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ersselher meisblatt.
Gratisbeilagen: „Illnstrirter Sonntagsblatt" n. „Illnstrirte lan-wirthschaftliche Beilage".
Nr. 59.
Dienstag ütn 19. Mi
1891.
Amtliches.
Cassel, den 2. Mai 1896.
Nach einem Erlasse der Herren Minister der Finanzen und des Innern vom 17. v. Mts. ist in dem Verhält- nisse, daß die Steuerpflichtigen nach der Bekanntmachung vom 23. Juni 1817 und der Cirkular-Verfügung vom 7. Oktober 1851 (Ministerialblatt für die innere Verwaltung Seite 318) berechtigt sind, fällige Zinsscheine von Staatspapieren innerhalb der Verjährungsfrist auf zu entrichtende Abgaben, Gefälle und Pächte in Zahlung zu geben, durch die Uebertragung der Steuer-Erhebung auf die Gemeinden nichts geändert. Für die letzteren können durch die Annahme von Zinsscheinen Unzuträg- lichkeiten nicht entstehen, da sie diese nicht einzulösen brauchen, sondern sie als baar in natura an die Kreis- kassen abliefern können, während andererseits die Be- sugniß der Staatsgläubiger, die ihnen dem Staate gegenüber obliegenden Schuldverbindlichkeiten durch Hergabe staatlicher Zinsscheine zu lösen, nicht um deswillen beschränkt werden darf, daß die betreffenden Zahlungen durch die Gemeinden für den Staat erhoben werden.
Hochwohl Wohl
Euer
geboren wollen die betreffenden, mit
der Empfangnahme der Steuern beauftragten Behörden und Beamten mit entsprechender Anweisung versehen.
Der RegÄrungs-Präsident.
Wirkl. Geh. Ober-Reg.-Rath. Haussonville.
An die sämmtlichen Herren Landräthe, Ober-Bürgermeister und Bürgermeister der Städte des Bezirks. — I. A. IV. Nr. 2937.
* * *
Hersfeld, den 15. Mai 1896.
Wird den Herren Ortsvorständen des Kreises zur Bescheidung der Steuer-Erheber hierdurch mitgetheilt.
A. 1203. Der Königliche Landrath.
I. V.: H e e g.
Hersfeld, den 15. Mai 1896.
Diejenigen Herren Ortsvorstände, welche noch mit Erledigung der Verfügungen
1. vom 26. November 1876, Nr. 11906 (Kreisblatt Nr. 96) die zur Erfüllung der Militärpflicht heran- zuziehende Personen,
2. vom 24. September 1886, J. A. Nr. 134 (Kreis
Versöhnt.
Von Joachim Hardt. (Fortsetzung.)
In diesem Augenblicke öffnete sich die Thür. Jens stand auf der Schwelle. Betroffen sah er auf AgneS; sie nickte ihm flüchtig zu auf seinen Gruß und wandte den Blick nicht vom Meere.
„Ich wollte mal sehen, ob man auslaufen kann," sagte Jens zu dem Alren. „ES ginge wohl zur Noth, aber besser ist's, wenn der Doktor bei uns bleibt, bis es ewas ruhiger geworden ist!"
Martensen wußte, daß der Arzt am Morgen von Brenken gekommen war, um LarS Petersen zu besuchen. Er fragte daher: „Wie geht's deinem Vater?"
„Besser, der Doktor glaubt, daß er sich diesmal noch erholt! Sein Blick glitt fragend über das junge Mädchen.
„Sie wartet auf ihren Vater," erklärte der alte Mann. „Er ist heute früh allein zum Fischen ausgefahren. Wir halten schon lange Ausschau nach ihm!"
Jens erwiderte nichts. Er faßte Posten an der Thüre und spähte ebenfalls hinaus.
Alle drei blieben stumm. Aechzend und stöhnend flog der Sturm an dem Bootshause vorüber und peitschte pfeifend und zischend die erregten Wasserwogen; dumpf brausend trieb die Fluth über den Strand und wurde dann, von dem Sturm gepackt, wieder meerwärts gejagt. Es war ein großartiges, wunderbaares Schauspiel, schön, trotz des unheimlichen Grausens, welches der Gedanke an den Mann hervorrief, der sich allein draußen in
blatt Nr. 114) die Einreichung des Verzeichniffes über Hand- und spanndienstpflichtige Personen, betreffend, im Rückstände sind, werden mit Frist bis zum 20. d. M t S. hieran erinnert bei Meidung von 3 Mark Strafe.
Der Königliche Landrath. _________________________________I. V.: Heeg.
Gefunden: eine Bindekette. Meldung des Eigen- thümers bei dem Ortsvorstand zu Beiershausen.
Nichtamtliches.
Das Zuckersteuergesetz
ist vom Reichstage am Freitag bereits definitiv angenommen worden. Der ursprünglich gefaßte Beschluß des Seniorenkonvents, die dritte Lesung erst nach Pfingsten vorzunehmen, ist fallen gelassen worden. Der Reichstag hat sich vielmehr ungemein beeilt, dieses Gesetz, nachdem ihm eine feste Majorität gestiert war, möglichst schnell unter Dach zu bringen, und deshalb der erst am Mittwoch beendeten zweiten Lesung gleich in der nächsten Sitzung die dritte Berathung folgen lassen. Nach seinen Hauptbestimmungen wird also fortan eine neue Betrieos- steuer als Zuschlag zur Zuckersteuer Platz greifen und zwar in Höhe von 10 Pfennigen pro 100 Kilogramm bei einer Produktion unter 40 000 Doppelcentner und um 21/., Pfennig steigend für jede weiteren 10000 Doppelcentner Rohzucker. Die Regierung hatte bei einer Rohzuckererzeugung bis zu 5000 Doppelcentner 0,05 Mk. und um 0,05 Mk. steigend für jede weitere 5000 Doppelcentner vorgeschlagen. Die von der Regierung befürworteten Ausfuhrzuschüsse in Höhe von 4, bezw. 5,25 und 4,60 Mk. für 100 Kilogramm sind vom Reichstag auf 2,50 Mk. für rohen Zucker von 90—98 Proz. Zuckergehalt, auf 3,55 Mk. für raffinierten Zucker von 99 ‘/.j Proz. Zuckergehalt und auf 3 Mk. für alle übrigen Zucker von mindestens 98 Proz. festgesetzt worden. Die Verbrauchsabgabe, welche nach der Regierung 24 Mk. betragen sollte und in der zweiten Lesung auf 21 Mk. normiert wurde, ist in der dritten Lesung definitiv auf 20 Mk. herabgesetzt worden. Gegenwärtig beträgt sie 18 Mk. Die von den Fabriken im ganzen herzustellende Zuckermenge (Kontingent), welche nach der Vorlage 14 Millionen Doppelcentner betragen sollte, ist auf 17
diesem tosenden Kampfe der Elemente befand. Jens hatte ein Fernglas aus der Tasche gezogen und suchte damit den Horizont ab.
„Ein Boot!" rief er jetzt und reichte sein Glas dem alten Manne, der hastig die Hand darnach ausgestreckt hatte.
Mit einem heftigen Ruck war Agnes in die Höhe gefahren, aber noch konnte sie nichts von einem Boote entdecken.
Bittend sah sie hinüber zu Jens. Er verstand ihren Blick und reichte ihr das Fernglas. Erst nach einer Weile fand sie sich damit zurecht und gewahrte ebenfalls das Boot — das heißt, bis jetzt war es ein schwarzer Fleck, der faßt zu stehen schien. Sie ließ die Hand sinken und Jens nahm seine Beobachtung wieder auf.
„Es kommt näher, aber nur sehr wenig," sagte er nach einer Weile.
Das Boot draußen befand sich in einer bösen Lage. Auf die Dauer konnte ein Mann, obgleich die Fluth mit ihm war, gegen diesen Sturm nicht ankämpfen und sich treiben lassen, war sicheres Verderben.
Jetzt holte Jens seinen Kompaß hervor, betrachtete bald ihn, bald das Boot aufmerksam und wechselte einige leise Worte mit Martensen. Dieser nickte beistimmend, ging in den Hinterraum und kam nach einer Weile mit seinem Oelzeug wieder. Gutmüthig klopfte er mit der braunen, harten Hand auf Agnes Schulter und sagte: „Lauf mal schnell zu eurem Nachbar und frag an, ob er mitkommt. Jens und ich wollen sehen, ob mir deinen
Millionen Doppelcentner bemessen worden, Der über das Kontingent hinaus hergestellte Zucker hat einen Zuschlag von der Höhe der Ausfuhrprämie zu entrichten. Der aus Melasse gewonnene Zucker sollte nach den Kommissionsbeschlüssen eine Abgabe von der Höhe der Hälfte des Ausfuhrzuschusses entrichten. Diese Bestimmung wurde wieder gestrichen. Zur Erleichterung der Errichtung neuer Fabriken, welche ausschließlich Melasse entzückern, kann der Gesammtkontingent nach Bestimmung des Bundesraths bis um 2 Proz., also etwa um 340000 Doppelcentner, erhöht werden. Der Eingangszoll für Zucker in fester und flüssiger Gestalt und Honig (auch künstlichen) beträgt 45 Mk. für 100 Kilogramm. Einstimmig wurde eine Resolution des Abg. Pichler angenommen, wonach die verbündeten Regierungen ersucht werden, mit aller Energie auf eine Beseitigung der Ausfuhrvergütungen für Zucker durch internationale Vereinbarungen hinzuwirken. Das Gesetz tritt bezüglich der Vorschriften über b » erstmalige Kontingentierung der Fabriken, über den Eingangszoll und die Zuckersteuer mit dem Tage seiner Verkündigung, im übrigen mit dem 1. August 1896 in Kraft.
PglitffHr Nachrichten.
Inland.
Berlin, 16. Mai.
Der Kaiser, welcher gestern früh bereits um 4 Uhr in Primkenau zur Rehbockpürsche aufbrach, erlegte auf derselben abermals acht Rehböcke, Bei strömendem Regen trat derselbe abends die Reise nach Prökelwitz an, traf daselbst heute früh ein und begab sich unmittelbar nach der Ankunft zur Pürsche in die dortige Forst.
Prinz Heinrich von Preußen ist heute Nachmittag, von Kiel kommend, in Berlin eingetroffen und nahm im hiesigen Königlichen Schlosse später mit seinem Gefolge das Diner ein. Um 7 Uhr 15 Min. Abends setzte der Prinz von hier aus die Reise nach Moskau fort.
In der Presse ist wiederholt die Frage erörtert worden, ob der Kaiser in diesem Jahre zu den Regatten nach Cowes fahren würde oder nicht. Wie eine Hofnachricht meldet, kann von einer solchen Reise schon deshalb keine Rede sein, weil sie überhaupt nicht geplant war.
Daß der Bundesrath dem Beschluß des Reichstages, betreffend das Verbot des Terminhandels in
Vater vielleicht hereinholen können; allein schafft er's nicht!"
Eine heiße Gluth schoß über das Gesicht des jungen Mädchens. Einen Augenblick stand sie wie versteinert, heiße Thränen stiegen in ihre Augen.
„Sie — Sie wollten das thun?" kam es mühsam über ihre Lippen.
„Nun natürlich, dabei ist doch nichts," sagte Jens.
„Lauf schnell," mahnte Martensen.
Tiefathmend blieb Agnes einen Augenblick stehen, ohne sich vom Fleck zu rühren; ihr Gesicht war wieder bleich und ruhig.
„Ich komme mit," erklärte sie entschlossen.
„Aber" —
„Kind, heute ist's keine Spielerei!"
Zu gleicher Zeit ertönten diese Einwendungen.
„Eben darum," war die kurze Antwort. Schnell schritt Agnes voraus nach dem Strande und schleppte einige große Steine herbei.
Während die beiden Männer das Boot ins Wasser zogen, flüsterte Martensen: „Sie kann's; brauchst dir keine Sorge zu machen, ihre Hand ist fest und sicher!"
Noch waren keine zehn Minuten vorüber, da schoß das Boot hinaus in die schäumende Wasserfluth. Wie weißer Schneeregen stob die Gischt über die drei unerschrockenen Menschen hin. Martensen hatte nicht zu viel versprochen. Die Hand des jungen Mädchens war fest und sicher und ohne auch nur mit einer Wimper zu zucken, sah sie hinaus in die brandenden, fluchenden Wasser.