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Gratisbeilagen: „Illnstrirtes Sonntagsblatt" n. „Illnstrirte lanbwirthschastliche Verlage".
«r. 78. Iitust-s Kn 7. W 1888.
Vestellungen auf da- Hersselder Kreisblatt mit den Gratisbeilagen „Jllustrirtes Sonntagsblatt"»"» „Jllustrirte landwirthschaftl. Beilage" für das 3. Quartal 1896 werden noch von allen Kaiserlichen Postanstalten, kandbriefträgern und von der Expedition angenommen.
Amtliches.
Hersseld, den 6. Juli 1896.
Diejenigen Herren OrtSvorstände, welche noch mit Erledigung der Verfügungen:
1. vom 17. Juni b. Jr., I. I. Nr. 3229 (Kreisblatt Nr. 73), die Aufstellung der Hebeliste über die Beiträge zu den Kosten der Landwirthschaftskammer für den Regierungsbezirk Cassel pro 1896/97 betreffend,
2. vom 23. April 1896, I. 1. Nr. 2340 (Kreisblatt Nr. 51), die Einreichung des Verzeichnisses über die Erfahrung der Untersuchung des Schweinefleisches auf Trichinen betreffend, im Rückstände sind, werden mit Frist bis zum 16. d. MtS. hieran erinnert, bei Meidung von 3 Mark Strafe.
Der Königliche Landrath Freiherr von Schleinitz,
Geheimer Regierungs-Rath.
Auszug aus den Bestimmungen
für diejenigen jungen Leute, welche in die Unteroffizier- Schulen- bezw. Vorschulen einzutreten wünschen.
1) Die Unteroffizierschulen haben die Bestimmungen, junge Leute, welche sich dem Militair- staube widmen wollen, zu Unteroffizieren heranzubilden.
Der Aufenthalt in der Unteroffizierschule dauert in der Regel drei, bei besonderer Brauchbarkeit zwei Jahre, in welcher Zeit die jungen Leute gründliche militärische Ausbildung und solchen Unterricht erhalten, welcher sie
(Nachdruck verboten.)
schwere Kämpfe.
Roman von J. P i a.
(Fortsetzung.)
„Ich habe Ihnen die Legende erzählt, habe Ihnen die Porträts der Baronin Christine und ihres Gemahls gezeigt, nun müssen Sie mir auch gestatten, Sie nach dem Schauplätze der Tragödie zu führen," sagte Reifenstein, als sie eine Weile bei Tisch saßen.
„Ja, den möchte ich sehen," rief Christa begierig. »Ich glaube, ich werde tagelang an nichts weiter denken können, als an die reizende, unglückliche Baronin Christine."
„Wie kindisch und exaltirt Du bist, Christa," bemerkte Clotilde stirnrunzelnd, „man muß sich wahrhaftig Deiner schämen."
Kuno sah den schnellen Wechsel, der über der jungen Frau Züge glitt. Alles Leben in den blauen Augen erstarb, die Farbe wich aus ihren Wangen, Bitterkeit, verwundeter Stolz malte sich auf ihrem Gesicht. Er wendete den Blick weg, denn der Anblick schmerzte ihn, kr konnte ihn nicht ertragen.
„Wir sollten die Buchenallee aufsuchen, bevor sich ^e Sonne zum Untergang neigt," sagte er, mit dem Bemühen, seinen liebenswürdigen Ton beizubehalten, "denn es ist dort stellenweise zur sonnigsten Mittagsstunde dunkel."
„Wir müssen das für ein anderes Mal aufsparen,
befähigt, bei sonstiger Tüchtigkeit auch die bevorzugteren Stellen des Unterosfizierstandes (Feldwebel rc), des Militär-Verwaltungsdienstes (Zahlmeister rc.) und des Civilstandes zu erlangen.
Der in die Unteroffizierschule Einzustellende muß mindestens 17 Jahre alt sein, darf aber das 20. Jahr noch nicht vollendet haben.
Der Einzustellende soll mindestens 154 cm groß, vollkommen gesund, frei von körperlichen Gebrechen sowie wahrnehmbaren Anlagen zu chronischen Krankheiten sein und die Brauchbarkeit für den Friedensdienst der Infanterie besitzen.
Wer in eine Unteroffizierschule ausgenommen zu werden wünscht, hat sich bei dem Bezirkskommandeur seines Aufenthaltsortes oder bei einem der Kommandeure der Unteroffizierschulen in Potsdam, Jülich, Biebrich, Weißen- fels, Ettlingen und Marienwerder unter Vorzeigung eines von dem Civil-Vorsitzeuden der Ersatz-Kommission seines Aushebungsbezirks ausgestellten Meldescheines und einer amtlichen Bescheinigung über die bisherige Beschäftigungsweise, über früher überstandene Krankheiten und etwaige erbliche Belastung, persönlich zu melden.
Die Einstellung von Freiwilligen in die Unteroffizierschulen findet alljährlich zweimal statt und zwar bei den Uuteroffizierschulen in Biebrich und Marienwerder im Monat Oktober, bei der Unteroffizierschule in Ettlingen im Monat April.
2) Di e Unteroffiziervorschulen haben die Bestimmung, geeignete junge Leute von ausgesprochener Neigung für den Unterosfizierstand in der Zeit zwischen dem Verlassen der Schule nach beendeter Schulpflicht und dem Eintritt in das militärpflichtige Alter derart fortzubilden, daß sie für ihren künftigen Beruf tüchtig werden.
Bei militärischer Erziehung sollen sie dort Gelegenheit finden, ihre Schulkenntnisse soweit zu ergänzen, wie dies nicht nur im Hinblick auf den militärischen Beruf, sondern auch für ihre spätere Verwendbarkeit im Mili- tär-VerwaltungS- bezw. Civildienst wünschenswerth ist.
Daneben wird der körperlichen Entwickelung und Ausbildung unter vorzugsweiser Berücksichtigung der Anforderungen des Militärdienstes besondere Aufmerksamkeit zugewendet.
Wer in eine Unteroffiziervorschule ausgenommen zu werden wünscht, hat sich, nachdem er mindestens 14'/.^ Jahre und nicht über 16 Jahre alt geworden ist, begleitet von
entgegnete Rainer. „Ich habe heute Abend noch drüben in der Stadt zu thun."
„Sie werden aber die Damen hier zurücklassen, nicht wahr? Ich habe mir nun einmal fest vorgenommen, sie heute noch in die Buchenallee zu führen. Sie würden mich wirklich sehr verpflichten, wenn Sie mir diese Bitte gewährten."
„Ich fürchte, daß ich Ihre Güte mißbrauche," antwortete Rainer, sichtlich angenehm berührt; „doch wenn die Danken Sie nicht zu sehr belästigen, lasse ich sie gern hier, bis ich sie auf meinem Heimweg abholen kann; denn wie ich in den Zügen meiner Frau lese, hat sie ihr ganzes Herz daran gehängt, heute noch in die Buchenallee zu gehen."
„Ich fühle mich etwas ermüdet," meinte Clotilde. „Wenn Sie mir gestatten, Baron, bleibe ich hier zurück. Die Aussicht vom Fenster ist ganz reizend und wird mir während Ihrer Abwesenheit genügend Unterhaltung bieten."
Den stets beobachtenden Augen Kunos entging es nicht, welche Erleichterung sich auf Christas lieblichem Antlitz spiegelte.
„Ich bedauere aufrichtig, daß Ihnen die Anstrengung zu groß ist, Fräulein Rainer; doch kann ich nicht zureden, da wir allerdings eine nicht unbedeutende Strecke zu gehen haben. Hoffentlich werden Sie mir ein andermal das Vergnügen gönnen, Sie nach der Buchenallee führen zu dürfen."
Clotilde trat an das Fenster und sah, wie die drei das Haus verließen. Nur wenige Schritte konnten sie
seinem Vater oder Vormund, persönlich bei dem für seinen Aufenthaltsort zuständigen Bezirkskommando oder bei dem Kommando einer Unteroffizier - Vorschule vorzu- stellen und hierbei folgende Papiere vorzulegen:
a) ein Geburtszeugniß.
b) deu Confirmationsschein bezw. einen Ausweis über den Empfang der ersten Communion.
c) ein Unbescholtenheitszeugniß der Polizei-Obrigkeit,
d) etwa vorhandene Schulzeugnisse.
e) eine amtliche Bescheinigung über die bisherige Beschäftigungsweise, über früher überstandene Krankheiten und etwaige 'rbliche Belastung.
Die ausführlichen Bestimmungen können bei dem Bezirksfeldwebel und dem Königlichen Landrathsamte eingesehen werden.
Hersseld, den 1. Juli 1896.
Königliches Bezirkskommando.
Politische Nachrichten.
Inland.
Berlin, den 5. Juli.
Se. Majestät der Kaiser hat an den Reichs- k a n^ l e r folgendes, im mdganitlidjen Theile des „Reichs- Anz." veröffentlichte Telegramm gerichtet:
Seiner Durchlaucht dem Reichskanzler Fürsten Hohenlohe, Berlin.
Christiansand, 3. Juli 1896.
Eurer Durchlaucht spreche Ich Meine hohe Befriedigung über die endgültige Erledigung des großen Werkes aus, das Deutschland ein einheitliches Bürgerliches Recht sichert. Mit dem Ausdruck Meiner Anerkennung verbinde Ich gern Meinen besonderen Dank für Ihre angestrengte Mitwirkung und erfolgreiche Leitung bei dieser Arbeit, in deren Abschluß Ich ein neues Bindemittel für das im Reich geeinte Vaterland erblicke.
W i l h e l m I. R.
Aus Kopervik in Norwegen wird gemeldet: „Se. Majestät der Kaiser ist Sonnabend früh bei klarem Wetter hier eingetroffen. Die Weiterreise nach Sundal erfolgt morgen früh. An Bord ist Alles wohl."
Um das Verfahren bei Erhebung der nach dem Gesetze vom 30. Juni 1894 aufzubringenden Beiträge zu den Kosten der Landwirthschaftskammern allgemein zu
zusammen gehen, dann trennten sich ihre Wege. Sie blieben stehen, um noch einige Worte mit einander zu wechseln, und während Clotilde die kleine Gruppe betrachtete, beschlich sie ein seltsam unzufriedenes ahnungsvolles Gefühl.
Die Sonne stand tief im Westen; ihre Strahlen streiften Christas Haar wie mit weichem, goldenen Finger und verliehen dem herrlichen Blond einen neuen Reiz. Clotilde musterte jede Falte des leichten Sommerkleides, die anmuthige Haltung der zierlichen Gestalt, jeden Zug des reizenden, frischen Gesichtes, als ob sie es zum ersten Male sähe. Noch nie war ihr Christas wunderbarer Liebreiz so sehr ins Auge gefallen wie in diesem Moment. Dann sah sie ihren Bruder an, der ernst, ältlich, steif — so recht der Gegensatz zu seinem Wirth — neben diesem stand. Als Clotilde den Blick auf Kuno von Reifenstein, auf seiner sonnigen, lebensfrohen Schönheit ruhen ließ, flog über ihre Züge unwillkürlich ein Lächeln. Schnell aber erstarb es wieder, um der sonst dort lagernden Härte von neuem Platz zu machen, während ihre Blicke zu Christa zurück wanderten.
„Das ist das Leben, nach dem es sie verlangt," dachte sie, „ein unthätiges, lustiger Leben, eine Kette von Festen und Vergnügungen. Gleicht sie auch darin der Baronin Christine? Was hat sich nur Wilhelm gedacht, als er sie heirathete! Und nun ist er auch noch so nachsichtig mit ihr. Ich glaube, wenn ich nicht wäre, würde er sie gänzlich verderben. Und dann ihre Manieren. Sie ist kindisch wie ihr eigenes Kind, Elfriede. O, ich darf meine Pflicht nicht vergessen; Wilhelms