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HerWer SreiÄt
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Nr. 58.
Sonnaitnö Den 16. Mai
1816.
Amtliches.
Hersfeld, den 13. Mai 1896.
Im Anschlüsse an mein Ausschreiben vom 18. April d. I. J. I. Nr. 2229, Kreisblatt Nr. 48, wird hierdurch weiter bekannt gemacht, daß je ein Bulle
1. des Herrn Gutsbesitzers Scheffer zu Engelbach, 2 Jahre alt, Simmenthaler Kreuzung und roth- schäckig, sowie
2. des Herrn Bürgermeisters Göbel zu Kruspis, l3/4 Jahre alt, Simmenthaler Kreuzung und rothschäckig, welche beide aus triftigen Gründen in dem s. Zt. abgehaltenen KörungStermin nicht vorgeführt werden konnten, am 7. d. MtS. nachgekört und hierbei zur Nachzucht für „tauglich" befunden worden find.
J. I. Nr. 2691/92. Der Königliche Landrath.
I. V.: H e e g.
Politische Nachrichten.
Inland.
Berlin, 14. Mai.
Se. Majestät der Kaiser traf am Mittwoch Vormittag 9 Uhr 10 Min. mittels Sonderzuges auf Station Wildpark ein und wurde von Ihrer Majestät der Kaiserin am Kaiserpavillon empfangen. Ihre Majestäten begaben Sich sodann nach dem Neuen Palais und von dort um 10 Uhr 17 Min. in Begleitung der Herzogin Friedrich Ferdinand von Schleswig-Holstein- Sonderburg-Glücksburg mittelst Hofsonderzuges nach Primkenau.
Die Kaiserin hat dem Herzog von Ujest, welcher im Kriegsjahre 1870/71 zum Stellvertreter des Königlichen Kommissars und Militär-Inspekteurs für die freiwillige Krankenpflege im Inlands berufen war, ein auf jene Thätigkeit sowie auf die Gedenkfeier vom 8. Mai bezügliches Erinnerungsblatt übersandt. Dasselbe trägt die von Ihrer Majestät unterzeichneten Worte: „In dankbarer Erinnerung Ihrer hervorragenden Verdienste 1870/71."
Der Bundesrath hat am Mittwoch in seiner Sitzung den Gesetzentwürfen wegen Feststellung eines Nachtrags zum Reichshaushaltsetat für 1896/97, wegen Feststellung eines Nachtrags zum Haushaltsetat für die
Versöhnt.
Von Joachim Hardt.
(Fortsetzung.)
„Ich meine, daß es eine Sünde ist, wenn man sich mit Willen von der Kirche fernhält und Gottes Wort verachtet!" sagte die Tante tranrig. Die Gleichgültigkeit des jungen Mädchens that ihr weh. „Dein Vater ist auch wie ein Heide! Fährt am hellen Sonntagmorgen zum Fischen hinaus! Das kann nicht gnt thun!"
„Meinetwegen, ich komme mit," entschied Agnes. Daß ihr Vater den Sonntag nicht heilig hielt, gefiel ihr auch nicht. Noch war nicht alle Gottesfurcht aus ihrem Herzen geschwunden und sie empfand zuweilen ein seltsames Verlangen, welches weit über das begehrliche Wünschen hinaus- ging, das der Vater in ihr großgezogen hatte. Die letzte Zeit lag schwer auf ihrem Gemüthe. Die ruhige Darlegung der Verhältnisse, welche Jens ihr gegeben, hatte tausend widerstrebende Gefühle in ihr wachgerufen. Die Frage, wer im Rechte sei, er oder der Vater, peinigte sie unaufhörlich. Zum ersten Mal waren Zweifel in ihr aufgestiegen, zum ersten Mal trat ihr die Möglichkeit nahe, daß ihres Vaters Zorn und Haß nicht berechtigt sein könnten. Das empfand sie als bittern Schmerz. Auch warf sich ihr ganz unversehens manchmal die Frage auf: Was denkt Jens wohl von deinem Vater und dir? Und sie sagte sich selbst: Jedenfalls nichts Gutes. Wie wäre es and) möglich gewesen, — indessen, daran lag nichts; was die Petersens von ihr und dein Vater dachten, konnte ihr einerlei sein. —
Jens hatte keinen Versuch mehr gemacht, mit ihr zu
Schutzgebiete für 1896/97, sowie wegen Aufnahme einer Anleihe für Zwecke des Reichsheeres und des Auswärtigen Amts, sowie der Reichspost- und Telegraphen-Ver- waltung die Zustimmung ertheilt.
In Regierungskreisen hält man daran fest, daß der Entwurf über das bürgerliche Gesetzbuch noch in dieser Tagung zustande kommen möge. Wenn von anderer Seite von einer Durchpeitschung der Vorlage gesprochen und eine gründliche Durchberathung der einzelnen Paragraphen verlangt wird, so widerspricht dies der wirklichen Sachlage. Ein Entwurf, der aus Tausenden von Paragraphen besteht, kann überhaupt nicht von einer Versammlung von 397 Köpfen gründlich paragraphenweis durchberathen werden. Seit 20 Jahren haben nicht bloß die tüchtigsten Juristen, sondern auch Fachleute mit allem Fleiße an dem Entwurf gearbeitet, und auch die Kommission des Reichstages hat eingehende Berathungen gepflogen. Es ist daher zu erwarten, daß der Reichstag das große nationale Werk nicht auf die lange Bank schieben wird.
Der Reichstag hat bei der zweiten Berathung des Zuckersteuer-Gesetzentwurfs die Prämie auf 2,50 Mk. festgesetzt und die besondere Melassesteuer abgelehnt.
Bei der Berathung einer von freikonservativer Seite eingebrachten Interpellation im preußischen Abgeordnetenhause erklärte der Kultusminister, daß die Regierung an dem Ziele festhalte, den Volksschul- lehrern zu einem, wenn auch bescheidenen, so doch auskömmlichen und gesicherten, nach Maßgabe des Dienftalters entsprechend zu steigernden Einkommen zu verhelfen. Sie werde dem Landtage bei seinem nächsten Zusammentritt sofort eine entsprechende Vorlage machen.
Die Reichstags!» m mission für das bürgerliche Gesetzbuch hat vom IV. Buche, betreffend das Familienrecht, den 6. Theil (eheliches Güterrecht) nach der Regierungsvorlage angenommen.
Die in den Orten Tilsit, Thorn, Jnowrazlaw, Berlin, Ruhrort, Duisburg, Elbing, Rosenheim, Leipzig, Frei- burg, Elsfleth, Bremen, Vegesack und Hamburg bestehenden gemischten Transitläger sind nach einem Beschluß des Bundesraths vom heutigen Tage nicht mehr zu gestatten und werden mit dem Ablauf des Monats September d. I. aufgehoben werden. Die in den Tran- fitlägern vorhandenen Bestände an ausländischem Getreide müssen bis zum 1. November d. J. entweder unter Zollkontrolle in das Zollausland ausgeführt oder auf eine
sprechen. Sie sah ihn auch nur selten. Die Krankheit seines Vaters hielt ihn meist an das Haus gefesselt. Es ärgerte sie sehr, daß überall, wo sie hinkam, von Jens Petersen gesprochen wurde. Man rühmte sein Aussehen, wiederholte seine Worte und sprach darüber, wie gilt er seinen Vater pflege, Tag und Nacht sei er um ihn, keine Mühe sei ihm zu groß, wenn er ihm eine Erleichterung verschaffen könne: auch der Wirthschaft auf dem großen Bauernhöfe nehme er sich so verständig an, — kurz, Lob und immer wieder Lob.
„Ich mag es garnicht mehr mit anhören," sagte Agnes ungeduldig, als die Tante auf dem Weg zur Kirche ebenfalls von Jens zu sprechen anfing.
Der Kirchweg führte zwischen Wiesen eine kleine Anhöhe hinan. Von allen Seiten kamen die Leute herbei. Einige Nachbarn schloffen sich den beiden Frauen an. Obgleich es noch früh am Tage war, bräunte die Sonne, und die Luft drückte schwer und schwül auf Meer und Land.
„'s wird wohl ein Gewitter geben," meinte der alte Martensen und wischte sich den Schweiß von der Stirn. „Hab' dich lange nicht gesehen, Agnes. Brav, daß du auch mal wieder in die Kirche gehst. Wirst es auch noch finden, daß wir den alten Herrgott doch brauchen in unserm armen Leben!"
Ueber diese Rede mußte Agnes sich wieder ärgern; was ging es den alten Mann an, ob sie in die Kirche ging oder nicht! Sie mochte ihn sonst sehr gut leiden; aber es war ihr unbequem, daß er immer wie die Tante Frömmigkeit predigte, als ob sie das sündhafteste, gottloseste Geschöpf unter der Sonne sei.
öffentliche Niederlage, ein Transitlager unter amtlichem Mitverschluß, ein anderes reines oder gemischtes Lager gebracht, oder aber in den freien Verkehr^übergeführt werden.
In einer der nächsten Sitzungen des preußischen Abgeordnetenhauses wird der Antrag auf Vorlegung eines Gesetzentwurfs über die Medizinalreform wieder verhandelt werden. Die Budgetkommission, der er zur Vorberathung überwiesen war, beantragt, den Antrag abzulehnen und die Staatsregierung zu ersuchen, dem Landtage möglichst bald einen Gesetzentwurf vorzu- legen, der eine den jetzigen Ansprüchen der Gesundheitspflege entsprechende Reorganisation der Medizinalbehörden in allen Instanzen herbeiführt.
Auf der evangelischen Kreissynode Berlin-Köln-Stadt hat Geh. Regierungsrath Steinhaufen erklärt, daß alle Aussicht vorhanden sei, daß die 1 ex Heinze, die im vorigen Jahre nur durch Verquickung mit dem Umsturzgesetze gescheitert sei, wieder eingebracht werde.
Ausland.
Nach dem endgültigen Ergebniß der französischen Gemeinderathswahlen haben in 234 von 351 Arrondissements-Hauptstädten die Republikaner, in 85 die Radikalen oder Socialisten, in 20 die Konservativen die Mehrheit; in 12 Hauptorten ist die Mehrheit zweifelhaft.
Von zuständiger Seite wird gemeldet, auf Ersuchen der Regierung der Vereinigten Staaten werde die spanische Regierung die Vollziehung der Todesurtheile der an Bord des „Competidor" festgenommenen Amerikaner verschieben, bis die Ansichten der Unions- regierung erwogen werden könnten.
Nach einer Meldung der „Times" aus Singapore vom 12. d. M. wurden in Hongkong der Kapitän und der Schiffsarzt des deutschen Postdampfers „H o h e n z o l l e r n" zu drei Monaten Zwangsarbeit verurtheilt, weil sie mit einem photographischen Apparat die Forts besucht hatten. Gegen das Urtheil ist Berufung angemeldet und für die Verurtheilten Bürgschaft gestellt worden. Die öffentliche Meinung erklärt sich gegen den Urtheilsspruch.
Nach Meldungen aus Shanghai wurde die englische protestantische Missions-Station Kainaggin angegriffen. Das Gebäude ist verbrannt. Die Missionare sind gerettet.
Nach der „Tribuna" hat in Massaua das Militair-
Sie freute sich, als das Gotteshaus endlich erreicht war; beruhigend legte sich die dämmrige Kühle um ihren heißen Kopf. Das Orgelspiel und der feierliche Gesang thaten ihr wohl, die unruhigen bösen Gedanken wurden füll in ihr; sie nahm sich vor, auf die Predigt Acht zu geben und wollte sich bemühen, klar darüber zu werden, ob man Gott wirklich so nothwendig zn dem armen Leben brauche, oder ob mau ihn doch ganz gnt entbehren könne, wie ihr Vater meinte.
Der Pfarrer hatte den Text gewählt: „Ich weiß, daß mein Erlöser lebt" und „Er wird mid) hernach aus der Erde auferwecken, und ich werde in meinem Fleisch Gott sehen."
Aufmerksamer als gewöhnlich folgte Agnes der Predigt, und bald waren ihre Gedanken so völlig bei den Worten des alten Pfarrers, daß sie alles um sich umher vergaß. Ja, sie fühlte zum ersten Mal, daß auch sie einen Erlöser braute, und diese felsenfeste, unerschütterliche Gewißheit: „Ich weiß, daß mein Erlöser lebt," die ihrem leeren, armen Herzen gegenüberstand, machte ihr einen seltsamen, gewaltigen Eindruck.
Ein heftiger Schreck durchfuhr sie, als ein furchtbarer Donnerschlag plötzlich die Luft durchzitterte. Sie hatte nicht benterft, daß es immer dunkler und dunkler geworden war; jetzt erst gewahrte sie, daß ein schweres Wetter am Himmel stand. Laut erhob sich der Wind, unter dessen Anprall die Fenster der Kirche klirrend erzitterten. Kaum konnte man die Worte des Gebetes vom Altar her vernehmen.
Nach Beendigung des Gottesdienstes eilten alle so schnell als möglich heim. Noch regnete es nicht, die Luft war