zu sein schien — war es ihr doch, als habe sie einen unerschöpflichen, ewig glückspendenden Brunnen entdeckt.
Ihr Mann war nicht weniger gleichgültig, des Tages nicht weniger in seine Geschäfte und des Abends in seine Bücher und Zeitungen vertieft, als früher, auch ließ er sich noch ebenso von seiner Schwester regieren, und diese war nicht weniger streng und zu stetem Tadel bereit, und dennoch war Christa immer heiter, immer vergnügt, von früh bis Abends sang sie glücklich wie ein Kind. Clotildens Verweise sielen auf ein taubes Ohr;
6. Die Bescheinigung, in welcher Rindvieh einzeln nach Geschlecht, Alter, Farbe, Abzeichen, die übrigen Thiere summarisch nach Geschlecht, Alter und Farbe genau verzeichnet sein müssen, hat nur eine fünftägige Gültigkeit.
7. Wiederkäuern und Schweinen, bezüglich deren der Einbringer oder der Verkäufer den Nachweis unter 1 nicht führen kann, ist der Eintritt in Rotenburg bezw. auf den Ausstellungsplatz an den unter 1 näher bezeichneten Tagen zu versagen.
8. Wiederkäuer und Schweine, welche seuchenverdächtige Erscheinungen wahrnehmen lassen oder aus einem Beobachtungsgebiet stammen oder deren Ursprungszeugniß abgelaufen, nicht beizubringen, unvorschrifts- mäßig oder gefälscht ist, sind einer fünftägigen Beobachtung durch den beamteten Thierarzt zu unterwerfen.
9. Schweine müssen zu und von dem Ausstellungsplatze gefahren werden.
10. Die Kosten der Beobachtung trägt der Eigenthümer der Thiere.
Die Herren Bürgermeister des Kreises wollen vorstehende Bekanntmachung in geeigneter Weise zur Kenntniß der Interessenten bringen.
Rotenburg, den aü. Juni 1896.
Der Königliche Landrath.
J. V.: Dr. Reschke, Regierungs-Referendar.
Politische Nachrichten.
Inland.
Von der N o r d l a n d S r e i s e Sr. Majestät des Kaisers wird gemeldet:
O d d e, 6. Juli. Seine Majestät unternahm heute Vormittag halb zehn Uhr bei prachtvollem Wetter einen Ausflug nach dem Lotefos und Espelandsfos. Nach der um vier Uhr erfolgten Rückkehr an Bord nahm Seine Majestät Vorträge entgegen.
Einem Münchener Blatte zufolge soll sich der Reichskanzler mit Rücktrittsgedanken tragen. Diese Nachricht ist ein Produkt der sauren Gurkenzeit und durchaus unbegründet.
Prinz Ludwig von Bayern ist vom Kaiser zur Theilnahme an den diesjährigen Kaiser-Manövern eingeladen worden und hat diese Einladung angenommen. In allen nationalen Kreisen des deutschen Reichs wird diese Meldung freudige Genugthuung hervorrufen. Sie beweist, wenn es überhaupt noch eines Beweises bedurfte, daß der jüngste Zwischenfall in befriedigendster Weise ausgeglichen worden ist und daß die von den zentrifugalen Elementen darauf gegründeten Spekulationen in nichts zerfallen.
Rainers Gleichgültigkeit erregte keine Bitterkeit mehr. Nie war Christa der Sommer so herrlich erschienen, nie hatte ihr der Vögel Singen und Zwitschern so melodisch geklungen, die Blumen so balsamisch zugeduftet, die weiche Luft so lieblich gefächelt.
Zuweilen fragte sie sich, was nur über sie gekommen sei — was Himmel und Erde ihr so verschönt habe. Doch sie fand keine Antwort darauf, und ahnungslos schritt sie weiter am Rande des Abgrundes, welcher, obgleich von lächelnden Blumen verdeckt, ihr tödtliches Verderben drohte.
Eines Abends ging sie, wie sie häufig zu thun pflegte, mit Elfriede in den Park. Der Tag war sengend heiß gewesen, und sie hatte sich nicht eher hinausgewagt, als bis die Sonne untergegangen war. Ein erquickendes Lüftchen bewegte das Laub der Bäume. Sie setzte sich unter einer breitästigen Ulme auf einer Bank nieder und schlug das Buch auf, welches sie mitgebracht hatte.
Aber sie las nicht darin. Unbeachtet blieb es auf ihrem Schoß liegen, und ihre Blicke schweiften träumend zu der Stelle hin, wo die kleine Elfriede sich lustig tummelte.
Plötzlich vernahm sie näherkommende Schritte, und als sie den Kopf wendete, sah sie den jungen Baron