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A. 68.
IomierftW ütn 11. Imi
1896.
Amtliches.
Fulda, den 6. Juni 1896.
Am 17. b. Mts. findet hierselbst Bullenmarkt und am 18. d. Mts. Vieh- und Schafmarkt statt.
Da nach amtlichen Mittheilungen in den Grenzgebieten des hiesigen Kreises die Maul- und Klauenseuche noch immer nicht erloschen ist, müssen auch für diese Märkte die bei den letzten Viehmärkten angeordneten Schutzmaßregeln zur Anwendung kommen.
Dem Königlichen Landrathsamt gebe ich hiervon mit dem Ersuchen Nachricht, entsprechende Bekanntmachung in dem dortigen amtlichen Blatte gefälligst erlassen zu wollen.
Der Königliche Landrath.
J. A.: Zoberbier, Negierungs Assessor.
An das Königl. Landrathsamt zu Hersfeld. J.-Nr. 1.6321.
* * *
Hersfeld, den 9. Juni 1896.
Wird veröffentlicht.
I. 3102. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz, Geheimer RegierungS-Rath.
Zugelaufen: Ein dunkelbrauner Dachshund, männ- ichen Geschlechts. Meldung des EigenthümerS bei dem Orttzvorstand zu Solms.
Politische Nachrichten.
Inland.
Berlin, 9. Juni.
Heute früh begab sich Se. Majestät der Kaiser gegen 61/» Uhr nach dem Bornstädter Felde zur Besich- igung des ersten und dritten Garde-Ulanen-Regiments. Beim Beginn der Besichtigung empfing er daselbst eine Abordnung des russischen St. Petersburger Leib-Garde- Regiments König Friedrich Wilhelm III., welche dem Kaiser die Glückwünsche des Regiments zu dem heutigen 25jährigen Jubiläum als Regiments-Chef darbrachte. (Es ist der heutige 9. Juni der 25. Jahrestag des Eintritts des Kaisers in das genannte Regiment.) Nach der Besichtigung nahm der Kaiser das Frühstück im Kreise der Offiziere des dritten Garde-Ulanen-Regiments ein
Christine.
Erzählung von Zo 8 von R e u ß.
(Fortsetzung.)
Eines Tages traf ein Brief von Christines Bruder in Amerika ein, der auf Aufforderung eines Oheims dorthin gegangen war. Der Oheim hatte eine Farm in Illinois, eine Tagereise von besten Hauptstadt Spring- fielt) entfernt.
Der Brief lautete:
„Liebe Schwester Christine, liebes Schwesterchen Antje!
Nach langer Zeit sende ich Euch wieder einmal einen ausführlichen Gruß über den großen Ocean hinüber. Ich bin nun bald zwei Jahre hier, und es ist auch nicht so übel, aber ein liebes Vaterland ist es doch nicht, wenn Illinois auch manche Aehnlichkeit mit Deutschland hat. Klagen will ich aber nicht, denn unser Herrgott hat es doch gut mit mir gemeint, daß er mich hierher geführt hat zum Bruder unserer lieben Mutter. Der Oheim hat ein saures Schaffen hinter sich, aber er hat, etwas vor sich gebracht, weil er zu denjenigen Deutschen gehört, welche dort noch in Wohlhabenheit zu leben verstehen, wo die Amerikaner und Engländer glauben, hungern zu müssen. Die Hauptbeschäftigung auf den mittlern hiesigen Farmen ist die Viehzucht, und wir Deutschen gelten hier als vortreffliche Viehpfleger, ebenso als gute Gärtner. Nach Ansicht der Amerikaner versteht jeder Deutsche den Gartenbau. Der Landbau wird eigentlich nur mit Maschinen betrieben.
Im Frühling zieht der Farmer weit ins Land hinaus
und kehrte Nachmittags nach dem Neuen Palais zurück, wo Abends eine größere Tafel zu Ehren der Anwesenheit des Kronprinzen von Italien, des Kronprinzen von Dänemark und des Prinzen Mehemet Ali stattfand.
Die Arbeiten der Reichstagskommission für das Bürgerliche Gesetzbuch sind jetzt soweit gediehen, daß der Bericht in wenigen Tagen dem Plenum zugehen kann. Es wird jetzt Sache der Abgeordneten sein, das große nationale Werk, die Frucht jahrelanger Arbeiten unserer ersten Gelehrten, Staatsmänner, National- ökonomen und Fachmänner, endlich zum Abschluß zu bringen. Unmöglich kann es die Aufgabe des Plenums des Reichstages sein, jeden einzelnen Paragraphen nochmals durchzuberathen. Es würde alsdann die Gefahr vorliegen, daß das nationale Werk scheiterte. Zwar wird das Gesetzbuch für jeden wohl die oder jene Anstöße enthalten; alle zu beseitigen, ist schlechterdings unmöglich; man würde nur sür den einen verbessern, indem man für den andern verschlechtert. Ein gewisses Opfer muß eben von jedem gebracht werden. Dann aber wird es zweifellos gelingen, das Werk in verhältnißmäßig kurzer Zeit zu vollenden. Daß diese Gelegenheit nicht unbenutzt vorübergeht, dürfen wir vom Patriotismus der Abgeordneten erwarten, denen es eine Ehrenpflicht sein sollte, die Session nicht eher wieder zu unterbrechen, als bis der Entwurf des Bürgerlichen Gesetzbuches auch in der dritten Lesung angenommen ist.
Das am Sonnabend in dritter Lesung vom Reichstage angenommene Börsengesetz tritt generell am 1. Januar 1897 in Kraft. Die Bestimmungen über das Börsenregister treten jedoch schon mit dem 1. November 1896 in Wirksamkeit, die Vorschriften über Zulassung von Aktien eines zur Aktien- oder Kommanditgesellschaft umgewandelten Unternehmens, von Antheilscheinen oder Obligationen ausländischer Erwerbsgesellschaften mit dem 1. Juli 1896. Die wichtigste Neuerung ist, daß der börsenmäßige Terminhandel in Getreide- und Mühlen- fabrikaten gänzlich untersagt ist. Unter den Straf- bestimmungen ist neu ausgenommen, daß, wer für Mittheilungen in der Preste, durch welche auf den Börsenpreis eingewirkt werden soll, Vortheile gewährt oder verspricht oder sich gewähren oder versprechen läßt, welche in auffälligem Mißverhältniß zu der Leistung stehen, mit Gefängniß bis zu einem Jahre und zugleich mit Geldstrafe bis zu fünftausend Mark bestraft wird. Die gleiche Strafe trifft denjenigen, der sich für die
und bearbeitet die meilenweiten Strecken mit Flug- und Säemaschinen. Das Abernten im Herbst geschieht gleichfalls mit Maschinen, ebenso das Ausdreschen auf dem Felde. Viele Farmer haben sogar Schienenstränge bis an ihre Mais- und Weizenäcker, auf denen der Erntesegen gleich an die großen Eisenbahnen und hierdurch an die Hafenplätze herangeführt wird. Das Vieh befindet sich fast während des ganzen Jahres im Fenz oder unter leichter Bedachung. Das Hornvieh kommt aber auch unsern schönen Friesen nicht gleich und wird hauptsächlich für den Hausbedarf gehalten. Das Borstenvieh aber füllt den Beutel mit Dollars!
Ich bin neulich mit dem Oheim in Chicago gewesen, wo der größte Schweinemarkt der Welt ist. Aus allen amerikanischen Provinzen kommt die überschüssige Waare hier auf den vielen Eisenbahnen zusammen, nachdem sie mit Maiskolben zu unglaublicher Größe herangemästet worden ist. Auch Oheim Christian hatte über hundert Borstenthiere an die große Firma Swift und Comp. abzuliefern; ich gelangte auf diese Weise auch in ein amerikanisches Schlachthaus, in dem 5000 Arbeiter an= gestellt waren. Die Gebäude waren ausgedehnter, als unser Heimathsdorf, und im Innern sehr sorgfältig eingerichtet. Auf schräg ansteigenden Gängen wurden die Thiere in ein oberes Stockwerk des Schlachthauses getrieben, damit sie und ihre Produkte nach dem Schlachten durch ihre eigene Schwere in andere, tiefergelegene Räume gleiten können. Nachdem die Thiere ausgeblutet sind, rollen sie, da sie an einer unter der Decke herlaufenden Rolle befestigt sind, weiter und fallen in einen
Unterlassung von Mittheilungen der bezeichneten Art Vortheile gewähren oder versprechen läßt. Der Versuch ist strafbar. Sind mildernde Umstände vorhanden, so kann ausschließlich auf die Geldstrafe erkannt werden.
Der Reichstag hat am Montage den deutsch- japanischen Handelsvertrag angenommen. Das Haus trat sodann in die dritte Lesung der Gewerbenovelle ein.
Am 8. und 9. September findet eine großartige Kavallerie-Aufklärungs-Uebung zwischen Bautzen und Görlitz statt. Dieselbe wird von der vom 6. Armeekorps einerseits und von der vom 12. Armeekorps anderseits aufgestellten Kavallerie-Division durchgeführt und vom Kaiser selbst geleitet werden. Erst darauf beginnen die Kaisermanöver, welche drei Tage dauern. ‘
Nach amtlichem Berichte aus Peking hat Unteroffizier Krause in Nanking bei einem Angriff, welchen alte Truppen auf neue wegen Benutzung des Exerzierplatzes unternahmen, eine nicht lebensgefährliche Stichwunde erhalten; im Uebrigen sind nur Chinesen verwundet worden. Trotz Proklamation des Generalgouverneurs und der getroffenen Schutzmaßregeln kam es am 4. d. M. zu einem neuen Zusammenstoß. Das Tsungli Aamen hat d-m deutschen Gesandten umgehende strenge Bestrafung -der Schuldigen zugesichert. Der Kommandant von S. M. S. „Prinzeß Wilhelm" wird Schutzmaßregeln des Generalgouverneurs, wenn nöthig, militärisch unterstützen.
Ausland.
In Barcelona in Spanien erfolgte am Sonntage eine Explosion in dem Augenblicke, wo eine Prozession, welche nach der Kirche Santa Maria zurück- kehrte, an der Straße Nueros Campios sich befand. Ge- tödtet wurden 6, verwundet find etwa 40 Personen. — Die zahlreichen ausländischen Anarchisten, welche namentlich in den Vorstädten wohnen, werden streng überwacht. Es ist dies binnen wenigen Jahren der dritte anarchistische Mordanschlag, der Barcelona in Schrecken setzt. Am 23. September 1893 verwundete bei einer Truppenschau die Bombe des Anarchisten Pallas den Marschall Martine; CampoS, und als Rachethat für die Hinrichtung des Attentäters war der furchtbare Mord im Liceo- theater zu betrachten, der 23 Personen das Leben kostete. Wie jener, so zeichnet sich auch der neueste Anschlag durch die abgefeimte Grausamkeit aus, mit der harmlose
großen Behälter mit kochendem Wasser, wo sie gebrüht werden. Sämmtliche Einrichtungen sind staunenswerth.
Auf Oheim Christians Farm betreiben wir hauptsächlich Hühnerzucht. Die Amerikaner sind praktische Leute und verstehen alle Vortheile einer Sache. Sie halten die Hühner, mit den Hähnen, ungefähr zu zwanzig Stück ganz abgesondert von einander, weil das Huhn kein Herdenthier ist und in der Herde verwildert. Zwanzig Hühner, die in der Familie leben, geben ebensoviel Eier als vierzig, die in der Herde leben. Auch werden die Hühner hier nicht morgens, sondern beim Sonnenuntergang gefüttert. Hierdurch werden sie auf den ausgedehnten amerikanischen Farmen besser zusammengehalten und sind morgens viel fleißiger im Aufsuchen von Insekten und Würmern, was doch wieder ein land- wirthschaftlicher Vortheil ist. Wir Deutschen können viel lernen von den klugen Amerikanern. In der Hauptsache ist es drüben in Deutschland aber doch tausendmal besser als hier, und ich fürchte, daß ich das Heimweh mein Lebtag nicht ganz los werde. Wenn ich jetzt daheim wäre, würde ich nun meinem Kaiser dienen müssen, und ich würde es gern thun, besonders seit ich weiß, welchen Respekt er auch im Auslande genießt. Wir Deutschen sind durch ihn und seine Vorfahren das angesehenste Volk jetzt in Amerika.
Nachdem ich Dir, liebe Schwester Christine, dies alles wahrheitsgetreu berichtet habe, wird es mir ordentlich schwer, dir auch des Oheims Bitte vorzutrage», die der eigentliche Grund meines langen Schreibebriefes ist. Onkel Christian wünscht sehr, daß auch Ihr, Du und