* — ■ .................■■■ -T-r.....y
Erscheiut wöchentlich drei Mal Dienstag, Donnerstag und Sonnabend.
AbonnementSpreis
vierteljährlich 1 Mark 40 Psg.
excl. Postaufschlag.
A.............^- ......-■—■ ........- —--^.
^ ----- -......... ' ........
Die Jusertionsgebühren betragen für den Raum einer Spaltzeile 10 Pfg., im amtlichen Theste 15 Pfg. Reklamen die Zeile 20 Pfg.
Bei größeren Aufträgen entsprechender Rabatt.
> ■—
HerWer gireteihtt
Gratisbeilagen: „Illustrirtes Sonntagsblatt" u. „Illnstrirte landwirthschaftliche Beilage".
Nr. 74.IsilnerstU Ki L Imi 1896.
Ammeck-LMmz.
Mit dem 1. Juli beginnt ein neues Abonnement auf das wöchentlich 3 Mal erscheinende Hersfelder Kreisblatt
mit den Gratisbeilagen
„Jllustrirtes Sonntagsblatt" und „Jllustrirte landlvirthschaftl. Beilage"
Das „Kreisblatt" bringt außer den amtlichen Bekanntmachungen zuverlässige Mittheilungen über Ereignisse in der Politif, Berichte aus dem Kreise und der Provinz. Reichhaltige Nachrichten vermischten Inhalts bringen alle sonstigen mittheilenswerthen Ereignisse des täglichen Lebens zur Kenntnis? der Leser. Daneben werden sorgfältig ausgewählte Erzählungen einen weiteren Theil des Lesestoffes bilden.
3M®” Die wichtigsten Ereignisse gehen uns durch Telegramme zu und werden wir dieselben nöthigenfalls durch Extrablätter verbreiten.
Der vierteljährliche Abonnementspreis für das „Kreisblatt" beträgt ( Mark 40 pfg
finden durch das »Kreisblatt" zweckentsprechende Verbreitung und kostet die fünfgespaltene Garmondzeile oder deren Raum so pfg.
Die Expedition.
Amtliches.
Hersfeld, den 20. Juni 1896.
Der Ackermann Ludwig D i p p e l in Willingshain ist heute als Bürgermeister der dasigen Gemeinde eidlich verpflichtet worden.
I. A, Nr. 1533. Der Königliche Landrath Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.
Hersfeld, den 20. Juni 1896.
Die Herren Ortsvorstände des Kreises erhalten die Auflage, die in Nr. 72 des Kreisblattes auf der 3. Seite
(Nachdrvck verboten.)
Schwere Kämpfe.
Roman von J. P > a.
(Fortsetzung.)
3.
Langsam kehrte Christas Kraft und Gesundheit wieder, und das Leben würde ihr nun zur Wonne geworden sein, wenn Clotilde nicht gewesen wäre. Ihr Mann vergaß nicht so leicht, wie nahe er daran gewesen war, sie für immer zu verlieren, und zeigte sich milder und nachsichtiger denn je gegen sie, und das Kind war ihr eine unversiegbare Quelle größter Freuden. Aber Clotilde! — ihr konnte sie nichts recht machen.
Sorgte Christa liebevoll und mütterlich für die kleine Elfriede, so nannte Clotilde das Verwöhnung und schlechte Erziehung, flickte und nähte sie ihre netten Kleider, so wurde sie gescholten, daß sie zeitig schon den Keim zur Eitelkeit und Frivolität in des Kindes Herz pflanze. Drückte sie innige Küsse auf das rothe Mündchen, die weichen Wangen und runden Händchen, so betrug sie sich kindisch — geradezu albern.
Das alles wurde Christa bald unerträglich und eines Tages beschloß sie, bei ihrem Manne Schutz und Hülfe gegen die beständigen Quälereien ihrer Schwägerin zu suchen.
Irgend ein frommes Samariterwerk hatte Clotüden uns dem Hause geführt, und so sah sich Christa für den Abend allein mit ihrem Manne. Sie war fest entschlossen die günstige Gelegenheit nicht unbenutzt vorüber
veröffentlichte Bekanntmachung des Vorstandes der ländlichen Ortskrankenkasse, wonach auf Sonntag den 28. d. Mts., Nachmittags 3 Uhr, in den Rathhaussaal (links) dahier eine General-Versammlung anberaumt ist, alsbald in den Gemeinden auf ortsübliche Weise unter Bekanntgabe der Tagesordnung zur Kenntniß der Arbeitgeber und Arbeitnehmer zu bringen.
J. I. Nr. 3318. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.
I. Am heutigen Vormittage dahier gestohlen: Ein Adler-Fahrrad, Pneumatik, Marke Nr. 17 mit der Fabriknummer 21813 und der Polizeinummer 1730, ohne Schutzblech, vernickelter Lenkstange mit Korkgriffen.
Die Werkzeugtasche von röthlichem Leder ist an der inneren Seite der Lenkstange angebracht.
Um Nachforschungen nach dem Fahrrad und dem unbekannten Thäter, Festnahme des Letzteren im Betretungs- falle und Nachricht anher wird ergebenst ersucht.
♦ *
*
II. Der am 15. Dezember 1855 zu Großauheim geborene Taglöhner Eduard Rumpf entzieht sich der Polizei-Aufsicht.
Um Mittheilung des gegenwärtigen Aufenthalts des Genannten wird ergebenst ersucht.
* *
♦
III. Das Ausschreibeu vom 16. April d. I., J. Nr. P. 3730/96, betreffend die vermißte, minderjährige Johanna Emilie Keller von hier ist erledigt.
Hanau, den 20. Juni 1896.
I. Nr. P. 7975/96. Königliche Polizei-Direktion.
Politische Nachrichten.
Berlin, 23. Juni.
Den neuesten Bestimmungen zufolge, verläßt Se. M a j e st ä t der K a i s e r mit Ihrer Majestät der Kaiserin am 29. d. Mts auf der kaiserlichen Pacht „Hohenzollern" Kiel. Beide Majestäten begeben sich nach Wilhelmshaven, wo auch Ihre Majestät die Kaiserin dem Stapellauf von „Ersatz Preußen" beiwohnen wird. Während Se. Majestät der Kaiser nach dem Stapellauf am 1. Juli die Nordlandreise antritt, kehrt Ihre Majestät die Kaiserin voraussichtlich auf kurze Zeit nach dem
gehen zu lassen; freilich klopfte ihr das Herz heftig bei dem Gedanken, wie Wilhelm sie wohl ansehen, was ihr erwidern werde, aber sie wankte nicht in ihrem Vorsatz. Ihr ganzes Glück, voraussichtlich auch das ihres Kindes, hing von ihrem augenblicklichen Muthe ab. Sie kleidete sich besser und sorgfältiger an, als gewöhnlich, ordnete den Theetisch so nett und zierlich wie möglich, sah nach, daß Wilhelms Bücher und Zeitungen an ihrem Platz ihm recht zur Hand lagen, und erwartete dann klopfenden Herzens den passenden Moment.
Der kam schneller als sie gedacht hatte. Rainer trank seinen Thee schweigend, wie er stets zu thun pflegte; dann nahm er die Zeitungen zur Hand, und als er zufällig einmal aufsah, fiel sein Blick gerade auf seine junge Frau.
Es war ein anmuthiges Bild, das seinen Augen begegnete. Christa hatte sich über die Wiege gebeugt, in der ihre kleine. Tochter lag, und lachte und flüsterte der Kleinen zu, wie eine Mutter es nur vermag, so glücklich, so wonnetrunken; es war ein reizendes Bild, und Wilhelm Rainers Herz erwärmte sich bei dessen Anblick. Er legte das Zeitungsblatt nieder, trat an ihre Seite und sah lächelnd auf das Kind herab.
„Unsere kleine Elfriede wächst zusehends," begann er nach einer Weile. „Jetzt sehe auch ich, daß sie die Rainerscheu Züge trägt, und seltsam, gleichzeitig auch finde ich, daß sie Dir ähnlich sieht."
Christa fuhr ein wenig zusammen bei dem Klang seiner Stimme, denn sie hatte nicht bemerkt, daß er dicht neben ihr stand.
Neuen Palais zurück. — Der Vizekönig Li - Hung - T s ch a n g schiffte sich gestern Nachmittag 3*/, Uhr auf dem Kreuzer „Gefion" ein, welcher alsbald in See ging. Gegen 5 Uhr begab sich der Vizekönig bei Holtenau an Bord der Stationsyacht „Farewell" und unternahm sodann eine Fahrt durch den Kanal bis zur Levensauer Hochbrücke. Auf der Rückfahrt stieg der Vizekönig in Knoop zu Wagen und fuhr nach Bellevue, wo ihm zu Ehren Abends ein Diner stattfand. Die Abreise des Vizekönigs nach Hamburg erfolgt heute früh 9»/, Uhr.
Se. Majestät der Kaiser verblieb gestern Nachmittag, wie aus Kiel gemeldet wird, auf der „Hohen- zollern." Ihre Majestät die Kaiserin besuchte gestern gegen Abend die Kieler Ausstellung und verweilte längere Zeit in der Landes-Kunst. und Frauenarbeit- Ausstellung.
Das Zuckersteuergesetz vom 27. Mai d. I., dessen Vorschriften über die Kontingentirung der Fabriken für das Betriebsjahr 1896/97, sowie über die Höhe der Steuer und des Zolles bekanntlich bereits seit dem Tage der Verkündigung des Gesetzes in Geltung stehen, wird im Uebrigen mit dem 1. August d. I. in Kraft treten. Nachdem die für die erstmalige Kontingentirung erforderlichen Maßnahmen vom Bundesrath schon unterm 11. b. Mts. beschlossen worden sind, wird nunmehr binnen Kurzem auch der Erlaß der weiteren Vollzugsvorschriften zu erwarten sein. Dieselben liegen, wie die „N. A. Z." schreibt, im Entwürfe vor und sollen noch im Laufe dieser Woche einer im Reichsschatzamt abzuhaltenden Konferenz von Sachverständigen, die den verschiedenen Zweigen der Zuckerindustrie angehören, zur Begutachtung unterbreitet werden. Nach dem Entwürfe sollen die bisherigen Ausführungsvorschriften nicht nur insofern eine Abänderung erfahren, als dies durch die Neuerungen des Gesetzes vom 27. v. M. bedingt wird — z. B. in Ansehung der Gewährung von Ausfuhrzuschüssen für zuckerhaltige Fabrikate —, sondern es ist beabsichtigt, auch den sonst in der Praxis hervorgetretenen berechtigten Wünschen der Interessenten Rechnung zu tragen. Die endgültige Feststellung der Ausführungsbestimmungen seitens des Bundesraths würde hiernach voraussichtlich in der ersten Hälfte des Monats Juli erfolgen.
Das B ö r s e n g e s e tz ist vom Kaiser unterzeichnet worden.
Seine königliche Hoheit der Großherzog von Baden hielt gestern bei Gelegenheit der Einweihung
„Ich bin sehr stolz auf meine Tochter," antwortete sie mit glücklichem Lächeln, „in meinen Augen ist sie das reizendste Geschöpf, welches je das Licht der Welt erblickt hat. Ich kann nicht finden, daß sie mir ähnlich sieht; ich bin sicher nie halb so schön gewesen."
„Ach Christa," entgegnete er, während er den Arm zärtlich um sie legte, „Du weißt es ja besser. In meinen Augen bist Du jederzeit die Schönste aller Schönen gewesen."
Sie schmiegte sich dicht an ihn und sah strahlenden Auges zu ihm auf.
„So pflegtest Du in der ersten Zeit unserer Ehe zu mir zu sprechen, Wilhelm, doch das ist lange her! Jetzt sehe ich gewiß ganz alt und ehrwürdig aus!"
„Du fischest nach Complimenten, kleine Frau."
„Nein, Wilhelm, Du irrst und weißt es. Aber sage mir" — und hier wurde Christa sehr ernst — „hast Du mich heute wirklich noch ebenso lieb wie damals?"
„Du willst schöne Redensarten hören, sage ich Dir, und ich will Dir den Willen thun," entgegnete Rainer lächelnd, während er seine Wange an das reizende, erglühte Antlitz drückte, das auf seiner Schulter ruhte. „Ich liebe Dich heute tausendmal mehr als damals, wo ich Dich fragte, ob Du die Meine werden wolltest; in meinen Augen bist Du weit reizender geworden."
Einige Augenblicke lang standen sie so in zärtlicher Umarmung; die ernste Innigkeit, die aus seinem Tone sprach, berührte ihre sensitive, leidenschaftliche Natur beinahe schmerzlich; dann drückte er einen warmen Kuß