Erscheint wöchentlich drei Mal Dienstag, Donnerstag und Sonnabend.
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ersselher Kreisblatt.
Gratisbeilagen: „Illustrirtes Sonntagrblatt" n. „3Kttstritte lan-wirthschaftliche Veilage^^.
«r. 70.
Iienftig Den 16. Kin
1896.
Amtliches.
Der Beginn des nächsten Kursus zur Ausbildung von Lehrschmiedemeistern an der Lehrschmiede in Charlotten- burg ist auf Montag den 29. Juni 1896 festgesetzt.
Anmeldungen sind an den Direktor des Instituts, Oberroßarzt a. D. B r a n d in Charlottenburg, Spreestraße 42, zu richten.
Berlin N. W„ am 20. Mai 1896.
Das Haupt-Direktorium des landwirthschaftlichen Provinzial-Vereins für die Mark Brandenburg und die Niederlausitz.
Im Austrage: Dr. Freiherr von C a n st e i n.
Cassel, den 23. Mai 1896.
Die von mir auf Grund der §§ 19 und 20 des Reichsviehseuchengesetzes und des § 1 des Preußischen m r , 12. März 1881 ... . „
AuSsuhrungSgesetzes vom 18 ^^94 fur ben Umfang des Regierungsbezirkes Cassel erlassenen polizeilichen Anordnungen vom 17. Dezember v. I. A. III. 11827, vom 13. Februar d. J. A. III. 1558 und vom 25. März d. I. A. III. 3026, betreffend die Untersuchung und Beobachtung der auf der Eisenbahn eingesührten Schweine und Wiederkäuer durch die Kreisthierärzte, finden fortan auf Wiederkäuer und Schweine aus allen verseuchten Nachbarbezirken Anwendung.
Welche Nachbarbezirke als verseucht gelten, werde ich monatlich bekannt geben.
Zur Zeit gelten als verseucht:
1. Preußen: die Regierungsbezirke Magdeburg, Merse- burg, Erfurt, Hannover, Hildesheim, Münster, Minden, Arnsberg, Wiesbaden.
2. Bayern: die Regierungsbezirke Oberbayern, Pfalz, Oberpfalz, Oberfranken, Mittelfranken, Unterfranken, Schwaben.
3. Württemberg: der Neckarkreis, Schwarzwaldkreis, Jagstkreis, Donaukreis.
4. Baden: die Landeskommissariate: Konstanz, Freiburg, Karlsruhe, Mannheim.
5. Hessen: die Provinzen Starkenburg, Rheinhessen, Oberheffen.
6. Sachsen-Weimar.
7. Braunschweig,
8. Sachsen-Meiningen.
Christine.
Erzählung von Zoe von Reuß. (Fortsetzung.)
Wie aber war dem schlauen, energischen, stolzen Bauern beizukommen? Es war schwer, fast unmöglich — alle Rachepläne, die dem Glasschleifer durch den Kopf gingen, erwiesen sich bei kalter Ueberlegung als unausführbar. Dazwischen packte ihn auch die alte Leidenschaft zu Christine, er mußte sie noch einmal sprechen, um jeden Preis. So wanderte er von leidenschaftlicher Liebe und gleichem Haß beseelt noch einmal den Weg nach Tienckenhof. Es zog ihn wie mit Ketten.
Der Eichenkamp war schon herbstlich durchsichtig, der Fuß schritt über raschelndes Laub, und zwischen den Bäumen hervor glänzte aus dem Hause das eben entzündete Licht gastlich herüber. Dort saßen sie alle um die Feuerstelle, der Bauer, der bucklige Gottfried, der immer so lustig war, trotz seines Makels und kargen Lohnes, und Christine, mit dem Fritzchen auf dem Schoße, nebst Hofhund und Hauskater. Der Haß des Elenden stieg noch bei dem Gedanken ... Da sieht er die Hausthüre sich öffnen und den Bauer heraustreten. Er ver- zieht noch einen Augenblick, als ob er sich noch einmal auf feinem Eigenthum mit Befriedigung umschaue, dann nimmt er den Weg durch den Eichenkamp, vermuthlich um den Abend drüben im Wirthshaus zu verbringen.
Carl Wachsmuth war hinter einen verbergenden Eichenstamm getreten, leise, damit ihn das raschelnde Laub nicht verrathe. Der Hausherr hatte sein Eigen
9. Sachsen-Coburg-Gotha.
10. Schwarzburg-Sondershausen.
11. Schwarzburg-Rudolfstadt.
12. Waldeck.
13. Reuß ältere Linie.
14. Reuß jüngere Linie.
15. Lippe.
An die Redaktion des
Amtsblattes hier. *
*
Hochgeboren
Abschrift lasse ich Ew. H^chwohlgeboren zur gefälligen Wohlgeboren
Kenntnißnahme und Beachtung ergebenst zugehen.
Der Regierungtz-Präsident.
Wirkt. Geheimer Ober-Regierungsrath Haussonville. An sämmtliche Königliche- Landräthe rc.
I. A. III. Nr. 2548.
* *
Hersseld, den 13. Juni 1896.
Wird den Herren Ortsvorständen des Kreises mit Bezug auf die Ausschreiben vom 7. Januar er. J. I. Nr. 84, Kreisblatt Nr. 6, 2. April er. J. I. Nr. 1993, Kreisblatt Nr. 27, zur Kenntnißnahme und Beachtung mitgetheilt.
I. 3193. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.
Gesunden: Eine Bindekette und eine Fliegenkappe. Meldung der Eigenthümer bei dem Ortsvorstand zu Kalkobes.
Nichtamtliches.
Der Einzug in Berlin.
16. Juni 1871.
Die Waffen ruhten; heim zogen, mit Lorbeer geschmückt, die deutschen Krieger in die jubelnde Heimath. Festesrauschen, flatternde schwarz-weiß-rothe Fahnen, mit Waldesgrün und Blumen geschmückte Feststraßen, jauchzende Volksmengen überall im jungen deutschen Reiche. Aber am glänzendsten gestaltete sich doch vor nun 25 Jahren der Einzug der preußischen Garde und der Deputationen des gesammten deutschen Heeres durch ba%
thum verlassen, und der Feigling — begann sich sofort als Herr der Lage zu fühlen.
Vielleicht erschien Christine noch einmal draußen; in solcher Erwartung schlich er sich bis an das Hofthor heran und lugte durch die Dämmerung bis nach dem Haufe hinüber — gerade in dem Augenblicke, als Gottfried mit Kadusch aus der Hausthüre trat, um, wie gewöhnlich, den Hund zur nächtlichen Wache an der Hundehütte anzuketten.
Das Thier witterte sofort den Feind und schlug ein wildes Gebell an — ängstlich zog sich der Glasschleifer zurück . . . Auch Gottfried trat wieder ins Haus, nachdem er ein paar Augenblicke gelauscht und dann den Hund beruhigt hatte. Nun wurde drinnen im Hause sicherlich bis zur Rückkehr des Hausherrn der Riegel vorgeschoben. Christine blieb für ihn verloren.
Dennoch wartete der Elende noch immer. Es war ihm, als ob er den Ort nicht verlassen könne, ohne seiner Rache Genüge gethan zu haben. Der Frieden, der ihn von dem stillen Gehöft anwehte, stachelte noch seinen Haß . . .
Da, plötzlich schlägt von seitwärts aus dem strohgedeckten, kleinern Kuhstalle lustiges Rindergebrüll an des Glasschleifers Ohr. Er stutzt, dann kommt es über ihn wie eine Eingebung der Hölle. Deutlich erinnert er sich, kürzlich gesprächsweise von dem Prachtexemplar eines Stiers gehört zu haben, den Claus Tiencken in seinem Stalle aufgezogen hat, und mit welchem er den Rittergutsbesitzern in einigen Wochen Konkurrenz machen will. Der Bauer rechnet mit Bestimmtheit auf einen
Brandenburger Thor in die neue Reichshauptstadt Berlin, und an der Spitze der 42 000 Mann des obersten Kriegsherrn, Kaiser Wilhelms. Auf dem Tempelhoser Felde hatte er die Einzugstruppen besichtigt, dann setzte sich der Zug in Bewegung durch die Belle-Alliancestraße zum Hallischen, durch die Königgrätzer Straße zum Brandenburger Thor. Auf dem Askanischen Platze tönten dem Kaiser aus 10 000 jugendlichen Schülerkehlen von einer Riesentribüne herunter der begeisterte Gesang der „Wacht am Rhein" entgegen.
Und dann ging es durch das herrlich geschmückte Brandenburger Thor; dicht vor dem Kaiser ritten die drei Paladine: Bismarck, Moltke, Roon; dem Kaiser folgten unmittelbar der Kronprinz, Prinz Friedrich Carl, dann die andern Prinzen und deutschen Fürsten, nun die Truppen, an ihrer Spitze die eroberten Feldzeichen. Die Musik tönte, die Glocken läuteten, das Volk begleitete den Zug n:; immer wieder erschallendem tausendstimmigen! Hurra- und Jubelgeschrei. Hier am Brandenburger Thor wurde dem Kaiser von einer Ehrenjungfrau ein Lorbeerkranz überreicht, aber kaum hatte er ihn in Empfang genommen, da fiel sein Auge auf eine Tribüne, die mit verwundeten Offizieren besetzt war. Da wandte er sein Roß dorthin und übergab den Braven, die für ihn und das Vureiaceno ihr Blut üergoifen hatten, mit huldvollen königlichen Worten Lorbeerkränze.
Und weiter ging der Zug die wahrhaft feenhaft ausgestatteten Linden entlang, deren schönsten Schmuck aber die eroberten feindlichen Geschütze bildeten, die längs der Straße aufgefahren waren. Am Blücherstandbild auf dem Opernplatze machte Kaiser Wilhelm Halt und ließ die Truppen an sich vorüberziehen; an ihm zogen auch vorüber, weithin im Winde flatternd und rauschend, die seidenen fünfundfünfzig eroberten französischen Fahnen, mit stürmischen Hurras von der Menge begrüßt. Dann ordnete sich alles im weiten Kreise um das noch verhüllte Denkmal König Friedrich Wilhelms III. im Lustgarten.
Die französischen Feldzeichen wurden am Fuße des Denkmals niedergelegt; die Hülle fiel, Kaiser Wilhelm salutierte, das edle, tief ergriffene Antlitz zu dem Standbilde seines Vaters hinaufwendend, mit gezogenem Degen, die prinzlichen Feldmarschälle begrüßten mit ihren Marschallsstäben das Bild des Großvaters; die Truppen präsentierten, die preußischen Fahnen senkten sich, die Trommeln wirbelten, die Musikchöre spielten: „Heil dir
Preis, den ersten, und die Leute zweifeln nicht, daß er ihn erhalten wird. Nun, dies wenigstens kann seine Rachsucht vereiteln, koste es, was es wolle.
* *
*
Nachdem der bucklige Gottfried an des Bauern Stelle das Haus verwahrt hatte, zündete er sich seine Tabakspfeife an einer Torfkohle an, schmauchte ein paarmal vergnüglich und sagte zu Christine, die das Fritzchen eben zu Bett gebracht hatt: „Läß mich deinen Brief noch einmal lesen, den Brief aus Amerika. Tina, willst?"
„Warum denn nicht, Friede? — Gern!"
„Ich glaube, ich Halts nicht aus ohne dich. Jetzt ists, wie im Himmel! Aber wenn du weg bist —"
„Rede nicht so dummes Zeug!"
„Wie du ist keine!"
Christine antwortete nicht und ging, den Brief aus der Truhe zu holen. Es blieb doch ein Wohlgefühl, so vermißt zu werden! Dennoch hielt sie es für besser für den buckligen Gottfried, wenn er blieb, wo er war. Alles was sie von Amerika gehört hatte, schien ihr ungeeignet für den Hilfsbedürftigen. Dachte sie doch selbst nur mit Herzeleid an das Verlassen der heimathlichen Erde.
Sie brächte den Brief und setzte sich dann zum Spinnrocken.^ Gottfried aber schmauchte, studierte und spuckte ins Feuer. Er überlegte anscheinend, ohne zu einem Entschluß kommen zu können. Es war todtenstill im Hause — wenn Christine das Spinnrad anhielt, hörte man die Heimchen in der Ofenwand zirpen. Selbst die von der Decke herabhängende Lampe schien schläfrig zu